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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Ines & Micha: Hochzeit mit Hindernissen

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Was war das wieder für eine Hochzeit! Nachdem meine Freundin Julia im September 2006 geheiratet hat, kam nun die nächste Freundin unter die Haube. Dass ich noch immer Single bin und Hochzeiten vielleicht so auch ein wenig frustrierend sind, konnte ich an diesem schönen Tag trotz allen kleinen Katastrophen erfolgreich ausblenden.

Hochzeitsvorbereitungen sind langwierig, teuer und manchmal auch ab und zu etwas nervig. Dieses Zitat könnte von der jungen Braut Ines stammen. Stimmt aber nicht – es stammt von mir. Viel Kohle habe ich gelassen, aber das war es mir wert. Neue edle Klamotten, Haaraccessoires, Hochzeitsgeschenke, alles musste bereitliegen für den großen Tag.

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Eingeladen wurde ich zur standesamtlichen Trauung im Leipziger Rathaus, wo sollte es sonst sein. Das hieß für mich: sehr früh aufstehen und fertigmachen, die Hochzeit fand nämlich an einem Freitag Vormittag statt. Nachdem mich mein Vater zum Standesamt gefahren hat (was er vielleicht irgendwann auch noch einmal tun wird), stellte ich – frierend – fest, das ich die erste dort zu sein scheine. Kurz gewartet und ich hatte bereits Gesellschaft von Diana, der Fotografin, die Ines angeheuert hatte und die ich ja bereits auch bestens kenne.

Nach und Nach versammelte sich die Hochzeitsgesellschaft am kühlen und windigen Freitag Morgen am 1. Februar 2008 vor dem Standesamt Leipzig. Schließlich fuhr die Braut vor und bis es soweit war, sie herauszulassen, begutachtete ich sie – wunderschön mit herrlichem Brautkleid – durch die hintere Fensterscheibe des Autos. Wie könnte es anders sein, sie war aufgeregt – und wollte eine rauchen. Nichts gibts!

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Alle waren nun da und es ging hinein ins Standesamt, die meisten Leute der Hochzeitsgesellschaft kannte ich natürlich nicht, weil Micha, der Bräutigam, mehr als die Hälfte Anteil an der Hochzeitsgesellschaft hatte mit Familie, Freunden und Kollegen. Diana machte natürlich viele Fotos währenddessen und ich konnte für die Zeit der Trauung meine Digitalkamera getrost in der Handtasche lassen. Ich hatte meine Handtasche mitgenommen, da ich den alten und teilweise kaputten Rucksack keinesfalls mitnehmen konnte – hinein kamen lediglich die Kamera, mein Image Tank, Taschentücher, etwas Geld ohne das riesige Portemonaie und mein Handy natürlich. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte, den ich bis in alle Ewigkeit bereuen werde.

Als vorgesehene Trauzeugin habe ich mir das Prozedere schon bildlich vor meinem inneren Auge vorgestellt, ich freute mich sehr, Trauzeugin sein zu dürfen, das war das erste Mal. Eine Ehre für jeden, den man darum bittet, keine Frage. Das weiß jeder, der bereits Trauzeuge oder Trauzeugin für Braut oder Bräutigam war. Im Standesamt nahm das Brautpaar zunächst im Flur an einem kleinen Tisch platz, um die Personalien zu prüfen. „Wo sind die Trauzeugen?“ schallte es durch den wenig ansprechend gestalteten Flur. „Ich bin hier“ meldete ich mich anwesend, schnellen Schrittes in Richtung des Brautpaares. Ines fragte mich schließlich nach meinem Personalausweis – und ich vermag nicht zu beurteilen, wie schnell mir in diesem Moment sämtliche gesunde Farbe aus dem Gesicht gewichen ist. Den hatte ich natürlich nicht dabei. Und mein Herz rutschte augenblicklich in die neu gekaufte Nadelstreifenhose.

