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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

3:0! Ein Sieg, der eigentlich keiner war

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Wieder einer von diesen Artikeln, wo ich ewig hin- und herüberlegt habe, wie ichs nennen soll. „Ein Sieg, der eigentlich keiner war“ hat sich letztendlich gegen „Erschreckend wie eine Niederlage“ sowie „Müssen wir uns Sorgen machen?“ durchgesetzt.

Wer das Spiel gesehen hat, weiß wovon ich rede. Und wer es nicht gesehen hat, hat nicht viel verpasst. Nach vielen Monaten der begeisterten Siege voller Kampf, Biss und Leidenschaft bekam die Mannschaft bereits im Oktober in München gegen Tschechien einen Knacks (0:3), fing sich aber rechtzeitig wieder für einen hohen Sieg gegen Zypern in Hannover (4:0), doch nach einem enttäuschenden letzten Nullnummern-Spiel gegen Wales in Frankfurt (0:0) wurde es wieder Zeit für einen Sieg. Den haben wir eingefahren – aber WIE ist absolut erschreckend und mehr oder weniger besorgniserregend.

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Die Tore in der Zusammenfassung

Ich mag eigentlich nur eine Sorte der Mittwochs-Länderspiele: die Sorte, bei der ich selber vor Ort bin, ein paar Tage Urlaub genommen habe und mir der Blick auf die Uhr egal ist. In einer stressigen Arbeitswoche machen sich Mittwochsspiele nur selten gut – aber scheiss drauf, das sind immerhin MEINE JUNGS. Meine Eltern waren nicht da, so konnte ich nicht bei denen schauen! Zonk Nummer Eins! Und da ich erst spät von Arbeit heimkam und nicht ins Sportcafe gefahren wäre ohne ein Abendesen, habe ich auch das nicht mehr geschafft. Zonk Nummer Zwei! So schaute ich zu Hause. Was aber, wie einst die tolle Torparty auswärts gegen San Marino, auch durchaus Spaß machen kann. Und diesmal gings gegen Österreich.

Lange bin ich noch nicht vom Fußball „reaktiviert“ – doch mein Fachwissen umfasst natürlich auch die Geschichte rund um „Cordoba“. Gut 30 Jahre ist es her, die „Schmach von Cordoba“, bei der WM in Argentinien. Ein Endstand von 3:2 für Österreicht beförderte die deutsche Nationalmannschaft aus dem Turnier. Der größte Triumph für die Ösis, was sie grade in diesem Jahr noch immer davon schwärmen lässt. Dass die Ösis keinen sooo großen Fankreis haben wie andere europäische Mannschaften (wie die Deutschen zum Beispiel, die die besten Fans der Welt haben *fg*) ist ebenso kein Geheimnis wie die hämische Vorfreude auf das dritte Vorrundenspiel bei der EM im kommenden Sommer. Denn da heißt der Gegner erneut…Österreich!

Zum Spiel selbst kann und will ich keine großen Worte verlieren. Die erste Halbzeit – möge man sie schnell aus den Köpfen verdrängen – kann man sich eigentlich schenken. Kein Biss, kein Feuer – wenn das nur das einzige Problem gewesen wär. Fehlpässe als würde man mit den Ösis Ping Pong spielen, unbrauchbare Flanken, keine funktionierenden Pässe in die Mitte – und von den Patzern unseres WM-Helden Lehmann möchte ich an der Stelle nicht weiter ausführen bis auf: Mensch Jens, mach uns keinen Kummer! 3 dicke Patzer in einem Spiel, das kannst du nicht machen. Damit hast du die Torhüterdiskussion neu angestachelt, das ist eigentlich das letzte, was wir gebrauchen können. Heute und jetzt in genau 4 Monaten wollen wir mit der Nationalmannschaft den ersten Sieg in Richtung EM-Titel feiern (am 08.06.2008 gegen Polen), und dazu brauchen wir dich! Der Sachse würde sagen: „Männsch Jännz, reesdsch ma bissl am Dsibbl, mache du gewällischsd deen Job rischdsch“.

Dieses Spiel geht in die Geschichte ein als das schlechteste Spiel von den Jungs unter Jogi Löw. Dabei lässt es das Ergebnis wohl kaum vermuten, das wir das Spiel deutlich mit 3:0 aus unserer Sicht gewonnen haben. Vom Spielverlauf wäre allerdings noch nicht mal ein 1:0 oder gar 0:0 angemessen, es hätte gut und gerne mit 4,5 Gegentoren entschieden werden können. Die Ösis kamen zu prima Chancen, zu unserem Glück ist deren Chancenausbeute unter aller Sau: Latte, Pfosten, die Fußspitze des Abwehrchefs, etc. Die deutschen Torschüsse kann man an einer Hand abzählen: 3. Und die gingen alle rein, wofür ich zwar dankbar bin, aber die Art und Weise der Spielführung fast so sehr schmerzt wie eine Niederlage.

Dank Thomas Hitzlsperger, Miroslav Klose und Mario Gomez ist der Start ins EM-Jahr 2008 geglückt, wenn auch nur auf dem Papier. Es sollte ein Trost sein, dass wir auch gewinnen können, wenn wir scheisse spielen, oder? Nun, nur bedingt. Die Tore selbst und deren Vorlagen waren schön, so manche Kombination uns einige Kurzpassspiele durchs Mittelfeld waren ein Gedicht, die an das glorreiche Spiel von Prag erinnerten (siehe dieses Video, Minute 0:35).

Besonders interessant an diesem Spiel: Ab und zu habe ich vorherseherische Fähigkeiten, so ahnte ich beim Heimspiel gegen San Marino in etwa die Minuten, in deren Tore fallen. Da das irgendwann nicht mehr so recht funktionieren wollte, ließ ich es bleiben. Aber wenn man nach einem Tipp fürs Spiel gefragt wird, sagt man ja bekanntlich nicht nein, oder? „3:0!“ kam es wie aus der Kanone geschossen, als mich Kumpel Dennis übers ICQ fragte. „3 mal Gomez!“, sogar wohlwissend, das er nicht in der Startelf steht sondern stattdessen Schalker Kollege Kevin Kuranyi, der 4 Tage zuvor gegen meinen VfB ein schmerzhaftes 4:1 gespielt hat, davon 2 Mal selber traf und somit die logische Wahl für Jogi war – ich nehms ihm nicht übel. „Mario wird eingewechselt und macht schon seine Bude!“ – ich hatte ja wirklich keine Ahnung, das auch diese Vorahnung in Erfüllung gehen würde. Eine kleine Genugtuung für ein sonst alles andere als spannendes und beglückendes Spiel an einem verregneten und windig kühlem Mittwoch Abend.

Hinterher sitzt man nun da, mit einigen großen Fragezeichen? Haben wir jetzt wirklich ein Torwartproblem oder hatte Jens nur nen schlechten Tag aufgrund monatelang fehlender Spielpraxis in London? War das ein einmaliger Aussetzer oder die Rückkehr zum gern vergessenen Rumpelfußball der Vor Klinsi/Jogi-Ära? Müssen wir uns jetzt Sorgen machen? Wird die Torwartdiskussion, die Jens erst kurz vor der WM für sich entschieden hat, neu entbrennen? Fragen über Fragen. Ich hoffe, diese Fragen werden bald zur Befriedigung aller beantwortet werden. Denn immerhin wollen wir ja Europameister werden und können nur hoffen, dass das wirklich nur ein Ausrutscher war.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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