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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Schluss ist erst, wenn der Schiedsrichter pfeift

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Es gibt Dinge, die gibts eigentlich gar nicht. Das Ergebnis vom Heimspiel gegen Genk ist eines davon. Wann lernt die Mannschaft endlich, dass zum erfolgreichen Spiel nicht nur 20 gute Minuten gehören, dass man Tore schießen muss, um zu gewinnen, und vor allem: dass ein Spiel 90 Minuten dauert und Schluss erst dann ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Dem endgültigen Schlusspfiff folgte ein Pfeifkonzert \“ wie so oft in den letzten Wochen. Ein romantischer Valentinstag sieht anders aus.

Wie auch immer der viel beschworene „Stuttgarter Weg“ aussieht, keiner weiß anscheinend so recht, wo dieser hinführen soll. In eine rosige Zukunft? In den Abgrund? Fans und Präsidium sind da geteilter Meinung. Ein weiteres Mal blieben wir mit Kopfschütteln zurück. Wir hatten den Sieg auf dem Silbertablett, leichtfertig verschenkt, weil man zu dumm war, ein zweites und drittes Tor zu schießen, und weil man der Meinung war, in der Nachspielzeit würde schon nichts mehr passieren. Der Schuss ging dann wohl nach hinten los.

Donnerstag Abend, Europapokal, 21:05 Uhr. Was für mich noch nie ein Hindernis war, war es anscheinend für viele andere. Aktuell läuft es alles andere als geschmeidig. Die Verunsicherung ist groß, die Angst ebenfalls. Wie es weiter geht, kann keiner beantworten. Gegen den belgischen Club KRC Genk galt es, sich eine optimale Ausgangsposition für das Rückspiel in der kommenden Woche zu erarbeiten. Ein Heimsieg zu Null, bestenfalls mit mehr als einem Tor. Soviel zur Theorie. Die Praxis sah anders aus \“ sehr viel verstörender.

Unerwarteter Gästeandrang

In der Bundesliga setzte es zuletzt 5 Niederlagen in Folge. Das Nervenkostüm der treuen Anhänger schwer beschädigt, die Last auf unseren Schultern ist groß, ein jedes Mal, wenn wir das Stadion betreten, sei es im heimischen Neckarstadion oder weit entfernt in Stadien außerhalb Stuttgarts. Selten machte es so wenig Spaß wie jetzt gerade, geht man doch fast regelmäßig von einer Niederlage aus, damit eventuelle Hoffnungen gar nicht erst schmerzhaft enttäuscht werden können. Es ist schwer, stolzer VfB-Fan zu sein \“ und es wird einfach nicht besser.

Es ist die letzte Woche vor meinem Urlaub, seit Wochen war ich nicht mehr vor 9 Uhr abends daheim, viele Überstunden, viel Arbeit, viel Stress \“ die letzten Spielberichte kamen allesamt reichlich spät auf diese Plattform. Warum ich mir das antu? Weil mir die Arbeit dennoch Spaß macht, ich ein tolles Team und tolle Kollegen habe, und weil ich einen grandiosen Chef hab, der mir die Teilnahme an allen VfB-Spielen ermöglicht, auch dann noch, wenn viel zu tun ist. Er lässt mich „auswärts rennen“, und das ist auch gut so.

„So hell hier!“ – ich war fast schon irritiert, ich erlebte das erste Feierabend-Tageslicht seit Monaten. Kurz nach um 5 brach ich vom Büro aus auf und fuhr erst einmal heim, etwas essen, umziehen, und dann zum Stadion laufen, so war der Plan. Am Bahnhof stiegen schon zahlreiche Belgier aller Altersklassen ein, ich fürchte, die Pressemeldungen stimmen tatsächlich: gut 4.000 Gästefans aus Genk. Auf Cannstatts Straßen waren gefühlt mehr Belgier unterwegs als Stuttgarter.

