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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Auf Sparflamme zum nächsten Heimsieg

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In der Küche macht die Mikrowelle „Pling!“, die Milch ist fertig. Schmunzelnd gieße ich das Pulver hinein, setze mich an den Rechner, rühre mit einem Löffel nochmal um und nehme einen genüsslichen Schluck von meinem frisch zubereiteten Kakao. Wenn es ein Getränk gibt, was genau richtig ist, um am Morgen nach dem Spiel gegen Frankfurt mit dem Spielbericht zu beginnen, dann ist es Kakao. Zu Ehren von Cacau.

Halbwegs auskuriert wurde ich gestern Vormittag halb 8 von Reinhart abgeholt, bei schönstem Frühlingswetter ließ ich mir die Sonne ins Gesicht scheinen, schloss die Augen und schlief ein, wenn auch nur für eine knappe halbe Stunde, bis mich mein eigener Husten wieder aufgeweckt hat.


Franz und ich

Ich müsste mich anstrengen um mich daran zu erinnern, wann ich zuletzt derart viele SMS während der Fahrt geschrieben hatte, glücklicherweise dachte ich auch heute an das frisch geladene Ersatz-Handy, zu oft passierte es, dass der Akku platt und die Organisation noch nicht abgeschlossen war. In erster Linie schrieb ich mit meinem Kumpel Franz, den ich an diesem Nachmittag in Stuttgart erwartet hatte, nach kleinen organisatorischen Problemen wurde dann doch noch alles geklärt und alle waren glücklich, als mir der Stallgeruch in die Nase stieg, während wir nach Bad Cannstatt hineinfuhren und dabei auf dem Weg zum Stadion den Mob vom Commando Cannstatt auch noch einholten.


StudiVZ-Moderatoren-Kollege Farid

Immer dieser Freizeitstress, kaum an unserer Stammkneipe angekommen, überquerte ich auch schon die letzte Straße, die mich vom Stadion trennte, durch die Tiefgarage direkt zum Fancenter, wo Franz bereits auf mich wartete. Ursprünglich wollten wir noch etwas essen gehen, die beiden Polizisten, die uns auf dem Weg zurück entgegen kamen, hielten das jedoch aufgrund des „Frankfurter Gebiets“ für keine gute Idee und so kehrten wir um, viel Zeit hätte ich ohnehin nicht gehabt, für 13:45 Uhr war ich am Stadion mit StudiVZ-Moderatoren-Kollege Farid verabredet zur Kartenübergabe, und es war ja bereits 13:35 Uhr.

Lange ist es her, dass ich bei so schönem Wetter ein Wiedersehen mit vielen Freunden und Bekannten feiern konnte, in friedlicher Eintracht (der war lahm, ich weiß!)… Nicht nur mein guter Freund Franz war seit Dezember 2008 mal wieder mit dabei, damals das emotionale 2:2 gegen Bayern München, auch Jonas sah ich nach langer Zeit wieder. Farid war dabei und Philipp sowieso, er bekam unerwartete Unterstützung von einer kleinen süßen Maus, die ihm einen ganzen Stapel Flyer abnahm und verteilte – Jugend forsch.

„Ein hoher Sieg“, da waren wir uns alle bei der Verabschiedung ziemlich sicher. Für mich persönlich war es nun schon das dritte Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, vorletzte Saison mit 4:1 gewonnen, letzte Saison mit 2:0, kommt heute der nächste Heimsieg? Der erste Blick ins Stadion, es kommt selten vor, dass die Wartezeit zwischen den Heimspielen so kurz ist, erst am Dienstag war ich gegen Barcelona das letzte mal hier. „Willkommen zu Hause“ flüsterte ich mir selbst zu und bezog bis zum Anpfiff Stellung am Geländer im 37er Block, mit bestem Blick auf den Gästeblock und die frühlingshaften Sonnenstrahlen, welche das Stadion, den Rasen und unsere Gemüter erhellten. Zu Hause – nirgendwo ist es schöner.

Schon bei der Mannschaftsaufstellung wurde klar, dass etwas mit den Lautsprechern nicht stimmte, man hörte kaum ein Wort. Von meinen Kollegen in Block 37c war lediglich Micha anzutreffen, zum letzten Mal für die nächsten paar Wochen, da seine Frau ein Baby bekommt. So schön das Wetter an jenem letzten Samstag im Februar auch war, das Spiel gegen die Frankfurter Eintracht war es definitiv nicht. Da war es streckenweise sehr viel interessanter, die Techniker zu beobachten, die unter dem Stadiondach herumliefen um die Lautsprecher wieder auf Vordermann zu bringen. Und auf dem Spielfeld? Fehlpässe, Rumgegurke, versemmelte Torchancen en masse, es war zum Haare raufen.

Dazu passte dann natürlich auch, dass selbst Khedira, unser Mittelfeld-Motor, unser Antreiber und Nationalspieler, sich einen granatenmäßigen Fehlpass leistete, frei von jeglicher Umsicht, die er sonst stets an den Tag legt. Als die mitgereisten Hessen in den Blöcken 39 und 40 extatisch jubelten, bemühte ich mich nach den restlichen Leibeskräften, nicht an die Statistik zu denken. Wenn wir den Abstieg vermeiden und weiter nach vorne kommen wollten,  mussten wir hier und heute diesen Rückstand drehen.

