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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Letztes Heimspiel der Saison

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Zwei Dinge finde ich schon schade: dass die Saison nun bald vorbei ist (zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikels in nur wenigen Stunden) und dass das letzte Spiel der Saison kein Heimspiel ist. Also ließ ich es mir nicht nehmen, dem letzten Heimspiel der Saison beizuwohnen, das Ticket hängt bereits seit Monaten an meiner Pinnwand, durch nichts würde ich es mir nehmen lassen, mich von der Mercedes-Benz-Arena, so wie ich sie kenne, zu verabschieden. Nach dem Spiel rollten die Bagger an und eine 2-jährige Umbauphase beginnt.

Anders als zum Beispiel vor den Spielen gegen Hamburg und Wolfsburg gab es bei Energie Cottbus weniger Grund zur Sorge, aber es stand viel auf dem Spiel. In einem Interview nur wenige Tage zuvor äußerte Lucien Favre, Trainer bei Hertha BSC Berlin, folgendes Statement: „Der erste, der schwächelt, ist weg“. Gewinnen wir, bleiben wir oben dran im Titelrennen, patzen wir, müssen wir noch um die internationalen Plätze zittern. Ein heißer Drahtseilakt, der wieder das ganze Ländle elektrisierte.

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Mannschaftsaufstellung

Und wenn es schon das letzte Mal in Stuttgart für voraussichtlich 3 Monate ist, verlängerte ich meinen Aufenthalt kurzerhand übers ganze Wochenende. Da es übernachtungstechnisch bei Freunden nicht gut aussah, recherchierte ich nach günstigen Gästezimmern aus privater Vermietung. Schnell wurde ich fündig in Stuttgart-Bad Cannstatt, der Stadtteil, in dem das Stadion steht. Perfekter gehts eigentlich nicht. Nach einem halben Arbeitstag wurde ich Freitag Mittag abgeholt und es ging los in Richtung Hauptbahnhof um 2 Mitfahrerinnen einzuladen, dann wieder direkt nach Weißenfels, VfB-Mitfahrer Torsten wartete bereits und wir fuhren über Erfurt und Würzburg, da wir dort Conny, die Frau meines Stammfahrers nebst Tochter einsammeln mussten. Ein letztes Stück Autobahn auf dem Weg nach Stuttgart.

Gegen 21 Uhr konnte ich dann in meinem gemütlichen Gästezimmer einchecken, ein gemütliches Bett, ein Sofa, ein Schreibtisch, ein Kleiderschrank, ein gigantischer Spiegel und ein Fernseher, das ganze für 21 Euro die Nacht, beschweren kann man sich da wirklich nicht. Besonders erfreulich: eine Familie von VfB-Fans, bei denen ich gelandet bin. Das ist in Stuttgart-Bad Cannstatt aber vermutlich kein Kunststück. Eine Leipzigerin, die 500 Kilometer für den VfB fährt, allerdings schon. Genüsslich schaute ich noch fern während ich mein mitgebrachtes Abendessen verputzte und ging dann schlafen, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

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TOOOOOR! Hitzes Freistoß zum 1:0!

Früh musste ich aufstehen, als erste im Haus war ich aus den Federn, duschte und machte mich fertig. Auf gehts in Richtung Stadion, wo bereits am späten Vormittag der Hans auf mich wartete, ein Bekannter vom Tooor.de-Forum, seines Zeichens Fan von Energie Cottbus. Eine kleine Stippvisite im Fanshop mitsamt neuer Errungenschaft ging es direkt zu Ottos Kneipe in der Nähe des Stadions, wo wir es uns im Biergarten im Schatten gut gehen lassen haben bei Bier und Spezi, und später um die Mittagszeit bei einem schönen Schnitzel.

Später ging es wieder rüber zum Stadion, das große Fantreffen für die Leute vom Tooor.de-Forum ging los. Durch mein Eingreifen und die Koordination der Leute über SMS und Co. werden die Fantreffen zunehmend gut besucht, wo vorher nur 4-5 Leute waren, sind es heutzutage auch schonmal bis zu 8-10 Leute. Sie werden mir zweifelsohne ebenso fehlen, hier und jetzt wollte ich das letzte Fantreffen genießen, bevor es gegen 15 Uhr Nachmittags ins Stadion ging. Block 34 stand auf meinem Ticket, ebenso wie am Eingang, als ich die Treppenstufen nach oben stieg, stellten sich einmal mehr die Nackenhaare auf. Wir waren auf dem Weg wieder Fußballgeschichte zu schreiben, und heute sollte das vorletzte Kapitel mit einem Lächeln geschrieben werden.

