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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Knapp gescheitert im Zehn gegen Zwölf

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Ich weiß, ich weiß. Ich bin spät dran. Und ich wiederhole mich: Schiedsrichter-Schelte sollte das letzte Mittel zum Zweck sein. Et Cetera Pe Pe. Lasst es mich doch einfach so ausdrücken: zu Weihnachten wünsche ich mir fähige deutsche Schiedsrichter, die man tatsächlich als das bezeichnen darf, was sie eigentlich sein sollten: Unparteiische.

Ob mir der Wunsch erfüllt wird? Wohl kaum. Stattdessen: wieder jede Menge Frust über eine unnötige Niederlage und die Tatsache, dass so mancher Spielführer macht, was er will. Ein weiteres Mal kann man sich dem Gefühl nicht verwehren, mit fadenscheinigen und kleinlichen Entscheidungen habe man erneut das Spiel so beeinflusst, wie man es bezaht bekommen hatteoder es selbst eben offenbar wollte.

Aber eines muss ich ebenfalls anmerken: es hätte schlimmer kommen können. Noch einige Tage vor dem Spiel waren meine Hoffnungen, dieses Spiel zu gewinnen, recht gering. Vermutlich zurecht. Doch warum nicht gegen Bayern München gewinnen, wenn man es am wenigsten erwartet? Der VfB lud ein zum Südgipfel, der Schlusspunkt des 16. Spieltags am Sonntag um 17:30 Uhr. Mit langer Unterbux unten drunter lief man zum vorletzten Mal im Jahr 2011 den Weg zum Stadion. Dort warteten unsere Leute bereits.

Dachte ich zurück an die letzten Spiele des VfB, so konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie uns dieser Coup gelingen könnte, wenn die Bayern denn keinen völlig gebrauchten Tag erwischten. Die Hoffnung lag auf der Grippe, die in den Reihen des Rekordmeisters kursierte und so viele Stammspieler wie möglich außer Gefecht setzen sollte. Hat irgendwie nicht geklappt \“ sie traten in Bestbesetzung an. Robben, Gomez, Ribery. Au backe.

Schnell mit meiner „Zwillings-Schwester“ die Fanclub-Fahne aufgehangen, und die unteren Reihen des Blocks 33b aufgesucht, wo wir die ersten Minuten vor Anpfiff verbringen, dann weiter nach oben, zum Fotos machen. Dort waren schon Katrin und Ingrid gestanden, die uns freudestrahlend begrüßten \“ wie jedes Mal. Felix verabschiedete sich schon bald, er hat kurzfristig seine Karte gegen Block 37 getauscht, um Fotos von der anderen Seite des Stimmungsbereichs zu machen. Ich gebe zu, ein bisschen neidisch war ich schon.

Wie in jeder Partie gegen die Bayern ein Wiedersehen mit der Vergangenheit: niemals hab ich ihm seinen Wechsel nach München verziehen, und ich denke, das werde ich auch nie. Der Verräter mit der Nummer 33. Alle Verdienste für den VfB, alle Tore die uns internationale Spiele einbrachten, aller Fleiß den er die Jahre über investiert hatte \“ alles verpuffte in jenem Moment, als die Katze aus dem Sack war. Bin ich unnötig nachtragend? Schon möglich.

Es gab bereits vor Anpfiff Pläne, wie ich meinen Spielbericht nennen könnte, würde das Wunder geschehen und uns am Ende der 90+ Minuten als Sieger vom Platz gehen lassen. Ein kleiner aber feiner Hinweis auf den 3. Advent, an dem dieses Spiel stattfand. „Advent, Advent, der Strafraum brennt“, wäre so oder so bei vielen Toren eine geeignete Überschrift gewesen. Mit „nur“ 3 Toren fielen aber relativ wenig, für VfB-Bayern-Verhältnisse.

Die Spiele der letzten Saison, das Duell in der Bundesliga und das wenige Tage darauf folgende DFB-Pokal-Spiel, habe ich noch nicht vollständig aus meiner Erinnerung verdrängt. In einem sesaströsen Zustand verloren wir deutlich beide Spiele mit 3:5 und 3:6 \“ dabei sollte man meinen, dass 6 Tore gegen Bayern ausreichen würden, um Punkte zu holen \“ denkste. Ein wenig besser läuft es bisher, doch vollends zufrieden kann und darf man nicht sein.

