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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

0:3! Was war das denn bitte?

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Jogi, müssen wir uns jetzt Sorgen machen? Die ganze Qualifikation mit einer derartigen Konsequenz durchgezogen, das wir uns im Rekordtempo für die EM 2008 qualifizieren konnte, ein torloses Unentschieden im vorhergehenden Spiel reichte dazu. Und nun hattet ihr keine Lust mehr.


Auf dieses Ticket war ich unheimlich stolz

Der Ausflug nach München, der mich eine Woche Urlaub, viel Geld und monatelange Vorfreude „gekostet“ hat, was ich aber gern geopfert bzw. aufgebracht hab, wurde während des Spiels zur Katastrophe. Eine 0:3-Heimklatsche ist nun wirklich nicht das gewesen, was ich mir vorgestellt habe. Und die 62.000 anderen Fans im Stadion auch nicht.


Bei der Hymne war die Welt noch in Ordnung

Wie immer bei Länderspielreisen in die Stadien Deutschlands beginne ich meinen Blogartikel zum Spiel auch wirklich mit dem Spiel. Wer den Artikel zum Urlaub lesen möchte, wird sich noch etwas gedulden müssen.

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Anders als in Köln war der Treffpunkt für das Tooor.de-Fantreffen nicht direkt vorm Stadion, sondern direkt in der Innenstadt, im Herzen von München, im Augustiner Restaurant in der Fußgängerzone. Somit war noch ein Stückchen Weg zum Stadion zu absolvieren. Und auch dieser wurde schon zum Erlebnis, denn in der vollen U-Bahn Richtung Allianz Arena München saßen Julia und Ich neben 2 jungen Männern, die jetzt schon hackedicht waren. Wir amüsierten uns köstlich, die beiden sangen und beschnasselten die anderen Fahrgäste, was teilweise schon ziemlich lustig war.

Ich freute mich noch mehr auf dieses Spiel als auf das vorherige, würden wir dieses Prestigeduell der Tabellenführung in Gruppe D gewinnen, würde uns nichts mehr aufhalten können. Qualifiziert waren wir ja schon, aber den Platz an der Spitze (von 2) mussten wir uns erst noch erarbeiten. Tschechien. Im Hinspiel gelang uns eine Riesenparty mit riesen Stimmung auswärts in Prag. Ich wäre so gern dabei gewesen, aber ich kannte Tooor.de noch nicht, damit verbunden die Mittel und Wege, leicht an Tickets zu kommen, zudem hatte meine beste Freundin Julia (eine andere!) einen Bandauftritt, das konnte ich ja nicht tun. Und trotzdem bereue ich nichts.

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Das RheinEnergieStadion in Köln und die HSH Nordbank Arena in Hamburg sah ich zum ersten Mal bei Tageslicht, noch reichlich Zeit, um meine Fotos zu machen. Da aber das Fantreffen bis kurz vor dem Spiel andauerte, blieb dazu wenig Zeit. Und wie das nunmal so ist: PANIK! Werde ich zu spät am Stadion sein? Meine wachsende Unruhe blieb vermutlich auch den anderen nicht verborgen. Wir wollten zusammen (ca. 10 Leute in der Gruppe) zum Stadion pilgern. Natürlich verlor man sich sofort an der U-Bahn-Station, aber bei Julia hatte ich mich gleich eingehakelt, viel zu hilflos wäre ich ohne eine führende Hand – und das auch noch kurz vor Torschluss, sozusagen.

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Die Mannschaftsaufstellung

Die U-Bahn-Haltestelle war wahnsinnig voll, in einem Menschenstrom wurden wir in Richtung Stadion mitgerissen, ich bekam jetzt schon eine Gänsehaut. Und dann erblickte ich sie schon nach wenigen Schritten: Die Allianz Arena, laut Kaiser Franz Beckenbauer die „Geburtsstätte dieser Mannschaft“, hier fand das Eröffnungsspiel zur WM 2006 statt. Ich hatte riesen Zeitdruck, ich es war schon 10 Minuten vor Anpfiff und ich wollte ja auch die Choreographie und die Hymne mitmachen. Grund zur Panik? Ja, allerdings, denn Julia verabschiedete sich, sie saß nämlich im Nordblock, ich im Südblock.

Ich hatte gehofft, ich könnte Hannes, der mir in Köln schon eine superliebe Begeitung war, vor dem Stadion aufgabeln. Das erwies sich allerdings als unmöglich, zu voll war es. Also suchte ich alleine meinen Block 112 und tippelte in meine Reihe 20 auf meinen Platz 3. Hannes war noch nicht da, gab mir aber per SMS zu wissen, das er gleich da ist. An meinem Platz angekommen, erspäte ich etwas, was ich sehr wohl schon vom letzten Mal kannte. Mein Grinsen reichte von einem zu andren Ohr. Eine eingerollte gelbe Papprolle. Innerlich hüpfte ich.

