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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Lange Reise, schöne Tore, großer Sieg

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Es war eine Premiere, die besser hätte nicht laufen können: das erste internationale Auswärtsspiel mit dem VfB auf ausländischem Boden wurde zu einem absoluten Traum, den ich mir (fast) genau so vorgestellt habe.

Nach einer langen Reise über Stuttgart, Amstetten (Österreich) und Szeged (Ungarn) führte mich mein Weg nach Timisoara, der zweitgrößten Stadt Rumänien. Wie die Reise war und was ich mit meinen Mitfahrern erlebt habe, ist natürlich ebenso beschrieben – weiterlesen.

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Die großen Flutlichtmasten des „Stadionul Dan Paltinisanu“ ragen schon von weitem gut sichtbar in den rumänischen Himmel der untergehenden Sonne. Dort angekommen war mir schon wieder ordentlich warm, denn ich hatte eine dünne Jacke an, um mein darunter befindliches VfB-Shirt zu verbergen, bis wir am Gästeblock angekommen waren, bis dahin war es die klügere Variante, fürs erste inkognito zum Stadion zu laufen.

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Und wie bereits gedacht, kamen wir auf der Seite der rumänischen Fans an, und als die weiß-roten Massen in Sicht waren, konnte auch ich endlich die Jacke ausziehen – bei immer noch hochsommerlichen Temperaturen an diesem fortschreitenden Abend war das zwar eine Wohltat, änderte jedoch nichts an der vorherrschenden tropischen Hitze.

Nach der Entledigung von unerwünschten Gegenständen, unter anderem meiner Sonnencreme und meines VfB-Feuerzeugs gingen wir hinein, wo schon einige VfB-Fans da waren und der „rumänische Rest“ noch so gut wie unbesetzt war. Uns wurde dann aber auch klar, wieso: die rumänische Uhrzeit ist der deutschen um 1 Stunde voraus, was wir zwar berücksichtigt hatten beim Loslaufen, aber nicht, dass die feste Uhrzeit zur Übertragung um 20:45 Uhr deutscher Zeit ist – und wir somit eine Stunde zu früh am Stadion waren.

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Da wir nun aber schon einmal im Stadion drin waren, bekamen wir die eine Stunde auch noch rum, wenn auch mehr oder weniger mit dem einen oder anderen Grummeln von Reinhart. Ich konnte die Zeit zumindest währenddessen sinnvoll für Fotos und ein paar Gruß-SMS nach Deutschland nuzen.

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Doch auch diese Zeit ging rum, das Stadion füllte sich immer mehr und die Stimmung war bestens. Als auch mein Kumpel Philipp auftauchte und man sich herzlich begrüßte, wollten Reinhart, Conny und Torsten den Platz wechseln und eine bessere Aussicht haben aus der obersten Reihe. Während mir zunächst mehr an guter Stimmung lag und ich mit Philipp unten beim Stimmungskern bleiben wollte, siegte dann das schlechte Gewissen und ich ging dann doch wieder nach oben zu meiner „Zweitfamilie“, mit der ich schon tausende von Kilometern gefahren war und es nicht nett gewesen wär, hier beim Spiel woanders zu sein.

Die Gänsehaut, die mich beim Abspielen der Champions League Hymne überkam und mir einen positiver Schauer über den Rücken jagte, werde ich wohl nie vergessen: hier stand ich nun, weit über 1.000 Kilometer von zu Hause entfernt beim Champions League Qualifikationsspiel des VfB Stuttgart in Timisoara, der zweitgrößten Stadt Rumänien. Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass das absolut verrückt ist.

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Das Spiel begann und gleichzeitig mit dem Schiedsrichterpfiff war mir klar, dass ich mit den Fotos und Videos am heutigen Abend sparsam sein musste – nicht des Speicherplatzes wegen, sondern weil ich natürlich keine Batterien mit ins Stadion nehmen konnte. Und wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind das erschöpfte Batterien oder volle Speicherkarten mitten im Spiel, wenn man weiß, dass man keinen Nachschub hat.

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Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen, fleißig Fotos und auch Videos anzufertigen – knapp eine halbe Stunde lang tasteten sich die beiden Teams einander ab, doch dann sollte es Schlag auf Schlag gehen. Nach 28 Minuten wurde unser rumänischer Stürmer Ciprian Marica im Strafraum gefoult – logische Konsequenz: Elfmeter für den VfB Stuttgart, die Spannung im Stadion war greifbar. Timo Gebhart fasste sich ein Herz und vollstreckte, ungeachtet der Zappeleinlage des Torwarts. So weit weg von zu Hause, so weit weg von Stuttgart, im Torjubel ist man doch irgendwie immer vereint.

Während die meisten der mitgereisten Fans noch mit Jubeln beschäftigt waren, offenbarte sich denen, deren Blick sich wieder gen Spielfeld zuwandt, ein einzigartiges Schauspiel: Alex Hleb, unser neuer und alter Held, dribbelte auf der linken Seite in Richtung Tor, ließ dabei 1, 2, 3, 4 rumänische Spieler des FC Timisoara aussteigen und verschaffte ihnen einen Platz in der ersten Zuschauerreihe, für einen absoluten Sahnetreffer. Im Gästeblock gab es nun kein halten mehr, es wurde nicht nur gebrüllt und geschrien vor Freude, man umarmte Fremde Menschen, busselte sich ab, sprang in die Luft und versuchte krampfhaft zu glauben, was hier gerade passiert ist. Keine 120 Sekunden waren seit dem 0:1 vergangen und nun führten wir auswärts äußerst komfortabel mit 0:2. Ich rieb mir die Augen und hoffte, das wäre kein Traum gewesen. Und es war kein Traum, welch unwiderstehliches Solo von Alex Hleb, traumhaft und doch kein Traum.

