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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Eine gelungene Heimspiel-Premiere

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Nachdem ich es immer wieder vor mir hergeschoben habe, erfüllte ich mir vergangenen Samstag meinen großen Wunsch und besuchte mein erstes Heimspiel mit dem VfB Stuttgart. Heimspiel klingt dabei etwas bizarr, denn das Gottlieb-Daimler-Stadion Stuttgart ist mehr als 500 Kilometer von Leipzig entfernt. Sei es drum: mein erstes Heimspiel gegen den starken Hamburger SV endete mit 1:0.

So lange habe ich darauf gewartet, monatelang habe ich es vor mir hergeschoben und verführerische Ticketangebote für die Topspiele gegen Bayern (3:1), Bremen (6:3) und den Karlsruher SC (3:1) ausgeschlagen, ich hatte nur einen Plan für mein erstes Heimspiel: Das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt Anfang Mai, parallel zum Cannstatter Frühlingsfest. Durch terminliche Verschiebungen hat die Person, mit der ich zum Spiel gehen wollte, unglücklicherweise keine Zeit. Was also tun? Auf nächste Saison warten? Nein, das wollte ich nicht.

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Als vor einigen Wochen auf meinem Fußballforum tooor.de 2 Karten fürs Heimspiel gegen den Hamburger SV angeboten wurden, meinte ich noch aus Spaß zu meinem Bekannten Jonas, den ich durch das Forum kennengelernt hatte: „Du nimmst die eine, ich die andere, alles klar?“ – ich wusste ja nicht, das es wirklich wahr werden sollte. Noch war das Heimspiel gegen Frankfurt auf meinem Plan, doch als es so, wie ich geplant hatte, gecancelt werden musste, war die Enttäuschung groß. Also griff ich kurzerhand noch zu und sicherte mir die Karte fürs Spiel.

Die Wochen darauf waren eine Qual in Sachen Mitfahrgelegenheiten suchen. Ich habe weder Auto noch Führerschein, äußerst praktisch bei einer Strecke von über 500 Kilometern, die man zu einer bestimmten Uhrzeit absolvieren muss um rechtzeitig in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart anzukommen. Beinahe sah ich mich konfrontiert mit der Tatsache, einen Tag vor dem Spiel an- und einen Tag nach dem Spiel abzureisen.

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Der erste Eindruck

Da das Leben nur äußerst selten komplikationsfrei verläuft, wurde ich am Dienstag, den 1. April ironischerweise etwas zurückgeworfen. An diesem Tag sollte man auf alles gefasst sein. Selten hat man mich allerdings derart eiskalt erwischt wie an jenem verregneten Dienstag Abend. Es fing schon am Nachmittag an, als ich das Ticket sicher hatte und nach Mitfahrgelegenheiten suchte. Ich las eine Pressemeldung vom VfB Stuttgart, das der Goelgetter Mario Gomez verletzt ist. „Haaahahaha, April April!“ – im Laufe des Abends wich die Ungeduld, wann denn nun die offizielle Richtigstellung und das Abtun als Aprilscherz veröffentlicht wird, der schmerzhaften Realität. Er war wirklich verletzt. Und ich fing leicht an zu zögern. Die Antwort war schnell gefunden: ich würde trotzdem fahren. Nur wann?

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In meiner Verzweiflung wollte ich bereits Freitags um 18 Uhr fahren, ich sagte der Mitfahrgelegenheit, die ich bei mitfahrgelegenheit.de gefunden habe, Bescheid. 30 Euro sollte es kosten. Am Donnerstag, einen Tag bevor ich losgefahren wäre, klingelte mein Handy, als ich im Büro saß. Die perfekte Mitfahrgelegenheit hat mich gefunden, nicht umgekehrt! Ein netter Mann meldete sich auf mein Gesuch, frühs um 7 an- und abends um 8 abzureisen. Meine Gesichtszüge ersteinerten kurzerhand, als er mir mitteilte, er würde aufgrund des Fußballspiels VfB Stuttgart gegen Hamburger SV nach Stuttgart reisen und hat noch Platz im Auto, er würde so eine Fahrgemeinschaft das erste Mal machen.