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Sie konnte es mir ansehen. „Du hast den nicht dabei?!?“, sie war nicht weniger entsetzt als ich. Meine Augen waren weit geöffnet, doch rausgeschaut habe ich nicht. Ich hatte diese einmalige Chance, Ines‘ Trauzeugin zu sein, wegen einer solchen Blödheit verpasst. Was soll man dazu nur sagen? Ich brauchte kein Wort zu sagen, Ines hat es in meinem schockierten und zugleich enttäuschten Gesichtsausdruck sehen.

Nun brauchte sie also einen neuen Trauzeugen. Sie wollte zunächst kein Familienmitglied zum Trauzeugen ernennen, was mir den Weg schließlich geebnet hatte, so wurde nun also die Schwester Julia (es handelt sich hier nicht um meine verheiratete Freundin Julia) als Ersatz rangezogen. Unglücklicherweise ereilte sie das selbe dumme Schicksal wie mir: kein Perso dabei. Sie hat mindestens ebenso gekotzt wie ich, dessen bin ich mir eigentlich ziemlich sicher. Der Trauzeuge des Bräutigams, Fabian, war nicht viel besser dran. Der hatte seinen Ausweis zwar dabei – der war jedoch abgelaufen und somit nicht zulässig. Als Michas bester Freund tat es ihm wohl ebenso sehr weh, wir mir als eine von Ines‘ besten Freundinnen.

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Mir selbst die Schuld am vergessenen Ausweis zu geben, war zwar naheliegend, aber so nicht berechtigt. Das Brautpaar teilte mir nicht mit, ich solle meinen Personalausweis mitbringen, dies war auch meine erste Trauung (zur Trauung meiner Freundin Julia war ich nicht dabei) und es hatte mich auch sonst keiner darauf hingewiesen, wie wichtig dieses Stück Plastik sein kann. Es ist lediglich ärgerlich, aber das allein ist schon schlimm genug. Als Ersatz-Trauzeugen waren dann ein anderer Freund des Bräutigams und eine andere langjährige Freundin der Braut eingesprungen. Das werde ich mir nie verzeihen.

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Dann ging es auch endlich über zur richtigen Trauung, bei der ich mir gleich den nächsten groben Schnitzer erlaubte. Ich war noch ganz in Trance von meinem dummen Missgeschick, so das ich die Sitzordnung im Trauzimmer nicht mitbekommen habe. Statt in der Reihe mit den engsten Freunden und Geschwistern zu sitzen, setzte ich mich versehentlich in die Reihe der Eltern – was mir aber auch niemand mitgeteilt hatte. Ich bemerkte es erst mitten in der Trauung, mich dann erneut umzusetzen, wäre ein bisschen unpassend gewesen.

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Die Trauung selbst war natürlich sehr schön und für mich als eine von Ines vertrautesten Freundinnen sehr herzerwärmend. Ines‘ kleine Tochter Isabelle (demnächst 2 Jahre alt) sorgte natürlich für Amüsierung, als sie mitten in der Traurede anfing zu babbeln. „Kommt öfters vor bei Trauungen mit kleinen Kindern“ belächelte die freundliche Standesbeamte die kleine Unterbrechung der kleinen Motte. Als es dann zu den Glückwünschen überging, musste ich meine Tränen dann doch sichtlich zurückhalten, was mir dann auch gelang. Die Trauung war somit abgeschlossen, begleitet von etlichen Kamerablitzen ausschließlich von Diana, und nachdem wir vor dem Standesamt noch ein paar Gruppenfotos aufgenommen hatten, war es vollbracht. Und ich wollte endlich aus diesen wahnsinnig unbequemen Schuhen raus.

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Mir ist kalt, ich hab Hunger und ich bin frustriert – was gibts zu Essen? Danach gings erstmal zur Wohnung des Brautpaars, wo wir erstmal Zeuge des obligatorischen „über die Schwelle tragens“ wurden. Zum Mittagessen gabs total delikaten und exklusiven…Nudelsalat, dazu Buletten. Hat wirklich lecker geschmeckt! Gleichfalls amüsiert war ich über die Braut, die erstma ihr Outfit wechselte – Brautkleid aus, Jogginghose und bequemen Pulli an. Doch der Brautschleier blieb dran – ein Bild, wie man es nur einmal sieht.