Gähnende Leere im Neckarstadion

Ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt mal vor Felix daheim war. Er musste ausnahmsweise Überstunden machen, und wenn er welche macht, dann meist erst dann, wenn am Abend noch wichtige Termine anstehen. Zufall? Kurz noch etwas zwischen die Zähne geschoben, dick eingepackt und schon gings wieder los, 5 Tage nach dem letzten Bundesligaspiel, 5 Tage nach der letzten Heimniederlage und 57 Tage seit dem letzten Heimsieg. Ist das schon so lange her…?

Uns drohte das nächste Trauerspiel, in mehrfacher Hinsicht. Von der aktuellen spielerischen Misere mal ganz abgesehen, die uns seit ewigen Zeiten kein richtiges Erfolgserlebnis eingebracht hat, auch die Zuschauer blieben aus. Logische Konsequenz aus den letzten erfolglosen Wochen? Schon möglich. Ein trauriger Anblick ist es allemal. Freie Platzwahl, wohin das Auge reichte. Ganze Blöcke waren leer, ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte des umgebauten Stadions.

Mit den Schwaben ist es schon manchmal zum Verzweifeln. Spielt man nicht international, wird gebruddelt, spielt man dann international, bleiben die Zuschauer aus. Warum eigentlich? Die Zuschauermisere zieht sich bereits durch die ganze Europa League Saison, von mal zu mal wurde es schlimmer. Schon zum Play-Off gegen Moskau kamen vor Beginn der Bundesliga nur 20.400 Zuschauer, bisheriger Tiefpunkt warKopenhagen in der Gruppenphase mit nur 15.300 Zuschauer, und diesmal sogar noch weniger: 15.200 Zuschauer, davon gut 4.000 Gästefans. Beschämend!

Auf der Suche nach den Ursachen

War es die Uhrzeit? Der späte Anpfiff macht es für Zuschauer, die weiter weg wohnen oder die schulpflichtige Kinder haben nahezu unmöglich, das Spiel zu sehen. Waren es die Temperaturen? Mit etwa -3 Grad wirklich nichts Schlimmes, zumindest nicht für jene, die damals beim Heimspiel gegen Hoffenheim dabei waren. Vielmehr sind die ausbleibenden Zuschauer der langanhaltend mageren Leistung unserer Mannschaft geschuldet, wie manchmal nicht so recht Lust zu haben scheint auf Europa. Es kann auch eine Bürde sein, in allen 3 Wettbewerben vertreten zu sein.

Der Gästeblock war proppenvoll, auch daneben konnte man den einen oder anderen blauen Schal erspähen. 4.000 Belgier, ich bin gespannt, wie viele Stuttgarter am kommenden Donnerstag mit nach Genk kommen \“ Felix und ich sind zumindest schonmal zwei davon. Beinahe freie Platzwahl in der Cannstatter Kurve, ausnahmsweise war ich wieder einmal etwas weiter oben im Block 33.

Zum Einlaufen der Mannschaften hielten beide Fangruppen eine Choreographie bereit: die Cannstatter Kurve mit roten Fähnchen, zusätzlich zum normalen Fahnenmeer, Genk mit blauen und weißen Fähnchen, gefolgt von Pyrotechnik, die im vorderen Teil des Gästeblocks ein paar Sekunden brannte. Der obligatorische Hinweis durch die Lautsprecher folgte natürlich prompt.

Leeres Haus \“ gute Stimmung

Am Oberrang war ein Transparent befestigt: „Since 1988″ \“ ein Aufschrei jener, die für Tradition stehen. Der KRC entstand 1988 bei einer Fusion des KSV THOR Waterschei und des KFC Winterslag. Vorsicht war geboten vor der belgischen Mannschaft, sie war ohne Niederlage durch die Gruppenphase spaziert. Wie schwer sich hingegen unser VfB tat, haben wir ja selbst miterlebt. Es galt auf jedem Fall, ein Gegentor zu verhindern und dafür selbst den einen oder anderen Treffer zu erzielen.

Bei so wenigen Zuschauern im Stadion liegt es eigentlich auf der Hand, dass die Stimmung eher mau war, oder? Falsch! Sehr zu meiner Verwunderung (Schrägstrich: Freude!) war die Stimmung und die Lautstärke der Cannstatter Kurve besser, als bei so manch anderen Heimspielen der Hinrunde, wo das Stadion voller und die Leistung des VfB besser war. Verkehrte Welt? Mir solls recht sein. Die Kurve hatte Gas gegeben, um unsere Jungs zu unterstützen \“ es gibt eben nicht nur die, die immer nur bruddeln.

