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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Der Stürmer, der Mittelfeldspieler und der Verteidiger

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Fehlte eigentlich nur noch Sven Ulreich mit dem 4:0 \“ wir warteten vergebens. Ansonsten durfte jede Position einmal treffen: Shinji Okazaki (Sturm) zum 1:0, Zdravko Kuzmanovic (Mittelfeld) zum 2:0 und Serdar Tasci (Abwehr) zum 3:0. Was für ein Tag! Und ich hatte schon Angst, man hätte das Tore schießen verlernt, lag der Verdacht doch frustrierender Weise nah, beachtet man die letzten 0:1-Niederlagen gegen Leverkusen und Berlin.

Eine Woche nach dem länderspielbedingten spielfreiem Wochenende stand wieder Bundesliga auf der Tagesordnung. Mit hochsommerlichen Temperaturen ging es zum nächsten Heimspiel ins benachbare Neckarstadion, dessen Bilanz von den Ergebnissen her durchwachsen war, aber nach der Fertigstellung des Umbaus für zufriedene Fans sorgte. Offen gestanden war ich ziemlich nervös, Furcht vor den Vorzeichen, nicht gerade gut aussahen: starke Hannoveraner zu Gast bei einem VfB, der zuletzt keine Tore mehr schießen konnte. Ich hoffte das Beste auf dem Weg zu Heimspielstätte.

Doch zuvor machte ich nach langer Zeit mal wieder einen Abstecher zu Ottos Vesperstüble, wo mein ehemaliger Stammfahrer Reinhart und seine Tochter Olivia schon dawaren \“ mein Gott, ist die Kleine groß geworden! Sie hatte Spaß mit Felix, die beiden alberten die ganze Zeit rum, gelassen und ruhig ließ er sich bespielen, anhüpfen, beißen und ankrietschen \“ dreieinhalbjährige kann man offenbar noch gut mit Bierdeckeln unterhalten.

Da der Rest vom Fanclub schon im Block war, traten auch wir alsbald den direkten Weg zum Block 33 an, wo wir plauderten und herumalberten bis wir uns verabschiedeten und einen aus fotografischen Gründen optimaleren Platz aufsuchten. Dort trafen wir gemeinsame Freunde und Bekannte, dort blieben wir auch bis zum Abpfiff. Mein schlechtes Gewissen mahnt mich stets, doch darf ich die Fotos nicht vergessen, die ich von der 1. Reihe nicht machen kann.

Langsam schaute ich mich um, ein neues, wenn auch schon fast gewohntes Gefühl, in der neuen Cannstatter Kurve zu stehen. Leicht schmunzeln musste ich schon, stand ich doch vergangenen Sonntag noch hier beim NeckarPark-Fest, wo unter anderem das Stadion für Besucher geöffnet hatte und ich eine der Gewinnerinnen beim Gewinnspiel des VfB war, bei dem man eine Stadionführung gewinnen konnte. Das wird aber in einem anderen Blog-Artikel gesondert behandelt.

Hier in der Kurve waren wir im Schatten, nicht auszudenken, wie sich die Zuschauer auf der Gegentribüne und im Gästeblock gefühlt haben mussten, der prallen Sonne ausgesetzt bei 30 Grad \“ selbst wir im Schatten hatten zu kämpfen. Dann konnte es auch schon losgehen, das Handling mit meiner neuen kleinen Kompaktkamera fürs Stadion muss ich erst noch eintrainieren, meine Canon PowerShot A700 hat nach 6 Jahren die Hufe hochgerissen, kurz nach dem Kauf meiner Canon EOS 500d \“ manchmal ist es wie eine Ketchupflasche, wenn zu erst gar nichts, und dann alles auf einmal kommt.

Da kamen sie raus, durch den Spielertunnel, der im inneren, wie ich selbst erlebt habe, relativ steil herab geht. Bejubelt von 53.000 Zuschauern im nicht ausverkauften Neckarstadion wurde die Partie gegen Hannover eingepfiffen. Es wäre wichtig, heute Punkte zu holen, um sich nicht wieder selbst in den frühen Abstiegskampf hinein zu befördern.

Sie begannen gefällig und fanden schnell ins Spiel, es war nicht mal so übel. Das sagte ich allerdings vor 2 Wochen auch, beim Spiel in Berlin, das ich mit meinem Felix und unseren Freunden Marco, Sassi und Andi in Stuttgart-Vaihingen in einer Sportsbar geschaut habe. Wie es ausging, wissen wir ja noch. Ich mag es lieber noch nicht beschreien, zu groß dann nur die Ernüchterung, zu schmerzhaft die Enttäuschung.

Dass wir dann doch so schnell jubeln konnte, hatte keiner ahnen können. Ich war nicht die einzige, die mit einem umguten Bauchgefühl ihren Platz im Stadion einnahm, die Bedenken wurden schon nach 9 Minuten, zumindest teilweise, zerstreut. Auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds gab es Trubel, auf einmal klatschte das Netz und alle brustringtragenden VfB-Fans im Publikum erhoben sich von ihren Plätzen, die frühe Führung durch unseren Japaner, Shinji Okazaki, nach wunderschöner Vorarbeit von Martin Harnik. Ein Auftakt nach Maß, würde ich sagen.