Nachbar Micha hatte genug, 5 Minuten vor Halbzeitpause ging er lieber austreten und sich nochmal mit Bier und Wurst eindecken, statt die letzten Minuten der 1. Hälfte noch zu sehen, drohten sie auch noch so frustrierend zu sein. Man zeige mir eine Person im Stadion, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht darauf eingestellt hatte, mit dem Rückstand in die Halbzeit zu gehen. Niemand? Das dachte ich mir, ich auch nicht. Geduldig, wenn auch mit dem sprichwörtlichen „riesen Hals“ wartete auch ich auf den Halbzeitpfiff.

Noch 4 Minuten bis zur Halbzeitpause, es gab noch eine Ecke auf der anderen Seite des Spielfelds vor der Untertürkheimer Kurve, die in den letzten Wochen rasante Baufortschritte machte. Viel versprochen hatte ich mir nicht davon, deswegen blieb ich fürs erste sitzen, hielt aber trotzdem die Kamera drauf, man kann ja nie wissen. Die Ecke kam und flog weit in den Strafraum, wurde verlängert von Delpierre und fand schließlich den Kopf von Cacau, der problemlos einnetzte und uns den unerwarteten Ausgleich bescherte.

Im Block 32 (?) in der Cannstatter Kurve gab es erst einmal ein kleines Freudenfeuer, welches vom Stadionsprecher, wie könnte es auch anders sein, kommentiert wurde mit den üblichen Worten, man möge das Feuer bitte löschen. Das tat der Freude keinen Abbruch, meine Gedanken waren bei dem armen Micha, der sich das ganze aus der Männertoilette aus anhören durfte, die Geräuschkulisse war definitiv da, und die funktionieren Lautsprecher mittlerweile auch.

Wenigstens mit dem Ausgleich in die Halbzeitpause, das war mehr, als ich noch 5 Minuten zuvor für möglich gehalten hatte. Ein letztes Mal rollte der Zug in Richtung Oka Nikolov, der Stadionsprecher gab bereits die Nachspielzeit durch. War es 1 Minute? 2 Minuten? Das war nicht mehr wichtig. Hauptsache das Remis noch irgendwie über die Pause retten, die Hoffnung, auch jetzt noch schnell ein Tor zu erzielen, war auch dieses Mal recht gering.

Während sich die Zuschauer von ihren Plätzen erhoben um ihre Plätze in der Pause zu verlassen, landete der Ball wieder bei Cacau, neuer Spitzname: Helmut. Eiskalt zog er ab aus 25 Metern, unhaltbar für Nikolov. Das 2:1 zur Halbzeitpause, wohin man auch schaute, sah man nur Freude, rings um mich herum jubelten die Menschen als gäbe es kein Morgen. Erneut wurde gezündelt im Fanblock, ich hoffe, dass niemand verletzt wurde. Die verbleibende Zeit bekam ich nur noch nebenbei mit, die Ecke, die Frankfurt daraufhin noch hatte, wurde zur Nebensache.

Auch Micha kam nun wieder, der dem Andrang der Halbzeitpause entgehen wollte und somit beide Tore verpasst hatte, der Ärmste. Mit dem Pfiff des Schiedsrichters und einer Menge Applaus wurde es auch für mich Zeit, für ca. 10 Minuten den heiligen Platz zu verlassen. Zeit, um mit der Herzschlag-Führung im Rücken zur Ruhe zu kommen, wenigstens solange das Spiel pausiert.

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Cacaus Tor zum 1:1!

Rasante letzte 5 Minuten waren es in der 1. Halbzeit, wenn man so weitermachen würde und der sensationelle Cacau-Siegeszug weiter anhalten würde, stünde der Mission „Hoher Sieg“ nichts mehr im Wege. Leider wurden wir zumindest in dieser Hinsicht enttäuscht und sahen das Spiel nac Wiederanpfiff erneut in alte Muster verfallen.

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Torjubel zum 1:1 samt Freudenfeuer

Diese Behäbigkeit, es war ein Gräuel, daher verging die zweite Halbzeit nur halbwegs erträglich dank meines Nachbarn Micha, der für Kurzweil sorgte und ohnehin meine zuverlässigste Quelle für aktuelle Zwischenstände ist. Mit seinem iPhone waren wir immer topaktuell über die Spielstände informiert, die wir selbst auf der Anzeigetafel nicht sehen konnten, die sich schließlich schräg rechts vor uns befindet.

Eine Stunde war gespielt, wie üblich in der 2. Halbzeit wurde nun in Richtung Cannstatter Kurve gespielt. Und da kam sie, die nächste Angriffswelle des VfB, Cacau – wer sonst – scheiterte am Keeper, als Timo Gebhart aber bereit stand, um mit dem Abstauber das 3:1 zu markieren und den Sack zuzumachem. Ich war weiß Gott nicht die einzige, die sich bei dieser Szene vom Platz erhob, aber als Timo Gebhart den Ball über das leere Tor beförderte, schlug jeder, ausnahmslos jeder VfB-Fan schreiend die Hände über den Kopf zusammen, ein lautes Raunen ging durch das weite Rund.