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Einlauf, Choreo und Hymne – live im TV

Womit kann man sich als gerne schreiender Fußballfan mit peinlicher Quietschestimme am Besten profilieren? Natürlich mit einem Video der Mannschaftsaufstellung. Mit den teilweise mit einer erschreckend blöden Stimmlage gebrüllten Mannschaftsaufstellungen aus Köln und Hamburg im Hinterkopf, knipste ich wieder meine Kamera an, richtete sie gen Leinwand und tat, was das Zeug hält. Namen ablesen? Ich doch nicht! Ich kenn sie alle. Und begrüßte sie alle herzlich mit allem, was die Lungen hergaben. Mit – wieder einmal – entsprechend quietschstimmigen Videoresultat. Aber was solls.

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Dann kam auch endlich Hannes an, er hatte einen Kumpel dabei, der mir total bekannt vorkam, und dessen Freunde, die nun links neben mir und Hannes standen. Wieder einmal Singing Area, wieder einmal würde ich so laut Schreien wie es nur möglich ist – und das ist leider noch nicht besonders laut. Da muss ich noch üben. Ich kam übrigens gerade rechtzeitig zur Ehrung des Fußballers des Jahres: Mario Gomez. Wer meinen Blog liest, der weiß ja Bescheid, nech. Ist ja mein Liebling. Diese Ehrung war eigentlich schon zum Länderspiel in Köln geplant, worauf ich mich geradezu theathralisch freute, aber er ist gar nicht erst mit nach Köln gereist. Dies wurde nun nachgeholt. Unglücklicherweise zu einem Zeitpunkt, wo er den Tiefpunkt seiner Karriere durchlebt.

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Der Moment der Choreographie war gekommen und ich fühlte es wieder. Ich fühlte wieder, wie die gute Laune und die Freude mich geradezu durchströmte. Für diesen großartigen Moment bin ich 450 Kilometer gereist und zu dem Zeitpunkt dachte ich auch, das sich jede einzelne Sekunde davon lohnen würde. Die Einmarschmusik ertönte, die Mannschaften betraten durch den Spielertunnel das Spielfeld und es war an der Zeit, die Papprollen über den Köpfen auszubreiten. Die Instruktionen auf den Zetteln, die auf den Sitzplätzen auf der Südtribüne klebten, hatte ich natürlich schon längst verinnerlicht. Vor mir standen 3 ziemlich große Kerle, die ebenso hoch ihre farbige Pappe in die erstaunlich angenehm temperierte Münchener Luft hielten. Damit verdeckten sie mir die Sicht auf den Monitor: Wie siehts aus? Gesehen hab ich kein bisschen, dafür hatte Hannes mit der Leinwand seinen Spaß. Die Fotos, die ich davon gesehen habe, sind durchaus eindrucksvoll. Für solche Momente bin ich geboren worden.

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Während wie üblich die Überreste der Choreographie in Knüllchen zerknüllt nach vorne flogen, machte ich von der amüsanten Prozedur ein Video. Bis es KLONG machte und man auch heute noch auf dem Video ein lautes „Au!“ hört. Ein fetter Papierklumpen traf mich direkt am rechten Ohr, das hat gezwiebelt ohne Ende. Egal, wieder umgedreht und nach vorne aufs Spielfeld gesehen. Die letzten Klänge der tschechischen Nationalhymne hallten durch den Hexenkessel. Gleich war es soweit.

Wie schon in Köln legte Hannes wie selbstverständlich seinen Arm um mich, ich hielt mit der rechten Hand die Kamera, die linke platzierte ich dort, wo meine Jungs ohnehin schon zu finden sind: mein Herz. Die Gänsehaut, die ich beim Singen dieser Nationalhymne bekam, werde ich wohl meinen Lebtag nie wieder vergessen. Es erschien mir unglaublich laut, es hallte durch die Tribünen und ich dachte einfach nur: „Geil.“ – so primitiv das auch sein mag. Ich dachte wirklich, nichts könnte schief gehen.

