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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Einmal Kroatien und zurück

| 2 Kommentare

Das sind die Geschichten, die der Fußball schreibt. Man plant nicht selbst, wohin der Urlaub gehen soll, nein, der Verein macht das. Mit Spannung erwartet war die Auslosung zur Play-Off-Runde am Freitag nach unserem torlosen Weiterkommen gegen Botev Plovdiv. Eine Art Urlaubsroulette \“ die Scheibe dreht sich und wo die Kugel auch stehen bleibt, so denkt man mindestens einen kurzen Moment darüber nach, ob man seiner Mannschaft hinterher reist oder ob die Entfernung zu groß ist.

Für uns hielt das Losglück HNK Rijeka bereit. Es geht also nach Kroatien. Da meine Kollegin Renate lustigerweise aber ebenfalls in Kroatien weilt, oblag es meinem Chef, mir zwei Tage frei zu geben, was er glücklicherweise auch tat. Die Vorfreude war groß, zeigte eine erste Recherche über Wikipedia und die Google Bildersuche, dass das Stadion an der Adriaküste eines der Schönsten in Europa ist. Eine 50 Meter hohe Felswand, klassische Flutlichtmasten, ein Traum.

Da ich das Spiel in einem einzelnen Spielbericht abhandle, berichte ich hier lediglich von unserer nicht ganz unproblematischen Reise durch vier Länder. Auch möchte ich hier die Gelegenheit nutzen und ein paar Bilder von unserer Reise zeigen. Unterwegs waren wir zu Viert: Reinhart, mit dem ich 2008 bis 2010 regelmäßig von Leipzig nach Stuttgart gefahren war und wir 2009 unsere legendäre Timisoara-Reise gemacht haben, Torsten, der immer wieder mit dabei war, Felix und ich natürlich.

Auto, Bus oder Flugzeug?

Es hatte mehrere Möglichkeiten gegeben, nach Kroatien zu kommen. Fliegen? Zu teuer und zu kurzfristig. Selbst Auto fahren? Lieber nicht. Mit dem Bus? Eventuell. Die Wahl fiel dann auf Reinhart, mit dem wir schon seit Jahren mal wieder eine Auslandstour machen wollten, es sich aber zeitlich nicht vereinbaren ließ. Zu gerne hätten wir ihn und Familie einst nach Molde begleitet.

Die Vorfreude stieg, am Mittwoch Abend machten wir uns zu Zweit auf in Richtung Autobahn. An der Raststätte Nürnberg-Feucht war der Treffpunkt ausgemacht, ein Treffpunkt, der zwar streng genommen für uns ein kleiner Umweg war, doch wir zumindest den Rasthof alle kannten und wir ruhigen Gewissens dort das Auto abstellen konnten. Wir stiegen nach einer herzlichen Begrüßung um in Reinharts Auto und machten uns auf den Weg. Es war schon fast Mitternacht, als sich unsere Reisegruppe aufmachte.

Relativ schnell war ich bereits weggeratzt. Ich war früh aufgestanden, um noch alle anfallenden Arbeiten im Büro zu erledigen, trotz mehrerer Tassen Kaffee reichte das nicht aus, um mich zumindest einige Zeit noch wach zu halten. Immer wieder zwischen drin war ich mal wach, um direkt danach wieder ins Land der Träume zu entgleiten, wo der VfB mit 3:0 auswärts gewann, mit den Fans entfesselt feierte und wir am Ende des Tages glücklich und zufrieden wieder Richtung Heimat zurückkehren würden.

Die erste Hürde des Ausflugs

Bereits von Anfang an lief nicht alles nach Plan. Die halbe Stunde Wartezeit an der Raststätte war locker zu verschmerzen, dass uns ein Tank-Umweg in Österreich am Ende jedoch schon die ersten wertvollen Stunden kostete, war schonmal kein gutes Vorzeichen für einen erhofften Freudentag. Die Information, dass in Österreich nicht alle Tankstellen rund um die Uhr geöffnet haben, war irgendwie bei der Planung verschütt gegangen. Dort wollten wir Erdgas tanken und uns eine Vignette besorgen.

