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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Weiter, weiter, immer weiter

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Der Abpfiff war schon über 15 Minuten her und es hallte immernoch „Deutscher Meister wird nur der VfB!“ und „Wir wollen den Trainer sehen!“ durch die nachwievor gut besetzten Tribünen des Neckarstadions in Stuttgart, auch bekannt als Mercedes-Benz-Arena. Hier und heute wuchs in jedem von uns die Gewissheit, das wir das noch vor ein paar Monaten für unmöglich Gehaltene doch noch schaffen können. Nach einer mehr oder weniger verkorksten Hinrunde mit mehr Tristesse als Triumph kehrte seit dem Trainerwechsel der Erfolg in die baden-württembergische Landeshauptstadt zurück. Und nicht nur ich war mir sicher, dass unser Weg nach oben noch nicht beendet war.

Ein Sieg gegen Eintracht Frankfurt war Pflicht und die Erinnerungen an letzte Saison immernoch spürbar vorhanden, sie gehört zu den schönsten Erinnerungen in meinem noch relativ jungem VfB-Leben. Wir hatten einen mordsmäßigen Lauf, haben seit Ende November 2008 nur ein einziges Bundesligaspiel verloren, wenn auch deftigst (0:4 gegen Werder Bremen) und es war offensichtlich, das ein gut aufeinander abgestimmter VfB mit euphorischen Fans im Rücken so ziemlich alles erreichen kann: auch von Platz 11 bis auf Platz 4 und besser vorrücken.

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Mannschaftsaufstellung

Wie war das nochmal mit dem Freizeitstress? Ein enger Terminplan ist an meinen Live-Spieltagen stets vorprogrammiert, der Wecker klingelt immer sehr früh am morgen und wenn ich in der Regel des Nachts wieder ins heimische Bett falle, bin ich zusehendst geschafft, meist mehr vor Emotion und Freude über den erlebten Tag.

Die offizielle Abfahrtsszeit war auf 7 Uhr in der Früh festgelegt – tatsächliche Abfahrt: 7:45 Uhr. Mein Stammfahrer Reinhart hatte ungeplante Probleme mit der Deinstallation eines riesigen Subwoofers im Kofferreim in Stiefsöhnchens Auto, mit dem wir die 500 Kilometer an jenem sonnigen Samstag Morgen antreten wollten. Auch seine Frau Conny und die kleine Olivia (im März 1 Jahr geworden) waren mit dabei, was mich natürlich sehr freute. Schnell noch in Weißenfels den Torsten, der mittlerweile auch zum Stamm-Mitfahrer geworden ist, eingeladen – seines Zeichens ebenfalls ein Fan der Weiß-Roten – eingeladen und schon konnte es losgehen, inklusive Tunnelblick auf das am Nachmittag bevorstehende wichtige Spiel gegen die Eintracht.

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Ich wurde im Auto auf die Rückbank verfrachtet und hatte größtenteils meine helle Freude daran, mit Olivia zu spielen, doch wenn Sie mal eingeschlafen ist, war mir das auch nicht unbedingt unrecht, schließlich hatte ich bis Mitternacht meinen frisch gekauften MP3-Player aufgeladen und mit Musik bespielt und wegen der großen Nervosität auch nur mehr kurz als lang geschlafen und war froh über jede Möglichkeit, doch mal die Augen schließen zu können.

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(Fast) Perfektes Timing beim Klatschen

Uns war bewusst, dass wegen des Cannstatter Frühlingsfestes etliche Straßensperren errichtet worden waren, und da sich das Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen und das Stadion im selben Stadtteil Bad Cannstatt befinden, mussten wir ohnehin extra Zeit einrechnen, deswegen auch die frühe Anfahrt. Brachte am Ende nur relativ wenig, denn bei der Durchfahrt an Schwäbisch Hall vorbei, die uns Zeit sparen sollte, durchkreuzte ein minutenlanger Stau unsere Pläne – in der Stuttgarter Innenstadt wartete schon Kumpel Micha, mit dem ich eigentlich Mittag essen gehen wollte. Daraus wurde zwar nichts, aber man traf sich stattdessen am Hauptbahnhof und fuhr von dort aus gemeinsam zum Wasen, wo man eine erste Runde inklusive Bratwurst und Pommes gedreht hat.

