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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Achterbahn-Emotionen zum Valentinstag

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Die volle Bandbreite an leidenschaftlichen Emotionen gab es zum Valentinstag 2009! Schreien vor Glück, dann Schreien vor Frust und Enttäuschung und letztendlich Schreien vor Erleichterung. Achterbahn-Emotionen im wahrsten Sinne des Wortes.


AWD-Arena Hannover

Halb 7 Uhr morgens war die Nacht schon vorbei, schnell noch ein Frühstück gemacht, Schnittchen als Wegzehrung geschmiert und den letzten Rest zusammengepackt. Los gings in Richtung Leipziger Südvorstadt, wo meine Mitfahrgelegenheit abfahren sollte. Pünktlich auf die Minute wurden ich und 2 andere nette Jungs eingeladen und schon gings in Richtung niedersächsische Landeshauptstadt.

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Mitten im Gästeblock beim Commando Cannstatt ’97

Im Vergleich zur letzten Fahrt zu einem Spiel war diese hier richtig entspannt, ich berichtete den (leider nicht fußballbegeisterten) Anwesenden auf deren Nachfrage was ich denn in Hannover mache und wie man als Leipzigerin sich in den VfB Stuttgart verlieben konnte. Es ist nicht so, als hätte ich diese Geschichte zum Ersten Mal erzählt, Erstaunen ernte ich jedoch jedes Mal.


Bitterböse Kalt wars bei 0 Grad

Erneut superpünktlich kamen wir kurz vor halb 1 Uhr Nachmittags in Hannover-Langenfelden an, wo ich ausgeladen und eine neue Mitfahrerin eingeladen wurde. Pünktlich deshalb, weil mein Stadionticket ab 3 Stunden vor Spielbeginn bis zum Ende des Tages als Fahrkarte für den Hannoverschen Verkehrsverbund galt – 12:31 Uhr kam die Bahn Richtung Innenstadt, 2 Stunden und 59 Minuten vor Beginn des Spiels, wenn das mal kein perfektes Timing ist.

Ein leckeres Mittagessen bei Bagel Brothers im Hauptbahnhof Hannover später, suchte ich die Schließfächer. Meinen Rucksack erst schon am Hauptbahnhof abzugeben erschien mir bei bösen Erinnerungen an Wolfsburg durchaus die bessere Lösung, zumal meine Mitfahrgelegenheit zurück sowieso ab Hauptbahnhof startet. Um 2 Euro erleichtert brauchte ich fast eine Viertelstunde, mich von meinem Hab und Gut zu trennen, wenn auch nur für einige Stunden. Etliche Körper-Abtast-Kontrollen alá „Habe ich Alles?“ später, die Gürteltasche mit allem um den Bauch geschnallt, den Schal um den Hals gebunden, ging es endlich los. Erhobenen Hauptes mit den Stöpseln (vom MP3-Player) in den Ohren erfreute ich mich an einem meiner Lieblingssongs: „One Love“ von U2 feat. Mary J. Blige – etwas zum Schmunzeln am Valentinstag.

Was tun ohne Stadtplan und ohne Orientierungssinn? Entweder jemanden fragen – oder ganz einfach denen mehr oder weniger unauffällig denen hinterherlaufen, die offensichtlich das selbe Ziel haben wie man selbst: die AWD-Arena, Spielstätte der Partie Hannover 96 gegen meinen VfB Stuttgart an jenem 20. Spieltag am Valentinstag, den 14.02.2009. Hier und jetzt sollte sie weiter gehen, die Serie der ungeschlagenen Schwaben.


Danke Martin! Lanig macht das 2:0 für den VfB!

Ein paar klärende SMS und einen Anruf meines Kumpels Jonas später sortierte man sich dann richtig und ich gabelte zuerst Phillip auf, den ich seit dem Auswärtsspiel in Cottbus kenne und fand dann auch den Jonas, den altbekannten Vielfahrer sowie einen weiteren Kollegen vom Forum tooor.de inklusive dessen Kumpel. Gemeinsam wurde diskutiert, gemutmaßt und angefeuert, heute zählts für die Schwaben, die Konkurrenz würde schließlich auch nicht schlafen. Sollten wir gewinnen, wäre uns zumindest Platz 6 in der Tabelle, die wir seit dem Trainerwechsel (unmittelbar nach der Wolfsburg-Demütigung) von hinten aufgerollt haben, sicher gewesen.


