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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Verregneter Abstecher in die Oberliga

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Wie schon im letzten Jahr war das Bundesliga-Spiel unseres VfB am Osterwochenende überaus erfolgreich, damals waren wir siegreich gegen Hamburg, nun war es der Gegner aus Mainz, der trotz frühem Rückstands deutlich in die Knie gezwungen wurde. Und wie letztes Jahr war uns das an Ostern nicht genug Fußball und so folgten wir dem Ruf einiger Bekannter, die zusammen mit den aktiven Fans des VfB, die eine Fanfreundschaft mit den aktiven Fans aus Reutlingen haben, mit zum Auswärtsspiel nach Filderstadt-Bonlanden zu fahren.

Das Wetter war uns über Ostern leider nicht wirklich gewogen \“ es war ziemlich frisch und an besagtem Ostermontag regnete es. Kein Grund für uns, daheim zu bleiben, wir haben \“ auch schon lange bevor ich meinen Felix kannte \“ viel schlimmeres Durchgemacht: Kälte bei -23°, Schneechaos, Drückende Schwüle bei 40° – das sind Gründe, aber keine Hindernisse.

Damals Regionalliga bei den Stuttgarter Amateuren gegen Rot Weiss Ahlen, heute Oberliga mit Reutlingen, die eine illustre, beeindruckende, farbenfrohe und stimmgewaltige Fanszene ihr eigen nennen dürfen. Es ist nicht unser erstes Reutlinger Spiel, damals waren wir, in ähnlicher Konstellation, beim Auswärtsspiel im altehrwürdigen Grünwalder Stadion in München, als die Freude über das Führungstor der Reutlinger nur äußerst kurz anhielt.

Das sollte heute anders werden. Durch die 3 Heimspielbesuche auf der Haupttribüne gegen Freiburg, Kaiserslautern und Nürnberg bin ich zugegebenermaßen auf den Geschmack gekommen, was das Mitführen meiner Spiegelreflexkamera angeht. Nicht, das ich ernsthaft gedenke, dauerhaft umzusteigen, doch es macht Spaß, hochwertige Fotos schießen zu können. Somit zog es uns als angeblich „Neutrale“ auf die Haupttribüne (vielmehr ein überdachter Stehbereich) am 2.000 Zuschauer fassenden Sportplatz an der Humboldtstraße.

Vor Ort waren bereits zahlreiche Zuschauer, 650 Menschen sollten sich an diesem verregneten und ungemütlich nass-kaltem Montagnachmittag einfinden, davon mindestens 200 Fans der Reutlinger \“ die Dunkelziffer, wie viele der „Neutralen“ ebenfalls auf Seiten der Kreuzeiche-Kicker waren, ist ungewiss \“ es jubelte zumindest ein nicht unerheblicher Teil der Haupttribüne. Dagegen konnte selbst der selbsternannte Sicherheitsbeauftragte, der viel Wert auf strikte Fantrennung zu legen schien, nichts ändern.

Auf der Haupttribüne wurde es mit fortschreitender Zeit vor dem Anpfiff immer voller, doch hatten wir noch ausreichend Platz und beste Sicht aufs Spielfeld sowie den gegenüber liegenden, nicht überdachten Gästeblock, der gut gefüllt war und schnell klarmachte, wer hier und heute den Ton angeben würde. Von Bonlanden war logischerweise nichts zu erwarten, man hörte nichts, man sah nichts, keine Gesänge, keine Anfeuerung, nur Bruddeln und das übliche „Den macht doch sogar mei Oma“-Getue.

Ein wirklich berauschendes Spiel entwickelte sich nicht unbedingt, doch bin ich mir nicht sicher, was ich von diesem Spiel tatsächlich erwartet hatte. Reutlingen hatte die letzten Auswärtsspiele verloren und Bonlanden abgeschlagener Tabellenletzter in der Oberliga Baden-Württemberg. Auf regennassem Boden neutralisierten sich die beiden Mannschaften gegenseitig, Bonlanden in Weiß, Reutlingen in Rot. Torlos ging es in die Halbzeitpause. Der Regen hatte mittlerweile wieder aufgehört und Felix wanderte weiter um bessere Fotos von anderen Perspektiven als die meinige zu machen.

Erst im zweiten Durchgang wurden beide Mannschaften etwas besser und erspielten sich auf beiden Seiten einige Tormöglichkeiten \“ dabei griff wieder der abgelatschte Spruch „Wenn du die Dinger vorne nicht machst, kriegst du sie hinten“. Reutlingen verpasste es, das 0:1 zu machen und musste nach 20 Minuten im ersten Durchgang schmerzlich miterleben, wie die Gastgeber überraschend in Führung gingen. Es war das erste und einzige Mal in diesem Spiel, dass die „Fans“ der Heimmannschaft wirklich hörbar in Erscheinung traten. Ein kurzer Jubel, das war es dann auch schon. Doch eines darf ich nicht vergessen: wir sind hier schließlich in der Oberliga beim Tabellenletzten.

Lange Zeit sah es nach einer 1:0-Niederlage aus. Ein wenig frustriert musste man dabei zusehen, wie sich die Filderstädter hinten reinstellten und weniger zuließen, und das, was sie zuließen, wurde leichtfertig versemmelt. Doch sie gaben nicht auf, dass muss man ihnen anrechnen. Sie drückten Bonlanden mit aller Kraft zurück, wegen vieler Nicklichkeiten wurde das Spiel oft unterbrochen.

Noch 10 Minuten zu spielen, immernoch 1:0 für die Gastgeber \“ ob das noch was wird? Erst spät konnten die Reutlinger jubeln, in der 82. Minute erzielte Angelo Vaccaro den freudigen Ausgleich \“ und ich stellte fest, dass ich wohl bei weitem nicht die einzige „Neutrale“ auf der Haupttribüne war. Damit wären die Reutlinger sicher gut bedient gewesen, in Anbetracht der Tatsache, dass dies wohl eher glücklich zustande kam.

Als man sich schon auf das später 1:1 einstellen und sich damit abfinden konnte, war es wieder Angelo Vaccaro, der 6 Minuten später sogar noch das 1:2 schoss. Doppelpack zum Auswärtssieg, denn das war so ziemlich die letzte nennswerte Aktion auf dem Spielfeld. Die Freude bei denen, die die Daumen für Reutlingen gedrückt haben, war sichtlich groß, die Erleichterung ebenso \“ es hätte ja auch anders laufen können.

Zum Abschluss noch ein Abklatschen mit den mitgereisten Fans, die endlich mal wieder einen Auswärtssieg miterleben konnten, schnell noch 2 Panorama-Bilder gemacht und schon ging es langsam wieder zurück zum in der Nähe geparkten Auto. Endlich wieder sitzen, ein Traum \“ mein Stehplatzcomeback war gerade einmal 2 Tage her, nun wieder die ganze Zeit stehen, es ist schon anstrengend für jemanden, der gerade nach einer Knie-OP wieder auf die Beine kommt, wortwörtlich.

Viel Entspannung sagte das Programm für die nächsten Tage nicht voraus: am Tag darauf stand das Auswärtsspiel in Augsburg auf dem Plan, zum Ende der Woche noch das Heimspiel gegen Bremen. Noch wussten wir nicht, was uns erwartet. Doch welch süße Gewissheit herrschte jetzt, wo ich diese Zeilen schrieb. Es entlockt mir ein Schmunzeln und große Vorfreude auf das, was uns bevorsteht.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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