Zum Mittagessen sollte ein wenig Sekt gereicht werden, ich hatte es mir inzwischen auf der Eckbank direkt neben der Tür bequem gemacht, die Sektflaschen (Plural!) direkt vor meiner Nase. Micha griff zu und öffnete vorsichtig neben mir die Sektflasche. Was dann folgte, lässt sich bereits grinsend erahnen. Es machte nur „ZZzzzzschhhhh“ und eine Fontäne aus Sektspritzern verteilte sich auf fast allem, was in einem Radius von anderthalb Metern rund um Micha war. Die Leidtragenden waren bei dieser Aktion der Teppich, die Handtasche eines weiblichen Hochzeitsgastes, die Schale mit dem Nudelsalat, die Tapete, der Laminatfußboden im Flur – und ich! Wenn das nur alles gewesen wäre. Denn leider handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Sekt, sondern um Rubin-Sekt: kräftig rotfarbener Sekt mit Rotweingeschmack. Meine weiße Bluse hat auf dem Rücken ein paar rote Spritzer abbekommen. Micha tat es unendlich leid – ich fand das natürlich auch nicht so besonders toll, zumal ich kein Oberteil zum Wechseln hatte, aber ich war froh, an diesem Tag nicht die einzige gewesen zu sein, die Mist gebaut hat.

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Die paar Stunden bis zur Hochzeitsfeier am frühen Abend vergingen wie im Fluge. Ich entschied mich dann doch, zur Feier am Abend lieber Turnschuhe anzuziehen, die ich jedoch ebenfalls nicht dabei hatte – kein Problem, der Mama-Lieferservice regelte das schon. Während viele zur Stadtrundfahrt aufgebrochen waren (viele auswärtige Hochzeitsgäste), leistete ich der frisch Vermählten und ihrer Tochter Gesellschaft. An einem so aufregenden Tag wie ihrem Hochzeitstag hatten wir 2 noch nie so viel Ruhe für uns. An normalen Tagen ist alleine schon mehr los, entspannend, das auch mal alle ausgeflogen sind. Die Braut konnte ich jedoch nicht auch noch alleine lassen. Ich half ihr mit der Kleinen und bei der Hausarbeit.

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Der Hochzeitswalzer

Der Minutenzeiger drehte fleißig seine Runden auf dem Ziffernblatt der Uhr und schon war es wieder an der Zeit, sich fertig zu machen. Noch einmal schnell die Frisur der Braut auf Vordermann gebracht und der Braut wieder ins Hochzeitskleid geholfen, ging es dann auch schon in den eigens angemieteten Jugendclub, wo die Feier für etwa 60 Gäste in geschlossener Gesellschaft stattfinden sollte.

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Es kamen nun noch mehr Leute, die ich nicht kannte, aber das war ja nicht weiter schlimm. Jeder packte mit an und wir dekorierten den Jugendclub, der kurz zuvor noch vor Kindern und Jugendlichen wimmelte. Tische und Stühle wurden fleißig geschoben, Deko-Artikel darauf verteilt, das DJ-Team baute die Technik auf, man verteilte Snacks auf kleine Schüsseln und richtete die Tafel zurecht – und wer dann immer noch nichts zu tun hatte, machte sich nützlich mit dem Aufpusten dutzender herzförmiger Luftballons.

Der Saal füllte sich und schließlich waren alle da, wenn auch eine halbe Stunde nach dem geplanten Beginn der Hochzeitsfeier. Eine kleine Ansprache von dem Vater des Bräutigams und jener unvergessener Ansprache des Bräutigams selbst, folgte nun, bevor die Hochzeitstorte angeschnitten wurde, selbstverständlich begleitet von dem fleißigen Drücken meines Kamera-Auslösers. Als das Buffett eröffnet wurde, stürzten alle zur Tafel und stellten sich ein köstliches Menü selbst zusammen, da war für jeden etwas dabei.

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Es wurde gegessen, geredet und gelacht, Ines und Micha baten schließlich um Aufmerksamkeit für den Hochzeitswalzer, für den sie extra mit einer DVD gelernt hatten. Unglücklicherweise tanzten sie einen langsamen Walzer zur Musik eines schnellen Walzers, was ohne professionellen Tanzlehrer natürlich nicht weiter verwerflich ist. Es war ein schön anzusehender Tanz, auf den weitere Tänze folgten.

