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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Die Auswärtsseuche geht weiter

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Es ist wirklich kaum zu glauben, was 7 Tage ausmachen können. Letztes Wochenende schwebte ich noch auf Wolke 7 und am vergangenen Samstag, genau 7 Tage später, fuhr ich kurzentschlossen zum Auswärtsspiel des VfB Stuttgart nach Wolfsburg – und erlebte die derbste Packund, die es in dieser Saison und unter diesem Trainer jemals gab. 7 Tage zwischen Himmel und Hölle.

Hätte ich nicht doch auf mein Bauchgefühl hören sollen? Der VfB, in letzter Zeit gebeutelt von massiver Auswärtsschwäche, stellenweise Disziplin- und Planlosigkeit in der Ferne und einem ohnehin frappierenden Torwart-Problem. Seit 2 Monaten haben wir kein einziges Spiel außerhalb des Gottlieb-Daimler-Stadions gewonnen. Keine gute Quote.

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Bis zum Freitag hatte ich vor, das Spiel in meinem Sportcafe zu schauen – ein kurzer Anruf von meiner „Mitfahrgelegenheit“ reichte, um alles wieder auf den Kopf zu stellen. Die Bekanntschaft, die ich durch mitfahrgelegenheit.de kennengelernt hatte, entpuppte sich als verrückter VfB-Fan aus Sachsen und Vielfahrer zu VfB-Spielen – und ist damit für mich wahrlich wie ein 6er im Lotto! „Na, wie siehts aus, morgen braucht uns der VfB erst recht!?“ überraschte er mich mit seinem Anruf – „Habe keine Karte mehr bekommen!“ Aber da das für ihn kein Hindernis war, besorgte er noch schnell welche im vermeintlich neutralen Bereich an der Ticket-Hotline.


Tooor.de-Fantreffen

Block 64 sollte es sein – ich wurde wirklich ein wenig unruhig, als ich feststellte, das dies der Block genau neben der Wolfsburg-Fankurve ist und noch nicht zum neutralen Bereich zählt. Eine kurze Recherche ergab wenig erbauliches: Gästefans, die sich im VfL Wolfsburg-Bereich aufhalten und sich als solche zu erkennen geben, können des Blockes oder sogar des Stadions verwiesen werden. Das war mir dann doch etwas zu heiß – ich telefonierte kurz rum und informierte mich, ob man die Karten noch umtauschen könne. Nach etlichem Hin und Her wurde uns dies zumindest zugesichert. Puh, eine Sorge weniger.

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Wechselgesang

Am Samstag Mittag wurde ich wieder ganz bequem an der Haustüre abgeholt und wir düsten los nach Wolfsburg. Auf der Autobahn „trafen“ wir dann noch 2 sächsische VfB-Fans, die offensichtlich ebenfalls auf dem Weg nach Wolfsburg waren. Meine Mitfahrgelegenheit, mit dem ich schon das dritte Mal fahre (und kein Ende in Sicht!), machte mir eine riesen Überraschung und übergab mir einen kleinen Plastikbeutel mit 2 VfB-Shirts. Das eine war sein Trikot mit der Nummer 13, Pavel Pardo, auf das andere deutete er mit dem Zeigefinger und meinte „Und das ist für Sie!“ – welch schöne Überraschung, ich freute mich sehr.

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Je näher wir Wolfsburg kamen, desto unruhiger wurde ich. Und wenn ich unruhig bin, fang ich an zu schweigen, wenn ich mich freue, komm ich aus dem Plappern nicht mehr heraus. Ob es die Jungs heute endlich, wo es derart wichtig ist, schaffen und wichtige 3 Punkte im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz holen? Die „Mit-dem-Rücken-zur-Wand-Mentalität“ soll ja unter Umständen auch helfen.