Wild zersaust, aber dennoch zufrieden nach dem Spiel

Etwa eine Dreiviertel Stunde vor Spielbeginn suchte jeder seinen Platz auf, Phillip und ich hatten schließlich Stehplatzkarten, wo sich zeitiges Kommen lohnt. Die Kontrollen und Leibesvisitationen OHNE Abnahme meiner Batterien (dabei hat man sie in meiner Gürteltasche entdeckt) hindurch und unter den verdutzten und strengen Augen der anderen Stehblock-Besucher fand ich ein feines Plätzchen und hatte eine gute Sicht aufs Spielfeld, abgesehen von einem meterlangen Fahnenstock, der durch die Mitte des sichtbaren Spielfelds ging – sie sollte noch Aufregung stiften, die Fahne.

Zur gewohnten Zeit, 15:30 Uhr wurde das Spiel angepfiffen, unter dem Jubel des mitgereisten VfB-Anhangs, der etwa 1.000 Menschen zählte, dazu etwa 30.000 im restlichen Stadion. Leicht verdutzt kannte ich zu Beginn des Spiels nur wenige Lieder, die gesungen worden, nur langsam wurde es besser.


Am Hauptbahnhof Hannover

Ich sah mit Entzücken, wie der VfB begann wie die Feuerwehr und sich größer werdende Spielanteile erkämpfte. Und dann war es schon so weit, nach nicht einmal 7 Minuten. Innerlich fing ich an zu beten, das der Pass von Thomas Hitzlsperger seinen Abnehmer durch die Mitte finden würde. Und das tat er: ich musste mich nicht fragen, wer sich um die Angelegenheit kümmern würde, ich wusste es: der Ball kam zu Mario Gomez, der mutterseelenallein auf Robert Enke zulief. Als der Ball im Netz zappelte brach die erste Welle der Emotionen aus. Es begann mit einem Schlag gegen meinen Hinterkopf und rings um mich herum etliche Bodychecks. Ich jubelte und schrie was das Zeug hielt, vermisste jedoch jemanden, dem ich in meiner Freude um den Hals fallen kann. Das tat der Sache keinen Abbruch, ich war dankbar für das frühe Führungstor.

Beflügelt von dem zeitigen Treffer unseres Topscorers spielte der VfB weiter so beherzt und schien die Frage, wann das 2:0 für die Schwaben fällt, von alleine zu beantworten. Folglich ging es positiv weiter, erneut auf unserer Seite des Spielfelds schlug der Ball wieder im Tor der Hannoveraner ein. Als ich sah, wie Martin Lanig auf uns zusteuerte, mit dem Zeigefinger auf uns richtete und die Siegerfaust in den kalten Hannoverschen Wind streckte, musste ich reflexartig zur Kamera greifen und konnte sogar ein mehr oder weniger scharfes Foto machen, bevor ich wieder von allen Richtungen durchgeschüttelt und angeschrien wurde. Es war wie in einem Traum.


Mario Gomez macht das frühe 1:0 für den VfB Stuttgart

Wenige Minuten vor der Halbzeitpause verfinsterten sich sämtliche Gesichtszüge: mit einer entspannenden 2:0-Führung jagte es mir eine eiskalte Gänsehaut ein, als ich nichts dagegen tun konnte, dass sich alle außerhalb des Gästebereichs von Ihren Plätzen erhoben und die Tormelodie der Hannoveraner abgespielt wurde. Wer sollte eigentlich Jiri Stajner decken? Wer es auch war, er gehört übers Knie gelegt und den Hintern versohlt – mindestens!

Der Anschlusstreffer kurz vor der Halbzeitpause. Ich dachte, schlimmer könnte es nicht werden. Doch es kam schlimmer. Ein theathralisch gestürzter Hannoveraner reichte aus für einen aussichtsreichen Freistoß an der Strafraumgrenze. Die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr, als sich beim Ausgleich zum Halbzeitpfiff eine Weltuntergangsstimmung alá Wolfsburg im Gästeblock breite machte. Wie konnte das passieren? Gerade eben hast du noch 2:0 geführt und kassierst innerhalb 2 Minuten 2 Tore zum 2:2-Ausgleich? Es kam mir so vor, als wäre ich im falschen Film.

