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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Der Stachel sitzt tief

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Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Noch einige Stunden zuvor hatte ich das Gefühl, es läge ein Hauch von Auswärtssieg in der Luft \“ und in der Tat, selten waren die Chancen darauf so groß wie an diesem Wochenende des vorletzten Spieltags. Im Gegensatz zum heutigen Gastgeber ging es bei uns noch um die direkte Teilnahme an der Champions League, durch das Remis letztes Wochenende in Köln sollten wir nun hier in München gewinnen, um die Konkurrenz nicht aufholen zu lassen. Es gibt leichtere Aufgaben.

Für die Bayern ging es um nichts mehr, diese sind wenige Tage zuvor in einem Elfmeterkrimi gegen Real Madrid in ihr Heimfinale der Champions League eingezogen, die Meisterschaft war zu diesem Zeitpunkt schon vertan, Borussia Dortmund heißt der erneute Deutsche Meister. Grund genug also, mit einer B-Elf aufzulaufen, und Vorfreude darauf, nicht wieder zusehen zu müssen, wie der Verräter auf dem Platz steht und gegen uns trifft. Ich sollte mich bitter täuschen.

Der Wetterbericht sagte uns strahlenden Sonnenschein und gerade zu abartig und ungewohnt hohe Temperaturen voraus: satte 30 Grad und nahezu windstill. Schon um 8 Uhr morgens war es ungewohnt warm, als wir abgeholt wurden von unserem Freund Gerd. Zu Sechst machten wir uns auf den Weg nach München. Neben reichlich Proviant und der üblichen Stadionausrüstung mit unseren beiden Kameras durfte auch eines nicht fehlen: der Laptop. Am Morgen noch frisch geladen sollte der Akku dieses Mal hoffentlich reichen, um alle Bilder fertig zu bearbeiten.

Gut gelaunt und ohne Pause waren wir sehr schnell in München. Erste Amtshandlung: Einkehren im Münchener Hirschgarten, dem (angeblich) größten Biergarten der Welt mit 8.000 Plätzen. Zu Beginn wars noch angenehm, doch die Sonne nahm schon bald ihren gewohnten Lauf und ließ uns alsbald im Licht braten. Meine Sonnencreme lag idealerweise daheim. Damn! Wenn wir weiter hier sitzen, weiß ich schon mit ziemlicher Sicherheit, wie ich am Abend aussehen würde.

Es wurde gegessen und getrunken (was solle man auch sonst im Biergarten?), doch zum Glück war ich nicht die einzige, der die erbarmungslose Sonne schon bald zu viel wurde. Gegen 13 Uhr packten wirs, 1 Stunde früher als geplant, und machten uns auf den Weg zum Stadion. Unser gewohnter Münchener Lieblingsparkplatz wurde dieses Jahr erstmals für Besucher von Fußballspielen gesperrt, somit parkten wir unweit davon in einer kleinen Seitenstraße \“ vermeintlich im Schatten.

Zu Fuß über jetzt schon an den Füßen schmerzende Stein- und Kieselpisten, durch den Bahnhof Fröttmaning, vorbei an zahlreichen Bayern- und VfB-Fans. Weite Wege lassen sich nirgendwo vermeiden, wo ein neues Stadion direkt in die Pampa oder ins Gewerbegebiet gesetzt wird. Auch beispielsweise Augsburg und Mainz bilden da keine Ausnahme. Endlich angekommen war ich von der Sonne schon jetzt völlig erledigt, die Vorfreude auf ein schattiges Plätzchen im Gästeblock auf dem Oberrang war groß.

Durch 2 verschiedene Eingänge hindurch trafen Felix und ich uns erst im Block wieder, viele waren schon da, auch zahlreiche bekannte Gesichter. Die Wehmut war schon jetzt entsprechend groß, dies sollte das letzte Auswärtsspiel der laufenden Saison werden. Und wohl kaum jemand hatte einen Zweifel daran, dass wir heute durchaus Chancen hatten, Platz 5 zu zementieren. War es Naivität, die aus uns sprach? Oder einfach nur der leidenschaftliche Glaube an das, was noch vor Monaten so weit entfernt schien.

Man entlockte mir doch tatsächlich eine kleine Schrecksekunde. „Eeeek!“ – alle tragen Trikots. Bis auf mich, wie könnte es auch anders sein. Der Aufruf zum Trikottragen ist mir leider entgangen, hätte ich mich aber an letzte Saison erinnert, hätte ich von alleine drauf kommen können. Alles halb so wild, wie man mir versicherte. Die Ersatz-Sonnenbrille, die ich mir am frühen morgen noch von Felix ausgeliehen hatte, klemmte ich mir lässig an mein rotes Fanclub-Poloshirt.