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Das Trillerpfeifchen des Schiedsrichters aus England hallte durchs Stadion, ich vermisste allerdings die „Jetzt gehts los!“-Chöre. Es würde trotzdem gut gehen, dachte ich. Das dachte ich allerdings nicht lang. Die kalte Dusche kam schon in der 2. Minute. Das Tor für die Tschechen fiel. Wer das war, kann ich nicht sagen, ich habe mir noch nicht einmal die Videoaufzeichnung des Spiels angesehen und kann daher nur das beurteilen, was ich mit meinen eignen Augen auf dem Spielfeld gesehen habe. Aber schon gut, keine Panik, in Köln gerieten wir auch mit 0:1 in Rückstand und wie wir alle wissen, gewannen wir das Spiel letztenendes dann trotzdem mit 3:1. Es war noch vieeel Zeit.

Stimmunstechnisch ließ es aber so einiges vermissen. Sollte hier nicht eine richtige Party abgehen? So sah das mein Plan zumindest vor. Ich geriet jede Minute mehr ins Grübeln. Ein paar vereinzelte, aber dann doch relativ hilflose „Deutschlaaaaand!“-Rufe, mehr war nicht drin. Zur Lachnummer wurde das Kommentar eines Fans einige Reihen schräg hinter uns: „Jogi, mach was, zieh deinen Schal aus!“ Ich ließ mir sagen, er hat ihn dann tatsächlich abgelegt. Ob er das gehört hat? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich sonstwas nach vorne brüllen können, etwas wie „Wacht endlich auf und macht mal was!“ oder „Mariioooooo!“. Naja, letzteres aus Schüchternheit vermutlich nicht.

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Während ich darauf wartete, das etwas auf dem Spielfeld UND auf der Tribüne passiert, machten die Tschechien auf der Gegentribüne richtig Betrieb. Sie sangen ganz laut und hüpften fröhlich, denn sie hatten ja allen Grund dazu. Die Minuten verstrichen, ich machte bei den mickrigen Anfeuerungsversuchen zwar mit, aber das Wahre war es noch nicht. Das hier war doch Singing Area, oder habe ich mich im Block vertan? Ich fühlte mich deplatziert. Aber im ganzen Stadion war es so leise, abgesehen vom Gästeblock, wie traurig. Und ich dachte, stimmungstechnik kann gar nicht schlimmer sein als die 1. Halbzeit in Köln.

Der Blick ging zur Uhr… schon 20 Minuten gespielt. Das Display meiner Kamera verfolgte fleißig den Ball, wann immer er auch nur in der gegnerischen Hälfte war. Und es passierte NIX. Dann ging alles ganz schnell: Zweikampf verloren, Ball verloren, schnelles Spiel der Tschechen und ein tobender Tschechenblock konnte nichts guts verheißen. Das 0:2 nach 23 Minuten. Das kann ja wohl nicht sein. Aufwachen, Jungs, aufwachen! Das könnt ihr doch besser! Nach fast einer halben Stunde schon 0:2 zurückliegen ist ein echter Schock. Und umso schwieriger, dieses Blatt noch zu drehen. Aber noch habe ich nicht aufgegeben. Noch nicht. Das Spiel verflachte auf deutscher Seite, meine so geliebten Jungs ließen jede Form von Frische und Kampfgeist vermissen. War es einfach nur Faulheit, wo die EM-Qualifikation nun schon geschafft ist? Ich weiß nicht, was los war. Es wurde still im Stadion. Umso lauter im Tschechenblock.

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Und auch jetzt noch hatte ich ein wenig Hoffnung – wenn auch nicht viel – das diese Jungs, die mir so viel gegeben haben, das Spiel doch noch drehen können. Doch als ich sah, wie die Stürmer Kevin Kuranyi und Lukas Podolski eine Chance nach der anderen verballern, das Mittelfeld planlos übers Feld schlendert und viele Fehlpässe zulässt und die pennende Abwehr, die ein gefundenes Fressen für die engagierten und mutigen Tschechen darstellte – nein, es passte wirklich gar nichts. Kevon semmelte den Ball 2 mal direkt hintereinander nur wenige Zentimeter am Pfosten vorbei.

Die Halbzeitpause bot für viele die Möglichkeit, ihre Blasen zu leeren und/oder neu aufzufüllen. Viele Gastrobetriebe im Stadion verhökerten ihre sauteuren Produkte. Die kurze Gelegenheit zum Hinsetzen nutzte ich dann auch, ich hatte seit ich das Stadion betreten habe, nur gestanden. In mir kroch langsam das Gefühl hoch, das ich heute keine Laola-Welle sehen würde, so gerne ich die auch habe. „Bitte, Bitte, Bitte, Bitte, Bitte, Jungs, dreht dieses Spiel für uns um. Ihr könnt das doch.“ hallte es immer wieder durch meinen panikzerfressenen, diesmal nicht bemalten Schädel. Nicht bemalt? Moment mal, ist das hier vielleicht meine Schuld? Ich war in Köln und Hamburg mit Kriegsbemalung unterwegs, jetzt in München nicht. Schnell versuchte ich, diesen Gedanken zu verdrängen.

