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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Locker-flockig ins Achtelfinale

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Unfassbar, das aus meinem Mund zu hören, aber: dieses Spiel passte eigentlich gar nicht in meine Wochenplanung. Viele Projekt mit Deadline lagen auf meinem Schreibtisch, viele Überstunden wurden klaglos gemacht, um dafür die nächste Woche frei zu haben. Normalerweise wäre ich zur Uhrzeit des Spiels am Mittwoch Abend noch im Büro gesessen. Wie dem auch sei, entgehen ließ ich mir das 2. DFB-Pokal-Spiel natürlich nicht.

In der Bundesliga können wir uns derzeit wirklich nicht beschweren. Doch DFB-Pokal ist wiederrum etwas anderes und bringt bekanntermaßen seine eigenen Gesetze mit. Erinnerungen wurden wach an den Februar 2008, als der VfB im Viertelfinale beim Elfmeterschießen am Zweitligisten Carl-Zeiss Jena scheiterte. Gegen die Kleinen tut man sich oft schwer, niemand von uns wollte hier eine Pokalsensation sehen.

Ein Sieg, (fast) egal wie hoch und Selbstvertrauen für das kommende Bundesligaspiel gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund tanken \“ mehr wollte ich ja gar nicht. Doch bis es soweit war, war der Zeitplan des Tages ziemlich straff: Schaffen, mit der S-Bahn heim, schnell nach Hause, Abendessen und schon schnellen Schrittes zum Stadion. Da blieb sogar noch Zeit für ein Bierchen \“ Sehr zum Wohle!

Selten hat man das Stadion so leer gesehen wie an diesem Abend. Zuletzt beim Europa League Heimspiel gegen Odense unter Stimmungsboykott, die komplette Untertürkheimer Kurve war gesperrt weil zu wenige Karten verkauft wurden und man die 18.000 Karten (Tags zuvor war noch von 13.000 zu lesen) auf Haupttribüne, Gegentribüne und Cannstatter Kurve verteilen wollte. Und auch dort klafften Lücken in den Reihen als würde es sich um ein Testspiel handeln und nicht um den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals.

Aber es hatte auch was Gutes \“ wenn einem die Sicht vor der Nase nicht durch riesengroße \“ fremde \“ Menschen versperrt wird, ist zumindest noch die Chance da, auf Zehenspitzen und mit lang gestrecktem Arm Fotos zu machen sowie natürlich auch etwas vom Spiel zu sehen, ohne sich alle paar Sekunden verrenken zu müssen.

Nachdem unsere gemeinsame Freundin Katrin noch ein schönes Foto von uns machte, gings dann auch schon zügig los \“ ein verspäteter Anpfiff wegen erschwerten Verkehrsbedingungen waren trotz Stadtbahn- und Busstreik nicht zu befürchten. Während die Mannschaften ohne Einlaufkinder den Rasen betraten, schwirrten mir noch die Worte unseres Trainers Bruno Labbadia im Kopf herum: „ein schnelles Tor“.

Ich war noch dabei, das Fahnenmeer in den Blöcken der aktiven Fans und Ultras zu fotografieren, da wandten sich alle Blicke sofort nach vorne, es wurde hektisch und nervenaufreiben, eben jener kurzer Moment, in dem sich auch die Sitzplätzler von den Plastikschalen erheben, weil Sie eine gewisse Vorahnung haben. Der schnelle Augenblick, in dem du entweder in Jubel ausbrichst oder die Hände über den Kopf zusammenschlägst.

Schon bei unseren Amateuren hat er aufhorchen lassen: Youngster Christoph Hemlein, 20, schon Vater einer Tochter, war erst vor einigen Tagen in Nürnberg das erste Mal für die Profis auf dem Platz, nun spielte er von Beginn an und ließ die Hoffnung eines Jeden und die Vorahnung des Trainers wahr werden. Nach 4 Minuten und einer schönen Flanke von Cristian Molinaro führte der VfB mit 1:0, dank dem Tor von Einem, der den umgedrehten Karriereweg eingeschlagen hat: er kam aus Hoffenheim zum VfB, eigentlich geht das zu unserem Bedauern immer anders rum.