Bis kurz vor Anpfiff blieb ich kaum einmal 5 Minuten am selben Platz, ich rannte umher und begrüßte alte Freunde und neue Bekanntschaften. Noch vor 5 Jahren war das alles völlig undenkbar: wohin du auch gehst, deine Leute sind immer dabei. Überall in Deutschland, in jedem Stadion, ob von langer Hand geplant oder ein spontaner Trip \“ es ist nicht nur die Liebe zum Spiel, die mich antreibt, sondern auch die Menschen darum herum.

Felix hatte sich schon längst wieder von dannen gemacht \“ ein Vorgeschmack auf nächste Saison, die wir nach aktuellen Planungen nicht direkt Seite an Seite im selben Block verbringen werden, der Fotos wegen. Auch, wenn es nicht ganz einfach für mich ist. Doch diese paar Stunden im Stadion müssen zu verkraften sein. Doch wem nützen 50 Bilder pro Spiel, die von der selben Perspektive gemacht sind? Nur wenig, richtig.

Er zog los mit seiner Fujifilm FinePix S1500 zum linken Ende des Gästeblocks, während ich mit meiner Canon PowerShot SX 130 IS im mittleren bis rechten Bereich blieb \“ so waren Fotos von beiden Seiten garantiert. Simon, Fotografenkollege von vfb-bilder.de, kümmerte sich um Bilder von ganz rechts und hatte nahezu Sicht von Vorne \“ Abwechslungsreichtum war angesagt.

Kopfschüttelnd amüsierten wir uns über das Stadionprogramm der Bayern, zünftig-bayrische Blaskapellenmusik. Wems gefällt… Uns jedenfalls nicht, dafür gibts Gepöbel und den beliebten Mittelfinger. Man ist wirklich nicht besonders gut miteinander befreundet. Die letzten Minuten bis zum Anpfiff verbrachte ich \“ wie dann auch den Rest des Spiels \“ oberhalb des Blockeingangs 344 mit perfekter Sicht auf den Gästeblock und das Spielfeld. Es geht doch nichts über eine nicht von großen Menschen zugebaute Sicht. Das einzige probate Mittel für kleine Menschen wie mich.

Währenddessen offenbarte die Startaufstellung der Bayern nur wenig Gutes. Neben vielen Spielern der B-Elf sollten auch der Verräter, der uns 2009 in Richtung München verließ, sowie Stamm- und Nationalspieler Thomas Müller spielen \“ Zwei, die wichtige Eckpfeiler des Münchener Spiels sind. Das kann ja heiter werden. Der Blick, den ich meinem Fotografenkollegen Franky zuwarf, der wenige Meter von mir entfernt Stellung bezog, sagte alles \“ er wird verstanden haben.

Aus dem Spielertunnel, in dem ich bei einer Stadionführung vor 4 einhalb Jahren selbst schonmal stand, liefen beide Mannschaften aufs Feld \“ der VfB in den dunklen Auswärtstrikots (Oliv? Grün? Braun? Grau? Welche Farbe ist das eigentlich genau?) und der ungeliebte Gegner bereits mit dem Heimtrikot der neuen Saison. Der Gästeblock erstrahlte mit zahlreichen Fahnen und Schals. Laut VfB-Informationen waren es auf dem Oberrang und Mittelrang in der Ecke des Gästebereiches sowie verteilt im Rest des Stadions rund 6.500 Fans, die nahen Spiele (wie auch Hoffenheim, Augsburg, Kaiserslautern etc.) sind immer besser besucht als manch andere Auswärtsspiele.

Mein Herz raste, wusste ich doch um die Wichtigkeit dieser Begegnung. Vielleicht war auch eine Prise Furcht dabei, denn auf den Einsatz des abgewanderten Mario Gomez war ich keinesfalls vorbereitet. Der Versuch, nicht daran zu denken, ging zunächst gut, ich konzentrierte mich mehr auf die Fans als auf das Spiel \“ was nicht heißen soll, dass es unwichtig war, mit halben Auge schielte ich immer wieder kurz herunter (Erinnerungen werden wach an Barcelona im gefühlt 80. Stock), doch die Kamera war stets auf das Gefolge des Brustrings gerichtet.

