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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Die Europareise geht weiter

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Ernsthaft: ich werde aus dieser Mannschaft nicht schlau. Heute so, morgen so. Es dauerte Stunden, bis diese Erkenntnis endlich durchsickerte. Das Adrenalin in den Adern zog sich langsam zurück und ließ meine Augen immer schwerer werden. Die Autoheizung lief auf Hochtouren und sorgte für langsam steigende Behaglichkeit in dem Van, der stundenlang in der Kälte vor der Cristal Arena in Genk, Belgien, stand. Mein Rückblick auf ein Spiel, dass etwas schaffte, was ich noch vor einigen Wochen für ausgeschlossen hielt: eine wohlwollende Annäherung von Mannschaft und Fans.

Alles grinste, alles lachte, alles hüpfte, alles schrie \“ so unterschiedlich die Intensität der Freude sich bei den 2.000 mitgereisten VfB-Fans auch dargestellt hatte, so waren wir Zeuge eines Spiels, das von der Gästetribüne erschreckend schlecht aussah, doch am Ende den gewünschten Erfolg brachte. Ewige Zeiten ist es her, dass sich die Mannschaft zuletzt vor uns auf den Boden hockte und schlussendlich mit uns zusammen tanzte.

Momente des Glücks fernab der Heimat, wenn Kälte und Schmerzen unwichtig werden und du einfach nur schwerelos bist, das Lächeln auf den Lippen hast und du weißt, dass du für solche Tage Fußballfan geworden bist. Europapokal. In dieser Saison oft ernüchternd und frustrierend, umso mehr erstaunt das Ergebnis aus Genk geradezu. Der späte Ausgleich im Hinspiel ließ uns zittern. Mit Engagement und Leidenschaft haben wir es geschafft: eine Runde weiter. Nächste Station: Rom.

Über die Niederlande nach Belgien

4 Uhr morgens. Wie unchristlich! Der Wecker kannte kein Erbarmen, warf mich mit einem Tritt in den Allerwertesten aus dem Bett und gab mir die nötige Zeit, die letzten Vorbereitungen zu treffen. Fankleidung war fürs erste verboten laut dem Reiseleiter unserer wie so oft 7-köpfigen Fahrgemeinschaft, die oft in ähnlicher Besetzung fährt. „Zumindest, bis wir über beide Grenzen sind“ \“ wir überquerten nicht nur die belgische, sondern auch die niederländische Grenze.

Kurz nach 6 Uhr in Weinstadt-Beutelsbach, wie immer Startpunkt der Tour, sollte es eigentlich losgehen. Auf einmal wurde ein wie von Zauberhand verschwundener Geldbeutel gemeldet, dass erst noch gesucht werden musste. Bis es wieder auftauchte \“ eine dreiviertel Stunde später \“ war der 2. Teil der Fahrgemeinschaft schon längst auf dem Parkplatz in Mundelsheim und wartete in Eiseskälte.

Gemeinsam ging es weiter in Richtung Niederlande, erster Anlaufpunkt war Maastricht, da Genk selbst wohl weitaus weniger attraktiv ist, entschieden wir uns für die Universitätsstadt an der Maas, etwa 40 Autominuten südöstlich unseres Spielortes am Abend. Auto abgestellt und ab ging es zum Freizeitprogramm mit Bummeln, Schauen, Fotografieren und Mittagessen. Ein nettes Städtchen, Stunden später kehrten wir zurück mit neuen Eindrücken und insgesamt über 230 Fotos.

„Ein Sieg oder mindestens 2:2″ \“ wenns so einfach wär?!

Kaum waren wir 5 Minuten gefahren, da waren wir auch schon in Belgien, ohne ein wirkliches Anzeichen von Grenzkontrollen oder etwas ähnlichem. Gefühlt mitten in der Stadt sahen wir auf einmal das Ortsausgangsschild von Limburg, Maastricht ist die Hauptstadt der südlichsten niederländischen Provinz. Eine gute halbe Stunde später lasen wir erstmals „Genk“ auf den Schildern der Autobahn.