Vor Beginn der Partie stand noch ein Punkt auf der Tagesordnung, den ich auf keinem Fall verpassen wollte. Glücklicherweise wählte der VfB hierfür einen guten zeitlichen Rahmen, nicht 1 Stunde vor Anpfiff wie von mir zuvor befürchtet. Die Mexikaner Pavel Pardo und Ricardo Osorio wechselten zur Saison 2006/2007 an den Neckar, wurden gleich Deutscher Meister und blieben uns noch eine Weile erhalten, bis uns Pardo 2008 und Osorio 2010 wieder verließen. Für Pardo gab es keine Möglichkeit mehr, sich zu verabschieden, der Wechsel in der Winterpause kam plötzlich. Nun wurde er offiziell verabschiedet, mit „Paaaavel Pardo“-Rufen bedacht, als wäre er niemals weg gewesen. Ich bin sicher, wir haben ihn in Stuttgart nicht zum letzten Mal gesehen.

Die Gäste legten gleich los wie die Feuerwehr, nur wenige Minuten nach Beginn des Spiels war es Robben, der durchbrach, an Ulreich vorbei und die Vorlage gab zum heraneilenden Verräter der nur noch einschieben brauchte. Einst schaffte er es beim EM-Spiel im Sommer 2008, den Ball über ein leeres Tor zu schießen, lange vermochte ihm das keiner nachzumachen. Und nun, 3 einhalb Jahre später, drosch er über den Ball und es stand immernoch 0:0 \“ dieses Mal lachte auch ich.

Kaum haben sich die Gemüter von dieser illustren und amüsanten Szene erholt, geschah das, was ich gehofft, aber nicht so früh erwartet habe: die Führung für den VfB! Schön herausgespielt, Martin Harnik weiter mit dem Kopf und Christian Gentner, oft gescholten und doppelt erfolgreich im letzten Spiel gegen Köln, markierte in der 7. Minute das 1:0.

Die Bude brannte förmlich, ein Jubel, den ich schon lange nicht mehr so intensiv erlebt habe. Alles sprang durcheinander, schrie sich gegenseitig vor Euphorie an und herzte alles, was nicht schon zu Boden gestürzt war. Beinahe wäre auch ich gestürzt, konnte mich aber gerade noch so an meinen ebenfalls jubelnden umgebenden Personen festhalten. Eines der schönsten Gefühle in meinem Leben, ein Stück der aufopferungsvollen Liebe, die uns zurück gegeben wird.

Abpfeiffen, sofort! Der Wunsch wurde nicht erfüllt. Lange dauerte es nicht, bis sich die Mienen wir verfinsterten und die Angst wieder da war. Es war der Ausgleich des Verräters, direkt vor der Cannstatter Kurve, wo wir vor 3 Jahren noch unseren damaligen Helden feierten. Ich gebe zu: er war mein Messias.

Noch schmerzhafter als das Tor und die Ansage des Schützen war erneut das Beobachten der Reaktionen. Als die Hälfte von Haupt- und Gegentribüne sowie der Untertürkheimer Kurve aufsprach, konnte man nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich würde wetten, das nicht einmal zwei Drittel der Bayern-„Fans“ aus München angereist sind. Traurig zu sehen, aber Unkraut wächst ja bekanntermaßen überall.

Die Stille auf den Rängen bei den VfB-Fans, die hier zu Hause sind, hielt nur kurz. Sofort wurde es wieder laut in der Cannstatter Kurve. So sollte die Stimmung immer sein, laut, leidenschaftlich und mit aller Kraft, die man aufbieten kann. Einer alleine bewirkt nicht viel, aber alle gemeinsam schrien wir unsere Mannschaft nach vorne. Sie erhörten uns und zeigten uns das, was wir schon lange nicht mehr gesehen haben: ein ehrlich gutes Spiel.