Nach 90 Minuten könnten wir in unserer \“ im Vergleich zu einigen Monaten fast schon nahezu zweifelhafter \“ Hoffnung befriedigt sein, im Spätsommer keine lästigen Qualifikationsspiele für die Europa League absolvieren zu müssen, die jedes Mal für schwere Beine zu Saisonbeginn sorgen und eine gezielte Vorbereitung auf die neue Spielzeit regelmäßig schwierig bis unmöglich machen. Währenddessen hoffte man auf eine Punkteteilung in Leverkusen, wo beide Europa League Konkurrenten gegeneinander spielten. Das hätte unter Umständen auch schon reichen können.

Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, schon länger bekannt als heimlicher Bayern-Fan, pfiff die Partie an. Eigentlich sah das am Anfang noch gar nicht so schlecht aus, beinahe wären wir diejenigen gewesen, die zuerst gejubelt hätten \“ nur der Pfosten stand im Weg, als Christian Gentner mit einem Kopfball vor dem völlig chancenlosen Jörg Butt scheiterte, der sein Abschiedsspiel machte. Die ersten Minuten lieferten keinen Zweifel daran, dass die Jungs alles daran setzen würden, aus eigener Kraft den 5. Platz zu behalten und wenns geht auch mal hart ranzugehen. Dieser Glaube hielt etwa eine halbe Stunde.

Mitte der 1. Halbzeit erblickte ich einen offensichtlichen Bayernfan am Blockeingang, der vom Sicherheitspersonal aufgehalten und zum Abnehmen seiner Bayernmütze verpflichtet wurde, er wurde in die oberste Reihe des Gästeblocks geleitet. Interessierte ihn offenbar wenig, beim 1:0 durch Mario Gomez stand er neben mir und jubelte leicht verhalten, war aber unübersehbar dem Gegner zugetan. So manch anderer hätte einen riesen Aufstand gemacht \“ ich verdrängte meine Wut so gut es ging, was kann ich auch schon alleine ausrichten. Außerdem hinter mir ein gutes Dutzend Polizisten.

Ich bin mir nicht sicher, was an diesem Tag mit Maza los war \“ nervös, weil er wieder mal von Beginn an spielen durfte? Oder vielmehr Unachtsamkeit, wie kann man auch nur so schlampig verteidigen in der eigenen Hälfte, wenn der Gegner schon direkt auf einen zukommen? Leichtes Spiel für Thomas Müller, der nach kurzem Zögern auf Mario Gomez weitergab.

Ich habe es bis heute noch nicht richtig verwunden, das einst Stuttgarts bester Stürmer der letzten Jahrzehnte 2009 zu den Bayern wechselte. Eine Wunde, die nie so richtig heilen konnte, denn die Narben, waren sie einmal schon fast zugeheilt, wurden Jahr für Jahr aufs Neue aufgerissen, jedes Tor gegen uns das Salz in der Wunde, jeder lauter und übereifriger Jubel der Stachel, der noch tiefer hineingebohrt wird. Tage wie heute sind zur Heilung nicht gerade zweckdienlich.

Das 1:0 für die Bayern in der 32. Minute \“ inklusive wild gestikulierende Provokation in Richtung Gästeblock. Sein Glück, dass wir so weit entfernt waren. Das war nun genau das, von dem ich wenige Stunden zuvor sicher überzeugt war, dass es nicht passieren würde. Es war nicht das Gegentor an sich, das hat uns die letzten 10 Spiele nie etwas ausgemacht, es war der Torschütze und sein Verhalten uns gegenüber.

Der Fußballromantiker erwartet stets lebenslangen Respekt vor dem Verein, der ihn hochgepäppelt hat. Wir zollten ihm im Gegenzug allerdings nie Respekt seit dem Wechsel, zu schmerzlich dabei zuzusehen, wie er die schwäbische Todsünde begang. Ich bin mir nicht sicher, was wir wirklich erwartet hatten. Wenn er den Schneid gehabt hätte, direkt ins Ausland zu wechseln, er wäre noch heute ein echter Stuttgarter Held. Somit wurde er nur zum Hassobjekt vieler \“ und befindet sich in bester Gesellschaft mit dem Rest seiner Mitspieler.

Noch war hier aber lange nicht Schicht im Schacht \“ ein Gegentor macht noch lange keine Niederlage, haben wir ja zuletzt oft gesehen. Fast im direkten Gegenzug wäre der Ausgleich um ein Haar perfekt gewesen, als Shinji Okazaki nach einer schönen Flanke von Tamas Hajnal nur die Unterlatte traf und der Ball vor der Linie wieder aufsprang. Zur Stelle war Christian Gentner, der allerdings knapp übers Tor köpfte. Kurz darauf entschärfte Jörg Butt den heraneilenden Vedad Ibisevic.