Die Vorfreude stieg, doch die Sorge vor dem Blamieren war dennoch da. Ob das knappe 1:0 gegen Hoffenheim ausreichen würde, um den Jungs den Rücken zu stärken und ihnen den Glauben daran zurück zu geben, dass sie alle doch nicht einfach innerhalb weniger Wochen das Kicken verlernt haben können? Das frühe Tor beim ungeliebten Retortenklub war das einzige, nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Deren Unfähigkeit hatte man sich zunutze machen können. Klappt das auch beim belgischen Meister vom Jahre 2011, der in dieser Europa League Gruppenphase bisher ungeschlagen war? Die Nerven flatterten schon lange vor dem Anpfiff.

Nach dem Spiel sprach ich mit verschiedenen Leuten, die mir allesamt bestätigten, dass es in der ersten Halbzeit nicht so wirklich als gute Partie des VfB eingestuft werden könnte, es fehlte der Druck hinter den Aktionen, die üblichen Ballverluste taten ihr Übriges. Ein 0:0 würde uns nicht reichen, bei einem 1:1 gäbe es Verlängerung \“ uns würde hier nur ein Sieg oder jedes Unentschieden ab 2:2 ausreichen. Spätestens etwa 20:13 Uhr wurde das besorgte Nachrechnen eingestellt.

Entspannter Countdown bei eisigem Wind

Vorm Stadion angekommen zog man sich erst einmal um, endlich konnte man sich in die gewohnte weiß-rote Kluft werfen. Um uns herum waren schon viele Gleichgesinnte unterwegs, zwischendrin ein paar Polizisten und Sicherheitskräfte. Noch ging es entspannt zu, etwa anderthalb Stunden noch bis zum Anpfiff. Viele Bekannte konnten wir vor dem Anpfiff noch nicht ausmachen, Essen und Trinken bei Preisen ab 4 Euro aufwärts konnte man ebenso vergessen wie die spärlichen Sanitäranlagen.

Thema war zunächst die Blockaufteilung von mir und Felix \“ er mit einer Karte für Block A im Unterrang, ich mit einer Karte für Block AA im Oberrang, mit einer manns- bzw. frauhohen Plexiglasscheibe davor \“ was tun? Die Plexiglasscheibe wurde zum Ausschlusskriterium, aufgrund fehlender Kartenkontrollen an den Blockeinfängen blieb ich links des Gästebereichs und Felix rechts. Offenbar waren viele von der Plexiglasscheibe nicht angetan, es wurde voll im Block A, da nützte mir auch meine vermeintlich gut gesicherte Position nichts mehr.

Jedes Mal ein tolles Erlebnis, auswärts zu fahren. Ob im Hochsommer bei 35 Grad oder im Winter mit beißend kaltem Wind, der uns an diesem Abend doch sehr zu schaffen machte. „Scheiße, ist das kalt!“ wurde zur oft verwendeten Aussage. Die Mannschaft machte sich bereits auf dem Platz warm, kam schonmal kurz zum Gästeblock und begrüßte die Schlachtenbummler, die noch nicht ansatzweise ahnten, was ihnen bevor steht. Noch einmal anpeitschen, zurück in die Kabine, die letzten Minuten vor dem Anpfiff waren angebrochen.

Deutsche Leidenschaft trifft belgische Teilnahmslosigkeit

Kurz vor 19 Uhr war es endlich soweit. Das Spiel, welches ich mit gleichermaßen Vorfreude wie Sorge erwartet hatte, konnte losgehen. Dutzende Fahnen und Schals schmückten den gut gefüllten Gästeblock der Cristal Arena, die ganz offensichtlich bei weitem nicht alle ihrer fast 25.000 Plätze verkaufen konnten: nur 16.796 Zuschauer waren insgesamt da. Die Helferlein, die für den Auf- und Abbau des Europa League Logos am Mittelkreis zugeteilt waren, spähten immer wieder in unsere Ecke, schauten, wie deutsche Fankultur aussieht.

Ein bisschen Schall und Rauch auf beiden Seiten, als die Mannschaften das Feld betraten, die Ultras des KRC Genk enttäuschten das ganze Spiel über bis auf 2-3 Ausnahmen, wo man etwas sehen (Hüpfen) und hören (Gesang) konnte. Ansonsten war der Auftritt wie auch beim Hinspiel eher mau. Sie bekamen letzte Woche mit gut 4.000 Leuten weit weniger zustande als wir mit etwa der Hälfte, eben Qualität statt Quantität.