Besser als erwartet zeigten die Jungs ein anständiges Spiel. Dass der VfB den Bayern in Bestbesetzung nur wenige spielerische Mittel entgegen zu setzen hat, ist kein Geheimnis \“ doch dafür machten sie es bis dato relativ gut. Zu dumm nur, dass man sich dann mehr oder weniger selbst geschwächt habe. Wer gegen den Holländer Arjen Robben spielen muss, sollte stets auf der Hut sein, dieser besonders erdverbundene Mensch reagiert anders als die meisten Bundesligaspieler etwas stärker auf die Erdanziehungskraft im Stadion.

Wie eingangs erwähnt, sorgten kleinliche Entscheidungen dafür, dass das Spiel unter anderem auch vom Schiedsrichter zu gunsten der Bayern gepfiffen wurde. Für ein zuvoriges Foul sah Außenverteidiger Molinaro bereits Gelb, nach einer Aktion, für die viele erst einmal verwarnt werden.

Dass er nach etwa einer halben Stunde etwas ungestüm dem Holländer hinten reingrätschte, findet aufgrund mangelnder Sympathie für Bayern-Spieler meine Zustimmung, sorgte aber auch für die 2. gelbe Karte und den damit verbundenen Platzverweis. Der fliegende Holländer krümmte sich vor Schmerzen, nach dem Platzverweis selbstverständlich Blitz-Genesung.

Und so verließ der Italiener den Platz. Durchs Stadion hallten sowohl laute Pfiffe gegenüber der Schiedsrichterentscheidung, gegenüber dem fliegenden Holländer und auch Molinaro selbst, der uns mit diesem Foul einen Bärendienst erwiesen hat. Dabei sollte doch eigentlich klar sein, dass man mit einer gelben Karte im Nacken nicht einfach so in den Gegenspieler hineinlaufen kann.

Manche sehen diese Szene als \“unstrittig” und \“korrekt entschieden”, ohne jedes Verständnis für Stuttgarter Proteste. Andere wiederrum wissen, wie es um die schauspielerischen Fähigkeiten des Arjen Robben bestellt ist. Ich verstehe beide Seiten, sowohl die berechtigte gelbe Karte bei einem Foul dieser Größenordnung und damit auch den Platzverweis, er hat sich wirklich sehr dumm angestellt. Auf anderer Seite ist er bekannt dafür, dass er gerne und leicht zu Boden fällt und so mancher Schiedsrichter darauf eben einfach reinfällt.

Mit einem Mann weniger auf dem Platz sahen wir uns nun der schwierigen Situation gegenüber, beim Stand von 1:1 über eine Stunde in Unterzahl gegen eine Mannschaft zu spielen, denen der Schiedsrichter offensichtlich wohl gesonnen ist. Zehn gegen Zwölf. Eigentlich eine fast chancenlose Situation. Die Hoffnung, hier doch noch was zu reißen, lief langsam die Treppenstufen zum Keller hinunter.

Nur eine Frage der Zeit, bis es das nächste Gegentor gibt. Innerlich stellte ich mich schonmal darauf ein, dass das hier ziemlich übel enden könnte. Und was passierte? Erstmal nichts. Völlig verblüffend, man hielt trotz Unterzahl den Bayern lange stand. Mit dem 1:1 ging es dann erstmal in die Halbzeitpause. Schön war das Spiel \“ abgesehen von Gentners Führungstreffer \“ nicht wirklich, man igelte sich oft hinten ein und wackelte ein ums andere Mal bedächtig.

Der Strohhalm von meinem mittlerweile arg zerknautschten Trinkpäckle war schon längst im Inneren verschwunden. Schon vor dem Spiel hatte ich solchen Durst, dass ich nicht bis zur Halbzeit warten konnte. Der Jubel zum 1:0 und zahlreiche beschwingten Füße dappten drauf. Völlig egal, es tat noch seinen Zweck, da war ich nicht pingelig.

