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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

1:2! Ein Spiel zum Abgewöhnen!

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Schon einige Tage ist es her, der Schock ist schon längst verdaut, die Enttäuschung ist dennoch geblieben: eine herbe Niederlage gegen den ewigen Feind, die Engländer. Ob ich mir die Reise nach Berlin hätte sparen können? Würde ich so nicht unbedingt sagen: trotz schlechten Wetters und noch schlechterem Spiel hatte ich einen – mit Abstand betrachtet – guten Tag mit alten und neuen Gesichtern beim Fantreffen unseres Forums, was wir immer Spaß gemacht hat.

Mein Tag begann halb 6 morgens, welch unmenschliche Uhrzeit! Raus aus den Federn, voller Vorfreude auf meine Leute und das Spiel, mein Optimismus kannte keine Grenzen. Ab halb 8 befand ich mich im schicken Auto per Mitfahrgelegenheit in Richtung Berlin, unterwegs überholten wir einen „England Fan Bus“, zu dem ich mich neugierig umdrehte und dann selbstgefällig in mich hinein grinste: „Die werden sich umschauen – das wird mein perfekter Länderspiel-Abschluss!“. Kurz nach 9 Uhr kamen wir an, wo mich die U-Bahn zum Hauptbahnhof fuhr: erstmal Stadtplan besorgen, bei meinem quasi nicht vorhandenen Orientierungssinn wäre das ohnehin das Beste.

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Bis zum frühen Nachmittag brachte ich meine Zeit rum mit Shopping, U-Bahn- und S-Bahn-Fahren, Sightseeing und Fotografieren, der übliche Auftakt zum Fußballtag. Einer meiner Wege führte mich zum Checkpoint Charlie, wo ich es ncht unterlassen konnte, mich mit Deutschlandschal vor einer Horde Engländer fotograieren zu lassen – aber ich wurde dazu gezwungen, es war nicht meine Idee! Nach einem kleinen netten Treffen mit einem Kunden, mit dem ich seit vielen Monaten jeden Montag über die Ergebnisse des vergangenen Spieltags diskutiere (was meist beidseitiges Gebruddle ist, denn unsere beiden Clubs, der VfB Stuttgart und der 1. FC Nürnberg, erfüllen nicht die eigenen Erwartungen), traf ich mich mit Forenfreundin Sabine, die ich schon seit über einem Jahr kenne und wir uns bei bisher jedem Länderspiel (außer EM-Viertelfinale gegen Portugal in Basel) gesehen haben.

Nach dem Einchecken in ihrem Hotel und kurzes Bummeln bei Karstadt Sport (ich wünsch mir auch VfB-Schokoladentafeln und VfB-Schokoweihnachtsmänner!) gings langsam los zum vereinbarten Treffpunkt: wieder einmal das „Preußische Landwirtshaus“, was schon Schauplatz des kleinen Treffens des Auswärtsspiels in Berlin im Oktober gewesen ist. Jeder fröstelte, inklusive mir, statt herzlicher Umarmungen gabs diesmal nur bei jedem ein freundliches Shake Hands, ich freute mich, meine Leute wieder zu sehen, insbesondere die, die man nicht immer trifft (wie die üblichen Verdächtigen bei VfB-Spielen) und über jene, die ich noch nicht persönlich kannte.

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Bei gefühlten -10° versammelten sich immer mehr unserer Leute, in paar, die sich angekündigt hatten, habe ich leider nicht gesehen, aber es wurde mit der Zeit nicht nur sehr voll auf der Terasse der Kneipe in unmittelbarer Nähe zum Stadion, sondern auch langsam etwas wärmer, je näher man zusammenrücken musste – im Verlauf des Abends wurde es so voll, das ich mit meiner Kamera nicht mehr vorwärts kam und sich meine Bewegungsfreiheit auf den Radius Null beschränkt hatte. Wenn ich gewusst hätte, dass das Geschrei nach Fotos im Forum schnell laut werden würde, hätte ich eher damit begonnen, bzw. wäre eher vor Ort gewesen. Wie dem auch sei, es war schön, meine Jungs und Mädels wieder zu sehen, es wurde viel gelacht, geredet und natürlich auch getrunken.

Etwa eine Stunde vor Spielbeginn machten Sabine und ich uns langsam auf den Weg in Richtung Stadion, wo sich schon tausende Leute versammelten und eine riesige Menschenmasse bildeten, wo ich mit meinen 1,59m nicht überschauen konnte, wie lange wir noch benötigten. Doch ich hatte ja Sabine, die mir etwa alle 30 Zentimeter Fortschritt nach vorne erfreulich mitteilte „Noch 20 Meter…noch 19 Meter…noch 18 Meter…“, jedes Stück, was wir bewältigten, war eine Wohltat in der Eiseskälte an jenem Abend unter dem Himmel unserer Hauptstadt.

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Für die Stadt und das U-Bahn- und S-Bahn-Netz hatte ich einen Plan: jedoch nicht vom Stadion. Wie zuvor geschrieben: ein fehlender Orientierungssinn kann ein erheblicher Nachteil sein. Wie das bei mir nunmal so ist: ich betrete beim Shopping ein Geschäft und weiß anschließend nicht mehr genau, aus welcher Richtung ich gekommen bin. Die Aufregung und Nervosität, dass das letzte Länderspiel des Jahres so nah, zum Greifen nah war, ließ mich auch noch das letzte bisschen Sinn für Koordination und Orientierung vergessen – statt nach rechts und 10 Minuten später am Platz lief ich natürlich nach links und umkreiste somit fast das ganze Stadion. Toll gemacht, dachte ich mir. Beim Verpassen der Mannschaftsaufstellung hätte ich mir ohnehin schon in den Hintern beißen können, mit letzter Kraft schleppte ich mich Treppenstufe um Treppenstufe nach oben und erreichte schließlich meinen Platz fast unterm Dach des Oberringes vom Berliner Olympiastadion. Na wenn ich von der Höhe mal kein Nasenbluten bekomme.