Kurz nach halb 2 kamen wir dann auch schon am Stadion an, welches schon nicht schlecht aussah – unseres ist aber eh das Beste! Die erste Station führte uns nicht direkt zum Fantreffen, sondern erst einmal zum VfL-Fanshop, wo uns am Telefon einen Tag zuvor mitgeteilt wurde, wir können hier unsere Karten tauschen. Über 2 weitere Stationen wurden wir dann in den Verwaltungsbereich des Stadions geschickt, wo wir uns plötzlich in einem Büro mit 3 Schreibtischhengsten wiederfanden. Man begegnete uns sehr freundlich und tauschte die Karten problemlos gegen den Gästeblock, als wir mitteilten, wir gehören zu den Auswärtsfans und Block 64 wäre ein Versehen gewesen. Da beide Parteien die Probleme der Situation „Gästefan im Heim-Fanbereich“ vermeiden wollten, einigte man sich schnell auf den neuen Block 30.

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Stuttgart, wie es (noch) springt und lacht

Direkt danach gings zum Fantreffen meiner Bekannten vom Forum tooor.de – dieses Spiel lockte all diejenigen an, die im nördlichen Bereich zu finden sind. Und ich zählte bei 17 Teilnehmern, inklusive mir, lediglich 3 Leute, die Fan einer Mannschaft sind, die dann in knapp anderthalb Stunden den Rasen betreten sollten: das waren Marc, ich (beide VfB) und Kay (Wolfsburg-Sympathisant, aber mehr aus der Not heraus, da ja sonst nicht viel is mit Fußball in der Gegend, wo er herkommt). Viel Zeit blieb nicht, eine Stunde war ich auf dem Fantreffen und dann verschwand ich auch schon wieder – schließlich musste ich auf die gegenübergesetzte Seite des Stadions und wenn ich eines nicht abkann, dann ist das Hektik kurz vor Anpfiff.

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Beim Eingang traf ich dann auch meine Mitfahrgelegenheit wieder, der sich während meines Fantreffens mit meinen jungen Leuten, mit einem Freund von ihm getroffen hat und wir uns später im Block wiedersehen sollten. Geduldig wartete ich bis ich durchgewunken wurde und widerstandslos ließ ich mich abtasten und öffnete meinen Rucksack. Während des Fantreffens waren die 2 Batterien meiner Kamera leer, weswegen ich sie gegen neue austauschte und die alten gedankenlos in den Rucksack warf. Diese wurden mir gleich mal abgenommen, begründet wurde es mit dem bloßen Wort „Wurfgeschosse“ – Nagut okay, seh ich ein, also händigte ich der jungen Blondine meine 2 teuren Batterien aus und bekam dafür eine Nummer zugeteilt.

Nach einigem Suchen fand ich dann auch als einer der orientierungs- und koordinationslosesten Menschen der Welt den Eingang zum Block 30 – was ich da sah, gefiel mir gut: nur VfB-Fans. Das ist ja fast wie zu Hause. Die Volkswagen Arena in Wolfsburg besteht aus 2 Rängen, mein Platz war in der 2. Reihe des oberen Ranges, aber in der 2. Reihe hat man nur gesessen, weswegen ich einen sauguten Blick aufs Spielfeld und den unter mir gelegenen Ultra-Fanblock hatte. „Da würd ich jetzt auch gerne stehen“ dachte ich mir beim Anblick der Ultras.

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Ole Ole Ole Ole Ole Ole Ola!

Langsam füllten sich die Plätze des Stadions, was nicht einmal ausverkauft war – sei es nie, meinte Tooorler Kay, außer wenn die Bayern kommen (wie letztes Wochenende, wo sie durch ein glanzloses 0:0 den Meistertitel perfekt gemacht haben). Lange mussten wir nicht mehr warten, da kamen auch schon die Mannschaftsaufstellungen und das anschließende Einlaufen beider Mannschaften – Wolfsburg in Grün, Stuttgart in Rot.

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Der Gästefanblock legte mit dem Support los wie die Feuerwehr – lange ist es her, das ich diese Erfahrung gemacht habe. Beim Auswärtsspiel in Berlin saß ich zum ersten und bis dato zum letzten Mal in einem Gästeblock – stets begleitet wurde ich hierbei von dem Capo, der auch schon in Berlin die Mitgereisten anpeitschte. Die Stimmung im Gästeblock war zunächst richtig gut – jedenfalls noch. Fleißig wie immer hielt ich die Kamera einfach drauf, auf den Gästeblock, manchmal sogar auf die Wolfsburg-Fans und natürlich aufs Spielfeld – ich liebe es, draufzuhalten und wir schießen ein Tor, dann habe ich es drauf, inklusive lautem Jubel und der darauffolgenden Schüttelpartie.