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Meine Verwunderung über den unerwarteten Anruf (denn ich hatte das Spiel nicht als Grund für den Ausflug in meinem Gesuch angegeben) wich schon schnell der hellen Begeisterung. So machte ich diese Hin- und Rückfahrt dingfest und musste abends der Freitags-18-Uhr-Fahrt absagen, die nicht besonders begeistert war, aber das war mir dann auch egal. Ich hatte das Ticket sicher und die Mitfahrgelegenheit war organisiert. Ich konnte mich nun ganz entspannt der Vorfreude hingeben.

Den Freitag hatte ich mir vorsorglich komplett frei genommen, was sich zwecks Reisevorbereitungen und Vorfreude (und der damit fehlenden Konzentration für die wichtigen Dinge auf Arbeit) auch rentiert hat. Batterien mussten aufgeladen werden und Speicherkarten zusammengesucht. Der Rucksack gehörte noch gepackt, der Lageplan des Hauptbahnhofs, wo ich mich mit jemanden treffen wollte musste noch ausgedruckt werden, und so ging das den ganzen Abend lang. Es gibt Leute, die packen sich nur Geld, Ticket, Schlüssel und Handy in die Hosentasche und fahren in die weite Welt hinaus. Ich nicht. Ich bin ja auch der Meinung, unbedingt das Schwäbisch-Wörterbuch zu brauchen, was mir eine Freundin aus Stuttgart zu Weihnachten geschenkt hat.

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Intro

Die Nacht davor war natürlich etwas unruhig, Ungeduld und Unwissenheit, Nervosität und Vorfreude wühlten mich auf, aber dennoch bin ich brav kurz nach 5 aufgestanden. Duschen, anziehen, frühstücken und die letzten Sachen zusammenpacken. Da klingelte auch schon das Handy, meine Mitfahrgelegenheit war da und bat mich, runter zu kommen. Da wurde nochmal das Meerschwein geknuddelt und auf gings. Wie auch immer das Spiel werden würde, ein langer aber spannender Tag erwarten mich bei meinem ersten Besuch in Stuttgart.

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Im schicken Mercedes rasten wir förmlich über die Autobahn Richtung Süden, je näher wir Stuttgart kamen, desto mehr lief mein Telefon heiß mit letzten Absprachen zur Ticketübergabe, zu Treffpunkten und so weiter. Und desto schlechter wurde das Wetter. Seit wir die Landesgrenze nach Baden-Württemberg überquert hatten wurde das Wetter schlagartig schlechter, ein Regenschauer prasselte auf uns nieder. Es war mir egal, nur noch wenige (was in meinem Falle heißt: „nur“ noch ein paar Dutzend) Kilometer bis Stuttgart.

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Die terminliche Absprache zwischen Petrus und dem Fußballgott klappte an dem Tag nicht unbedingt. Petrus zeigte sich bockig und bescherte mir einen verregneten ersten Eindruck von der Stadt mit meinem Heimstadion – und das klingt bei über 500 Kilometern schon sehr bizarr. Langsam geriet ich in Zeitnot: ich wollte 2 Leute auf dem Hauptbahnhof treffen und dann noch genug Zeit für ein kleines Fantreffen haben. Und das alles an einem Tag?

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Mannschaftsaufstellung

Leider wurde die 2. Verabredung für den Tag bereits im Auto abgesagt, da es zeitlich zu knapp wird – es wäre die nette Bea gewesen, mit der ich das Heimspiel gegen Frankfurt im Mai geplant hatte. In Stuttgart angekommen wurde ich von der Mitfahrgelegenheit am Hauptbahnhof rausgesetzt. Am Hotel Graf Zeppelin – bei dem es erst bei der Rückfahrt „Klick“ gemacht hat, was dieses Hotel für eine Bedeutung, bzw. Assoziation für Fußballfans hat. Später dazu mehr. Schnell tippelte ich auf meinen kleinen Füßen rüber, wurde hinunter zur S-Bahn gebeten und traf dort Station Nummer 1 des Treffens. Micha sammelte mich unten ein drückte mir ein paar VfB-Filme auf DVD in die Hand (Danke, Micha!).

