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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Grandioser Auftakt in meine erste Dauerkartensaison

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Am 12.06.2009, 2 Tage vor meinem 23. Geburtstag, klingelte kurz nach um 12 Uhr mittags mein Telefon. In schönstem schwäbischen Dialekt wurde mir mitgeteilt: „Du darfst dich jetzt offiziell ‚Dauerkartenbesitzerin‚ nennen!“. 7 schöne Worte, deren erstmalige Erfüllung noch knapp über 2 Monate auf sich warten ließ: das erste Heimspiel der Saison 2009/2010. Endlich war es soweit.

Das erste Heimspiel wurde sogleich zum „neuen Derby“, nach Karlsruhes Abstieg in die 2. Liga ist Freiburg im Badnerland als Zweitliga-Aufsteiger unser neuer Konkurent im Kampf um den Titel „Die Nummer Eins im Ländle“. Und auch sonst war es weit mehr als ein „normales Heimspiel“, es sollte nicht nur der Auftakt in meine erste Dauerkartensaison sein, sondern zu gleich der Startpunkt zu einer 5-tägigen Europareise, die mich auf meinem Weg durch ganz Deutschland, Österreich und Ungarn nach Rumänien führte. Aber dazu an anderer Stelle.

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Seit 2007 ist es eine junge Tradition, die Heimspielsaison mit der „Karawane Cannstatt“ zu starten, ein riesiger Fanumzug durch die Straßen des Stuttgarter Stadtteils Bad Cannstatt, der sich jedes Jahr einer wachsenden Gemeinde erfreuen kann. In dem Bestreben, auch dieses Erlebnis mitzunehmen, ging es schon frühs um 7 in Grimma bei Leipzig los in Richtung Stuttgart, damit man auch rechtzeitig da ist.

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Eindrücke von der Karawane Cannstatt

Daraus wurde wegen Stau allerdings nichts, jedenfalls dachte ich das zunächst – meinem Stammfahrer Reinhart habe ich es zu verdanken, dass ich doch noch dabei sein konnte, in dem er absichtlich den Weg der Karawane kreuzte und ich aus dem Auto aussteigen konnte – während er selbst eine halbe Stunde des Wartens meinetwegen in Kauf genommen hatte.

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Schnell holte ich die Karawane von hinten ein, machte meine Fotos und Videos und genoss die herrliche Atmosphäre, dass es endlich wieder losgehen konnte. Auf den letzten Metern schritt ich mitsamt den Hunderten voran bis zum Stadion. Zu guter letzt wollte der Mannschaftsbus des VfB an uns vorbei, bereitwillig, wenn auch langsam, machten wir Platz und bejubelten unsere Helden im Vorbeifahren, denen unser ganzer Stolz gebührt. Und auch, wenn man durch die abgedunkelten Scheiben kaum etwas sehen konnte, der eine oder andere wird sicherlich geschmunzelt haben bei diesem Anblick eines bestens gelaunten weiß-roten Fan-Meeres.

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Am Stadion angekommen ging es am Fancenter sogleich die altbekannten Treppenstufen in Richtung Palm Beach, wo ich die Erste war zum ersten Heimspiel-Treffen mit meinen Leuten vom Forum tooor.de. Kumpel Phillip konnte gleich seine Wette einlösen, die er verloren hatte – als vor einigen Wochen das Transfergerücht „Klaas-Jan Huntelaar zum VfB Stuttgart?“ immer größere und euphorischere Kreise zog, befürchtete ich zunächst, es würde nicht klappen, Phillip hielt dagegen. Am Ende wäre es mir lieber gewesen, wir hätten diesen Stürmer bekommen und ich hätte meine Wetter verloren – so stießen wir an mit unserem Wetteinsatz: Pulle Wulle. Und dann wurde es auch langsam Zeit.

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Es heißt immer „Das erste Mal vergisst du nie“ – so viele Dinge, gerade in Bezug auf den Fußball, habe ich in den letzten 3 Jahren kennen und lieben gelernt. Der Moment, das erste Mal die eigene Dauerkarten an den Scanner zu halten und durch das Drehkreuz zu laufen, gehört zweifelsohne mit dazu. Die Band Juli hat es in Strophen und Refrain gefasst: „Ich bin viel zu weit gegangen, um jetzt zurück zu gehen; ich habe viel zu viel gesehen, zu spät um umzudrehen“.