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Lange ließ das erste Tor nicht auf sich warten. Raphael Schäfer stand zunächst auf unserer Seite des Stadions im Tor, ich sehe es noch vor meinem inneren Auge: er lässt den Ball blöd abklatschen und Wolfsburg-Kapitän Marcelinho schiebt unter Mithilfe von Matthieu Delpierres Fußspitze aus spitzem Winkel (nahezu auf der Torlinie) zum 1:0 aus Wolfsburger Sicht ein. Da waren gerade einmal 15 Minuten gespielt. Alles kein Thema, das können wir aufholen, dachte ich zumindest jetzt noch.

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Wir sind immer für euch da!

Drei weitere Minuten später der nächste Aufreger: Unser Kapitän Fernando Meira flog wegen angeblicher Tätlichkeit mit Glatt-Rot vom Platz – ich habe später die Fernsehbilder gesehen: grenzwertig, aber keinesfalls rot-würdig. Der Wolfsburger hätte Gelb für eine Schwalbe sehen müssen, so isses. So mussten wir zu Zehnt weiterspielen, mit einem Flattermann als Torwart und ohne Abwehrchef und Kapitän – noch war der Drops aber nicht gelutscht. Nur wenige Minuten später zappelte der Ball schon wieder im Tor. Marke: Traumtor. Nur leider nicht für uns. Nicht einmal eine halbe Stunde gespielt und schon liegt man 0:2 hinten – jetzt weiß ich, wie sich Nürnberg und Frankfurt neulich fühlten!

Mit diesem frappierenden Rückstand ging es in die Pause, unsere Mannschaft wurde seitens des Gästeblocks mit zaghaften Pfiffen in die Kabinen geschickt. Ob wir es noch schaffen können? Meine Mitfahrgelegenheit war überzeugt davon, dass wir das „Wunder von Wolfsburg“ noch schaffen könnten. Das hoffte ich auch, und zwar inständig.

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Der Beginn der 2. Halbzeit ließ aber recht wenig davon erahnen, das unsere Jungs noch den Schneid und die Kraft besitzen, das auszugleichen oder eventuell sogar noch zu siegen. Dennoch beobachtete ich weiter aufmerksam das Spiel, hielt bei jedem Ballkontakt der Roten in der gegnerischen Hälfte die Kamera drauf, es könnte ja etwas daraus werden. Jedes Mal fehlte allerdings der letzte Pass, der Ball ging klar am Tor vorbei oder man scheiterte am durchaus starken Torwart Benaglio. Es war zum Haare raufen, uns lief die Zeit davon.

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Cacau trifft nur den Pfosten

Stattdessen machten die Wolfsburger schon wieder ein Tor und ließen damit 10 Minuten nach Wiederanpfiff sämtliche Hoffnungen auf ein Drehen des Spiels sterben. Ein nicht unerheblicher Teil des Gästeblocks schlug von Support auf Aggression um, welche sich in wüsten Pfiffen und lauten „Schäfer raus!“-Sprechchören äußerte – dem war nichts mehr hinzuzufügen. Nur noch die Ultras unter mir supporten noch immer, wenn auch mit weniger beherztem Engagement wie bis zum 3:0 – mittlerweile wurde fast nur noch das Lied gesungen: „Wir stehn in unserer Kurve, schwenken unsere Fahnen, singen alle gemeinsam, Stuttgart wird nie untergehen!“.

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Die Nummer war gelaufen – jetzt bloß nicht noch höher verlieren, das war die einzige Hoffnung, die ich jetzt noch hatte. Leider zog die ausufernde Auswärtsseuche des VfB Stuttgart weiter ihre Kreise und setzte in der 75. Minute die Blamage perfekt. Wolfsburg bejubelte das 4:0 – und die Schwaben? Für die ist der Zug abgefahren. In diesem Spiel sowieso – und wenn alles gegen uns läuft, war die Aufholjagd in der Rückrunde für umsonst und wir müssen um den UEFA-Cup-Platz zittern.