Es ist und bleibt einfach das Beste Mittel gegen kleine Mannschaften: die schnelle Führung. In jedem Falle galt es zu verhindern, dass die Anfangsphase verschlafen wird und wir riskieren, dass die überängstlichen und vor Respekt schlotternden Gäste aus der hessischen Mainmetropole ins Spiel kamen und womöglich noch Ansprüche stellten. Ohne uns! Ein schön anzusehender Kick, ein starker VfB, was nochmal durch die Schwäche des Gegners gerade in der ersten Halbzeit unterstrichen wurde. Leichte Kost für Mittwoch Abend.

Von Frankfurt war nicht wirklich was zu sehen. Sie standen auf dem Platz, bewegten sich ab und zu mal, doch das war es dann auch schon. Auch die mitgereisten Gästefans schienen sich mit dem bereits nach 4 Minuten vollzogenen Rückstand abgefunden zu haben und waren nur selten zu hören. Es blieb bei einer Ecke des Stadions, ausstaffiert mit ein paar Blau-Schwarzen, von denen man weder vor dem Spiel noch nach dem Spiel etwas gesehen hat.

Was ich erst später durch die erneute Analyse bei vfbtv entdeckte, da ich auch bei diesem Spiel nicht wirkliches Interesse für die Aufstellung der Gäste zeigte: Gledson stand bei Frankfurt auf dem Feld. Na sowas! Den kennen wir doch noch: 2007 kam er zum VfB und ging spiel- und wirkungslos genauso schnell wie er gekommen war. Daraufhin wechselte er für ein Jahr nach Rostock und spielt nun schon seit 2 Jahren in Frankfurt. Es scheint ihm in Blut zu legen, in Stuttgart kein Glück zu haben.

Und noch jemand kehrte heimlich still und leise zurück, von dem ich erst beim Schreiben des Blogs aufmerksam wurde: Michael Langer, ehemals Nummer Drei der VfB-Torhüter, er war von 2004 bis 2008 bei uns, vornehmlich aber für die Amateure, für die Profis absolvierte er nur ein einziges Spiel im Jahre 2007 für den an Grippe erkrankten Stammtorhüter Timo Hildebrand, der mittlerweile bei Schalke ist. Anscheinend ist da doch was dran: „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“. Langer selbst konnte hier und heute auch nur machtloser Zuschauer sein.

Zufrieden mit der ersten Hälfte war man gedanklich schon fast in der Pause, doch dann wurde es doch nochmal aufregend. Beide Rückkehrer, Gledson und Langer, gaben keine schöne Figur ab in der 38. Minute. Im Nachstochern war der in letzter Zeit öfters mal unzufrieden scheinende Cacau zur Stelle und machte noch schnell das 2:0 für die Hausherren. So konnte es weiter gehen. Aber erstmal 15 Minuten Pause, kurz Ausruhen, etwas trinken und die ersten Fotos auf dem Display meiner Kamera auswerten. Ich ahnte schon, dass ich diesmal viel zum Sichten und Bearbeiten haben würde.

Wer 2:0 führt, dem sei es auch verzeihen, auch mal einen Gang zurückzuschalten und nur das zu tun, was absolut notwendig war. Das Spiel gegen Dortmund warf bereits seine großen Schatten voraus, niemand wollte zu große Anstrengungen und schon gar keine Verletzungen riskieren. Und sie spielten dann auch tatsächlich nicht mehr so drückend überlegen wie noch im ersten Durchgang. Zu unserem Leidwesen, denn wir mussten zusehen, wie Frankfurt zu Chancen kam und auch einige dabei waren, die uns die deutliche Führung gekostet hätten.