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Dann gings auch schon mit der nächsten S-Bahn los zum Stadion. Einen Vorteil hatte das Ganze ja: in einer Bahn, wo es so proppenvoll ist, das die Luft schon nach 30 Sekunden eklig wird, kann man zumindest nicht umfallen. Nach nur 2 Stationen drängten wir uns ins Freie und folgten nur noch den Menschenmassen, vorbei an kleineren Ständen mit Fanartikeln, denen ich nach dem Spiel auch mal einen Besuch abstatten wollte. Hinter den Gebäuden und Bäumen neben der S-Bahn-Station erhob sich schließlich das Gottlieb-Daimler-Stadion. Ich hatte es tatsächlich geschafft.

Treffpunkt war der Polizeisportverein (kurz PSV) an der Untertürkheimer Kurve des Stadions. Eigentlich hätte ich damit rechnen müssen, dennoch lief mir ein kalter Schauer des Grauens den Rücken hinunter, als ich die Menschenmassen erspähte, die sich vorm PSV versammelten. „Oh Gott, wie soll ich hier meine Leute finden“ schoss mir durch den Kopf, der auch so schon überladen genug war mit sämtlichen visuellen und emotionalen Reizen.

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Also kramte ich mein Handy raus und ruf Marc an, der mein Ticket einstecken hatte und mit den anderen Jungs das Fantreffen bildete. Es ging niemand ran. „Toll“, dachte ich mir, probierte es dann aber gleich nochmal. Micha war so nett und begleitete mich noch, bis ich meine Leute gefunden hatte. Einen großen Lockenkopf mit Brille zu finden sollte doch nicht das Problem sein dachte ich. Nachdem ich mich 5 Minuten durch ca. 97% VfB-Fans und 3% Gästefans gedrängt hatte, ich hatte Marc immernoch am Telefon, entdeckte ich ihn. Er stand direkt vor mir, ich legte auf und sah schon, wie er verdutzt auf sein Handy schaute. Nur noch wenige Zentimeter trennten mich vom Ziel, bis ich mit nahezu letzter Kraft meine Fingerspitze gegen Marcs Rücken drücken konnte. „Ah, da biste ja!“ – freudig wurde ich von Jungs emfangen und freute mich sehr, endlich da zu sein. Kurzzeit-Begleitung Micha musste dann auch wieder weiter und so verabschiedete ich mich wieder von ihm und blieb beim Fantreffen.

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Cannstatter Kurve

Keine halbe Stunde später ging Jonas‘ Blick ungeduldig immer wieder in Richtung der Uhr, die an der Hauswand direkt über uns montiert war. Er drängte darauf, mich jetzt mit ins Stadion reinzunehmen. Er kündigte bereits einige Tage zuvor an, das er mir per Stadionleinwand Grüße übermitteln wollte, welche gelost werden und ich sollte dann nicht zu spät im Stadion sein. „Was macht die Hand?“ wollte er sich versichern, das ich vor Nervosität und Anspannung nicht schon vorm Betreten des Stadions zusammenklappe. Leicht zitternd zeigte ich meine Hand und mit einem „Naja, das geht grade noch so“ liefen wir in Richtung der Drehkreuze, deren Durchqueren nur eines bedeuten konnte: Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

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Begrüßt wurde ich mit der Geräuschkulisse der gerade auslaufenden Mannschaft des VfB Stuttgart. Dieses Geräusch ist keinesfalls gänzlich unbekannt, denn 4 Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft habe ich schließlich seit meinem ersten Stadionbesuch im Juni 2007 auf dem Zähler. Zum Eingang unseres Blocks mussten wir nicht sehr weit laufen, als ich die Treppen ins Stadion hinaufstieg, hielt ich meine Kamera im Videomodus nach vorne, richtete meinen Blick jedoch nicht aufs Display sondern nur nach vorne, wo ich das Gottlieb-Daimler-Stadion zum ersten Mal von Innen sah. Ein anderes Wort als „Gigantisch“ vermag es für so einen Augenblick kaum zu geben.