Weder Bruno Labbadia noch Jupp Heynckes wechselten zur Pause. Nachwievor eine tolle Stimmung in der Bude. Alles hüpfte, alles schrie, alles pfiff auf Arjen Robben. Zu Recht oder zu Unrecht soll sich jeder meiner Leser ein eigenes Urteil bilden. Ebenfalls Opfer gelegentlich aufschäumender Proteste: der \“Unparteiische\“. Boshafte Schmähgesänge blieben nicht aus.

Wie so oft war es Sven Ulreich, der uns mit tollen Paraden vor weiteren Gegentoren bewahrte. Machtlos war er allerdings nach etwa einer Stunde. Die Abwehr mehr schlecht als recht sortiert, ein paar kluge Pässe und wieder war es der Verräter, der mit dem 1:2 das Spiel drehte. Enttäuscht schloss ich die Augen und ließ den Kopf nach unten sinken. Das darf nicht wahr sein. Jedes Gegentor gegen die Bayern ist bitter, doch das hier schmerzt wie ein Messerstoß ins Herz.

In den darauf folgenden Minuten konnten wir beobachten, wie die Bayern eine Chance nach der anderen ungenutzt ließen, um den Auswärtssieg sicher zu stellen. Beim VfB wuchs indes berechtigterweise eine neue Hoffnung: wenn sie das 1:3 nicht machen, könnte man ja versuchen, das 2:2 zu erzielen, auch in Unterzahl durchaus nicht unmöglich.

Man hatte schon den Jubelschrei auf den Lippen, als Cacau sich im Sturm durchsetzte und zu einem Lupfer ansetzte. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sich Haupt- und Gegentribüne erhoben und schon fast die Arme hochrissen. Doch knapp drüber ist auch vorbei. Ein lautes Raunen schwappte durch die Reihen, über den Köpfen zusammen geschlagene Hände inklusive. Die wohl größte Chance zum Ausgleich, fahrlässig vergeben. Schade, Cacau!

Am Ende fehlte es an Spielern, spielerischer Qualität und eiskalter Abgeklärtheit, um sich noch einmal eine solche Chance zu erspielen. Wir verstanden es nicht, die wenigen Momente zu nutzen, in denen das Tor zum Remis sperrangelweit aufstand, dem 2:2 waren wir manchmal näher als die Bayern dem 1:3. Es hat nicht sollen sein. Trotz 3 Minuten Nachspielzeit, in denen wir nochmal alles gaben, um mit aller Kraft die Jungs zum Tor zu schreien, es nützte nichts. Der 12. Bayern-Spieler pfiff humorlos das Spiel ab und erstickte all unsere Hoffnungen.

Wir flüchteten nicht gleich, besprachen noch die Planung für die am folgenden Wochenende anstehende Fahrt nach Wolfsburg, die wir im eigenen Bus antreten. Dann ging es mit hängendem Kopf nach Hause. Ich weiß, ich hatte eigentlich ohnehin keine großen Illusionen, da dürfe mich diese Niederlage doch eigentlich nicht sonderlich aus der Bahn werfen. Dennoch: ein Führungstreffer und ein am Ende knappes Ergebnis trotz einer Stunde Unterzahl vermag durchaus den Glauben zurückbringen, dass es doch klappen könnte.

Nun sind die Augen auf Wolfsburg gerichtet. Zum Zeitpunkt der Spielberichtsveröffentlichung nur wenige Stunden entfernt. Hoffnung auf Auswärtssieg? Wohl kaum. Hoffnung auf eine lustige Auswärtsfahrt mit dem Fanclub? Ganz sicher.

Zu guter letzt noch ein schönes Gedicht für Arjen Robben

Ein Wind…, so schwach…, er rührt kein Blatt,
da lachen selbst die Würmer,
doch einen macht das Lüftchen platt:
…den holländischen Stürmer.

Der arme Tropf, er fällt wie ein Baum,
und wälzt sich voller Schmerzen,
\“Herr Doktor…, kommt er durch…?” \“ \“wohl kaum”
der Pastor sucht schon Kerzen.

Es folgt gelb-rot und dann…, genau:
Genesung !!! …seht Ihn hoppen !!!
In Schwaben heißt das: „Dumme Sau…“
In Bayern: …“Arjen Robben“ !!!

(von Ingo Neumayer)

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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