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Viel Zeit blieb nicht, die vermeintliche Abkürzung über Schwäbisch Hall kostete zu viel Zeit, so war auch auf dem Wasen nicht mehr Zeit als zu einer kurzen Inspektion und den direkten Weg zum Stadion, wo bereits meine Leute auf mich warteten. Man könne sich glatt daran gewöhnen, alle 2 Wochen die selben Gesichter sehen – ich habe meine helle Freude daran!

Nicht ganz so unruhig-nervös wie vor manch anderen Spielen, denen ich beigewohnt habe, war ich etwas entspannter und ruhigen Gewissens, das die Jungs ihren Job schon machen würden. Nach einem kleinen Diesel musste man sich auch schon wieder verabschieden, schnell noch ein gemeinsames Foto fürs Album gemacht und ich machte mich auf zu Block 33b, so nah war ich abgesehen vom B-Block zur Pokalpleite noch nie am Kern der guten Stimmung. Eine Wohltat, vor Nervosität noch nicht auf allen Vieren kriechen zu müssen, das sparte ich mir lieber für das Saisonfinale auf.

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Torjubel vom 1:0 durch Cacau

Ich liebe Rituale, eines davon ist natürlich jenes, wenn man die Treppen hochläuft ins Stadion, ich schaue ins weite Rund, lächle zufrieden, atme tief ein und flüstere „Willkommen zu Hause“ – nirgendwo auf der Welt ist es schöner. Denn zu Hause ist, wo das Herz ist. Nach einigen ersten Fotos nahm ich dann auch schon meinen Platz ein und musterte die Leute um mich herum, die ich alle nicht kannte aber im Verlauf des Spiels wahrscheinlich noch kennenlernen würde.

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So nah am Herzen der Cannstatter Kurve ließ auch die Teilnahme am Schal-Intro zu den elektrisierenden Klängen von „You’ll Never Walk Alone“ nicht zu wünschen übrig: hoch die Schals und aus voller Lunge mitgesungen. Man mag sich darüber streiten, dass dieses Lied, ursprünglich aus England, mittlerweile in so gut wie jedem Stadion gesungen wird, aber eines steht außer Frage: eine Gänsehaut macht es einem immer wieder.

Auch wenn ich mich zu gern an das 4:1 der letzten Saison zurückerinnere, so vermutete ich auch, dass die Partie gegen die Frankfurter alles andere als ein Selbstläufer werden würde, schließlich gelang denen eine Woche zuvor der große Befreiungsschlag um die Abstiegssorgen zu vertreiben. Das Spiel wurde angepfiffen und auch unter dem erwartet sensationellen Support der Heimfans merkte ich, dass es wohl schwerer werden würde als letztes Jahr, als wir nach nur wenigen Minuten schon 2:0 führten. Konzentration aufs Spiel, heute zu siegen ist ohne Frage wichtiger als sich an Statistiken zu erinnern.

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Toooooooooor! Mario macht das 2:0!

Schon eine halbe Stunde gespielt und nach wie vor 0:0. Wenn wir am Ende mindestens ein Tor mehr als Frankfurt geschossen haben, sollte es sich trotzdem gelohnt haben. In der 33. Minute setzte Cacau, unsere schwarze Perle, dem ungeduldigen Warten auf das 1:0 ein Ende: mit einem tollen Flugkopfball ging der VfB in Führung und ich begann, wildfremde Menschen um mich herum zu umarmen. Man lebt schließlich nur einmal, nicht wahr?

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So konnte es doch weitergehen, an einem traumhaft sonnigen Samstag Nachmittag beweist mir der VfB einmal mehr, wie sehr sich doch jedes Mal die Fahrt nach Stuttgart lohnt, der Torjubel entschädigt für jede Strapaze, sei er in den Armen deiner vertrauten Freunde gefeiert oder mit wildfremden Menschen, die in diesem einen Moment mindestens eines mit dir gemeinsam haben: die personifizierte Freude.

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Der dazugehörige Torjubel mit Ansage

In der Halbzeitpause hatte ich meine liebe Mühe, meinen schmerzenden Rücken wieder auf Vordermann zu bringen, die lange Fahrt über und die kurzen Schlafphasen machten aus meinem Rücken ein Gefühl wie nach einer Nacht im Betonmischer. Meine yogamäßigen Verrenkungen fielen dem VfB-Fan schräg links von mir auf, mit dem ich so ins Gespräch kam und man sich auf Anhieb gut verstand. So ging auch die Halbzeit schnell vorüber und es konnte losgehen mit Halbzeit zwei. Und bekanntermaßen liebe ich es, wenn die Jungs auf meine Richtung zuspielen und man logischerweise auch mehr vom Spiel sieht.