Wie eingangs bereits beschrieben: ich hatte weite Teile der ersten Hälfte nicht wirklich das Gefühl, als wüssten die Jungs auf dem Feld wirklich, was zu tun ist. Mit der Aufstellung war ich soweit einverstanden, bis auf die Tatsache, dass Raphael Holzhauser nicht von Beginn an ran durfte. Ob die Mannschaft ein echtes Konzept hat, erschloss sich mir erst einmal nicht. Dabei klingt die Theorie für all jene, die nicht selbst auf dem Feld stehen, so einfach: „Hinten die Null halten, vorne ein Tor schießen, fertig!“ – die Praxis sieht oft anders aus.

Sensationell ist was Anderes

Kollektives Raunen bei jedem Ballverlust, auch ich bruddelte immer wieder in meinen nicht vorhandenen Bart, jedes Mal, wenn die Belgier in die Nähe von Sven Ulreich kamen. War es die uninspirierte Spielweise der Gastgeber, die sie 90 Minuten lang aber auch im Hinspiel zeigten, bevor sie eiskalt zuschlugen? War es in Wirklichkeit doch nicht so schlimm wie ich dachte? Man hätte auch hier schon früh führen können.

Serdar Tasci setzte nach 8 Minuten einen Kopfball knapp übers Tor, Shinji Okazakis Schuss aus der 2. Reihe wurde noch auf der Linie geklärt und Vedad Ibisevic scheiterte ebenfalls \“ alles innerhalb von gut 20 Minuten. Offenbar wollten sie \“ eine andere Option gab es ja aber ohnehin nicht, würden sie hier nicht zumindest ein Tor schießen, wäre es ohnehin vorbei. Dessen waren sich die Jungs bewusst, sie bemühten sich sehr, das wusste auch der Stuttgarter Anhang zu schätzen und peitschte die Jungs nach vorne, die zuletzt die Erfolgserlebnisse verpasst haben.

Der KRC Genk bietete indes so gut wie keine durchdachte Offensive, was uns zumindest gut in die Karten spielte. Eine besondere Reaktion in Form von Support, wenn es nicht gut läuft oder wenn die Fans spüren, dass ihre Blauen sie brauchen \“ Fehlanzeige! Im Gegensatz zu unserem illustren Gästeblock, der pausenlos am hüpfen, klatschen und singen war \“ gelegentliches Bruddeln bei vergebenen Möglichkeiten und zu leicht abgenommenen Bällen gehört beim Schwabe halt einfach mit dazu.

Doppeltes Glück

Nur noch Sekunden bis zur Halbzeitpause, viel nachgespielt werden würde offensichtlich nicht. Auf den Rängen sah man schon die Bewegungen zur Pause, jene verpassten dann aber doch Etwas. Schaut man sich die Aufstellung des Abends an, ist jener Spieler in meinen Augen der, mit der zweitgeringsten Torgefahr, nach Sven Ulreich versteht sich. Zuletzt traf er, als er noch mit Gina Lisa zusammen war. Arthur Bokas Schuss nach einem Abpraller wurde gleich zwei mal abgefälscht und unhaltbar im Genker Tor versenkt. Da rannte der kleine Ivorer auf einmal allen davon.

Uns egal, wer die Tore schießt \“ aber unerwartet war es alle Mal. Bierbecher flogen umher, Fahnen wehten, alles schrie und brüllte wild durcheinander, die Massen im Block A wankten hin und her, einige stürzten und rafften sich ebenso schnell wieder auf. Die Zäune wurden bestiegen, alles versank in einem erleichterten Torjubel, der uns in Sekundenbruchteilen von einer Last befreite. Das 1:0 aus Sicht des VfB direkt vor unserer Nase. Der Halbzeitpfiff ging im Freudenschrei beinahe unter.

Ein Tor zur genau richtigen Zeit. Doch gibt es die richtige Zeit für ein Tor überhaupt? Man spricht immer davon, kurz vor Halbzeitpfiff oder Abpfiff können Tore natürlich entweder Freude oder Frust bedeuten, je nachdem, welche Mannschaft man unterstützt. Wie Last-Minute-Gegentore sich anfühlen wissen wir ja noch aus dem Hinspiel, die Sorge vor einem 0:0, das uns hätte ausscheiden lassen, war weg. Was bringt das aber, wenn wir nicht konzentriert genug mindestens dieses eine Tor über die Bühne bringen? Hier war jede Menge Spannung drin, als sich die Massen an mir vorbei schoben.

