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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Wenn alles steht und keiner lacht

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4 Tage in Stuttgart:
Teil 1: Weiter auf Talfahrt
Teil 2: Autogramme beim Mannschaftstraining
Teil 3: Eisbär, Flusspferd, Känguruh
Teil 4: Wenn alles steht und keiner lacht

… hat Stuttgart keinen Punkt gemacht – „Schon wieder“, wie man leider mittlerweile schon sagen muss. Dabei sah es eigentlich gut aus. Niemand, dem du erzählst, dass dieses Spiel mit 1:3 verloren ging, glaubt dir ernsthaft, dass es das bisher beste Spiel der Saison war. Die Jungs sind gerannt und haben gekämpft, sie haben nur vorne das Tor nicht getroffen und sich in wenigen, aber spielentscheidenden Situationen Nachlässigkeiten erlaubt, was eiskalt bestraft wurde.

Nach der erneuten Heimpleite gegen Schalke wenige Tage zuvor, waren die Hoffnungen auf einen Sieg im Champions League Heimspiel gegen Sevilla selbstredend nicht gerade groß. Doch dann begann das Spiel und man fing an, doch wieder Gefallen an der Art und Weise des Auftretens zu finden. Wille, Leidenschaft, Kampfgeist, in der letzten Zeit so schmerzhaft vermisste Eigenschaften. Vielleicht geht ja doch was, dachte man sich, in aller Bescheidenheit.

Selbst die Stimmung im Stadion zeigte wieder mehr Leidenschaft und ich erlebte etwas, was ich schon seit ewigen Zeiten in Stuttgart erlebt habe: Dass sogar das Sitzpublikum der westlichen Cannstatter Kurve, wo ich meinen Dauerkarten- und Champions League Platz habe, die ganzen 90 Minuten komplett stehen bleibt und die Fangesänge mitmacht, war eine Wohltat. Sollten es die Jungs auf dem Platz nicht aus eigener Kraft schaffen, dann doch wenigstens mit dem Pushen und dem Support der Fans, die selten so geschlossen hinter ihrer Mannschaft standen wie an jenem kühlen Dienstag Abend.

Und es geschah etwas, was ich nach den letzte 3 Heimniederlagen in Folge nicht für Möglich gehalten hatte: Nach dem zu erwartenen Rückstand in der 23. Minute schmissen die Fans nicht das Handtuch sondern sangen, schrien und unterstützten weiter. Und auch unsere Mannschaft gab sich nicht auf, kämpfte weiter um jeden Ball und erfreute uns mit Pässen, von denen die meisten sogar angekommen sind – als VfB-Fan muss man eben auch manchmal genügsam und bescheiden sein, wenn es allgemein schlecht läuft. Da ist auch eine deutlich geringere Fehlpassquote erfreulich.

Mit einem 0:1 ging es in die Pause, statt mit Pfiffen schickte man die Jungs mit aufmunterndem Applaus in die Kabine. Als würde man sagen wollen „Lasst den Kopf nicht hängen, heute kämpfen wir gemeinsam: 11 + 40.000″. Die Halbzeitpause nutzte ich nach einigen Spielen, die ausgelassen wurden, für ein Halbzeittreffen mit Martin, wieder traf man sich auf halber Strecke am Block 35. Auch er war der Meinung, es wäre ein super Spiel, super Stimmung, nur das Tor müssten sie treffen, Chancen dazu hatten sie auch schon in der ersten Hälfte mehr als genug.

Die zweite Halbzeit begann und wieder erhoben sich die, die sich in der Pause hingesetzt hatten, von ihren Plätzen und unterstützten unseren VfB. Nur wenige Minuten waren gespielt, kam der nächste Tiefschlag unter die Gürtellinie: das 0:2, doch wir gaben immer noch nicht auf. Es waren spannende Minuten, denn nach dem 0:2 drehte unsere Mannschaft erst richtig auf und schnürten die Spanier in der eigenen Hälfte ein. Es wurde auf das Tor vor der Cannstatter Kurve gespielt, ein Grund mehr, endlich mal zu treffen. Das Raunen bei vergebenen Torchancen oder gehaltenen Bällen kam im Minutentakt.

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Ein paar der erfolgsverwöhnten Fans verließen das Stadion vorzeitig nach 73 Minuten. Das 0:3 war dann doch etwas zu viel des Guten, jedenfalls für viele, die keinerle Verständnis hatten, mit einem eigentlich guten Spiel 3 Tore zu kassieren und nicht ein eigenes zu schießen. Doch wenigstens einmal wurde dann auch noch getroffen, Elson mit einem fabelhaften Freistoß verkürzte spät aber mehr als verdient auf 1:3, die Worte des Stadionsprechers klingen mir noch heute in den Ohren: „Und jetzt hauen wir drauf und das ist auch GUT SO“.

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Elsons wunderschöner Freistoßtreffer zum 1:3

Und das Draufhauen erfüllte sich, im sprichwörtlichen Sinn: kurz vor Schluss knallte der Ball nicht ins Tor vor unserer Kurve, sondern nur an den Pfosten. Wenn du aus so vielen Chancen nichts machen kannst und ein solch gutes Spiel doch so deutlich verlierst, dann bist du natürlich enttäuscht. Was übrig bleibt ist die unübersehbare Steigerung der Formkurve. Wohlwollend wurde die Mannschaft minutenlang in der Cannstatter Kurve verabschiedet, dieser Abend war ein Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans, beide zeigten wieder das, was man von ihnen erwartet: bedingungslos alles zu geben.


Nach dem Spiel abgefangen: Roberto Hilbert

Nach dem Spiel traf ich mich nochmal mit Kevin, den ich am Sonntag zuvor beim Mannschaftstraining kennengelernt hatte. Wir wussten beide nicht, wann man sich mal wieder sehen kann, daher nutzte man die letzten verbleibenden Minuten für das obligatorische Gespräch, wie es mit dem VfB nun weiter geht. Prognosen kann keiner machen, dazu spielt der VfB meist zu unberechenbar. Doch wenn sie so spielen wie an diesem Abend gegen eine ebenso bockstarke Mannschaft, dann können wir uns sicher sein, dass die schönen Zeiten bald wieder Einzug halten ins Schwabenländle. Gemeinsam warteten wir noch auf den einen oder anderen Spieler, der am Ausgang der Haupttribüne abgefangen werden könnte – und ich wurde um ein weiteres Foto mit Roberto Hilbert reicher.

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Meine Jungs…
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…und ich :)

Die Rückfahrt wurde Punkt Mitternacht angetreten, in dem vollbeladenen Mercedes Viano ließ es sich einigermaßen gut schlafen, über Zwischenstationen in Ulm, Hof und Weißenfels wurde jeder einzelne nach Hause chauffiert. Um 6 Uhr morgens fiel ich todmüde ins Bett – um 6 Stunden später wieder auf Arbeit zu erscheinen.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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