Der VfB begann ordentlich, die Stimmung war gut, die Hoffnung war da \“ hier zu verlieren war ohnehin zu keinem Zeitpunkt eine Option gewesen, unsere beiden Karten fürs Auswärtsspiel in Genk hängen im Flur an der Pinnwand, es wäre schon gut, wenn es nicht völlig für umsonst wäre. So schlecht spielten sie nicht, umso bitterer, wenn man weiß, dass 2 Minuten länger aufmerksam zu sein, uns den ganzen Ärger erspart hätte. Es wird ein heißer Tanz in der Cristal Arena am Donnerstag!

An besseren Tagen macht er den

Es ist so eine Sache mit dem Selbstvertrauen. Hast du es, ist nichts, aber auch wirklich gar nichts ein Problem, dann gehst du mit Leichtigkeit in jedes Spiel, ohne Angst, ohne Furcht. Hast du es nicht, tja, dann klebt dir die Scheiße am Schuh. Stürmer, die noch in der Hinrunde und insbesondere in der Rückrunde der letzten Saison getroffen haben wie sie lustig waren, haben eine Blockade, Chancen, die sie sonst garantiert ausgenutzt hätten, lassen sie liegen \“ im Gegenzug schießt die andre Mannschaft die Tore, weil man selbst zu dumm war. Bezeichnend für den VfB der letzten Wochen.

Keine 14 Minuten waren gespielt, als die Abwehr von Genk nicht aufpasst hatte und Vedad Ibisevic mitten hinein rannte, den Ball abluchste und mutterseelenallein auf Torwart Laszlo Köteles zurannte. Nur er, der Ball, der Torwart. Der Lautstärkepegel stieg, viele brüllten einfach nur völlig verstört „Schieeeeeeß!!!“, den Jubelschrei schon auf den Lippen. Der Torwart grätschte hinein, Chance vertan. Symptomatisch für ein Spiel, in dem du 4:0 gewinnen könntest, wenn du es clever anstellen würdest. Aber der VfB ist derzeit alles andere als clever.

Wenige Sekunden später ein Freistoß für die Gäste, Sven Ulreich musste sich ganz schön strecken, um den noch zur ergebnislosen Ecke zu klären. Unsere Jungs standen gut, erspielten sich immer wieder die eine oder andere Möglichkeit, der Zug zum Tor stimmte, die Ausbeute leider nicht. Auch Martin Harnik, der gerade einer der unglücklichsten Akteure auf dem Feld ist, verzweifelte am Torwart, eine schnelle Reaktion war gefordert, leider stand der Torwart genau richtig.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Sie wollten gewinnen, das spürte auch die Cannstatter Kurve. Zwar vernahm man immer wieder mal was aus dem Gästeblock, doch nichts, was mit dem uns in Deutschland bekanntem 90-Minuten-Support zu tun hat. Die Kurve war längst nicht so voll wie zum Beispiel beim Heimspiel gegen Bayern, als selbst der letzte VfB-Sympathisant aus seinem Loch gekrochen war, doch machte man es durch Leidenschaft und Herzblut wieder wett. So engagiert ist der Gesamtauftritt der Kurve leider nicht immer.

Ein fast vergessenes Gefühl. Wie ging das doch gleich? Arme hoch, die Faust geballt und laut „JAAAA!“ schreien. Wie haben wir es doch schmerzlichst vermisst \“ der Jubel über die VfB-Führung! Christian Gentner erlöste uns fürs erste, kurz vor der Halbzeitpause ein dreckiges reingestochertes Tor. Nicht unverdient, denn unsere Jungs taten mehr fürs Spiel, während Genk in der Offensive so gut wie nicht statt gefunden hatte.