Weiter, weiter, immer weiter!

Nervös zuppelte ich an meiner Capri Sonne und schaute mich wie immer um. „Nur“ 500 Kilometer waren wir hier von unserem Zuhause entfernt (ganz klar ist Stuttgart mein Zuhause!), eines der näheren internationalen Auswärtsspiele. Hier weiter zu kommen hatte mich sicherheit seine Vor- und Nachteile. Die Belastung würde bleiben, was für die Bundesliga schlimmstenfalls nachteilig sein würde. Doch warten wir es erst einmal ab, Auswärtsfahrten sind hier natürlich das Schönste.

Allerbeste Laune natürlich im Gästeblock, wir waren hungrig, wir wollten mehr! Vor diesem Spiel erzielte man nur magere 4 Tore in der Bundesliga und im Hinspiel gegen Genk, dabei nie mehr als eines in einem Spiel. Das mussten wir ändern, dachte sich endlich auch die Mannschaft und spielte geradezu befreit auf und lieferte eine sehr gute zweite Hälfte.

Wie schon in Hoffenheim 4 Tage zuvor wartete man gebannt auf das ersehnte zweite Tor. Nicht einmal eine Stunde war gespielt, für Pessimisten (wie mich, wie ich leider zugeben muss) ist das genug Zeit für Genk, noch den Ausgleich zu machen. Noch länger in der Kälte frieren und sogar ein Elfmeterschießen fürchten? Nein Danke, ohne mich! Fleißig spielten sie nach vorne, im Minutentakt ergaben sich gute Möglichkeiten.

Gente setzt den Deckel drauf

„Schieeeeß doch!“ brüllten wir ihm zu. Er hatte bereits eine gute Position, lief dann doch nochmal weiter und machte einen Haken. Als hätte er uns gehört, zog er endlich ab. Das Netz zappelte, vor der Genker Fankurve stürzten sich alle auf Christian Gentner, den Torschützen zum 2:0 aus VfB-Sicht. Da ist es, endlich! Der weitgehend beschäftigungslose Sven Ulreich rannte wie von Sinnen aus seinem Kasten heraus zu uns in die Ecke, ballte die Fäuste und sprang wie ein Irrer in die Luft. Das, liebe Freunde, ist Leidenschaft.

Muss ich noch erwähnen, was im Gästeblock abging? Wer dabei war, wird es wissen. Wer nicht dabei war: ihr habt was verpasst. Genk würde nun 3 Tore brauchen, um noch zu gewinnen, eine Verlängerung war mit dem 2. Tor bereits ausgeschlossen. Es war Gift für die Belgier, für uns das reinste Lebenselixier. Das Bier war teuer im Gästeblock, völlig egal, literweise flog es vom Oberrang auf die vor Freude taumelte Menge.

Ein Sonderlob gilt dem zuletzt nicht ganz sattelfesten William Kvist, der in den vergangenen Wochen einige Patzer hatte, die zu Ballverlusten und Gegentoren führten. Das 2:0 ist die bilderbuchhafte Chronologie eines perfekten Konters: der Däne eroberte den Ball in der Vorwärtsbewegung der Belgier, kurz vor der Strafraumlinie, Christian Gentner schaltete schnell und rannte auf links los, wurde von „Willy“ bedient \“ der Rest war die mehr als erfreuliche Vollendung, ganze 14 Sekunden dauerte es nur von der Balleroberung bis zum Tor ins lange Eck.

Ausgelassene Stimmung

Beinahe unverständlich, wieso es auf einmal so einfach geht. Der VfB, der immer lauter und stärker von den freude- und/oder be-trunkenen Fans angepeitscht wurde, war dem 3:0 näher als Genk dem Anschlusstreffer. Es war der nimmermüde und stets fleißige Unruheherd Ibrahima Traoré, der seit Wochen unersetzlich in unserer Stammformation ist, der in der 73. Minute ohne jegliche Unterstützung eines Mitspielers auf den Torwart Laszlo Köteles zurannte, den Ball an ihm vorbeilegte und nur knapp am linken Pfosten vorbeizielte.