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Auch die zweite Halbzeit bot uns rein gar nichts. Viele tschechiche Chancen, die mit viel Glück vereitelt oder versemmelt wurden (wohl eher zweiteres), keine Stimmung der deutschen Fans, kein Kampfgeist der deutschen Elf. Das Spiel plätscherte vor sich hin. Passiert hier endlich mal was? Kevin, Lukas, Schweini, irgendwer, macht uns das 2:1! Und das 2:2 gleich hinterher. Und lasst bitte noch das 3:2 und 4:2 für Mario übrig. Aber es passierte gar nichts. Die ersten Pfiffe hallten durchs stille Stadion. Die letzte halbe Stunde brach an, es war höchster Handlungsbedarf. Es kann noch alles gut werden, versuchte ich mir immer wieder einzureden. Doch das brachte ab der 65. Minute dann nichts mehr. Das dritte Tor für die Tschechen schlug unmittelbar zu meinen Füßen ins linke Toreck ein. Es war vorbei. Das können sie nicht wieder gut machen.

So stand ich da im Stadion am Mittwoch Abend. Zusammen mit 66.000 Fans und doch für mich so alleine, als würde ich alleine im Stadion sein. Alleine mit der Videoleindwand, die mir nun 0:3 anzeigte. Es war zum Heulen. Ich bekam um mich herum kaum noch etwas mit, ich kehrte in mich zurück und sah mich konfrontiert mit der schlimmsten Situation, die hätte passieren können: Die sogenannte Klatsche.

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Ganze 450 Kilometer bin ich gefahren. Und wofür? Für 3 Gegentore? Ich hatte beim 0:3 die Hoffnung auf Wiedergutmachung aufgegeben. Zum ersten Mal war ich nicht nur traurig wie bei der Niederlage gegen Italien und gegen Dänemark, ich war nicht nur unbefriedigt wie beim 1:1 gegen Zypern und beim 0:0 gegen Irland. Nein, ich war zum ersten Mal richtig, richtig, richtig enttäuscht.

Die Minuten vergingen nun wirklich mühsam. Während der Tschechenblock bebte und die Fans in dem Unterrang darunter wohl mehr oder weniger langsam hätten unruhig werden können, wurde für den Rest des Stadions aus der Stille der ersten 64 Minuten eine Leichenstarre. Die wenigen Rufe und Schreie realisierte ich kaum. Um meine Stimmung dennoch gerade so über Wasser zu halten, beobachte ich in den Minuten vor und nach dem 0:3 lieber die Seitenlinie, die für mich so viel interessanter schien als das ganze Spiel. Denn an der Seitenlinie machte sich derweil Mario warm. Zu Hannes sagte ich zwar, er könne noch was reißen, aber die Niederlage schien unausweichlich, ich sah ihr ebenso entgegen wie ein Reh dem grellen Scheinwerferlicht, eine nicht unbekannte, aber so ungeliebte Situation.

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Wie das zu erwarten war, konnte auch er nichts mehr an der Niederlage ändern. Auch ein Anschlusstreffer wollte einfach nicht gelingen. Es war schon zu spät. Die Erfolgsserie, so schön sie nun auch war, nun sind wir wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen. Ich sehnte mich nach dem Schlusspfiff. So sehr ich mich in Hamburg vor einem Last-Minute-Ausgleich fürchtete, so sehr fürchtete ich in diesem Moment die noch höhere Niederlage. Das Spiel hätte ebenso gut 0:4 oder 0:5 ausgehen können. Und so weh das auch tut: Es wäre leistungsgerecht gewesen.

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Die Pfiffe von fast allen Seiten (ausgenommen der fröhlich-frische rotfarbene Partyblock der Tschechen) wurden lauter und auch ich bereitete mich auf etwas vor, was ich eigentlich niemals tun wollte. Unendlich schienen die Minuten, die bis zum Anpfiff noch vergehen sollten. Eine kleine Nachspielzeit zog das alles noch mehr in die Länge. Dann hatte auch das quälende Warten ein Ende: Der Schlusspfiff ertönte und durch meine Lippen bekam ich nur einen einzigen, primitiven Wortlaut gepresst: „Buuuuh!“. Zum ersten Mal war ich im Begriff, MEINE Mannschaft auszubuhen. Ob das in Ordnung geht? Noch habe ich keine Antwort darauf – und heute ist bereits Freitag, eine Woche nach meiner Rückkehr aus München!