In den nächsten Minuten gab es weitere Chancen, darunter auch ein potentielles Tor des Monats, wäre der Fallrückzieher von Harnik denn im Tor statt knapp daneben gelandet. Uiiiiii! Mitte der ersten Halbzeit ließen es dann unsere Spieler etwas gemächlicher angehen und ließen auch mal den Hannoveranern den Ball, was zu einigen Chancen und ein wenig Nervosität führte. Eine gefährliche Situation, so ein 1:0, sei es auch erfreulich gewesen, dass man sich jedoch darauf auszuruhen schien, konnte einem nicht gerade gefallen.

Mit der knappen Führung im Rücken durften die Jungs dann erstmal für eine Viertelstunde durchpuste, Halbzeit in Stuttgart, und ich auf den Treppenstufen des Stadions. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass Hitze und zu lange stehen nicht gut für angeschlagene Gelenke sind. Also erstmal ein bisschen chillen, die ersten 250 Fotos auswerten und mich auf eine 2. Halbzeit freuen, die uns alles dann tatsächlich das bot, was wir gehofft, wenn auch nicht gerade erwartet haben.

Keine Wechsel zur Pause beim VfB, bei Hannover ging Schulz für Pander, von dem ich nicht einmal mitbekommen habe, wann und warum er Schalke verließ. Er bleibt in meiner Erinnerung für das wunderschöne Siegtor gegen England, im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft. Ich verstehe übrigens gar nicht, warum ich manchen ein bisschen Angst mache, aber ihr wisst doch bestimmt auch noch, dass jenes Spiel am 22.08.2007 war (ohne Nachzuschauen!). Oder?

Gerade hatte die 2. Halbzeit begonnen, da mussten wir erstmal tieeeef durchatmen. Der Hannoveraner Didier Ya Konan kam beängstigend nah vor unser Tor, er scheiterte an Sven Ulreich, wie auch Lars Stindl im Nachschuss. Unser Glück, das Hannovers wichtigster Spieler, Mohammed Abdellaoue, vor wenigen Tagen das Training wegen einer Verletzung abbrechen musste. Er hätte vielleicht getroffen. Glück gehabt!

Nur noch etwas mehr als 10 Minuten plus Nachspielzeit. Wir wissen alle, wie schnell es gehen kann, wenn man früh in Führung geht und die knappe Führung nicht weiter ausbaut. Lange mussten wir zittern, ein Ausgleich von Hannover hätte böse Geister hervorgerufen. Heieiei, würde das hier wirklich gut gehen? Nur mit Mühe konnte ich mich vom Nägelkauen abhalten.

Hier mussten wir unbedingt den Sack zumachen, nach etlichen Chancen wurde es im Stadion immer lauter und lauter, die Lautstärke schaukelte sich hoch. Auch ein Zittersieg bringt am Ende 3 Punkte, doch wäre es fahrlässig gewesen, sich darauf auszuruhen. Sie wollten, man sah es ihnen an. Was gegen Leverkusen und Berlin fehlte, war nun wieder in die Spieler zurück gekehrt: der unbedingte Wille. Das galt auch für Timo Gebhart, der nach langer Verletzungspause wieder zurück auf den Platz durfte und begeistert begrüßt wurde. Er fand es, wie er später mitteilte: „geil“.

Die Erlösung kam letztendlich verdient über uns, in Form von Zdravko Kuzmanovic. Eiskalt abgezogen, unhaltbar in die Maschen gedroschen, ein traumhaftes Tor. Ein Herz-Gruß an die Verlobte auf der Tribübe, was für uns aber viel wichtiger war: das hat sooo gut getan. Dass wir uns hier noch die Butter vom Brot nehmen lassen würden, war nahezu nicht mehr möglich. Erleichterung überall, hätte der Ausgleich ja jederzeit beim Stand von 1:0 passieren können. Schließlich hat Hannover neulich erst den FC Sevilla souverän geschlagen.

Mit einem 2:0 wäre ich auch glücklich gewesen, dass Innenverteidiger Serdar Tasci noch auf 3:0 erhöhte, ließ mein Grinsen noch breiter und die Freude noch größer werden. Hand hoch, wer das hier genau so hat kommen sehen. Keiner? Nein? Dachte ich mir schon. Ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, nicht in dieser Form, nicht in dieser Höhe, nicht mit dieser Freude. Und ja, ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass Hannover ohne Top-Stürmer angereist ist und auch so nicht gerade den besten Tag hatte.

Oft genug habe ich es geschrieben, als wir letzte Saison jeden einzelnen Punkt, gerade in der Rückrunde, hart erkämpfen mussten und wir mit (fast) allem, was wir bekamen, zufrieden waren, solange es nur Zählbares war \“ „Am Ende fragt keiner mehr“. Fakt ist, dass es erfreulich ist, wieder eine gewisse Spritzigkeit zu beobachten und dass wir wieder Tore schießen können. Und wenn aus jeder Position getroffen werden kann, bin ich die Letzte, die sagt: „Nö“. Oh, wie war das schön! Und wichtig!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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