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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Alle Jahre wieder

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„Nie wieder Wolfsburg! \“ das hehre Ziel, eines Tages eine 34er-Saison hinzulegen, ist damit vorerst ad acta gelegt, bis der Verein […] dort ist, wo er meiner Ansicht nach hingehört: nicht mehr in die 1. Bundesliga“. Ich fand harte Worte nach der Niederlage in Wolfsburg. Voller Frust und Enttäuschung traten wir die Heimreise an. Irgendwie habe ich es geahnt. Und dabei stammen diese Zeilen bereits aus dem Jahre 2011. Wir schreiben mittlerweile 2013. Auch in meinem fünften Versuch seit 2008 hat es nicht sollen sein.

Trotz des Versprechens, erst eine 34er-Saison absolvieren zu wollen, wenn die Wolfsburger abgestiegen sind, läuft aktuell unsere erste 34er-Saison. Ich hatte mich durchaus schwer mit dieser Entscheidung getan, wohlwissend, dass in Wolfsburg nichts zu holen ist. Zum Hinrundenabschluss der letzten Saison musste der VfB in die Autostadt, es wurde als Fanclub-Busfahrt auserkoren, sonst wäre ich nicht mitgefahren. Und leider gehört zu einer kompletten Spielzeit auch jenes gefürchtete Spiel in Niedersachsen. Welch Deja-Vu. Es wiederholt sich. Immer und immer wieder.

0:4, 1:4, 0:2, 0:1 \“ so meine bisherige Bilanz. Im Jahre 2010, als ich meine Zelte in Leipzig abbrach und in die Stadt zog, der ich ohnehin schon in mehr als einer Hinsicht mein Herz geschenkt hatte, verzichtete ich aus zeitlichen und finanziellen Gründen. Es nutzte trotzdem nix, der VfB verlor auch ohne mein Zutun. Ob zu Beginn der Saison, mittendrin oder zum Abschluss von Hin- oder Rückrunde, wie du es auch drehst und wendest \“ die Wolfsburger werden allmählich zum Angstgegner.

Dabei hätte es so ein schöner Tag werden können. Nach der mehrwöchigen Winterpause waren wir es fast gar nicht mehr gewohnt, so früh \“ oder vielmehr: mitten in der Nacht \“ aufzustehen und uns auf den Weg zumachen, über Deutschlands Straßen immer unserem VfB hinterher. Halb 4 aufgestanden, kurz vor 5 nach Weinstadt-Beutelsbach aufgebrochen, Tourstart im Remstal in kleiner Besetzung. Reingehockt, Decke drüber und… eingenickt! Bis Göttingen (2/3 des Weges) habe ich fast durchweg nur geschlafen.

Unser Weg führte uns \“ Felix, Gerd, Thomas und mich \“ nicht direkt nach Wolfsburg sondern erst einmal ins 35 Kilometer entfernte Braunschweig. Kleiner Stadtbummel, Kulturprogramm, Fotos mit der Spiegelreflex und ein zünftiges Mittagessen. Gestärkt ging es weiter in die Autostadt, wo uns ein eiskalter Wind entgegen blies. Auf dem Thermometer waren es „nur“ -7 Grad, gefühlt waren es mindestens 10 Grad weniger. Dick eingepackt bis oben hin, nur noch die Augen und die Nase schauten raus.

„Was mache ich hier eigentlich?“ fragte ich mich mehr als einmal an diesem Tag. „Klar, die 34er-Saison“, sonst wäre ich gewiss nicht mitgefahren nach Niedersachsen. Wolfsburg wurde in den letzten 5 Jahren zu meinem ganz persönlichen Trauma, in 5 Spielen sah ich 5 Niederlagen bei nur einem einzigen VfB-Tor, welches Armin Veh im November 2008 schlussendlich den Arbeitsplatz kostete. Jährlich grüßt das Murmeltier, wer will mir da verdenken, dass ich mit einer gewissen und keinesfalls unberechtigten Vorahnung das Stadion betrat, wo uns Chef-Fanbetreuer Christian Schmidt grinsend im „Winterparadies“ willkommen hieß.

Schon vor dem Spiel meinte ich zu wissen, was passiert \“ für andere war es das erste Mal. Ich postierte mich im linken Bereich des Gästeblocks auf halber Höhe des Unterrangs, während Felix zunächst rechts postiert war. Nach einem Schwätzchen mit einem guten Freund, der mindestens genauso viel Lust auf dieses Spiel hatte wie ich, kam ich ins Gespräch mit dem Herrn zu meiner Rechten und seinem minderjährigen Anhang: Kinder und/oder Neffen, wenn ich das richtig verstanden hatte.