Quälend lange 15 Minuten, die einem wie Stunden vorkamen, berieselt von den gesponserten Halbzeitbeiträgen auf der Videowand und noch traumatisiert von den letzten Minuten schleppte ich mich dahin, voller Frustration und Enttäuschung, das der VfB gerade eine komfortable 2:0-Führung verspielt hat. Auch rings um mich herum vermochte ich keine fröhlichen Gesichter entdecken, der Schock saß tief in den Knochen, 2 Minuten reichten dazu aus.

Die zweite Halbzeit war zumeist nur von 3 Dingen geprägt: 1. Hannover spielt entfesselt nach vorne, erspielt sich eine Chance nach der anderen, 2. der VfB versagt zunehmen beim Passspiel und wird so fortwährend schwächer, 3. die riesige Fahne blockierte mir die meiste Zeit die Sicht, denn sie versperrte mir den kompletten Blickwinkel. Für einen kleinen Block eine zu große Fahne.


Kurze Zeit später: Martin Lanig schenkt uns das 2:0

Kollektives Stöhnen, wenn ein Pass wieder den Mitspieler nicht erreichte, Bildung von Angstschweiß auf der Stirn, wenn Hannover 96 weder im Vorwärtsgang war, ich wurde zusehendst schwächer – Angst, Frust und Entsetzen sind ein gefährlicher Cocktail im weiß-roten Blut, das mir durch die Adern schoss. Fast über die komplette 2. Halbzeit vermochte der VfB Stuttgart kaum etwas Ordentliches auf die Reihe zu bekommen. Vom Traum zum Alptraum in nur 30 Minuten.

Und so wie ich dachte, schlimmer als der Anschlusstreffer kurz vor der Pause könne es nicht werden – bis der Ausgleich zur psychologisch ungünstigsten Zeit fiel, so dachte ich nun, schlimmer als der Ausgleich könnte es wohl auhc kaum werden, es ist immerhin „nur“ Hannover 96. Wieder wurde ich enttäuscht. Als Mikael Forssell in der 85. Minute alleine auf Jens Lehmann zulief, dessen miese Laune man bis in den Oberrang riechen konnte, dachte ich mir zum dritten Mal: „Das ist jetzt nicht wahr“ – war es allerdings trotzdem, auf einmal stand 3:2 auf der Anzeigetafel, sehr zum Unmut der VfB-Fans um mich herum, als wäre die ganze Sache nicht schon blöd genug gelaufen. Nach dem 2:0 erhobenen Hauptes voller Stolz, jetzt nur noch ein kleines Häufchen Elend ohne große Hoffnungen.


Danach nur noch Hauen und Stechen

Für mich war das Spiel eigentlich schon gelaufen. Das dachten wohl auch die Spieler von Hannover 96, die sich des Siegtreffers kurz vor Schluss schon sicher waren. Doch sie haben die Rechnung ohne unseren Kapitän Thomas Hitzlsperger gemacht. Wie das im Fußball nun mal so ist, reichen nur kurze Sekunden der Unachtsamkeit und schon nimmt das Spiel, das gewonnen oder verloren schien, eine Wende, mit der keiner gerechnet hat. Letzte Woche schon seinen berühmt-berüchtigten „Hammer“ im Spiel gegen Leverkusen ausgepackt versenkte er mit einer blitzschnellen Einzelaktion mit einem strammen Schuss den Ball im Netz, nur 2 Minuten nach dem es noch 3:2 gestanden hatte stand es nun 3:3. Der Gästeblock kannte kein halten mehr.

Natürlich kannst du mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, wenn du den Spielverlauf betrachtest, es zeugt eher von der Hannoverschen Moral, aus einem 0:2 ein 3:2 machen als von der schwäbischen Moral, postwendend zum 3:3 zurückzuschlagen. Insgesamt betrachtet waren dies 2 verschenkte Punkte, und da auch die Konkurrenz gegen uns gespielt hat, nützt uns dieser Punkt nur herzlich wenig. Aber es war mir fürs erste egal, immerhin besser, als wenn nach dem 3:2 von Hannover nichts mehr passiert wäre.


Auf einmal stands nur noch 2:1

Nicht einmal die Tatsache, das die Jungs nur kurz zum Gästeblock kamen um sich zu bedanken, konnte die Tatsache trüben, das es der VfB wieder einmal geschafft hat, sehr spät ein sehr wichtiges Tor zu erzielen. Glück und Unglück, Vermögen und Unvermögen sowie Sieg und Niederlage liegen oft so nah beieinander, das man nicht weiß, wo oben und unten ist. Und manchmal kann auch ein Unentschieden durchaus gerecht sein, auch wenn es nicht das ist, was man sich erhofft hatte.

