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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Die dunkle Vorahnung am frühen Morgen

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Null zu Zwei. Es war der erste Gedanke am Morgen und der letzte Gedanke am Abend. Dazwischen lagen etwa 19 Stunden. Gründe für Wut, Frust und Enttäuschung hätte ich genug gehabt. Die Laune im Keller, das Wochenende ruiniert und die Hoffnung, Dortmund sei nur ein Ausrutscher gewesen, zunichte gemacht. Meine Reaktion auf Niederlagen dürfte hinreichend bekannt sein. Sie blieb jedoch weitgehend aus, nach einem Spiel, was ohne jeden Zweifel seinen verdienen Sieger fand, so bitter es auch ist.

Lag es an meiner Vorahnung, der „self-fulfilling prophecy“? Habe ich diese Saison gedanklich schon abgehakt? Oder lerne ich etwa mit der Zeit doch langsam, dass es immer wieder nach solchen Spielen schöne Zeiten geben wird und dass keine Niederlage so schlimm sein kann, dass es mir die Hoffnung und die Freude am VfB nehmen kann. So dämlich und sinnlos diese Partie auch war, ich hatte \“ Stand: Sonntag Nachmittag \“ trotz allem ein schönes Wochenende, bin gespannt auf eine Trotzreaktion auf Schalke und lenke mich ein wenig ab mit den ersten Weihnachtsvorbereitungen.

Spiele unter der Woche sind selten geworden, und damit auch jene Tage, an denen ich spärlich bepackt ins Geschäft fuhr, um am Nachmittag in Richtung Stadion zu fahren. Nicht viel mehr am Leib als mehreren Lagen warmer Kleidung, Geldbeutel und Kamera, umwickelt mit meinem Schal, auf dem Weg zum Ausgang wünschten mir die Kollegen viel Erfolg \“ sie wissen bereits, dass der im Zweifel wichtiger ist als bloß der „Spaß“, der kommt im Erfolgsfalle ohnehin von ganz allein.

Inoffizielles Großfeldturnier

Kalter, grauer November, doch da müssen wir durch. Wenige Grad über Null, seit einer Woche sind meine Handschuhe meine ständigen Begleiter. Ein ungutes Gefühl begleitete mich schon seit den frühen Morgenstunden. Als um 5:45 Uhr mein Wecker klingelte, beschlich mich das ungute Gefühl, es würde 0:2 ausgehen. Wie gerne ich mich doch geirrt hätte, ein schlechtes Gefühl hatte ich bekanntlich schon öfters. Oder sagen wir mal so: fast immer.

Beim Bierchen vor dem Stadion wurde ein aus dem Nichts zu Tage getretenen Fußball ein Großfeldturnier vor den Toren unserer Spielstätte. Der gelbe Fußball flog hoch über die Menschenmenge, große und kleine Ballkünstler, eine unschuldige und kindliche Freude über das Fußballspiel vor dem Fußballspiel. In der Haut der Hotelgäste vom Hilton möchte man nicht stecken, immer wieder knallte der Ball (un)absichtlich gegen die Fensterscheiben.

Zu Bruch ging dabei glücklicherweise nichts, mit einem weiten Abschlag landete das Spielgerät schließlich auf dem Dach des Carl-Benz-Centers, für den Schuss bekam er Applaus und somit endete das inoffizielle Turnier vor dem Heimspiel gegen die Gladbacher. Zeit, hinein zu gehen. Allein aus sportlicher Sicht standen die Zeichen heute nicht besonders gut, als Tabellenachter empfingen wir den Tabellenvierten.

Gebremste Aufbruchsstimmung

Trotz des anfänglichen Erfolgs unter Thomas Schneider, trotz der selbstgegründeten Kampagne #aufbruch1893, trotz des jüngsten Sieges in Freiburg vor der Länderspielpause, so mag sich die Kontinuität am Neckar noch nicht so recht einstellen. Der Dämpfer in Dortmund hat sehr weh getan, war aber durchaus erwartbar. Das Spiel im Breisgau zeugte nicht gerade von spielerischer Dominanz, gegen einen potenziellen Absteiger spielte man auch da nicht zu Null und erzielte erst spät den entscheidenden Treffer.