Schmunzelt dachte ich an unseren Reiseleiter Gerd, wir saßen Stunden zuvor in Maastricht beim leckeren Mittagessen, als entschieden wurde, dass sich bei einer 3:0-Führung des VfB (die man so ja auch nicht unbedingt auf dem Zettel haben konnte) der Oberbekleidung entledigt wird, natürlich nur bei den Männern. Ich hätte das zu gerne gesehen. Es war zwar nicht das 3:0, doch ein 2:0 reicht in jedem Falle und ist für Viele auch mehr, als sie erwartet hatten. Der emsige Flummiball wurde daraufhin zur Schonung ausgewechselt, am Samstag Nachmittag wartet bereits mit Nürnberg das nächste Spiel.

Die letzten 10 Minuten ließen es unsere Jungs dann verständlicherweise etwas ruhiger angehen, Genk würde keine 3 Tore mehr schießen können, außerdem wäre es gut, wenn man daheim gegen Nürnberg nicht allzu platt ist. Sven Ulreich konnte sich dann auch nochmal auszeichnen, in dem er noch den 2:1-Anschlusstreffer verhinderte. Das 3:0 fiel indes nicht mehr, uns Fans konnte das jedoch wohl kaum stören. Die reinste Party auf und zwischen den blauen Plastiksitzschalen nahm ihren Lauf.

Als einziger Verein weiter gekommen

Alle fieberten dem Anpfiff entgegen, man freute sich endlich wieder, die Mannschaft nach dem Spiel in Empfang zu nehmen. Oft wurden sie mit lauten Pfiffen schnell wieder weggeschickt oder mit Achselzucken gefragt, wie es weitergehen solle. In Hoffenheim hörte man es noch nicht, hier erklang es wieder, wenn auch zaghaft und nicht von allen mitgetragen: „Oh, wie ist das schön!“. In der Tat, und wie schön das war.

Mittlerweile sickerte durch, dass Borussia Mönchengladbach, einer der „Glorreichen Sieben“, nach dem 3:3 im Hinspiel gegen Lazio Rom 2 frühe Gegentore bekam und hier, vergleichbar mit unserer „Remis im Hinspiel„-Situation, ebenfalls hätte gewinnen müssen oder mindestens 4:4 spielen müssen. Es fielen in der Partie keine weiteren Tore, Gladbach war ausgeschieden. Es wäre im Falle eines Sieges der nächste Gegner des VfB gewesen.

Böse Zungen behaupteten im Vorfeld, von allen 4 deutschen Mannschaften in der Europa League (neben Bayern, Dortmund und Schalke in der Champions League) traue man dem VfB am Allerwenigsten zu, während man Hannover, Leverkusen und Gladbach bereitwillig im öffentlichen Fernsehen gezeigt hatte, den VfB sah man nur beim Bezahlsender Sky. Bitter für Deutschland: neben Gladbach verloren auch Leverkusen und Hannover, nur der VfB kam eine Runde weiter.

Nächste Station: Rom

Dann geht es nun als nächstes also nach Rom. Bevor uns die Reise am 14. März in die ewige Stadt führt, durften wir erst einmal mit der Mannschaft feiern. Lange fackelten sie nicht, kurzer Trikottausch und das obligatorische „Habt trotzdem gut gespielt“ für den Gegner, dann kamen sie alle komplett zum Gästeblock gelaufen. Gänsehautmomente, hier und heute lebten wir für diesen einen Moment, ich fror mir geradezu den Arsch ab, es war mir egal \“ ich war froh und stolz, hier zu sein.

Mit den Jungs hüpften wir ein genüssliches „1893“, wie schon in Hoffenheim, als sich die Mannschaft danach direkt wieder applaudierend zurückzog. An diesem Abend in Genk zog es sich. Erst einmal hinsetzen, das war alles total anstrengend. Vor uns saßen sie: jene, die durchspielten, jene, die ausgewechselt wurden und auch die Reservisten, die keine Einsatzzeiten bekamen. In einer Reihe, direkt vor uns. Bruno Labbadia stand einige Meter weiter hinten. Diesen Moment gönnte er seinen Schützlingen, das haben sie sich verdient.