Auch die weiteren Minuten brachten nicht wirklich den Optimisumus, dass wir dieses knappe 2:1 über die Zeit retten könnten. Geduldig ertrug ich die teilweise erschreckenden Darbietungen auf dem Platz. Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir die Eintracht aus dem Stadion schießen, auch wenn wir nur wenige Tage zuvor eine Energieleistung gegen Barcelona im Hinspiel des Champions League Achtelfinales hingelegt haben. Aus dem Stadion schießen. So viel dazu.

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Cacaus Treffer zum 2:1!

Ob das noch was wird mit der Mission „Hoher Sieg“? Die Hoffnung schwand, immer öfter kamen die Frankfurter an den Ball. Und wer hat denen erlaubt, dass sie hier mitspielen dürfen? Mit gelegentlichem Raunen verstrichen die letzten Minuten bis zum Abpfiff. Letztendlich könnten wir uns bei der Unfähigkeit der Hessen bedanken, dass wir derzeit noch mit 2:1 in Front lagen.

Für ihre Leidenschaft, die ab und zu einher geht mit ihrer Unbeherrschtheit, machten die Frankfurter Ultras im Gästeblock ihrem Unmut Luft und versuchten über den Zaun zu klettern während die Sicherheitskräfte, Ordner und Polizisten lediglich dabei zuschauten, Böller flogen in Richtung Innenraum. Von der VfB-Seite hingegen kamen noch weitere Provokationen, die die Aggressionen noch weiter schürten. Man solle es ja eigentlich nicht machen, aber auch ich beteiligte mich bei reichlich vorhandenem Sicherheitsabstand an Gesängen und Gesten, die klar machten, wer hier der Herr im Hause ist.

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U-M-B-A!

Der Blick auf die Uhr, nur noch wenige Minuten. Doch wenn es etwas gibt, was man vermeiden sollte, dann ist es das Wiegen in Sicherheit, wenn man nur mit einem Tor vorne liegt und die Spielanteile recht ausgeglichen sind. Im Gegenteil, banges Hoffen und der drohende Rückfall zum Nägelkauen (welcher vermeidet werden konnte). Als Cacau nach 88 Minuten das Feld verließ, wurde er zu Recht frenetisch gefeiert. Die Angst um die Führung blieb jedoch.

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Danke!

Wie kann man aber auch so blöd sein, ein Foul an der Strafraumgrenze zu begehen. Ein Freistoß für die Gäste aus Frankfurt in aussichtsreicher zentraler Position. „Ich hab da ein ganz mieses Gefühl“ meinte ich noch zu Micha, der Ball ging drüber, ein ähnliches Trauma wie beim Spiel gegen Bochum blieb mir erspart und Schiedsrichter Drees pfiff das Spiel ab. Drei Punkte, egal wie dreckig, in einer Woche denkt keiner mehr darüber nach. Schön wars nicht, aber wichtig.

Relativ zeitnah verabschiedete ich mich noch von Micha, wünschte ihm alles Gute für die bevorstehende Geburt seines Sohnes und feierte noch ein wenig mit den erfreuten Fans im geliebten Neckarstadion. Auf dem Weg zurück zum Fancenter, wo ich mich erneut mit meinem guten Freund Franz treffen wollte, geriet ich noch in eine kleine unangenehme Situation, plötzlich gab es vor mir einen Knall, alle Leute liefen wild durcheinander und drückten mich schließlich nach hinten, nur knapp konnte ich vermeiden zu stürzen. Provozierende Frankfurter würde ich an dieser Stelle auf der anderen Seite des Zaunes vermuten, genau weiß ich es jedoch nicht.

Mit Franz ging es zurück zu meiner Stammkneipe, wo ich mir noch die obligatorische Rote und ein Radler genehmigte und wir die letzten Minuten vor unserem Aufbruch zurück nach Leipzig gemeinsam genossen. Am Hauptbahnhof noch geschwind einen Mitfahrer eingesammelt ging es im Eiltempo zurück, etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht war ich daheim. Doch statt halbtot ins Bett zu fallen, führte der erste Weg natürlich zum Computer, die Bilder auswerten. Eine Stunde später fiel ich dann wirklich halbtot ins Bett, wenn auch schmunzelnd und erfreut, angesichts der bisher sehr erfolgreichen Aufholjagd.

Wichtig ist, dass man die Punkte macht, ob sie so schön sind wie vor einer Woche in Köln oder so dreckig erarbeitet und mit dem Glück des Tüchtigen so wie heute, es spielt kaum eine Rolle, wird man am Ende der Saison ohnehin nicht mehr gefragt. Wer jetzt schon seinen Platz im Saisonrückblick finden wird, ist unser Cacau. 7 Tore in 7 Tagen, eine Tatsache, die keinem Journalisten entgangen ist, dieser Februar 2010 steht wahrlich im Zeichen der Cacau-Festspiele. Mein Kakao ist nun schon längst alle. Ich glaube, ich mach mir gleich noch einen.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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