Viel Arbeit also für den neuen Coach, der mit dem Material arbeiten muss, was er zur Verfügung hat. Er baut die jungen Spieler ein und lässt den 17-jährigen Timo Werner regelmäßig spielen, die Zeichen sind klar im Ländle: Junge Wilde reloaded. Ob er noch viele erfolgreiche Jahre auf der Trainerbank verbringt, hängt nicht nur alleine von ihm und seinem Trainerteam ab, sondern auch von der Geduld der heimischen Zuschauer. Die Bruddler gab es in Stuttgart immer schon, die beim Stand von 0:1 zur Pause pfeiffen und zehn Minuten vor Schluss gehen, damit sie nicht in den Stau hinein kommen.

Es wird Geduld brauchen. Doch wer hat die schon in diesem schnelllebigen Geschäft. Nachzulegen gegen die Fohlen und den Anschluss ans internationale Geschäft halten, das wäre in unser aller Sinne gewesen. Ob das internationale Geschäft am Ende der Saison rausspringt, wird sich zeigen. Die Meinungen gehen offenbar weit auseinander. Von „International? Hoffentlich nicht!“ bis hin zu jenen, die trotz starker Konkurrenz einen Platz unter den ersten sechs für machbar halten, ist alles dabei.

Von Lieblingsgegnern und Angstgegnern

Und wo sortiere ich mich selbst ein? Die Sehnsucht nach Europa ist groß, in Rijeka waren wir dabei, viel zu früh endete die Europareise, noch bevor sie so richtig angefangen hatte. Doch reicht es am Ende, um im nächsten Sommer wieder oben anklopfen zu können? Ich weiß es nicht. Die Hoffnung ist da, zumindest wenn es gut läuft. Und wenn es schlecht läuft… Nunja, ihr kennt mich ja mittlerweile. Viele Gedanken kreisten in meinem Kopf umher, als sich vor mir die Reihen schlossen und das Stadion sich füllte.

Punkt 20:30 Uhr, es war angerichtet. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer marschierte vorneweg, die Mannschaften hinterher. Viele tolle Erinnerungen an Spiele gegen Gladbach, darunter das unvergessene 7:0 in einer recht freudlosen Saison 2010/2011, auch das 2:0 im Vorfeld der Pokalfinaleinzugsfeierlichkeiten im vergangenen April, nur ein verlorenes Spiel in den letzten 18 Jahren. Machte man es sich etwa zu einfach, als man vom ungeschrieben Gesetz des „Lieblingsgegners“ sprach?

Viele Gladbacher Fans waren mitgereist, der Gästeblock war voll, die Stimmung gut, sowohl bei den Gästen als auch in unserer farbenfrohen Kurve, die wieder ein tolles weiß-rotes Intro zum Einlaufen der Mannschaften zeigte. Wenige Sekunden lief das Spiel erst, als Granit Xhaka den ersten Warnschuss in Richtung Sven Ulreich abgab, unschwer zu sehen, worauf sie auswaren. Doch auch der VfB wollte sich hier nicht lange mit Abtasten befassen und setzte sogleich auf den Offensivdrang.

Der Maßstab des Erfolgs

Jaja, die Offensive. Eines der Dinge, die unter Thomas Schneider unbestreitbar besser geworden waren, die Chancenverwertung ist \“ wie schon seit vielen, vielen Jahren \“ ausbaufähig. Wiederrum nur wenige Sekunden später verpasste eine tolle Hereingabe nur knapp den Fuß von Vedad Ibisevic. Es wäre wieder ein Assist für Alexandru Maxim gewesen, der an fast allen Toren beteiligt ist, als Vollstrecker oder noch viel öfter als Vorbereiter. Die große Euphorie ist wieder abgeebbt, schweren Herzens musste ich dabei zusehen, wie ein Unentschieden nach dem anderen die allgemeine Aufbruchsstimmung dämpfte.

In den letzten Jahren war den Gladbachern zunehmend das gelungen, was man sich beim VfB ebenfalls vorstellt: kontinuierliche Arbeit, clevere Spielzüge, Biss und Leidenschaft, klammheimlich zogen sie an uns vorbei. Wo steht der VfB? Aktuell nicht viel mehr als eine graue Maus der Liga, damit kann und darf man nicht zufrieden sein. Die ersten Minuten waren vorangeschritten, mein Gefühl der drohenden Niederlage konnte ich fürs erste ein wenig verdrängen, sang und schrie für die Jungs.