Hier war jetzt ordentlich Zunder da und die Chancen waren unumstritten vorhanden, hier noch den Ausgleich oder mehr zu schaffen. Warum auch nicht? Dennoch ging es mit dem knappen 1:0-Rückstand in die Pause, die ich mit meiner Freundin Diana \“ ungeachtet aller Scharmützel der letzten Tage \“ ganz gechillt an selber Ort und Stelle verbrachte. Es wird Monate dauern, bis wir so etwas wiederholen können. Seit dem Tag, als die neue Saison mit dem Heimspiel gegen Schalke startete, verzichte ich aufs Verlassen des Blocks während der Halbzeitpause, obwohl ich mich in der letzten Saison immer mit ihr traf. Und nun ist die Saison so gut wie rum.

Nach Wiederanpfiff wurde direkt ein VfB-Wechsel angekündigt, William Kvist, der alle Spiele in dieser Saison gespielt hat und nur in Ausnahmefällen ausgewechselt wurde, verließ den Platz nach einer mehr als mäßigen Leistung. Für ihn kam schon früh Cacau, der per Billardtor in Köln ausgeglichen hatte. Möge er auch heute erfolgreich sein. Doch ganz ehrlich: mir doch egal wer die Tore für den VfB schießt. Wenn es am Ende für Platz 5 reicht, darfs auch gerne Sven Ulreich sein, der uns so oft in dieser Saison mit überragenden Leistungen den Hals gerettet hat.

Viel Hoffnung machten dafür die ersten Minuten des 2. Durchgangs nicht. Wo war der VfB, der bis einschließlich dem Heimspiel gegen Bremen all das zeigte, wonach wir uns schon seit August so verzweifelt gesehnt hatten: tollen Fußball, stabile Abwehr, clever taktierendes Konzept, maximale Chancenauswertung und wunderschöne Tore. Dann kam Köln und \“ puff \“ alles vergessen, wie es scheint. Schon da zeigten sie einmal mehr das, was keiner von uns in dieser Saison je wieder sehen wollte, den Rückfall in fast schon vergessene Zeiten.

Nichts davon zu sehen, dass es bei den Bayern um nichts und bei uns um den 5. Platz geht \“ die Jungs wussten relativ wenig anzufangen mit den anfänglichen Freiheiten, die sie hatten. Aus dem Sturmlauf der letzten Minuten vor der Pause wurde nicht nur kein Kapital geschlagen, nein, viel schlimmer, sie setzten es nicht fort. Mit einem Rückstand im Nacken ließen sie den Willen vermissen, das Spiel noch zu drehen. Es war zum Verzweifeln.

Blickte ich auf den Gästebereich, der alles tat, um die Jungs auch aus großer Höhe anzufeuern und nach vorne zu peitschen, sah ich aber auch Verzweiflung, Enttäuschung und das Schwinden der Hoffnung. So kann man in München nicht gewinnen. Eines der schlimmsten Tatsachen am Fußball ist, dass du den Gang der Dinge nicht immer allein durch den Support verändern kannst. Es gibt Tage, an denen du alles geben kannst, was in dir steckt, und wenn du am Ende feststellen musst, dass es offenbar nicht genug war, bleibst du stets zurück mit einem mindestens kurzen Moment des Frustes.

Was an dieser Stelle folgen müsste, wären detaillierte Beschreibungen zum Geschehen auf dem Feld. Ich tu mich wahrhaftig schwer damit, denn: das war so schlecht, dass es nur wenige Stunden brauchte, um erfolgreich verdrängt zu werden. Auch die Aufarbeitung durch Sportschau, vfbtv und zahlreiche öffentliche und persönliche Spielberichte, fördert nicht allzu viel zu Tage, was einem in dieser schweren Stunde Mut und Trost spenden könnte. Das war wirklich nichts, worauf man stolz sein könnte \“ nein, ich korrigiere, es war regelrecht eine Schande und keines VfB Stuttgart würdig.

Diana blieb die ganze Zeit an meiner Seite, auch deshalb, weil ich eine Wut fördernde Situation wie in der 1. Halbzeit nicht wiederholen wollte. Wie schon in Augsburg zog ich ihre Verwunderung auf mich, wie jemand der so klein ist so laut schreien und pöbeln kann. Ich wollte es nicht wahrhaben, doch sie sollte Recht behalten. Sie war sich ziemlich schnell sicher, dass das nichts mehr werden würde, knapp 10 Minuten vor Ende des Spiels. Mit aller Macht wollte ich mir den Glauben bewahren, dass es doch noch ein versöhnliches Ende nehmen würde \“ denn Leverkusen führte währenddessen gegen Hannover und verdrängte uns von Platz 5 auf Platz 6.

