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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Kurzer Prozess

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Es gibt Spiele, von denen ich gehofft hatte, sie nie wieder ins Gedächtnis zurückrufen zu müssen. Jene Spiele, die lange her sind und fast schon Opfer der Verdrängung wurden. Weniger, weil ich nicht darüber schreiben wollte, vielmehr durch die zwischenzeitliche Knie-Operation. Es war das letzte Heimspiel vor meinem großen Tag auf dem Operationstisch, als mir die Ärzte der Sportklinik Stuttgart das Knie aufschnitten und mir schmerzlich bewusst wurde, dass dies das Ende einer fast 3-jährigen Serie bedeutet.

Ich hatte gehofft, diese Serie endet mit einem schöneren Erlebnis. Auf der anderen Seite: was hatte ich denn erwartet? Wenige Tage nach dem kleinen Erfolgserlebnisses in Leverkusen war der Mittwoch Abend sowohl mein letzter Arbeitstag sowie auch das letzte Heimspiel. Es war ziemlich knapp und die Zeit reichte gerade so zum heimkommen, umziehen, Bauchtäschle umschnallen und wieder losrennen, solange es meine Beine noch erlaubten.

Auf dem Weg zum Stadion überholten wir viele, zwischen Schleyerhalle und Stadion versuchten unglaublich viele, noch überflüssige Eintrittskarten loszuwerden. Es überraschte mich sehr, dass dieses Spiel wohl nicht ausverkauft sein würde, dabei gab es schon DFB-Pokal-Spiele gegen Bayern unter der Woche, die weitaus besser besucht waren. Waren es die eisigen Temperaturen oder die Angst vor einem Ergebnis der letzten Jahre (1:5 und 3:6)?

Besonders große Hoffnungen machte ich mir nicht, das machte das Ganze am Ende auch nur halb so wild, wenn auch nicht weniger enttäuschend. Gedanklich war ich ganz woanders, ich dachte an das Reißen meiner 3-Jahres-Serie, an die Operation und an das nächste Heimspiel wenige Tage später, was ich im Krankenbett schauen müsste. Ich dachte an vieles, nur nicht an ein eventuelles Wunder von Stuttgart.

Ehrlich gesagt will und kann ich gar nicht viel über dieses Spiel schreiben. Es liegt schon zu weit zurück, gepaart mit der Tatsache, dass dies kein erfolgreicher Abend war, ist meine Lust, sämtliche Spielberichte noch einmal zu wälzen, am Nullpunkt. Ich schreibe diesmal nur, weil ich muss \“ nicht weil ich will. Auch wenn mir bewusst ist, dass „Müssen“ in einem privaten Fanblog nichts verloren hat. Sei es drum.

Manchmal kann das Gefühl trügen. Ich hatte irgendwie im Gedächtnis, dass das Spiel eigentlich gar nicht so schlecht begonnen hat. Nicht, dass wir besonders kämpferisch agierten und den ungeliebten Bayern den Zahn ziehen konnten, vielmehr deswegen, dass es eine halbe Stunde dauerte, bis sich der Qualitätsunterschied bemerkbar machte. Das 0:1 durch Franck Ribery war folgerichtig.

Erst im weiteren Spielverlauf wurde die Ernüchterung von Minute zu Minute größer. Es war kein erschreckendes Abschlachten, es war vielmehr die personifizierte Mutlosigkeit. Die Mannschaft ließ das vermissen, was sie vor einigen Tagen noch den späten, aber verdienten Ausgleich in Leverkusen schießen ließ: Kampf, Leidenschaft und der unbedingte Wille. Fehlanzeige. Keine Lust, kein Mut, keine Motivation.

Das war so eines dieser Spiele, wo du zwar am Support teilnimmst, aber gedanklich mit der Partie schon abgeschlossen hast, noch bevor diese zur ernüchternden Klatsche wurde. Mit leerem Blick nahm ich zur Kenntnis, was sich mir vor meinen Augen darbot. In der Halbzeitpause suchte ich das Gespräch mit unserem gemeinsamen Kumpel Gerd, nicht um über das Spiel zu plaudern, sondern um mich auszutauschen, was die Sorgen über meine gerissene Serie und deren Folgen betrifft.