Meine Nackenhaare stellten sich auf. So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Einer der Vorschreier verbrachte das gesamte Spiel über auf dem Zaun, viele weitere kamen kurz vor dem erleichternden Abpfiff hinzu. „Es kann nicht jedes Arschloch ein Schwabenjunge sein“ \“ alles sprang auf und hüpfte wild durcheinander, Pogo in seiner schönsten Form. Doch waren es nicht nur die Fans, die sich gegenseitig anhüpften, auch die Jungs auf dem Rasen freuten sich wie kleine Kinder, ob im kurzärmligen Trikot oder eingewickelt in eine Decke. Da versteh mal einer diesen Verein.

„Chef, ich brauch Urlaub!“

Es dauerte lange Zeit, bis sich der Gästeblock leerte. Die Busse für die meisten Fans standen direkt vor dem Gästeblock, das obligatorische Zeitfenster vor der Abfahrt war entsprechend groß. Ein paar letzte Fotos, erleichtert einigen Bekannten um den Hals gefallen und sich besinnen, was man hier eben erlebt hat. Ein Abend im kalten Belgien, der definitiv in Erinnerung bleiben wird. Ein weiterer Beweis dafür, dass es gerade die internationalen Auswärtsfahrten sind, die den meisten Eindruck hinterlassen.

Zwischen den zahlreichen Bussen, die sich langsam füllten, umarmte ich schließlich noch Leute, die ich noch nie umarmt hatte, ein weiteres Zeugnis dessen, wie viel Spaß man hier gemeinsam hatte: Stimmung, Spiel, Mannschaft, Fans, Ergebnis, heute hat einfach mal alles wunderbar gepasst, die Vorfreude auf Rom wurde schon in den letzten Zügen der Partie akustisch verarbeitet. Langsam trotteten wir zum Auto zurück, zogen uns um und fuhren allmählich zurück. Überraschenderweise der erste externe Gratulant: mein Chef, ebenfalls VfB-Fan. Den Urlaubsantrag für Rom gab es noch vor dem Stadion.

Der Laptop brauchte ewige Zeiten, um auf Betriebstemperatur zu kommen, erst nach Überquerung der deutschen Grenze war ich in der Lage, die Massen an Bildmaterial zu verarbeiten. Ich war kräftemäßig völlig am Ende, jetzt, wo das Adrenalin sank, machten sich die Anstrengungen des Tages erst so richtig bemerkbar. Nicht in der Lage, die Bilder komplett picobello fertig zu machen, fuhr ich den Laptop nach der Häfte wieder runter und schlummerte ein.

Zwischen Erleichterung und Erschöpfung

Mit der Zwischenstation Mundelsheim nahmen wir die letzten Kilometer ins Visier. Weinstadt-Beutelsbach erreichten wir gegen 3:20 Uhr, mitten in der Nacht, wir waren das einzige Geräusch in der Nacht. Wir sind alle schon irgendwie gestört, muss ich feststellen. Sonst wären wir nicht hier, nicht in dieser Besetzung, nicht mitten in der Nacht, nicht nach diesem erlebnisreichen Auswärts-Abenteuer, was etwa 21 Stunden vorher seinen Anfang nahm.

Natürlich freue ich mich sehr, dass wir weiter sind. Und natürlich auch, dass unser nächster Gegner Rom ist und nicht einfach „nur“ Gladbach, selbst wenn es schöner gewesen wäre, alle deutschen Mannschaften wären weiter, alleine auch wegen der 5-Jahres-Wertung. Wenn nicht heute, wäre eben nächstes Mal eine deutsche Mannschaft ausgeschieden, so oder so ist diese Konstellation von vornherein unglücklich gewesen. Auch freue ich mich für meinen Kumpel Marco, der so nicht auf sich sitzen lassen muss, dass er das letzte internationale Spiel für vielleicht lange Zeit verpasst hätte.

Die Anstrengungen forderten unverzüglich ihren Tribut. Zähne putzen, Schlafsachen an, ab ins Nest. Schlussendlich zitiere ich einen alten Kumpel vom Fanclub „Cannstatter Kurve Berlin„, den Daniel, er wandelte das Europapoka-Lied ein wenig ab: „Erste Runde Bukarest, nächste Runde Rom, in Kopenhagen warn wir dabei schon“ \“ besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Wenn unsere Jungs nur in jedem Spiel so konzentriert und leidenschaftlich agieren würden, es wäre ein wahrhaft erhellendes Licht für den „Stuttgarter Weg“.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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