Freiburg war kein Maßstab gewesen \“ Gladbach allerdings schon. Warum also nicht zufrieden sein, wenn es einige Zeit 0:0 steht. Eines der wenigen Spiele, bei denen ich mit einem Remis zufrieden gewesen wäre. Wie schwer das aber werden würde, offenbarte sich nach etwa einer Viertelstunde, als die wachsende Anzahl der Fehlpässe immer häufiger für kollektives Raunen auf den Rängen sorgte.

Ausgeglichene Anfangsphase

„Ohje…“ – Gladbach hätte hier nun schon zwei Mal aussichtsreich in Führung gehen können. Noch stand es 0:0, doch die Furcht, dass sich das Unvermögen des VfB vor dem gegnerischen Tor schon bald rächen würde, war da. Auf engstem Raum erreichten die Pässe den Mitspieler nicht, nach vorne ging wenig, kein besonders mutmachendes Spiel im Zeichen des Brustrings. „Ach was, die Jungs machen das schon!“ – immer wieder schob ich den dunklen Gedanken in meinem Hinterkopf bei Seite.

Ich hätte es ihm so gegönnt. Im Trikot des VfB hat er nur ein einziges Mal getroffen, beim 0:10-Testspielsieg in Reutlingen, eine Woche vor dem Pokalfinale. William Kvist, dessen Verbleib in Stuttgart trotz Thomas Schneiders Zuspruch ungewiss ist, zog aus 25 Metern ab, zielte aber ein wenig zu hoch. Was für ein schönes Tor es gewesen wäre. Etwas weniger als eine halbe Stunde war hier gespielt, die Partie weitgehend ausgeglichen, Gladbach bisher aber mit den besseren Chancen.

Ein weiteres Mal war das Stadion bei Weitem nicht ausverkauft. Dennoch sprangen die 49.560 Zuschauer von ihren Plätzen auf, als sich kurze Zeit nach dem Weitschuss unseres Dänen die größte Chance des ersten Durchgangs ergab. Wir wissen alle, wie das Spiel hätte ausgehen können, wenn wir in dieser Situation hätten jubeln können. Doch wissen wir natürlich auch, wie nah Freud und Leid beieinander liegen können.

Ein (fast) unaufhaltsamer Sololauf

Es wäre so perfekt gewesen. Wunderschön vorbereitet vom Mr. Assist, Alexandru Maxim, Timo Werner war auf links mitgelaufen und überrannte die komplette Gladbacher Abwehr, vor ihm stand nur noch Marc-André ter Stegen. „Junge, schieeeeß!“ brüllte ich ihm zu, als würde er mich vor der Untertürkheimer Kurve hören können. Bereitmachen zum Jubeln, der Torhüter konnte den Ball nicht festhalten, und dennoch ertönte nicht die Tormelodie. Zu weit vorgelegt, dann war die Abwehr wieder da und konnte in höchster Not klären.

Die darauffolgende Ecke brachte erneut große Gefahr, wieder war es nichts mit dem ersehnten Tor. Zu diesem Zeitpunkt konnte man noch nicht wissen, dass man auch dieses Mal wieder so bitterlich diesen Gelegenheiten hinterher weinen würde. An solchen Tagen kannst du schier daran verzweifeln, wenn du am Ende ohne Punkt dastehst und dir nichts mehr bleibt außer der bitteren Erkenntnis, dass deine Mannschaft nach vorne nicht energisch genug war.

Laute Lobgesänge auf Timo Werner, auch wenn dieses Spiel mit einer Niederlage ohne eigenes Tor endete, so werden sie so schnell vermutlich nicht verstummen. Ein Sololauf kurz nach der großen Chance, quer übers Feld, nicht aufzuhalten von sechs mitlaufenden Borussen, seinen Meister fand er erst im Schlussmann. Es war die stärkste Phase des VfB, das blieb von uns Fans nicht unbemerkt.