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Der Zwischenstand aus Hoffenheim

Ich hatte einen guten Platz, schön zentral in der Cannstatter Kurve, hinter mir war ein leerer Platz, so konnte ich hoffen, keine „Hinsetzen!“-Rufe ertragen zu müssen. Anders als beim Wolfsburg-Spiel hatte ich zumindest keinen Zaun direkt neben mir, der mir die Sicht versperren würde. Ein letztes Mal die Mannschaftsaufstellung voller Inbrunst mitschreien, ein letztes Mal die kribbelnde Vorfreude und ein letztes Mal der Anpfiff des Spiels, dem man live beiwohnen darf. Es ging los. Lasst uns 3 Punkte holen.

Das Spiel war zäh, aber das war so schließlich zu erwarten. Energie Cottbus, Abstiegskandidat, mit dem Rücken zur Wand. Und wenn uns die Fußballgeschichte eines gelehrt hat, dann das Energie Cottbus durchaus Wunder vollbringen kann. Ein schnelles Tor wie das von unserem Torero Mario Gomez gegen Wolfsburg, wo er bereits nach 28 Sekunden ins Schwarze traf, war also nicht wirklich zu erwarten. Stattdessen ging das kollektive Raunen durch die Reihen, als die Bayern in Hoffenheim in Führung gingen. Nun war der VfB im Zugzwang.

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Mario wird eingewechselt

Gedulden mussten wir uns lediglich bis zur 19. Minute. Mittlerweile schon fast gewohnt, hielt ich die Kamera auf die andere Seite des Spielfelds, wo unser Kapitän Thomas Hitzlsperger für einen Freistoß bereit stand. Was zu tun war, war klar: schön in den Strafraum hineinziehen, wo einer unserer großen Jungs nur noch einzuköpfen brauchte – soviel jedenfalls zur Theorie. Aufgrund der großen Distanz zur anderen Spielfeldseite sah ich es nicht wirklich, aber der Ball segelte vorbei an Freund und Feind – und zwar direkt ins Tor. Erneut riss ich die Kamera in die Luft unter einem lauten Jubelgeschrei. Beeindruckend zu sehen, dass in Marios Abwesenheit unsere anderen Helden die Tore machen, denn unser Torero vom Dienst saß zunächst nur auf der Bank. Offizielles Statement: Adduktorenprobleme. Inoffiziele Vermutung: Schonung für Bayern.

Keinesfalls geschockt zog Energie Cottbus weiterhin ihr Spiel durch, was lediglich so ziemlich nur aus einer einzigen Sache bestand: in der Abwehr Beton anrühren, tief stehen, Manndeckung. Kurz gesagt: dann war erstmal kein Durchkommen mehr. Machte aber nichts, die Stimmung war prächtig bei strahlendem Sonnenschein. Verwirrt war ich lediglich, als alle um mich herum aufsprangen und jubelten – auf dem Platz war aber nichts zu sehen, was eines Jubels wert gewesen wär. Niemand in meiner Nähe vermochte die Frage, was los ist, zu beantworten. Die Anzeigetafel mit den Zwischenständen aus den anderen Stadien setzte meinem Umwissen ein Ende. Und wer es noch nicht anhand des Buschfunkes mitbekam, dürfte sich wohlwollend an Hoffenheims Ausgleich gegen die Bayern erfreut haben.

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Weiterhin taten unsere Jungs auf dem Rasen nur das Nötigste, um den Spielstand vorerst zu halten, es war kein schön anzuschauendes Spiel. Nur 7 Minuten nach Hoffenheims Ausgleich gegen die Bayern, sprang erneut nahezu jeder in der Cannstatter Kurve auf. Sie haben doch nicht… doch, sie haben. Die Anzeigetafel bestätigte unsere Hoffnungen: Hoffenheim führt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stand der VfB auf dem 2. Tabellenplatz. Bei uns passierte auf dem Spielfeld nicht viel, also ging es mit dem 1:0 Pausenstand in die Halbzeitpause, die ich sofort nutzte, die Treppenstufen nach unten lief um am benachbarten Eingang des Blocks 33 meine Freundin Bea zu treffen, die ich nun schon seit Januar nicht mehr in die Arme geschlossen hatte. Es war nicht viel Zeit, die uns blieb, es war dennoch schön, sich noch einmal beim letzten Heimspiel der Saison zu sehen.

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TOOOOOOOR! Cacau macht nach Marios Vorarbeit das 2:0!

Auf gehts in die Hälfte Nummer Zwei. Wollten wir dieses Spiel gut überstehen, würde uns ein zweites Tor sicher gut tun, denn für einige Minuten des Spiels schien es so, als wäre Energie Cottbus dem Ausgleich näher als wir dem 2:0. Und solange Mario Gomez fit fürs Bayernspiel ist, wäre es mir auch egal, wer das Tor machen würde, wir brauchten es jedenfalls ganz dringend. Das ständige Aufstehen und wieder Hinsetzen wurde in der Hitze dieses Samstags ohne Getränke an der Hand zur Belastung, deswegen lehnte ich mich lediglich gegen meinen Sitzplatz und hatte eine super Sicht auf das Geschehen vor mir, niemanden hinter mir schien das zu stören. So konnte ich aller Ruhe meine Fotos und Videos machen.