Direkt im Gästeblock fand ich Phillip wieder, der im Nachbarblock untergebracht war, ließ mich wie vor über einem Jahr noch einmal mit der AWD-Arena im Rücken ablichten und verließ dann mit Phillip das Stadion, wo draußen Jonas und die anderen beiden Jungs gewartet haben. Mit gemischten Gefühlen brachen wir nach einer kurzen Plauderrunde auf, Philipp verabschiedete sich als erster in Richtung Bus zurück nach Süden, dann Jonas der weiterfahren musste zur Übernachtungsmöglichkeit, blieb ich übrig mit den beiden Jungs. Wir stiegen in die S-Bahn ein und ich plauderte mit dem VfB-Fan neben mir, der sich als Magdeburger VfB-Fan entpuppte – wie klein die Welt ist.


Diese verdammten Standardsituationen…

Am Hauptbahnhof holte ich erst mein Gepäck und wir waren dann doch zu Abend essen – ganz und gar die Kalorien aus dem Gedächtnis gestrichen genehmigte ich mir ein köstliches Dinner bei McDonalds bei schöner Aussicht auf den Bahnhofsvorplatz bei Nacht. Mit dem Ziel, eine Kneipe oder eine Bar zu finden, wo wir uns die Sportschau noch ansehen können, spazierten wir durch die Innenstadt Hannovers, ohne Erfolg. Am Ende landeten wir bei Saturn, wo wir uns auf einem riesigen Flachbildschirm die gewünschte Sendung angeschaut haben. Als der Beitrag zu unserem Spiel begann, brachen die Jungs zu ihrem eigenen Zug auf und ich wurde allein zurückgelassen. Keine 5 Minuten später war ich im Gespräch mit 2 anderen älteren Männern, die wie ich die Sportschau verfolgen wollten.

Halb 9 Uhr abends wurde es Zeit, zum Gleis 3 im Hauptbahnhof aufzubrechen, die Mitfahrgelegenheit zurück sollte starten: diesmal mit dem Zug. 3 Leute waren unterwegs mit dem Wochenendticket, ich fuhr mit, 2 davon kamen gerade vom Spiel Bremen gegen Gladbach, wie sich herausstellte, waren sie so wie ich als Gästefans unterwegs. Mit einer Viertelstunde Verspätung fuhr der Zug ab und ich genehmigte mir, müde und erschöpft wie ich war, ein Nickerchen. Das versuchte ich jedenfalls, was bei der überfrequentierten Stimme des Zugbegleiters immer wieder unterbrochen wurde.


Der Ausgleich wie aus dem Nichts

Der Schreck fuhr einem kurz vor Ankunft in die Glieder: „Nächster Halt: Halle Flughafen. Dieser Zug endet dort. Reisende nach Leipzig Hauptbahnhof nehmen bitte den bereit gestellten Ersatzzug. Danke für Ihr Verständnis“ – Ne, nix mit Verständnis, wollt ihr mich verarschen? Nützte nur nix, schnell alle Sachen zusammengepackt und umgestiegen. Erst als sich der Zug in Bewegung setzte, fiel mir ein, das ich meine Zeitschrift 11Freunde im Zug vergessen habe. Ein noch recht preisgünstiger Verlust und mir immer noch lieber als MP3-Player, Digitalkamera oder Handy, aber ärgerlich war es trotzdem.

Trotz aller Widrigkeiten kamen wir noch heile in Leipzig an. Nur 5 Euro kostete mich die Fahrt, die wir in 3 Stunden absolvierten. Ich musste zwar das letzte Stück vom Hauptbahnhof bis nach Hause zwar zu Fuß zurücklegen, da die Straßenbahn schon um 00:01 fuhr und nicht wie auf der Fahrplanauskunft um 00:05, aber ich war froh, als ich wieder daheim war.


Aber wir haben Hitz, thze Hammer. Mit einem blauen Auge davon gekommen…

Was für ein Tag. Das hätte auch schief gehen können. Wie gesagt, ganz zufrieden kann man nicht sein, aber dennoch: es war spannend ohne Ende und lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende (*husthusthustWolfsburghusthust*). Es freut mich jedenfalls zu berichten, das ich den Valentinstag 2009 mit meiner bisher größten Liebe verbracht habe: dem VfB Stuttgart!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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