Da waren wir nun also, in der Nähe von Schwarzach bei Salzburg. Vier Uhr nachts, Tankstelle geschlossen. Kein tanken, keine Vignette. Und das, obwohl wir mit vollem Tank kurz darauf auf die mautpflichtige Autobahn fahren wollten. So blieb uns nicht anderes übrig, als über die kleinen Städte und Käffer ohne Vignette weiter zu fahren, bis die erste Tankstelle um sechs Uhr morgens aufgemacht hatte.

Fündig wurden wir im Ort Spital, wo auch der erste Kaffee des neuen Tages genossen wurde. Hinter den Bergen war noch der Vollmond zu sehen, es wurde langsam hell. Mit frisch aufgeklebter Vignette waren wir nun in der Lage, auf die Autobahn zu fahren, die uns auf direktem Wege nach Slowenien führte. Auch da ging nicht alles glatt, dort unterlief ein folgenschwerer Fehler, der uns auf der Rückfahrt zum Verhängnis wurde.

Das erste Blick aufs Meer

Beim Grenzübergang waren Automaten aufgestellt, die 6,50 € haben wollten, damit man weiterfahren darf. Das Geld warfen wir ein, bekamen keinerlei Quittung, auch die Schranke ging nicht nach oben. Nach einigerzeit kam ein Zöllner vorbei, der uns zunächst keinen Glauben schenken wollte. Er verschwand mies gelaunt in einem Häuschen, etwas später öffnete sich die Schranke. Es konnte weiter gehen, ohne dass uns mitgeteilt wurde, dass wir ein kleines, aber wichtiges Detail übersehen hatten. Man könnte jetzt fast schon von absichtlicher Schikane sprechen.

Nach den ersten paar Kilometern suchten wir einen Rastplatz auf, wo wir erstmal genüsslich frühstückten, leider ohne Kaffee. Bei Müsli, Broten, Joghurt und Obst stärkten wir uns, was zu einem vermehrten Anziehen von Wespen führte. Zunächst gelassen, dann langsam genervter und schließlich vergeblich \“ wir packten zusammen und fuhren weiter. Satt waren wir erst einmal alle und gestärkt genug für das letzte Stück.

Die kroatische Grenze passierten wir dann ohne Probleme, schnell wechselten wir noch Geld. Felix tauschte 50 Euro in die Landeswährung Kuna, womit wir den ganzen Tag ausgekommen waren. Kilometerweit über trockene Straßen, vorbei an opulenten Fassaden und heruntergekommenen Bruchbuden. Eine Ewigkeit zog es sich, Spaßwetten wurden abgeschlossen, wer als erster das Meer sehen würde, das sich bis kurz vor unserem Ziel vor uns versteckt hatte. Vor den Toren der 129.000-Einwohner-Stadt senkten sich die Straßen in Richtung Meeresspiegel, endlich erblickten wir die sonnenverwöhnte Adria.

Von Fan-Parkplatz und Fan-Strand

„Wunderschön“ \“ da waren wir Vier uns einig. Von der großen Straße, die einer Bundesstraße im deutschen Verhältnis ähnelte, fuhren wir ab und erkundeten das Zentrum der Hafenstadt. Mehr oder weniger planlos an Geschäften, Hotels und dem Hafen vorbei, doch was wir eigentlich suchten, schien sich versteckt zu haben: das Stadion Kantrida, Heimstätte des HNK Rijeka. Direkt am Meer gelegen, eingefasst von einer 50 Meter hohen Felswand und umringt von 4 opulenten Flutlichtmasten, die wir aber nirgendwo entdecken konnten.

Nach einiger Zeit führte uns eine falsche Vermutung sogar auf die Hauptstraße zurück, die weiter in Richtung Süden führte. Schnell wieder umkehren, hier waren wir definitiv falsch! Letzter Ausweg: Passanten fragen. Reinharts Versuch mit „Fußballstadion“ schien zunächst bei der befragten Dame nicht sonderlich erfolgreich, mit „Football“ konnte sie schon eher etwas anfangen. Ein Fingerzeig in Richtung Horizont, ein trockenes „Straight“ deutete uns den offenbar langen Weg die Straße entlang. Diesem Tipp folgten wir und wurden schlussendlich fündig.