Bedanken dürfen wir uns bei deren Torwart, der nach vorne abprallen ließ, nachdem Vedad Ibisevic, mindestens ebenso unglücklich wie sein Sturmpartner, am Ball vorbeisäbelte und dem Torwart beinah den Kopf abschoss, hätte er diesen nicht instinktiv zur Seite genommen, stolperte Gente hinein, drin war der Ball. Oh, VfB, ihr könnt es ja doch noch! Bezeichnend seine Jubelgeste vor den Ultras der Cannstatter Kurve, eine Jubelfaust, halb Freude, halb Wut.

Nicht viel los in Hälfte Zwei

Noch einmal kurz die Luft anhalten bei einer nicht ungefährlichen Aktion auf der anderen Seite, dann ging es in die Pause. Puuuh, meine Nerven! Ich wechselte vom oberen Bereich des Blocks in den unteren zu den restlichen Leuten unseres Fanclubs, wo ich freundlich begrüßt wurde. Gemeinsam lachte man über die „Beinahe-Kopf-ab-Aktion“ vom Führungstreffer. Seit Beginn der Rückrunde hatte der VfB nur magere 2 Tore geschossen, in Düsseldorf war es der Anschlusstreffer, gegen Bremen war es der zwischenzeitliche Ausgleich, verloren hatte man dennoch beide Spiele deutlich.

In der zweiten Hälfte verflachte die Partie, die Mannschaft stand defensiv ganz ordentlich, brannte aber nach vorne auch nicht das Offensivfeuerwerk ab, das man erhofft hatte. Selbst ein 1:0 ist ein gefährliches Ergebnis \“ wie wir am Ende erneut schmerzhaft feststellen mussten. Es hätte 2:0 stehen können, als nach 68 Minuten Vedad Ibisevic mit einem Flugkopfball nur neben das Tor traf. Genks Trainer Mario Beene wechselte Glynor Plet ein \“ mit bitteren Folgen für den VfB.

Dann noch einmal Christian Gentner 5 Minuten vor Schluss, es war wirklich nicht der letzte Biss. Die letzten Sekunden der regulären Spielzeit liefen. Ich befasste mich fast mehr mit der Cannstatter Kurve und den Fotos, verließ mich auf meinen VfB, dass er in den 3 Minuten Nachspielzeit schon keinen Mist machen würde. Bald wäre der Abpfiff und ich könnte heim, am nächsten Morgen früh raus. Der Sieg, sei er auch noch so knapp, war zum Greifen nah. Zu schön, um wahr zu sein.

Es waren doch nur noch 3 verdammte Minuten

Ein unglückliche Fehlerkette. Georg Niedermeier mit nachlässigem Abwehrverhalten, William Kvist konnte die Flanke auch nicht mehr verhindern, Arthur Boka grätschte so unglücklich in den Ball dass dieser nach oben sprang, die ideale Einköpf-Position für Glynor Plet. Es gibt Dinge, die gibts eigentlich gar nicht. Nicht nur der gesamte Gästeblock jubelte wie verrückt, auch recht viele auf der Haupttribüne sprangen auf. Das wars. So dämlich kannst du doch nicht sein, und wenn du denkst, dümmer gehts nicht: beim VfB gehts immer.

Das brach uns das Genick. Die Mannschaft außer Stande, noch einen Treffer zu erzwingen, alle standen unter Schock. So auch die Cannstatter Kurve, die die ganze Zeit so energisch und leidenschaftlich die Jungs anpeitschte, und es 90 Minuten lang funktionierte \“ nur eben nicht 93 Minuten. Der Wille war gebrochen, frustriert ließ man das Material schonmal nach unten durchgeben. Kopfschütteln überall, Wut, Schock, Verzweiflung \“ wie bitter ist das denn?

Durchwachsene Antworten einer im letzten Moment geschockten Cannstatter Kurve. Keine ideale Ausgangsposition fürs Rückspiel. Und das erhoffte Selbstvertrauen, dass wir in Hoffenheim bitter nötig haben, haben wir uns ebenfalls nicht holen können. Zum Zeitpunkt dieses Berichts sind es nur noch wenige Stunden hin \“ ob es der längst überfällige Befreiungsschlag wird, wird man dann sehen.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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