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Ich sehnte nur noch den Abpfiff herbei – und als der kam, war die höchste Niederlage der Saison und unter Armin Veh besiegelt. So schön das Wochenende zu vor war – umso mehr kam ich mir nun wie in einem schlechten Film vor. Noch warteten wir die Ergebnisse aus den anderen Stadien ab – äußerst komisch kam mir das vor, denn ich kannte es bisher so, das bei einem Tor in einem anderen Stadion sofort das neue Ergebnis angezeigt wird. Wolfsburg nicht – und zeigte die aktuellen Geschehnisse am Ende der 1. Halbzeit und am Ende des Spiels. Die Konkurrenz spielte größtenteils für uns und hielt weitere Verfolger auf Distanz. Von Herzen freute ich mich über das 2:0 von Cottbus gegen den HSV, unsere Freunde von der Energie hatten es damit geschafft: Klassenerhalt! Und ich bekomme nächste Saison das Auswärtsspiel, welches diese Saison witterungsbedingt ausgefallen ist.

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Fahnenmeer

Eigentlich wollte ich nur noch weg! Also schnell noch meine Batterien, die mir abgenommen wurde, abholen und dann ab nach Hause – so war der Plan. Leider machten mir die Ordner am Ausgang einen Strich durch die Rechnung. Die Batterien, übrigens teure wiederaufladbare Hochleistungsbatterien speziell für Digitalkameras im Dauereinsatz, habe ich nicht wiederbekommen. Die Nummer, die man mir zugewiesen hat, hat man auf billige Einweg-Batterien geklebt – damit gab ich mich nicht zufrieden. Meine Mitfahrgelegenheit unterstützte mich dabei und legte sich letztenendes sogar noch mit dem Teamleiter der Ordner an, während die Blondine, die sie mir abgenommen hat, blöd daneben stand. Das Ende vom Lied: die Batterien sind nicht wieder auftaucht und der Chef musste geholt werden. Meine Personalien wurden aufgenommen und ich bekam vom Chef 15 Euro als Ersatz. Als wäre der Tag nicht ohnehin schon schlecht gelaufen.

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Da wir auf dem Weg zum Auto ohnehin noch einmal am nördlichen Ausgang des Stadions vorbei mussten, entschied ich mich, mich noch schnell von „meinen Leuten“ zu verabschieden. Einige fanden tröstende Worte, worüber ich sehr dankbar war. Kurz noch ein kleinen wenig Small-Talk geführt und dann mussten meine Mitfahrgelegenheit und ich zurück. Am Hauptbahnhof sollten wir noch einen Mitfahrer einsammeln, der bis nach Leipzig mitfährt.

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Tor für Wolfsburg

Ruhig und ereignislos verlief die Rückfahrt, bei der größtenteils geschwiegen wurde. Im Gedächtnis wird aber folgendes bleiben: Ich fragte meinen Fahrer, ob er mir noch etwas tröstliches sagen kann. „Ja, wir schaffens noch in den UEFA-Cup!“ – „Geben Sie mir ihr Wort drauf?“ – „Ja,d as tue ich!“ – „Passen Sie auf: Wenn Sie Recht haben, genießen Sie nächste Saison oft meine Gesellschaft. Wenn nicht, dann müssen Sie nächste Saison oft meine Gesellschaft ertragen. Abgemacht?“ – „Hand drauf!“. Und so bescherte es mir nach diesem schlimmen Spiel sogar noch ein Schmunzeln auf die Lippen.

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Ergebnisse der anderen Spiele

Das war nun also das höchstwahrscheinlich letzte VfB-Spiel in der Saison 2007/2008. Irgendwie wünsche ich mir, ich hätte es bei dem traumhaften Wochenende in Stuttgart letzte Woche belassen. Aber komplett bereuen tue ichs auch nicht. Wir müssen nächstes Wochenende unbedingt gegen Bielefeld gewinnen und sind ebenfalls auf die Patzer der Konkurrenz angewiesen.

Fazit: Schlimmer gehts nimmer. Jetzt heißt es nächste Woche alles oder nichts!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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