Das Drama nahm seinen Lauf, als wir blindlinks mit müden Beinen und einer nicht von der Hand zu weisenden „Null-Bock-Einstellung“ in einen Konter hineinliefen und kurz vor Abpfiff auch noch das 2:0 kassierten. Es gibt fast nichts Schlimmeres, als auswärts zu sein und um einen herum springen alle auf. Damit war nun auch unsere Serie von 10 ungeschlagenen Spielen in Folge gerissen. Ein wenig Dankbarkeit, dass dieses Spiel „nur“ am vorletzten Spieltag war und nicht schon früher, wurde überschattet von einer gehörigen Portion Frust und Unverständnis der eigenen Mannschaft gegenüber.

Nur je eine gelbe Karte pro Seite im gesamten Spiel, in Duellen wie solchen müssen im übertragenen Sinn Knochen brechen! Unglücklicherweise sah Georg Niedermeier eben jene, er wird im letzten entscheidenden Spiel gegen Wolfsburg fehlen. Der Blick auf die Alternativen ist düster: Serdar Tasci ist verletzt, Antonio Rüdiger aus der Amateurmannschaft sah 2 Stunden zuvor die rote Karte und ist ebenfalls nicht spielberechtigt, gäbe es eigentlich nur noch Patrick Bauer, ebenfalls von den Amateuren, oder das Abschiedsspiel des Matthieu Delpierre, der uns direkt im Anschluss in Richtung Hoffenheim verlässt. Notfallplan, Bruno Labbadia?

Bedröppelt stand ich da. Bereits gegen Köln hätte mehr drin sein können, nein, müssen sogar, nun diese weitreichend blutleere Vorstellung einer Mannschaft, die in dieser Verfassung nichts in der Europa League verloren hatte. Einzig positives: wir sind sicherer 6. und können auch nicht mehr auf den 7. Platz zurückfallen. Fragt man einige Personen, sie wären damit absolut zufrieden. Wenig tröstlich, wenn man doch beste Aussichten auf den direkten Europa League Startplatz hatte.

Dennoch haben wir nun die unangenehme und beängstigende Situation, es nicht mehr selbst in der Hand zu haben: siegen wir am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg, bedarf es gleichzeitig einer Niederlage der Leverkusener auswärts in Nürnberg. Unsere Hoffnungen ruhen auf dem an den Club ausgeliehenen Daniel Didavi, der zuletzt eine wahre Tormaschine war und auch am heutigen Tag zum Nürnberger Auswärtssieg in Hoffenheim traf. Er soll unbedingt zurückkommen, hat aber, wie die meisten ausgeliehen Spieler des VfB, nur wenig Muße.

Mund abputzen war nun angesagt. Wieder einmal äußerst langsam bewegten wir uns aus dem Stadion heraus. Per Mehrheitsentscheidung wurde beschlossen, noch einen Biergarten aufzusuchen. Sehr begeistert war ich von dieser Idee natürlich nicht, ich wollte nur meine Bilder bearbeiten und nach Hause, Felix ebenfalls… Da wir aber in der Unterzahl waren mit dieser Ansicht, wurden wir quasi „gegen unseren Willen“ im Biergarten festgehalten.

So manch anderer wäre dankbar drum gewesen. Zumindest war es schattig und angenehm kühl geworden. Mein Gesicht war mittlerweile erwartungsgemäß krebsrot. Nach einer etwa 1-stündigen Pause mit Essen und Trinken (man, tat das gut!) packten wirs dann auch endlich und machten uns auf die Heimreise. Gleich den Laptop ausgepackt und bearbeitet, wieder einmal reichte der Saft nicht mehr zum direkten Hochladen per Surfstick. Mittlerweile habe ich gehandelt, ich bestellte mir am Tag darauf einen Ersatzakku \“ schließlich wollen wir einige Auswärtsspiele in der neuen Saison mitnehmen.

Daheim waren wir dann gegen 10 Uhr abends, ich bearbeitete die Bilder noch zu Ende und legte mich schlafen, ich träumte von einem Heimsieg gegen Wolfsburg und einer Niederlage von Leverkusen. Ich wachte wieder auf und stellte fest, das nicht alle Träume wahr werden. Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich die Mannschaft ein letztes, ein allerallerallerletztes Mal so zusammenreißt, wie sie es die Wochen davor auch schon gemacht haben. Sie haben so hart gearbeitet, um dort hinzukommen, wo sie keiner in der Winterpause vermutet hätte. Olé olé olé olé olé olé olá, wir sind immer für euch da! Immer.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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