Ja, in der Tat, für mich ist die Tatsache, dass die Serie gerissen ist, nur schwer zu verkraften. Alles begann am 12. April 2009, als der Unaussprechliche in der 4. Minute der Nachspielzeit gegen Hamburg das 1:0 schoss und das Stadion förmlich explodieren ließ. Seitdem verpasste ich kein Heimspiel, keine Bundesliga, kein DFB-Pokal, keine internationalen Spiele, obwohl ich die Hälfte der Zeit eine Anreise von fast 500 Kilometern zu bewältigen hatte. Seit meinem Umzug nach Stuttgart war diese Heimspielserie das Einzige, was mich vermeintlich von anderen Mädels aus Stuttgart mit Dauerkarte unterschied.

Zu Beginn der 2. Hälfte kam auch direkt das nächste Negativerlebnis. Der Unaussprechliche, der im Mai 2009 für 30 Millionen Euro über die A8 nach München wechselte, traf zum 0:2. Das wars dann wohl, denn vorausgesetzt, Bruno Labbadia hat kein Wundermittel erfunden, würde es den Jungs auch in den zweiten 45 Minuten nicht gelingen, gegen das drohende Unheil anzukämpfen.

Die Leistung des Teams war an diesem Abend indiskutabel. Blutleer, möchte man fast sagen. Da war nichts, gar nichts. Der Meinung war später auch unser Manager Fredi Bobic, der kein Blatt vor den Mund nahm und ehrlich aussprach, dass dies eine Frechheit war und man sich bei allen Fans für dieses Auftreten entschuldige. Das war ja auch das Mindeste, geholfen hat es jedoch nichts.

Wo sich manche Spiele ewig lang hinziehen, da sie voller Spannung, Aufregung und Torszenen sind, war dieses gefühlt schneller vorbei als jedes andere Spiel. In Windeseile war es überstanden, das Martyrium, das uns aus dem DFB-Pokal warf. Es waren keine alles überragende Bayern, die an diesem Abend das Spiel entschieden. Es war die Abwesenheit des VfB Stuttgarts, oder anders, die Abwesenheit des Willens.

Und auch das Ergebnis war nicht einmal das Schlimmste. Jahr für Jahr erleben wir es, dieses grausige Gefühl bei Heimspielen gegen Bayern, wenn gefühlt die Hälfte des Stadions jubelnd aufspringt, wenn die Münchner ein Tor schießen. Ziemlich übel auch das Geburtstagsständchen des Gästeblocks für unseren Trainer Bruno Labbadia, der früher selbst Bayernstürmer war und er nach wie vor deren Held ist, wenn er mit dem VfB nicht gegen die Bayern gewinnen kann.

Viele Pfiffen schlugen der Mannschaft entgegen, als diese nach Abpfiff zur Kurve kam. Durchaus berechtigt, nach dieser Vorstellung. Inwieweit das hilfreich für die nächsten Bundesligapartien sein soll, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Traurig schaute ich hinaus in das sich schnell leerende Stadion. Endstation einer 3-Jahres-Serie, die so verbittert und abrupt zu Ende ist. Auch, wenn es hätte noch schlimmer enden können, so ist die Tatsache, dass man erneut nicht alles in die Waagschale warf, ziemlich frustrierend.

Geknickt liefen wir schnell heim, wo ich die Bilder noch schnell sichtete und bearbeitete, bevor ich spät nachts noch anfing, meine Tasche fürs Krankenhaus zu packen. Das fiel mir ja früh ein, ich weiß. Nach wenigen Stunden Schlaf hieß es wieder aufstehen, am nächsten Morgen stand ich um 6:30 Uhr bei der Anmeldung der Sportklinik Stuttgart. Und der Gedanke an das Spiel vom Vorabend war ganz schnell in weite Ferne gerückt.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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