Das Spiel ebbte ziemlich ab, wo Strafraumszenen selten wurden, musste man sich als Zuschauer anderweitig unterhalten lassen. Von unserem Fanclub Boys in Red aus Weinstadt gaben nach dem Spiel viele bereitwillig zu, sie hätten die zweite Halbzeite nahezu gar nicht mitbekommen, da sie zu sehr damit abgelenkt waren, unserem Mittelfeldspieler Zdravko Kuzmanovic beim Aufwärmen vor der Cannstatter Kurve zuzusehen.

Er trug die normale Spielhose untendrunter, eine längere obendrüber, rutschte ihm die lange Hose ständig ein Stück herunter. Auf die Rufe der Leute „Kuz, Hose!“ stieg er voll ein und zog sich die Buxe wieder hoch, das ganze alle paar Minuten über eine ganze Weile lang. Wir haben es leider erst viel zu spät mitbekommen, ich begriff auch nicht die Jubelrufe, als Kuz 20 Minuten vor Schluss zur Bank gerufen wurde und eingewechselt wurde.

Zu unserem Glück hatte der FSV aber vorne Keinen stehen, der mutig vorgetragene Angriffe konsequent nutzt, es blieb bei harmlosen Weitschüssen oder der Tatsache, das bei Flanken nie einer dort stand, wo er nach Meinung der Gäste hätte stehen sollen. Unsere Nummer Eins Sven Ulreich bekam nur selten etwas zu tun, aber wo es spannend wurde, war er da. Auch der Rest der Mannschaft begnügte sich mit dem 2:0 und wollte es einfach nur noch schadlos über die Bühne bekommen.

Einer wollte dann aber doch noch zeigen, was er kann. Anfang der Saison ging der Wechsel von Ibrahima Traore von Augsburg nach Stuttgart über die Bühne, nachdem sich das Management lange um ihn bemüht hatte. Warum wussten wir bisher nicht, er spielte immer nur ein paar Minuten vor Ende der Partie, wohl mehr aus dem Grund, Zeit zu schinden, als doch noch ein wichtiges Tor zu erzielen.

Doch nun war sein Moment gekommen. Kurz bevor der VfB Minuten vor dem Schluss schon jeglichen Spielbetrieb einstellen wollte, kam es doch noch zu einem schön vorgetragenen Angriff, an dessen Ende der kleine Franzose mit den giftgrünen Schuhen zum 3:0 vollendete und aus dem Spiel einen gelungenen Abend machte. Mich freut es für ihn, dass auch er endlich sein Tor machen konnte.

Kurz bevor wir dann von einem Zuhause zum anderen Zuhause zurücklaufen wollten, konnten wir noch schmunzeln beobachten, wie die Mannschaft etwas tat, was sie seit Neueröffnung der Cannstatter Kurve noch nie tat: nicht nur bis zur Bande vorlaufen und die Welle mit den Fans auf dem Rasen machen sondern direkt hinter die Bande, nur wenige Zentimeter von den Fans getrennt. Mehr Emotionalität bei Siegen wünschte man sich, bisher war das ganze immer ziemlich schnell abgelaufen. Ein paar Spieler, darunter auch Neuzugang William Kvist, warfen ihre Trikots in die Menge.

Danach gings aber auch schon heim. Es dauerte nicht schnell, schließlich war es auch in der Cannstatter Kurve überschaubar gefüllt gewesen, wo sonst immer der Menschenstrom stecken bleibt, ging es diesmal recht fix. Vor dem Fahnenraum noch ein wenig geflaxt und geschwätzt, dann schnellen Schrittes heim, zuerst gemeinsam mit den anderen, dann alleine. Noch bis tief in die Nacht bearbeitete ich meine Bilder, sank totmüde ins Bett und gratulierte, wenn auch müde, meinem Chef zum perfekten Tipp \“ 3:0 hatte er gesagt. Respekt. Selbes sagt er auch vom Spiel gegen Dortmund, da bin ich mal gespannt.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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