Er bekam von mir eine Karte mit meiner Blogadresse, er darf sich hiermit herzlich gegrüßt fühlen. Nette Gesellschaft an einem gebrauchten Tag. Man schwelgte in Erinnerungen vergangener Spiele, welches unsere Lieblings-Auswärtsstadien wären und wo man schon in Europa gewesen ist. Geschichten, von denen ich gern erzähl. Meine Wolfsburg-Historie ist weniger berauschend, und doch immer Bestandteil, sie verfolgt mich wie ein Schatten, wann immer ich auch nur den Namen dieser 122.583-Einwohner-Stadt. Mein Alptraum, mein Trauma, mein Fluch.

Längst nicht alle haben den Weg in die neongrün beleuchtete Arena gefunden, vielen war es einfach zu kalt, fast 6.000 von 30.000 Plätzen blieben leer. Wir waren schon spät dran, es konnte recht bald losgehen mit dem Spiel, von dem ich mir weiß Gott nicht vorstellen konnte, wie man dies gewinnen solle \“ zumal unsere Lebensversicherung Vedad Ibisevic noch gesperrt war, er sah in Mainz die 5. gelbe Karte der Saison. Und wieder einmal stellte sich heraus: ohne Tore kannst du nicht gewinnen.

Das Unverständnis für Trainer und Vereinsführung ist verständlicher groß: man wusste, dass unsere Nummer 9 gesperrt ist, reagiert wurde nicht, weder mit Systemumstellung noch mit der Verpflichtung eines sofort hilfreichen Stürmers. Seit des Verräters, der uns 2009 in Richtung München verließ, gab es nur wenige Lichtblicke in unserem Sturm, dazu zählen Martin Harnik (seit Sommer 2010) und eben Vedad Ibisevic (seit Anfang 2012) \“ zusammen schossen beide seitdem 49 Bundesliga-Tore. Ist einer verletzt oder gesperrt und der andere nicht in Form hat man schnell eine Situation wie an jenem Samstag in Wolfsburg.

Die Geschichte des Spiels ist im Prinzip schnell erzählt: die selbe Scheiße wie jedes Jahr. Unterschiedliche Trainer des VfB haben hier ihr Glück versucht, sind immer gescheitert, sei der tabellarische Unterschied beider Mannschaften klein oder auch groß, der VfB ist sehr zuverlässig, was das Verlieren in Wolfsburg angeht. Aus mir spricht jahrelanger Frust, der auch jetzt, eine Woche später, nicht verflogen ist. Eine Woche ist vergangen, eine geschäftige Arbeitswoche liegt hinter mir, die Zeit, früher zu schreiben, hatte ich nicht.

Viel zum Spiel schreiben vermag ich nicht. Die Erinnerung daran ist schon fast verblasst, oder vielmehr verdrängt, nach wie vor schüttele ich den Kopf über so viel Unvermögen. Dabei hätte es ganz anders kommen können \“ hätte Martin Harnik nach 6 Minuten den Ball ins Netz gehauen statt daneben, wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre. Es gab Eckball, der noch gut gelaunte Gästeblock wedelte mit den Schals. Es war kalt, es schneite, und dennoch waren die meisten von uns voller Hoffnung. Scheinbar alle außer mir, ich habs ja gleich gesagt.

Auch Ibrahima Traoré machte uns Hoffnung, dass es vielleicht nach 5 Jahren Durststrecke vorbei sein könnte, tolles Solo, einen Wolfsburger stehen lassen, zwei Wolfsburger stehen lassen, doch der Abschluss mal wieder unter aller Kanone. Ich schreibe bewusst „mal wieder“. Die alte Leier mit der Chancenverwertung, ich kann es ja selbst kaum mehr hören. Es war nicht die letzte Chance, die man sich in der Partie erspielte. Es waren 12 Minuten gespielt, es hätte \“ zugegeben: mit Glück \“ 2:0 für den VfB stehen können. Wir alle kennen das Endergebnis.

Mit einem 0:0 ging es in die Halbzeit. Nette Gespräche auf der einen Seite, doch nagte in mir das unablässige Gefühl, dass ich ein weiteres Mal endlos frustriert wieder heimreisen würde. Nicht, dass ich es mir gewünscht hätte, im Gegenteil \“ doch konnte ich es mir einfach nicht vorstellen, wie aus soviel Unkoordiniertheit, Planlosigkeit und Mutlosigkeit auch nur etwas Positives entstehen konnte. Es ist stets egal, wie die vergangenen Spiele gelaufen waren, gegen Wolfsburg kommt man regelmäßig auf den Boden der Tatsachen zurück.