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Welche Mannschaft verabschiedet sich von der Fankurve, wenn sie ausgepfiffen werden? Keine, ganz recht. Und so schlichen unsere Jungs auch ganz leise vom Platz. Ich war so sehr enttäuscht von ihnen. Und dennoch, ich bin ganz vernarrt in diese Mannschaft. Sie haben so viel gutes geleistet, ein schlechtes, wenn diesmal auch grottenschlechtes Spiel, wird daran nichts ändern können.

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Hannes musste gleich nach dem Schlusspfiff aufbrechen, die Buuuh-Rufe und Pfiffe wollte er sich noch schnell mit anhören. Er war mit seinen Eltern im Stadion, die irgendwo auf der Gegentribüne verfrachtet waren. Geknickt blieb ich zurück, ich wusste nicht, was ich jetzt tun soll. Theoretisch hätte ich das Stadion verlassen sollen und zum Treffpunkt für das Nach-Treffen gehen müssen. Und doch blieb ich noch stehen in der Arena, die sich sehr schnell leerte. Noch blieb ich stehen, mit einem leeren Blick in Richtung Spielfeld. In meinem Kopf hallten meine eigenen Worte wieder. Zu Beginn des Spiels sagte ich zu Hannes: „Wenn wir heute hier gewinnen, hat sich der Sinn meines Lebens schon erfüllt“. Natürlich war das nicht ganz ernst gemeint, aber vielleicht habe ich es damit heraufbeschworen.

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Ich hatte wohl zu viel erwartet. Man kann nicht zu einem Spiel fahren in weiser Voraussicht, das genau das und das passieren wird und das es hundertprozentig zu einem Sieg kommen wird. Gegen die Tschechen verlieren ist an sich keine Schande – die Art und Weise des Abends allerdings schon. Sollte ich meine Entscheidung etwa doch bereuen, das ich nach München gefahren bin, anstatt wie ursprünglich geplant nach Hannover zu fahren? Ich weiß es nicht.

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Nachdem ich lange genug im Stadion ausgeharrt habe und mir bewusst wurde, ich könne nicht die ganze Nacht hierbleiben, trat auch ich die Heimreise an. Anders als beim Spiel in Hamburg drehte ich mich nicht noch einmal um, aber der Gedanke war der selbe: „Wir werden uns eines Tages wiedersehen“. Mit der Gewissheit, das war ein einmaliger Ausrutscher.

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Da stand ich nun alleine da, alleine in den Menschenmengen und musste schließlich noch zum vereinbarten Treffpunkt. Dabei krieg ich doch Panik, wenn ich planlos irgendwo alleine bin. Zugegeben, den Weg zur U-Bahn-Haltestelle und in die Stadt hinein hätte ich noch alleine finden können, dennoch hielt ich es für eine wesentlich bessere Idee, am Ausgangstor 24 auszuharren, bis mich Julia und Frank (lustigerweise heißt so auch der Mann meiner besten Freundin, aber es handelte sich um 2 andere Personen) dort eingesammelt haben. Geknickt und schmollend lehnte ich am Tor, das mitleidsspendene „Ooooh“ von Julia besagte alles. Das war das, was ich nun brauchte: etwas Aufmunterung.

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Schlusspfiff(e)

Auf dem Weg zurück mit der U-Bahn blätterte ich gedankenverloren in meiner Stadionzeitung, welche ich mir von der vorderen Reihe im Stadion gemopst habe, darin war ein schönes Poster vom Außenverteidiger Marcell Jansen, welcher stets zu meinen Helden der EM-Qualifikation gehört. Ein guter Junge, nicht einmal 7 Monate älter als ich. Ich betrachtete äußerlich geknickt, innerlich hoffend, ein Mannschaftsfoto, auf dem auch Mario zu sehen war. Darunter standen die Ergebnisse der letzten Qualifikationsspiele. Ich schlug die Zeitung zu und machte mir selbst Mut: eigentlich können wir uns nicht beschweren, von dem Spiel heute mal abgesehen. Der Frust und die Enttäuschung waren dennoch sehr groß.

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Zusammenfassung von dfb.de

Nach dem Spiel kommt das Trinken, was eigentlich als Feiern geplant war. Es wurde zwar nochmal ein nettes Beisammensein, doch ich hoffte eigentlich innerlich, die Whisky Cola könnten den Schmerz lindern. An dieser Stelle endet mein Artikel zum Spiel, alles weitere zum Nach-Treffen und zu meinen letzten Tagen in München folgt noch.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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