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Recht zügig hatten wir uns im Block 70e in Reihe 44 eingefunden, es war schon an fast an der Grenze zur Haupttribüne, fast ganz oben am Stadiondach. Ich machte schon erste Fotos und Videos, die Minuten bis zum Anpfiff vergingen dann schnell wie im Fluge. Ganze 65 Megabyte ist das Video groß, welches ich während der Mannschaftsaufstellung aufgenommen habe – neu ist es ja keinesfalls, die Mannschaftsaufstellung mit Zehntausenden aufzusagen, das es sich dabei mal ausnahmsweise nicht um deutsche Nationalspieler handelt, war allerdings durchaus etwas neues, aber keineswegs befremdlich.

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TOOOOOOOOOOOOR!

Das Spiel begann und ich verfolgte gespannt das illustre Treiben auf dem vom nachmittäglichen Regen aufgeweichten Rasen, ab und zu schweifte mein Blick über die Tribünen, besonders beeindruckt in Richtung Cannstatter Kurve. Mein erstes Heimspiel begann rasant mit der erfreulichen, wenn auch nicht zweifelsfrei erwarteten Überlegenheit der Gastgeber aus dem Schwabenland. Die Nordlichter taten sich schwer, die Bälle in die gegnerische Hälfte zu bekommen. So sah ich diese Art von Spiel, die ich sehen wollte: einen guten VfB.

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Beim ersten Heimspiel nicht gleich im heimischen Fanblock, der Cannstatter Kurve, einquartiert zu werden, brachte es zwar mit sich, das ich im Sitzpublikum „gefangen“ war, dennoch dauerte es gerade mal 20 Minuten um mir klar zu machen, das mein Platz genau richtig war. Wie man mich nunmal kennt, hielt ich ab und an die Kamera aufs Spielfeld – als sei ich selbst unzufrieden mit der Kameraführung, die ich mir am nächsten Tag als Sportschau-Aufzeichnung anschauen wollte.

Einen Schuss von Nationalspieler Roberto („Robberddööööööö!!!“) Hilbert konnte Frank Rost, gebürtiger Chemnitzer und ehemaliger Jugendspieler in Leipzig, gerade noch zur Ecke klären. Hätte er ihn nur besser festgehalten. Unser Mexikaner Pavel Pardo trat den Eckball mit einem seelenruhigen und beeindruckenden Feingefühl, so dass es ein Traum war, da bei zuzusehen. Man sagt dem Hamburger Sportverein nach, eine Abwehr wie ein Bollwerk zu haben – dennoch wurde Roberto Hilbert, der inzwischen in den Strafraum gelaufen ist, sträflichst alleine gelassen. Er nahm den traumhaften Eckball von Pardo dankbar an und beförderte ihn volley ins Netz – meine Kamera hat all dies mitverfolgt.

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Mit halbem Auge schaute ich aufs Display, der richtige Blick war aber gen Spielfeld gerichtet – und als der Ball die Torlinie überschritt, waren nicht nur sämtliche TV-Kameras darauf gerichtet, sondern auch die 6-Megapixel-Digitalkamera einer VfB-Heimspiel-Debütantin. Ich sprang auf und jubelte, was das Zeug hält. Dabei schlug ich mir nicht nur herzlichst mein rechtes Knie an der vorderen Stuhlreihe an sondern vergaß auch auf einmal, dass ich eine Kamera in der Hand habe – mit einem durchgeschüttelten und verwackelten Erlebnis der besonderen Art, wenn man sich nun das Video, welches gerade aufgezeichnet wurde, ansieht.