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Ole Ole Ola!

Kein anderer wird so derart in Stuttgart gehuldigt wie im Moment unser Mario Gomez – alle erhoben sich von ihren Plätzen, als er in der 68. Minute endlich eingewechselt wurde, weil nach vorne so gut wie gar nichts ging. Bei allem Respekt vor seinem Vertreter Ciprian Marica, der das erlösende und superwichtige 2:1 gegen Schalke einige Tage zuvor gemacht hatte, aber Mario ist ein Ausnahmestürmer. Nun sollte es doch hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis das 2:0 fallen würde. Gesagt, getan: 10 Minuten nachdem er eingewechselt wurde, verhalf er dem VfB zu 2:0-Führung. Nicht als Vollstrecker, sondern als Vorbereiter für Cacau. Da platzte die Cannstatter Kurve erneut aus allen Nähten, man umarmte wildfremde Menschen und war einfach nur noch glücklich.

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Noch etwas mehr als 10 Minuten zu spielen, das sollte doch zu schaffen sein. Und genauso war es dann auch, der Abpfiff kam und das Stadion jubelte. Die Nachricht, dass die Bayern doch noch ausgeglichen haben, kam erst zu spät, aber das sollte uns nicht groß irritieren. Erfreulicherweise hat Schalke 04 der Hertha ein torloses Unentschieden abgetrotzt und somit zogen wir durch unsere eigenen 3 Punkte vorbei von Platz 4 auf Platz 3.

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Laaaooooooooolaaaaa

Wie gewohnt kamen zuerst die Spieler in die Kurve, die frenetisch gefeiert wurden. Ich werde bis ans Ende aller Tage Gänsehaut bekommen, wenn ich mich nur daran zurückerinnere, wie es gewesen war: inmitten der Cannstatter Kurve, vor der Nase die Helden des Neckarstadions, und ein ohrenbetäubendes „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ bereiteten mir eine Gänsehaut. Nicht nur ich werde sie gehabt haben.

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Danke Jungs! Und nun zieht den Bayern die Lederhosen aus!

Wer ist schon nicht enttäuscht gewesen, als wir nach dem Frankfurt-Spiel das Erscheinen des Trainers gefordert hatten: „Wir wollen den Trainer sehen!“ sangen wir an jenem 25. April vor wenigen Wochen. Markus Babbel, der im Ländle für viele schon längst ein Heiliger ist, erschien nicht. Er wolle ja erst in die Kurve kommen, wenn er etwas zu präsentieren hatte. Unerwartet, und doch von allen Seiten des Stadions bejubelt, ließ er sich nun endlich blicken. Er klatschte in die Hände, winkte uns zu und warf Handküsschen in die Menge – ein gebürtiger Bayer und Ex-Bayernspieler wirft den Schwaben 1 Woche vorm vieles entscheidenden Südgipfel Handküsse zu – es war irgendwie ironisch und doch wieder so schön mit anzusehen.

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Die Ausgangslage für das letzte Spiel gegen München könnte kaum spannender sein: Wolfsburg mit 66 Punkten nach einem 5:0 gegen Hannover auf Platz 1, die Bayern mit 64 Punkten nach einem 2:2 gegen Hoffenheim auf Platz 2 und wir waren nach unserem 2:0 mit ebenfalls 64 Punkten und der leicht schlechteren Tordifferenz auf Platz 3. Alles kann passieren. Und nun beginnt die große Rechnerei: Wolfsburg reicht bereits ein Unentschieden zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Verlieren sie gegen Bremen, wird der Sieger unseres Spiels in München über die Meisterschaft entscheiden. Es könnte kaum aufregender sein.

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Dann kam auch endlich der Trainer in die Kurve

Nach dem Spiel schlenderte ich hinüber zu Ottos Kneipe, wo ich mich später noch mit Torsten traf und wir uns zu einer kleinen Gruppe anderer VfB-Fans dazustießen und einen tollen Abend erlebte. Es wurde gesungen, gejubelt, gelacht – und natürlich auch getrunken. Wir hatten auch etwas zu feiern: nämlich die Tatsache, unser vorgegebenes Saisonziel erreicht zu haben (Platz 5, den man uns nicht mehr nehmen konnte, war fix) und die damit einhergehende Chance, noch Größeres zu erreichen, wie aufregend.

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Und zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind es nur noch wenige Stunden bis zum Anpfiff des entscheidenden Spiels, ich bin dankbar, dass ich mich mit dem Schreiben dieses Artikels von der stetig steigenden Nervösität ablenken zu können. Nach jenem tollen Abend schlief ich besonders gut, wenn auch nicht besonders lang. Denn am nächsten Morgen stand schließlich noch das Mannschaftstraining auf dem Programm, wieder getragen von der fortwährenden Hoffnung, endlich ein Foto zusammen mit Mario Gomez zu bekommen, bevor es zu spät sein könnte.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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