Das erste Mal mit der eigenen Dauerkarte durch den Eingang, das erste Mal dem Ordner am Eingang lässig das Plastikkärtchen zeigen. Ganz und gar nicht neu: die Treppenstufen zum Platz hinaufgehen, den ersten Blick ins weite Rund werfen. Ich war hier bei weitem nicht zum ersten Mal – aber es ist immer noch die fesselnde Leidenschaft wie damals. Nirgendwo sonst wollte ich nun lieber sein als hier, im geliebten Stadion in Stuttgart-Bad Cannstatt.

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Schnell suchte ich meinen Platz in Block 37c in Reihe 44,  denn recht bald ging es auch schon los, mit dem üblichen Programm: Mannschaftsaufstellung, das letzte Warmsingen bevor die Mannschaften den Rasen betraten unter dem tosenden Beifall Zehntausender, denen die Sommerpause und die damit verbundene Trennung vom Heimstadion ebenso lang vorkam wie mir.

Schon ein eigenartiger Anblick, wie die Untertürkheimer Kurve auf einmal nicht mehr vorhanden war und stattdessen einen freien Blick nach draußen in Richtung VfB-Trainingsgelände freigab. Bis zum Beginn der Saison 2011/2012 würde unser Stadion endlich fertig sein, doch bis dahin geben Mannschaft und Fans alles – auch wenn die Zuschauerzahl bis auf weiteres statt 55.000 nur 39.000 fassen wird. Und auch die Tatsache, auf einer Baustelle zu spielen: ich freute mich, wieder hier zu sein. Die Trillerpfeife des Schiedsrichters läutete es ein, das erste Heimspiel der Saison 2009/2010 – auf gehts Stuttgart, kämpfen und siegen!

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Grund für den Umbau sind die Belange des Fans: eine Tartan-Laufbahn ums Spielfeld herum sorgt dafür, dass die Zuschauer allesamt recht weit vom Spielfeld entfernt sind. Diese soll wegkommen und Fans und Spieler näher zueinander bringen. In diesem Zuge wurde das Spielfeld in der Sommerpause tiefer gelegt, die Untertürkheimer Kurve wurde abgerissen und wird in den nächsten Monaten näher am Spielfeld neu aufgebaut. In der nächsten Sommerpause wird diese fertig sein und die Fans aus der Cannstatter Kurve, inklusive meiner Wenigkeit, wird umziehen auf die Gegenseite und das Spiel beginnt von vorne. Wir dürfen gespannt sein, ich freue mich sehr auf das neue Stadion und die damit verbundene noch bessere Stimmung im Stadion, die sich bisher im weiten Rund ein wenig verloren hatte.

In den ersten 45 Minuten wollte nicht ernsthaft etwas zusammenlaufen auf dem Rasen – Fehlpässe und nicht genutzte Torchancen sorgten für steigendes Unwohlsein. Denn jeder weiß, dass es einem durchaus auf die Füße fallen kann, wenn man vorne die Tore nicht macht. Dann kassiert man sie nämlich hinten, wie die Erfahrung schon oft gezeigt hat, zuletzt in Wolfsburg, eine Woche zuvor. Es wurde zum Geduldsspiel und bis zum Beginn der 2. Halbzeit war es das größte Highlight, meine Freundin Julia und deren Schwester Lena in der Halbzeitpause zu treffen. Voller Hoffnung, es würde im letzten Durchgang besser werden, nahm ich dann wieder meinen Platz ein – und ich sollte nicht enttäuscht werden.

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Kaum waren die ersten 7 Minuten gespielt, so durfte ich endlich erstmals jubeln. Nahezu „selbstredend“ hielt ich mit meiner altbewährten Digitalkamera aufs Spielfeld. Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen: Eine Ecke von Elson landete per Verlängerung bei unserem alten und neuen Helden Alex Hleb, der in einer fantastischen Bewegung den Ball weiterleitete an Arthur Boka, der genau wusste, wie er nun laufen musste. Eine kurze Flanke und auf dem nun aufgezeichneten Video ist nur „G & G“ zu hören und zu sehen: Geschrei und Geschüttel. Unser Stürmer-Neuzugang Pavel Pogrebnyak vollstreckte und erzielte im ersten Heimspiel sogleich sen erstes Tor für den VfB. So konnte es weitergehen. Und meine Gebete wurden erhört.