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Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es gut und gerne so weitergehen können, doch der Rest der 1. Halbzeit verlief mehr oder weniger ereignislos, außer dass nun auch die Rumänen vermehrt zu Torchancen kamen, die unser Torwart Jens Lehmann, an diesem Abend erneut mit dem Attribut „Weltklasse“, allesamt entschärfen konnte. Er hielt alles, was es zu halten gab.

Die Halbzeitpause nutzte ich zugleich für ein zweites kurzes Treffen mit Philipp, der daherkam, wie die meisten im Stimmungskern des Gästeblocks: hunderte gutaussehende Männer oben ohne, da sage ich natürlich nicht „Nein“. Kurz geschwätzt, dann ging ich wieder nach oben an meinem Platz mit bester Aussicht über das ganze Stadion, es war immernoch wahnsinnig heiß, auch für die abendlichen Stunden.

Nach der Pause wurde die 2. Halbzeit zum Geduldsspiel, es wollte einfach nicht mehr so gut klappen. Es ist müßig, zu überlegen, wie fantastisch das Spiel noch hätte werden können, wenn Pavel Pogrebnyak in der 56. Minute das 0:3 versenkt hätte, doch abschlachten wollten sie sich nicht, die tapferen Rumänen.

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Als die letzten 30 Minuten ebenso torlos waren und bis auf ein paar „Puh, Glück gehabt“-Verschnaufer auch nicht wirklich spannend gewesen sind, lenkte sich mein Hauptaugenmerk größtenteils auf die Fans der beiden Mannschaften. Zusehendst konnte man beobachten, dass die rumänischen Fans vom deutlichen 0:2-Rückstand eher unbeeindruckt waren und ihre Mannschaft fleißig nach vorne peitschten, ein schönes Schauspiel. Und auch der gut gefüllte Stuttgarter Gästeblock machte eine gute Stimmung im Stadion, ungeachtet dessen, dass die Gegenseite die Fangesänge ohnehin nicht verstehen könnte.

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Nach 90 Minuten, von denen 1 Stunde plus Halbzeitpause wie im Fluge vergingen, vorbei waren, rollte eine Welle der Glückseligkeit durch den Gästebereich. Es war geschafft, der wichtige Auswärtssieg mit 2 geschossenen und keinen kassierten Toren, das war schon die halbe Miete. Ausgelassen feierten wir die Jungs, als sie am Ende des Spiels zu uns in die Kurve kamen und sich für die tolle und vor allem zahlreiche Unterstützung bedankten, unter anderem mit in die Menge geworfene Trikots, die aufgrund meines Platzes unerreichbar waren.

Es folgte die obligatorische Blocksperre, die bei allen internationalen Spielen auf Vereinsebene Anwendung findet, und so wurde auch in diesem Falle der Gästeblock bis eine halbe Stunde nach Abpfiff verschlossen gehalten. Auch wenn wir wieder nach Hause fahren wollten nach dieser langen, ereignisreichen Reise durch Europa, so bin ich doch dankbar für diese Blocksperre, denn ich konnte sie im doppelten Sinne genießen.

Während der 2. Spielhälfte sah ich einige Reihen vor mir einen jungen Mann mit einer professionellen Fotokamera, der Fotos vom Stimmungskern des Gästeblockes machte und verschiedene Perspektiven ausprobierte. Er kam mir bekannt vor, ich war mir jedoch nicht sicher – doch statt zu warten, bis ich wieder daheim bin und es mir später per E-Mail bestätigen zu lassen, dass er es war und ich mich vermutlich maßlos geärgert hätte, zückte ich mein Handy und schrieb demjenigen eine SMS. 30 Sekunden und ein kurzes Handy-Piepsen später herrschte Gewissheit. Während der Blocksperre machte ich mich auf die Suche nach ihm und fand ihn auch. Fast 2 Jahre hat es mit dem ersten Treffen gedauert, war er doch der Einzige, der einst Fotos vom Gästeblock meines ersten VfB-Spiels in Berlin hatte und man seitdem in E-Mail-Kontakt stand.

Darüber hinaus war es überaus schön zu beobachten, was zwischen den Fanblöcken von Timisoara und des VfB Stuttgarts passierte. Die heimische Fankurve der Rumänen blieb trotz des frustrierend anmutenden Ergebnisses aus Sicht des rumänien Vizemeisters, bis lange nach dem Abpfiff gut gefüllt. Und da die VfB-Fans ohnehin noch nicht aus dem Block rauskonnte, lieferten sie sich ein unablässiges Hin- und Her der Fangesänge, die gegenseitig geduldig angehört und ausgiebig beklatscht wurden, was ein zartes Band der Sympathie zwischen beiden Fan-Lagern knüpfte. Mit dem letzten Fangesang der Stuttgarter öffneten sich die Tore des Gästeblocks: „Wir wollen jetzt weiterfahrn, wir wollen jetzt weiterfahrn, wir wollen, wir wollen, wir wollen jetzt weiterfahrn!“.

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Timo Gebhart mit dem Elfmeter zum 1:0[myvideo 6829310]

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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