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Zeit für ein paar Hochzeitsgeschenke! Während ich mit meinem noch bis später wartete, kam das erste und auch eindrucksvollste Hochzeitsgeschenk von ein paar Kollegen des Bräutigams. Eine Holzkiste mit Hammer und Meißel. Bei meiner einige Wochen andauernden Internetrecherche nach dem passenden Geschenk, bin ich einst auch darüber gestolpert, ich wusste also, was uns erwartet.

Alle mal Platz machen, die Kiste wurde auf den Boden gestellt und geöffnet. Inhalt: Bis zum Rand gefüllt mit Gips. Zweck: Eingegossenes Geld. Mittel zum Zweck: Mit Hammer und Meißel das Geld herausholen. Klingt einfach, entpuppte sich dann aber als unglaubliche Sauerei. Das Geld wurde in die gelben Hüllen von Überraschungseiern getan und diese wurden dann über mehrere Tage Schritt für Schritt und Schicht für Schicht eingegossen. Das Brautpaar rückte brutalst dem Klotz zuleibe – und machte damit einen unglaublichen Dreck. Der Schmutz flog nur so durch den Saal, 20 gelbe geldgefüllte Schachteln wurden martialisch herausgebrochen. Eine schöne Idee, über die sich alle gefreut haben – am Ende vielleicht weniger die Schenkenden, die den ganzen Dreck wieder sauber machen mussten.

Und so vergingen wieder die Stunden, massig gute Musik, super Laune, nette Leute und strahlende Gesichter an jeder Ecke. Ich überreichte mein Geschenk erst später, als viele schon wegwaren. Sicher war es nicht der Burner, aber ich habe mir Gedanken gemacht anstatt Geld in einem Briefumschlag zu verschenken, was ja weiß Gott die phantasieloseste Variante ist. Ich schenkte ein Spielzeugeimerchen mit Sand, wo kleine Geldmünzen versteckt waren, dazu eine kleine Harke, eine Form, ein Schäufelchen (sächsisch: „Schübbä“) und ein Sieb, wo sie das Geld heraussieben mussten. Ich hätte wohl doch lieber einen großen Eimer nehmen sollen. Ich entschied mich aber für ein Spielzeugeimerchen, damit Tochter Isabelle auch etwas davon hat.

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Das allseits bekannte und beliebte Brautstraußwerfen gab es übrigens leider nicht – stattdessen schrieb die Braut mit einem schwarzen Stift die Namen aller unverheirateten Frauen auf ihre Schuhsohle, ein Brauch, den ich so auch noch nicht kannte. Der Name, der durch den Abrieb beim Tanzen zuerst von der Sohle abgeht, heiratet als nächstes. Vielleicht hätte die Braut lieber keinen Edding benutzen sollen, denn die Namen gingen nur schwer ab. Summa sumarum konnte man jedoch 2 Namen entdecken, die schon in Richtung „Weggehen“ gingen: der Name von Ines‘ Schwester Julia…und meiner. So ist das nun mal. Erwischt es dich einmal, erwischt es dich immer.

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Spät ists geworden – und als die meisten bereits verschwunden waren und nur noch ein paar Freunde des Bräutigams und noch ein paar mehr Freundinnen der Braut da waren, machten wir uns schonmal ans aufräumen, denn der Jugendclub musste am nächsten Mittag wieder blitzeblank übergeben werden. Stühle rücken, Tische abwischen, Luftballons abschlachten, Flaschen einsammeln und den Boden kehren, nach anderthalb Stunden waren wir auch damit fertig und der Raum erinnerte schon gar nicht mehr daran, das hier noch vor wenigen Stunden eine tolle Hochzeitsfeier stattfand.

Ich wünsche den beiden alles, alles Gute für ihre gemeinsame Zukunft, nochmals Herzlichen Glückwunsch zur Vermählung und vielen Dank für diesen tollen Tag – auch wenn ein paar Sachen schief gelaufen sind. Ich bin sicher, ich bin die Trauzeugin der Herzen.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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