Weitere 12 Minuten vergingen, die im Vergleich zu den ersten torlosen 45 wie im Fluge vergingen. Torschütze Pogrebnyak wurde im Strafraum gefällt – später erfuhr ich, dass es wohl kein einwandfreier Elfmeter war, aber diesen nahmen wir natürlich dankbar an. Ich sah ja auch nur das, was 39.000 Menschen im Stadion sahen: Strafraum, Foul, Sturz, Pfiff. Elson, der schon einige wichtige Tore schoss, war selbstbewusst genug, den Strafstoß zu verwandeln, was er aus eiskalt tat. Somit stand es nach 65 Minuten 2:0 für den VfB, und das Spiel war ja immer noch nicht vorbei.

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Eines ist klar: wenn ich vorher gewusst hätte, wie spannend dieses Spiel werden würde, ich hätte mir Herztabletten mitgenommen, soviel ist sicher. Die darauffolgenden Minuten wurden zum Auf und Ab der Gefühle: nur 5 Minuten nach unserem komfortablen 2-Tore-Vorsprung erzielten die Freiburger das 2:1-Anschlusstor, die Nervosität, die sich daraufhin schlagartig im Stadion ausbreitete, war von dieser unheimlichen, kalten Sorte. Glücklicherweise war das kein allzu langer Zustand, denn im direkten Gegenzug erzielte der Mann des Tages, Elson, das 3:1. Das Stadion wurde endgültig zum Tollhaus, denn es war ein derart schönes Traumtor, zum Zunge schnalzen schön. Ich hatte noch keine Gelegenheit, es mir genau anzuschauen, aber ich sah es im Stadion schon, wie schön dieses Tor war: Elson zog ab aus 27 Metern, der Ball wurde länger und länger um sich dann hinter dem Torwart so schnell zu senken wie ein Stein. Eine Ehre, bei so einem Treffer live dabei gewesen zu sein.

Wieder 10 Minuten später machten es die Freiburger erneut spannend und machten sogar noch das 3:2. Es war zum verzweifeln, die heimischen Fans machten das Stadion zum Hexenkessel und peitschten unsere Mannschaft nach vorne, immer weiter, immer weiter, immer weiter. Nach einer 2:0-Führung in der Situaion sein, noch das 3:3 zu befürchten, absolut nicht auszudenken, zumindest nicht im Derby.

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Der Support der VfB-Fans zeigte durchaus seine Wirkung. Zu meinem Kumpel Marc, der neben mir saß, meinte ich nach dem 3:1 noch voller Euphorie: „Pass auf, der Schieber macht in der 90. Minute auch noch ein Tor“. Kurz vor Schluss, in der 89. Minute war es dann auch tatsächlich unser junger Julian Schieber, der zum 4:2-Endstand erhöhte und dem VfB dem Derbysieg endgültig klar machte. Jede Anspannung, Nervosität und Panik, die uns von den Anschlusstreffern zum 2:1 und 3:2 in den Knochen war, fiel schlagartig von uns ab und wir feierten unsere Mannschaft und uns selbst ausgelassen als die Nummer eins im Ländle. Und jene Siege sind und bleiben nun einmal die schönsten in der Saison.

Nach dem Spiel ging es wieder zum Otto, wo noch ein wenig gefeiert wurde. Doch dann war es auch schon wieder Zeit zu gehen, denn ich hatte noch etwas vor am Abend. Doch erst einmal wurde Quartier bezogen in der Jugendherberge Stuttgart – von wo aus ich am nächsten Morgen zu großen Taten aufbrechen wollte. Die Reise ging weiter – weiterlesen.

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Das 1:0 durch Pogrebnyak

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Elson mit dem Elfmeter zum 2:0

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Traumtoooooor! Wieder Elson! 3:1!

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Schlusspunkt dank Schieber – 4:2!

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Danke Fans!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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