Schließlich fanden sich kurz vor den Hymnen auch meine Bekannten ein (jedenfalls ein kleiner Teil der 50 beim Fantreffen anwesenden Forenmitglieder), die mit mir Arm in Arm die Hymne sangen, jedes Mal aufs Neue ein Gigantisches Gefühl, die Geräuschkulisse ließ nicht vermuten, welch herbe Enttäuschung noch auf mich warten würde.

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Zum Spiel selbst vermag ich nicht viel sagen, außer eines: Was für ein Mist. Das Fehlen unserer Führungsspieler Michael Ballack, Torsten Frings und Philipp Lahm machte sich schmerzhaft bemerkbar: schnell fiel der Führungstreffer für die Engländer, die wir einst mit 2:1 aus dem Wembley-Stadion geschossen hatten, nach einem Patzer unseres „Bundesadlers“ Rene Adler. Aber nur die Ruhe, beim letzten Aufeinandertreffen markierte England auch die Führung und wir drehten das Spiel, ebenso wie beim Testspiel gegen Rumänien, in beiden Spielen fielen die Treffer sehr früh.

Doch es sollte nicht sein: ein Fehlpass nach dem anderen, und wenn eine gute Kombination dabei war, so scheiterte man kläglich an der ebenfalls aus B- und C-Nationalspielern zusammengewürfelte Abwehr oder am grundsätzlich vom englischen Torhüterproblem betroffenen Keeper, der so wie auch unser Torwart in der Halbzeitpause ausgewechselt wurde. Über die Leistung meines All-Time-Favourite Mario Gomez vermag ich hier keine weiteren Worte verlieren: die Reaktion des Publikums bei seiner Auswechslung war für mich (und zweifelsohne auch für ihn) Höchststrafe genug und an diesem Abend eine fast größere Enttäuschung als das Ergebnis des Spiels an sich.

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Hoffnung keimte unter den 62.000 deutschen Fans im Stadion, die den Treffer von Patrick Helmes nach einem dicken Patzer des Keepers frenetisch bejubelten, auch ich freute mich noch und hatte noch jeden Glauben, wir können dieses Spiel doch noch gewinnen – anders als in Wembley brauchen wir hierfür mehr Glück als Verstand. Oder auch mehr von beidem. Mit zunehmenden Spielverlauf verlor ich jedoch zunehmen die Lust am Spiel, sehnte beim Stand von 1:1 mehr den Schlusspfiff herbei als das Führungstor, ich hatte das Gefühl, das erstere würde weniger lang auf sich warten lassen.

Berlin ist einfach kein gutes Pflaster für mich: bereits im dritten Anlauf in der Hauptstadt bin ich diejenige, die den Schlusspfiff mit hängendem Kopf hören muss: zuerst das 1:3 und 14 Monate später 1:2 gegen Hertha, und jetzt das. Schon wieder fiel das Tor, was alle Hoffnungen zunichte machte, unmittelbar vor dem Schlusspfiff und stürzte mich in große Trauer. Wenige Minuten waren noch zu spielen. Ich habe Spiele von meinen Jungs gesehen, da wäre es nicht unmöglich gewesen, dieses Spiel noch zu retten, doch insgesamt betrachtet war mir insgeheim klar, dass das nichts mehr werden würde: der Schlusspfiff und 10.000 jubelnde Engländer pflichteten mir bei.

Es war vorbei. Ein solch prestigeträchtiges Duell ging im Unwetter zu unseren Ungunsten verloren – die Tatsache, dass dies nur ein Testspiel war, konnte mich nicht mehr trösten. Um mich herum vernahm ich laute Pfiffe, die der Mannschaft auf dem Rasen entgegengeschleudert wurden und die auf halben Weg kehrt machte und sich nicht bei den Fans bedankte. Ein wahrlich undankbarer Abend, für Spieler, Trainer und Fans.

Mit hängenden Köpfen lief ich mit meinen Leuten die Stadiontreppen herunter, wo ich mich noch von meinen Leuten verabschiedete und mich meine Mitfahrgelegenheit Richtung Leipzig direkt abfing und wir den Weg nach Hause antraten. Ich wäre gerne noch zum Fantreffen danach gegangen, aber ich habe mir nunmal diese Mitfahrgelegenheit gewählt und wäre mit meiner mittlerweile doch recht miesen Laune kein toller Gast beim Nachtreffen gewesen.

Die lange Fahrt nach Hause grübelte ich nach, war maßlos enttäuscht (von der Mannschaftsleistung, den Trainerentscheidungen und so manchem Einzelspieler) und starrte ich regungslos aus dem Fenster in die verregnete Nacht: das war ein Spiel zum Abgewöhnen.

Was bleibt ist ein tolles Fantreffen, nette alte und neue Gesichter getroffen zu haben und die jedes Mal aufs Neue aufkeimende Vorfreude aufs nächste Spiel, aufs nächste Treffen, auf besseres Wetter, kurz: auf bessere Zeiten.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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