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Torschütze mit der Nummer 19: Roberto – HILBERT!!!

Noch war der Drops aber noch nicht gelutscht. In Führung gehen und diese aus der Hand geben kam mir irgendwie bekannt vor, vom Auswärtsspiel in Berlin: dem frühen Tor von Thomas Hitzlsperger folgten dann leider noch 3 weitere Gegentreffer. Diesmal sollte es aber nicht so sein. Der Fußballgott hatte an jenem sonst so verregneten und stürmischen Tag ein Einsehen mit mir und schenkte mir eine solide und schön anzuschauende restliche erste Halbzeit.

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Dafür sollte mir in Durchgang 2 noch einmal ordentlich die Pumpe gehen. Aber ich wollte es ja so, gegen einen Anwärter auf die Vizemeisterschaft und das ohne den Top-Goalgetter Gomez. So schön die erste Halbzeit gewesen ist – desto gruseliger wurde die zweite. Kurz umschrieben: Nach nur wenigen Sekunden des Ballbesitzes vertendelten die Roten immer wieder den Ball und zogen sich trotz Führung weit in die Defensive zurück. Ein drückender HSV mit dem Willen zum Ausgleich tat sein übrigens und die Kräfteverteilung auf dem Platz wandelte sich zusehendst.

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„Abseiiiiiiiiits“ konnte mich Jonas rechts neben mir einige Male erfolgreich beruhigen, dennoch tat ich mich schwer, die relaxte Ausgeglichenheit zu wahren, die nach dem Tor für ein wohliges Gefühl sorgte. Ich erfuhr erst, als ich wieder zu Hause war und mir Sportschau angesehen habe, dass auch Guerrero gespielt hat – nur zu gut, das von ihm nichts zu sehen war. Auch den sonst so starken aber derzeit in einer Formschwäche befindlichen van der Vaart sah man nur selten mit sehenswerten Aktionen. Der Stimmung im HSV-Gästeblock tat das keinen Abbruch, die stille Schockstarre nach dem Tor währte dann aber trotzdem eine ganze Weile.

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Wie die ersten Minuten des zweiten Durchgangs anfingen, so zog es sich wie ein roter Faden bis zum erlösenden Abpfiff: schwache Standards, hohe Fehlpassquote, zögerliche Zweikämpfe – wenn ich nicht inmitten von Sitzpublik gewesen wäre, mich hätte vor Unruhe nichts mehr am Platz gehalten. Es wurde wirklich zu einem Geduldsspiel. Plötzlich waren wir näher dran, den Ausgleichstreffer zu kassieren als dass wir noch einen drauflegen könnten, obwohl die Chancen auch dawaren – nur leider Frank Rost auch.

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Heeeeyyyyy!

Das Spiel zog sich hin, 30 Sekunden mit Hamburger Ballbesitz dehnten sich ewig lang wie 30 Minuten. „Wie lang noch?“ – „Viertel Stunde“…das kann doch nicht wahr sein. Die Uhrzeit schritt voran und ich hoffte nur noch, das endlich abgepfiffen wird, bevor wir noch den Ausgleich bekommen. Es zog sich hin und als der vierte Offizielle die Anzeigetafel mit 3 Nachspielminuten in den Stuttgarter Abendhimmel streckte, war ich nervlich derart auf 180, das es schwierig war, dies zu verbergen. „Es ist doch nur ein Fußballspiel“? Nein, ist es nicht. Es ist viel mehr als das.

Gefühlte 3 Stunden später hörte ich endlich den Pfiff, der den 1:0 Heimsieg des VfB Stuttgart besiegelte. Ungläubig fragte ich: „Ist es vorbei?“ – „Ja, es ist vorbei“, und wie dankbar nahm ich diese Antwort von Jonas zur Kenntnis. Es blieb noch Zeit für ein letztes Panorama vom Stadion, bevor es wieder hinaus ging. Wir wollten noch den Fanshop besuchen, wo ich von vornherein vorhatte, den früher oder später zu plündern. Ich sollte es bereuen – eine derartige Menschenfülle und stickige Luft wünsche ich nicht mal meinem klaustrophobischen Todfeind. Ohne mein Geld auf den Tresen gelegt zu haben, quetschte ich mich nach draußen durch die Türe. Kurzer Schockmoment: „Jonas???“ – aber schnell fand ich ihn wieder.