Erst einmal die Lage checken, das Auto stellten wir in der „Nähe“ ab, sofern man das überhaupt so bezeichnen kann. So dicht am Meer sind die Steigungen gewaltig, wer hier nicht gut zu Fuß ist, hat ein Problem \“ nicht besonders schmerzfrei mit meiner (vermutlich) entzündeten Achillessehne am linken Fuß. Vor Ort fragten wir uns mit Hilfe kroatischer Polizisten zum „offiziellen Fan-Parkplatz“ für den VfB durch, waren schlussendlich aber nicht schlauer als vorher. Auch der als „Fan-Strand“ bezeichnete Streckenabschnitt vor den Toren des Gästeblocks lud nicht gerade zum Planschen ein.

Entspannung unterm Sonnenschirm

Der Magen knurrte, wir wollten zu Mittag essen. Mehr als fettige Würste auf dem Grill konnte man am Strand derzeit nicht anbieten. Auf der Suche nach einem guten Restaurant waren die Polizisten dann zumindest weitaus hilfreicher als beim Parkplatz-Thema. Doch auch hier zog sich die Strecke lang. Auf meiner Schulter trug ich den Trageriemen der Kameratasche, sie enthielt neben meiner „Großen“ auch meine bewährte Sonnencreme, die ich mir bisher noch nicht aufgetragen hatte. Langsam tippelte ich den anderen Dreien hinterher, bis wir schließlich ein Hallenbad mit Strandabschnitt ausfindig machten, wo wir auch speisen konnten.

Das taten wir dann auch, bei angenehmen Temperaturen unter dem Sonnenschirm, Blick aufs Meer, freundliche Bedienung, tolles Essen. So muss Urlaub sein. Torsten und Felix waren baden, während Reinhart und ich im Schatten weilten bei leckerem Cappuchino. Wäre einige Stunden später nicht das Fußballspiel, für das wir hergekommen waren, könnte ich diese traumhafte Urlaubskulisse tatsächlich mehr genießen können. Nach einer kurzen Rückkehr zum Auto, die zum Umverpacken der fürs Stadion benötigten Dinge und der Mitnahme frischer Kleidung gedacht war, kehrten wir zurück zum Abendessen inklusive Dessert aufs Haus. So lässt es sich leben.

Trotz allem Urlaubsfeeling, schon bald war es soweit. Urlaub aus, Fußball an. Kurz frischgemacht und schon konnte es losgehen. Vor dem Stadion trennten sich unsere Wege. Während Reinhart auf der Haupttribüne Platz nahm, zog es uns in Richtung Gästebereich. An dieser Stelle endet der Tourbericht fürs erste, wer weiterlesen möchte, kann dies gerne hier tun: zum Spielbericht.

Mit Frust zurück

Das Spiel war nicht wirklich so gelaufen, wie wir uns das erhofft hatten. 2:1 hatte der VfB verloren und stand damit unter gewaltigem Zugzwang für das Rückspiel eine Woche später. Viel Frust trug ich noch in mir, sorgte die überlange Blocksperre doch für zusätzliche Anspannung. Zum Bilder bearbeiteten reichte die Kraft dann aber doch nicht und so schlief ich erst einmal. Lange dauerte es nicht, bis ich wieder hellwach war. Wir passierten den Grenzübergang von Kroatien nach Slowenien.

Vor uns fuhr die ganze Zeit ein Augsburger, bei dem wir uns sicher waren, dass er angehalten werden würde. Der Zöllner schaute kurz auf seinen Personalausweis und ließ ihn passieren. Wir folgten im Schritttempo und bekamen das zu sehen, was wir nicht gehofft hatten: mit seiner leuchtenden Kelle, wie auch immer der Fachausdruck dafür ist, deutete er zur Seite. Noch kein Grund zur Panik. Wir zückten unsere Personalausweise und reichten sie Reinhart und Torsten vor. Zufrieden war der offenbar mies gelaunte Zöllner nicht.

Er ließ uns den Kofferraum öffnen. Mehr als Fresskörbe, Strandhandtücher und Wechselklamotten wird er dort auf ersten Blick nicht entdeckt haben. Dann der Schock: er fragte uns, wo unsere Vignette sei, fragend schauten sich Reinhart und Torsten an, sie übergaben ihm schließlich die Quittung, die man sich an dem Automaten zuvor gezogen hatte, womit die Sache für uns geregelt schien und wir zunächst nicht verstanden, warum ausgerechnet wir im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen wurden.