„Tor für die Gäste“

An den meisten Spieltagen waren wir noch meilenweit von der Kurve entfernt, die wir gern sein wollen, doch stimmgewaltig ist sie allemal \“ vorausgesetzt, die Jungs auf dem Feld liefern uns auch einen Grund dazu. Es wurde gesungen, gehopst und gepogt, keine Spur von Zweifel, am Ende mit der Mannschaft einen Heimsieg feiern zu können, den es in diesem Kalenderjahr nur allzu selten gab. Die Freude der Kurve über die Drangphase der Hausherren, sie endete abrupt nach nur 37 Minuten.

Eine Fehlerkette über Daniel Schwaab, Konstantin Rausch und Antonio Rüdiger, man bekam die Kugel nicht weg, Raffael erzielte schließlich das 0:1. Da war es wieder, das gefürchtete „Tor für die Gäste“. Kein Wunder, dass uns in den letzten Jahren das Image der grauen Maus anhaftet \“ wenn du so spielst, brauchst du dich nicht darüber zu beschweren. Nur eines konnte mir in dem Moment helfen: zehn Mal ganz tief ein- und ausatmen.

Langsam fing sich die Kurve wieder und gab ihr Bestes bis zum Pausenpfiff. Kurz bevor der ertönte, musste Ulle noch einen platzierten Flachschuss von Max Kruse entschärfen. Durchtatmen, runterkommen, Kraft tanken \“ und verdammt nochmal alles geben! Die Pfiffe zur Pause waren wenig überraschend, ein Umstand, den man in Stuttgart vermutlich niemals zu ändern vermag. Unzufrieden nippte ich an meiner Capri Sonne, immer wieder schoss mir der erste Gedanke des Tages in den Kopf.

Frischer Wind zum Seitenwechsel

Mit dem Seitenwechsel kam Ibrahima Traoré für Moritz Leitner. Kurz bevor er das Feld betrat, erhielt er noch ein paar aufbauende Worte unseres verletzten Co-Trainers Tomislav Maric. Wenn es denn hilft?! Ganz im Keller war die Laune noch nicht, doch schlägt sich ein negativer Spielstand mit zunehmender Dauer auch stark auf die Stimmung in der Cannstatter Kurve aus. So oft ich auch auf die Anzeigetafel schaute, es änderte nichts am Spielstand von 0:1.

Ob es am Ende trotzdem zu wenigstens einem Punkt reicht, bleibt abzuwarten. Während die ersten Minuten liefen, erregte ein helles Leuchten im Gästeblock unser Aufsehen, erst ganz klein, eine ganz normale bengalische Fackel, dazu gesellten sich alsbald mehrere Rauchschwaden, bis der gesamte Gästeblock in grünen Rauchschwaden verschwand.

Interessant anzusehen, nur langsam stieg der Rauch nach oben und fand den Weg durch das Stadiondach nach draußen, lange Zeit war das Spielfeld umhüllt von sanftem Nebel. Ob es das trübe Spiel und die vernebelte Sicht des VfB erklärt? Wohl kaum. Viel passierte in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff nicht, Zeit genug, um die Aktion der Gäste zu beobachten.

Habe ichs geahnt?

Dass ich aufgrund meiner Tätigkeiten als Fan-Fotografin im Dienste von vfb-bilder.de teilweise nicht alles vom Spiel mitbekomme, dürfte mittlerweile ebenso bekannt sein wie mein Hang zum Dramatisieren und Schwarzsehen. Den Blick zur Kurve gewandt, die Kamera in der Hand, nur durchs Schnaufen und Seufzen meiner Nebensteher bekam ich die nächste Gladbacher Chance mit, die mit Glück nur auf dem Netz statt darin landete.

Gladbach machte das wirklich gut, so bitter es auch ist, das zuzugeben. Schnelles Umschalten, starke Konter, da konnten wir nicht mithalten. Vielleicht erfüllt sich ja auch der Tipp meines besten Freundes, der am Vormittag noch 1:1 gesagt hatte. Meine Antwort „Wär okay“ konnte er nicht nachvollziehen, ich erzählte ihm von meinem ersten Gedanken am frühen Morgen. Glücklich machte es mich am Ende nicht, dass ich Recht behalten hatte.

Etwas mehr als eine Stunde war vorbei, für William Kvist kam Mohammed Abdellauoe, der bisher nicht überzeugen konnte. Ein Offensiver für einen Defensiver. Man gab sich nicht unversucht geschlagen, wenigstens etwas an diesem bisher eher trostlosen Tag. Nach vorne wollte nichts so recht funktionieren, doch reiche ein „Lucky Punch“ ja aus, eine Ecke, ein Freistoß, oft haben wir in den letzten Wochen gesehen, dass solche Situationen zum Torerfolg reichen.