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Es ging dann direkt wieder zurück zum Treffpunkt am PSV, wo sich schnell der Rest des Fantreffens einfand und der Sieg gefeiert wurde – wer mich ansah, sah nur eine über beide Backen grinsende Heimspieldebütantin, die ihre Kamera gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Micha, ebenfalls beim Fantreffen gewesen, schenkte mir in seiner unendlichen Güte sein VfB-Fähnchen, was fast überall im Stadion auf den Plätzen ausgelegt wurde – nur irgendwie dort, wo ich saß, nicht. Also nahm ich dankbar dieses Geschenk an und verbrachte noch ein wenig Zeit mit meinen Jungs, wo sich Jonas leider früh verabschieden musste.

Wieder regenete es, aber ich bemerkte das gar nicht, es war mir egal. Während sich alle anderen unter den Schirmen versammelten, standen wir paar Leutchens immernoch am Regen und diskutierten über das Spiel und jene, die demnächst noch kommen. Einmal Blut geleckt, war es eigentlich fast klar, das es nicht allzu lange dauern würde, bis ich wieder fahren möchte. Obwohl das Heimspiel gegen Frankfurt, was ursprünglich mein erstes werden sollte, abgesagt wurde, werde ich wohl trotzdem fahre. Marc überlässt mir freundlicherweise seine Dauerkarte für die Cannstatter Kurve (!!!) und ich werde wohl wieder die selbe Mitfahrgelegenheit nehmen. Das nennt man dann wohl: dankbar für jene schöne Zufälle, die meine Begeisterung für den Fußball in den letzten 12 Monaten mit sich gebracht hat.

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Heimsieg!!!

Auch für uns war es langsam an der Zeit zu gehen und so pilgerten wir langsam in Richtung S-Bahn-Station. Mit Micha ging ich noch zu einem der kleineren Fanartikel-Stände, wo ich mir einen Aufnäher, einen Pin und eine Postkarte gekauft hatte. Kosten: 11 Euro, sponsored by Mama. Die eine Hälfte der verbleibenden Forumsleute ging dann ins benachbarte Parkhaus, der Rest von uns, inklusive meiner Wenigkeit, ging zur S-Bahn-Station, wo ich mit Micha noch ein wenig rumalberte und wir Fotos machten. Äußerst interessante Geschichte, wie er als Urschwabe ein Fan von Werder Bremen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Es war nun etwa um 7 Uhr abends, seit weit über 12 Stunden war ich nun auf den Beinen (von der langen Autofahrt mal abgesehen) aber dennoch zeigten sich keine Ermüdungserscheinungen. Die sollten vorerst noch weitere 4 Stunden auf sich warten lassen. Micha und ich waren die letzten, die übrig waren, er stieg am Hauptbahnhof in seine Bahn nach Hause und ließ mich auf dem Hauptbahnhof zurück. Viel hatte ich nicht gesehen von Stuttgart. Und dennoch nehme ich so manches mit aus Stuttgart: erstes Heimspiel, erster Heimsieg, tolles Fantreffen, nette Leute, geiles Stadion, viele Fotos und Videos mit unbezahlbaren Erinnerungen und die Gewissheit, das mich Stuttgart an jenem verregneten Samstag nicht zum letzten Mal gesehen hat.