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Wir wollen hüpfen, hüpfen, hüpfen!

Lange musste ich nicht warten. Wie gewohnt fast das komplette Spiel mit der Kamera aufgezeichnet – man bedenke: nur bei aussichtsreichen Torchancen, von denen es natürlich einige gab – wurde ich ein weiteres Mal belohnt, und wie! Schaue ich mir heute das Video an, was dabei entstand, so ist mein kreischend lauter Jubelschrei derart unüberhörbar, dass es sich hierbei selbstverständlich nur um einen einzigen Torschützen handeln kann, der mich und meine Lungen zu Höchstleistungen antreibt. Der anschließende kollektive Torjubel gemeinsam mit dem Stadionsprecher bescherte mir erneut große Glücksgefühle: „Toooor für den VfB..STUTTGART… Torschütze mit der Nummer 33, Mario…GOMEZ!!! Achtung, Spielstand: VfB Stuttgart…ZWEI…Frankfurt…NUUUULLLLL. Und das ist auch…GUT SO!“ – zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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Jaaaaaa, der VfB!

Das eine oder andere Törchen mehr hätte es ruhig noch sein können, doch es blieb bis zum Ende des Spiels beim hochverdienten 2:0. Nach einigen Torchancen, die aber entweder nicht richtig genutzt wurden oder die der dennoch starke Pröll an diesem Nachmittag gehalten hatte, wurde das Spiel abgepfiffen und versetzte das Ländle in vollkommene Entzückung.

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Olé Olé Olé Olé Olé Olé Ola!

Die darauffolgenden Minuten waren wie ein wundervoller Traum – nachdem die Mannschaft in die Kurve kam und sich für den sensationellen Support bedankte, nach einer Welle die ich natürlich vollends genoss und nach der Bekanntgabe der Konkurrenz-Ergebnisse, die allesamt zu unseren Gunsten ausgefallen waren, wurden die Sprechchöre in der Kurve lauter und lauter bis sich keiner dieser Gänsehaut-Athmosphäre mehr entziehen konnte.

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Que Sera, Sera, die Schwaben sind wieder da!

Mir stellten sich die Nackenhaare auf, als wir sangen „Deutscher Meister wird nur der VfB!“ und als wir – man bemerke, dass der Abpfiff schon weit über 10 Minuten her war – auch noch „Wir wollen den Trainer sehen!“ skandierten in diesem Moment der großen Freude, brannte sich mir die Szenerie nur zu freiwillig ins Langzeitgedächtnis. Es war unbeschreiblich klasse. Leider hat sich Markus Babbel nicht in der Kurve blicken lassen, aber er wird hoffentlich gemerkt haben, dass ihm und seiner Marschroute nicht nur 11 Spieler auf dem Platz folgen sondern auch der gesamte Anhang von VfB-Fans. Selbst dem Letzten dürfte spätestens jetzt gedämmert haben, dass ALLES möglich ist.

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Deutscher Meister wird nur der VfB!

Nun war der Abpfiff und besiegelte 2:0 gegen die Hessen schon eine halbe Stunde her. Noch dachte ich nicht daran, das Stadion zu verlassen, stattdessen plauderte ich engagiert mit dem jungen Mann, mit dem ich mich bereits in der Halbzeitpause kurz unterhalten hatte. Man quasselte über den VfB, die Möglichkeiten für den Rest der Saison und so vieles andere über den Fußball, das man nur nebenbei bemerkte, dass sich langsam, aber nur langsam das Stadion leerte und die Mercedes-Benz-Arena im Urzustand freigegeben wurde: mit leeren Rängen und roten Sitzschalen. Doch nun war es auch für mich an der Zeit zu gehen. Gemeinsam mit Martin, so stellte er sich vor, schlenderte man in aller Seelenruhe in Richtung Wasen, wo er seinen Bus bestieg und ich mich auf dem Weg zum Volksfest machte.

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Danke, Danke, Danke!

Ich war unglaublich stolz auf die Jungs und war mir sicher, dass es in dieser Saison nicht das letzte Mal gewesen sein dürfte. Nur 2 Wochen später wartete bereits das nächste Live-Spiel auf mich. Und mit dem Tabellenführer Wolfsburg ein ganz anderes Kaliber als die Eintracht im grauen Mittelfeld der Liga.

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Markuuus Baaabbel!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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