Weiter ging es, bei den Wolfsburgern wurde Bas Dost eingewechselt \“ ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Er traf damals zum 0:1, Sekunden, nachdem Vedad Ibisevic den Elfmeter und den Nachschuss im Hinspiel vergab, so fing die neue Saison gleich mal „gut“ an. Wesentlich mehr Sorgen bereitete mir Diego, der immer für einen Geniestreich gut ist, so groß meine Abneigung gegen die Niedersachsen auch ist. Ich habe keine Erklärung für die Hilflosigkeit meiner eigenen Jungs, sie ließen ihn gewähren, Innenpfosten, Tor, 0:1. Vor einigen Stunden lachte man mich noch aus und piesakte mich mit absichtlichem Wolfsgeheul. Da war es wieder. Gegentor Nummer 12 in Wolfsburg.

Dabei hatte die 2. Halbzeit gerade mal angefangen, 40 Minuten durften wir nun dem Rückstand hinter her rennen, jene Tage, in denen diese Situation oft der Startschuss zu einer grandiosen Aufhol- und Überholjagd war, sind vorbei. War das schön damals. Im hier und jetzt fühlte ich den selben Schmerz wie die vergangenen 5 Jahre. Obwohl ich nichts erwartet hatte, so traf es mich dennoch ins Mark. Oh Ulreich…

Es schien eine Art Weckruf zu sein, die Jungs taten mehr und spielten energischer nach vorne, unterm Strich blieben sie dennoch harmlos. Hier war nichts mehr zu sehen von der Auswärtsstärke der doch recht passablen Hinrunde, wenn man von den ersten paar Spielen einmal absieht. Uns klebte die Scheiße am Fuß, auch unserem Österreicher, der seiner gefährlichen Form seit Monaten hinterher rennt. Weniger als eine halbe Stunde noch. Es gab Phasen, in denen die Mannschaft uns das Gefühl vermittelte, nicht ganz bei der Sache zu sein und nicht wirklich Lust zu haben \“ es übertrug sich gelegentlich auf den Gästeblock.

Klar ist, dass eine Mannschaft, die so kopflos umher rennt wie der VfB, sich auf kurz oder lang weitere Gegentreffer fängt. Planloses Gewirr im Stuttgarter Strafraum, da reicht auch ein Aussortierter Bankdrücker wie Alexander Madlung, der kaum spielen darf, um uns das 0:2 zu verpassen. Na klar doch, warum auch nicht, mit uns kann mans ja machen \“ wenn es schon nicht gegen andere schlechter in der Tabelle platzierte Gegner nicht reicht, dann beruht man sich halt auf die Schwaben, die Jahr für Jahr ein in Wolfsburg gerne gesehener Punktelieferant sind! Gegentor Nummer 13.

Das Spiel gelaufen, noch mehr als 20 Minuten musste ich mir mit ansehen, wie die nächste Auswärtsschlappe beim VfL dingfest gemacht wurde. Viel passierte dann auch nicht mehr. Die mitgereisten Fans gaben jedoch nicht auf, sie sangen weiter, feuerten an, trotz der eisigen Temperaturen. Ich berief mich den Rest des Spiels aufs Fotografieren, aufs Spielfeld schaute ich nicht mehr so genau, es wäre eh umsonst gewesen, denn Torgefahr des VfB sieht definitiv anders aus. Ein weiteres Mal ein Lehrbeispiel für Effektivität und Kaltschnäuzigkeit. Da können wir uns eine Scheibe von abschneiden \“ und wenn ich so etwas sagen muss, dürfte klar sein, wie groß mein Frust noch immer ist.

Eine Weile blieb ich noch zwischen den Wellenbrechern stehen, verabschiedete mich sowohl von der netten Gesellschaft während des Spiels, als auch mit den Worten „Na, wurdest ja nicht enttäuscht?!“ von einem guten Freund. Meine Erwartung wurde nicht enttäuscht dahingehend, dass ich das Unheil habe schon kommen sehen. War ich dennoch nicht enttäuscht? Keineswegs. Niederlagen wie diese sind immer schwer zu verdauen, gerade gegen den traditionslosen Retortenklub aus der Autostadt.

Langsam ging es Richtung Auto, Bilder bearbeitet, ein wenig geschlafen und zurück nach Hause. Warum nur immer wieder Wolfsburg… Ein notwendiges Opfer auf dem Weg zur 34er-Saison. Eine Woche später steht nun morgen die nächste Hürde bevor. Es wurde eine Revange für das 1:6 im Hinspiel ausgerufen. Meine Hoffnungen, dieses Spiel zu gewinnen, bewegen sich in einem ähnlichen Bereich wie vor dem Wolfsburg-Spiel. Bei drohendem Glatteis mit Minusgraden laufen wir morgen zum Neckarstadion, das erste Mal im neuen Jahr. Und ich denke nicht, dass ich auf dem Rückweg ein Lächeln auf den Lippen trage. Doch ich lasse mich natürlich gern vom Gegenteil überzeugen!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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