Eine weitere halbe Stunde lief ich im Hauptbahnhof umher, scheinbar ziellos, und peilte nur jene Leute an, die sich eindeutig als Besucher des Spiels zu erkennen gegeben haben. Warum ich das gemacht habe: in der verzweifelten Hoffnung, jemanden zu finden, der eine Stadionzeitung über hat und mir eine schenken könnten, ich hatte vor dem Spiel keine bekommen. Viele Versuche schlugen fehl und kurz bevor ich aufgeben und zum vereinbarten Abfahrtstreffpunkt vorm Bahnhof gehen wollte, startete ich einen letzten Versuch und sprach einen ganzen Familienclan an – ich erläuterte mein Anliegen und versuchte so erfolgreich wie möglich auf die Tränendrüse zu drücken. Meine Bemühungen fruchteten und der Familienvater zog eine Stadionzeitung aus seiner Brustinnentasche. Ich bedankte mich etwa 10000000 Mal und erntete noch einmal ein paar erstaunte Blicke mit den Worten „Vielen, vielen Dank! Die nehm ich mit zurück nach Leipzig!!“ – „Huh? wtf?“ – so in der Art.

Dann gings auch schon los, wieder zurück nach Hause. Ein langer Tag neigte sich dem Ende und ich hatte noch etwa 4-5 Stunden Fahrt vor mir bei denkbar schlechtem Wetter, welches nicht besser wurde, je näher wir dann Leipzig kamen. Während wir auf der Hinfahrt nur zu Zweit waren, waren wir auf der Rückfahrt dann voll besetzt, es fuhren noch 2 nette Mädels mit, beide studieren Fremdsprachen – und haben sich demnach bestens verstanden – so wie die Fußballfraktion auf den Vordersitzen, wir diskutierten übers Spiel und versuchten, während der langen Heimfahrt den beiden Mädels die Abseitsregel zu erklären, inklusive passivem und aktivem Abseits. Gebracht hats natürlich nichts, mehr als Stirnrunzeln und ein „Aha“ konnten wir nicht erreichen. Sei es drum, Spaß hats gemacht, mit Fachwissen zu glänzen.

Das Wetter wurde immer schlechter, es regnete immer mehr und der Wind drückte gegen das Auto. Aqua Planing auf der Autobahn verlängerte unsere Fahrzeit noch einmal zusehendst, doch der größte Schock, war ein Geisterfahrer, dem wir um ein Haar begegnet wären. Es kam glücklicherweise nicht dazu, aber erschreckend war diese Situation trotzdem. Als wir an einer Ausfahrt nähe Nürnberg entlang fuhren, sahen wir noch gerade im letzten Moment, das da tatsächlich auf der rechten Seite ein Auto hochgefahren kam – der Schock saß mir noch nach Minuten tief in den Knochen. Und als wäre das nicht genug – es erinnerte mich erst wieder an etwas, und für den Rest der Heimfahrt hatte ich bei jeder Brücke, die über der Autobahn verlief, ein komisches Gefühl.

Für etwa 15 Minuten bin ich etwa 150 Kilometer vor Leipzig weggenickt, aber im Auto zu schlafen ist immer ein wenig..naja, wie soll ich sagen…ungeeignet. Ganz gentlemanlike wurde ich zu Hause abgesetzt, verbunden mit der Bitte, bald wieder mitzufahren. Nach einem langen Tag dachte ich, sofort ins Bett zu fallen – aber die Sucht trieb mich sofort an den Rechner zum Überspielen der Fotos und Videos, und um mich als daheim wieder angekommen zurück zu melden. So wurde ein laaaanger Tag, ich kann es nicht oft genug sagen, noch 2 Stunden länger. Unter den Videos fanden sich sofort 2 Favoriten: Das Torvideo und das „Heeeeeyyyyy“-Video – an dieser Stelle viele Grüße an den Jonas 😉

Irgendwann versagen auch dem begeistertsten Debütanten die Kräfte. Was ich jene Nacht geträumt habe, weiß ich nicht mehr. Aber wie sagte David Odonkor einst im Sommermärchen: „Ich glaub ich hab nur nachgedacht, wie das Spiel war…aber geträumt habe ich glaube ich nichts.“

Was bleibt hängen vom ersten Stuttgart-Besuch? Viel mehr als die Gewissheit, bald wieder dabei zu sein.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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