Teures Unwissen

In unfreundlichem Ton machte uns der Zöllner klar, dass wir eine Vignette hätten erwerben müssen. Bitte was? Eine Vignette? Wo hätten wir diese denn holen sollen? Wir stellten uns keinesfalls dumm, wir wussten es wirklich nicht. Der Zöllner muss gedacht haben, wir wollten ihn für dumm verkaufen. Wir hätten auf der Hinfahrt bereits in Österreich vor der slowenischen Grenze anhalten und eine Vignette erwerben müssen. Davon stand allerdings nichts auf den vielen Schildern, die wir auf der Hinfahrt passiert hatten, auch der eine Zöllner am Grenzübergang von Österreich nach Slowenien sagte uns kein Sterbenswörtchen.

Reinhart wurde unruhig, stieg aus und klärte die Angelegenheit mit dem Zöllner direkt. Nach ein paar Minuten, die wir alleine im Auto saßen und nur hoffen und beten konnten, kam er zurück. Stinkwütend mit einem Zettel in der Hand \“ „150 Euro!“ schnaubte er. Alle Diskussionen mit dem Zöllner halfen nichts, er mutte vor Ort bezahlen. Genervt fuhren wir weiter. Nachdem sich das Adrenalin wieder gesenkt hatte, war ich wieder eingenickt. Den Blitzer, der uns offenbar in Österreich dann auch noch erwischt hatte, habe ich nicht einmal mitbekommen.

Zwischendrin war auch mal Felix am Steuer, er kam prima zurecht mit dem Wagen. Wir fuhren auch diese Nacht hindurch und kehrten spät Nachmittags an den Ort zurück, wo am vorletzten Abend unsere gemeinsame Reise begann. Ein kleiner Snack, ein Kaffee und eine ganze Flasche Sekt, wobei drei Füllungen in das kleine Plastikglas alleine auf mich abfielen. Mit mir kann mans ja machen \“ ich muss ja nicht mehr fahren. Dort trennten sich unsere Wege wieder, ein paar Meter absolvierten wir noch gemeinsam, nachdem wir auf der A9 die Seiten gewechselt hatten, Reinhart und Torsten fuhren Richtung Berlin, wir bogen ab auf die A6 Richtung Heilbronn.

Was übrig bleibt

Hat sich diese Fahrt gelohnt? Da das Hauptziel der Reise, das Spiel, nicht sonderlich erfolgreich war, bin ich geneigt, dies zu verneinen. Zu viel ging in meinen Augen schief, auch wenn das meine drei männlichen Mitfahrer vielleicht anders sehen mögen. Zu pessimistisch meine Veranlagung, zu groß mein Frust über dieses so wichtige, und dennoch verlorene Spiel. Was bleibt, ist ein einzigartiges Stadion und tolles Wetter, was ich genossen habe.

Auf die geschlossene Tankstelle, die Niederlage, die Blocksperre, die Vignettenstrafe und den Blitzer hätte ich guten Gewissens gerne verzichtet \“ da man jedoch nie drinsteckt und alles nehmen muss, wie es kommt, ist es nun eben so. Ein kurzer und intensiver Trip, nicht zu vergleichen mit der ausgedehnten Reise, die wir vier Jahre und vier Tage zuvor nach Rumänien machten. Zu Buche stehen außerdem insgesamt 1.062 Fotos, eine leichte temporäre Bräune, die mein „gesundes Programmiererweiß“ ein wenig tarnen konnte sowie einiges kroatisches Restgeld.

Nun liegt es am VfB, das Beste daraus zu machen und im Rückspiel das Ruder umzureißen. Zum Zeitpunkt dieser Zeilen hat sich bereits einiges getan: Bruno Labbadia wurde entlassen, sein Nachfolger ist der ehemalige VfB-Profi Thomas Schneider. Die Hoffnungen sind groß, dass es nun endlich besser wird, nach Wochen des Misserfolgs und nach Monaten des lethargischen Stillstands. Man darf gespannt sein.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

2 Kommentare

  1. Pingback: my life. my love. my blog. » Mit dem Rücken zur Felswand

  2. Immerhin hattet ihr das Glück, nicht 3 Stunden zwischen der slowenischen & kroatischen Grenze festzustecken und nichts passierte 😉

    Gruß von einer Busfahrerin

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