Das Ding ist durch

Die Vorschreier unserer Kurve hatten es schwer, die knapp 8.000 Stehplätze zu mobilisieren. Wie motivierst du Leute zum Singen, von denen viele frustriert und die restlichen ohnehin nicht zum Supporten in der Kurve sind? Welcher Lieder singst du, wenn deine Mannschaft zurück liegt? Es gibt Tage, da entwickelt die Cannstatter Kurve eine positive Eigendynamik. Heute war definitiv keiner dieser Tage.

Wir können mehr im Kollektiv, vor uns liegt aber noch viel Arbeit, wie vor der Mannschaft auch. Knapp eine Viertelstunde blieb den Jungs Zeit, das Ruder rumzureißen und zumindest noch einen Punkt mitzunehmen. Fußball könnte so schön und einfach sein \“ wenn es keinen Gegner gäbe. Der war eben zu stark für uns an diesem Tag. Oscar Wendt machte nach 73 Minuten den Deckel drauf und erstickte die Hoffnung der letzten Optimisten endgültig.

Ein Pass, fast von der Torauslinie, am Rande des Strafraums pflückte der Schwede die Kugel runter und drosch sie volley in die Maschen. Unfassbar, wie frei er da zum Schuss kam. Unfassbar, wie dämlich sich der VfB hier anstellte. Unfassbar, dass sie es ein weiteres Mal nicht geschafft haben, ihre Aussagen vor dem Spiel auch in die Tat umzusetzen.

Training ohne 13 Spieler

Das wars. Ich hatte keine Hoffnung mehr, beim besten Willen nicht. Lauter Jubel aus dem Gästeblock. Kurz darauf rannte dann auch Max Kruse auf Sven Ulreich zu, legte noch einmal ab, statt selber zu schießen. Das 0:3 hatte er auf dem Fuß, es blieb uns erspart. Stille in der Kurve, wer konnte es uns aber auch verdenken. Kaum noch Support, viele Pfiffe, wenig Hoffnung. Das Ding war gegessen, mehr als Ergebniskosmetik war hier vermutlich nicht mehr drin.

Aus der anderen Ecke des Neckarstadions ertönte das bekannte Europapokal-Lied. Es traf mich mitten ins Mark, doch konnte ich nicht einmal sagen, diese Niederlage \“ wenn es dabei bleibt \“ wäre unverdient gewesen. Hätte der VfB in den letzten Wochen nur ein paar Mal mehr gewonnen als unentschieden gespielt, so sähe das jetzt anders aus. Schnell abpfeiffen, schnell nach Hause und schnell vergessen, ein gebrauchter Tag für alle Stuttgarter.

Erst wenige Tage zuvor waren 13 Nationalspieler zurück gekehrt, allesamt noch für ihre Länderteams unterwegs gewesen. Es war kaum Zeit, gemeinsam zu trainieren, sich auf die starken Gladbacher einzustellen. Eine Ausrede darf es trotzdem nicht sein, die Qualität müssen wir haben bei den hohen Ansprüchen, die wir an uns selbst stellen. Es ist an solchen Tagen unheimlich schwer, den Kopf oben zu halten.

Könnt ihr euch erinnern?

„Gegen Gladbach kann man mal verlieren!“ – so unschön die Gesänge aus dem Gästeblock auch waren, den Humor verlor die Kurve noch nicht. Zur Melodie von Frère Jacques sangen wir „Mönchengladbach, Mönchengladbach, wisst ihr noch, wisst ihr noch, könnt ihr euch erinnern, könnt ihr euch erinnern, SIEBEN NULL, SIEBEN NULL„. Eine kleine witzige Pointe, geschmiedet aus Galgenhumor.

Schon längst hatte auf den Tribünen die Flucht eingesetzt, mit dem 0:2 leerten sich die ersten Plätze, mit zunehmender Spieldauer war Bewegung zu sehen auf den Treppen. Die letzten Minuten gingen dahin, auch die Mannschaft schien sich bereits aufgegeben zu haben. Dass die Gäste hier verdiente drei Punkte mitnehmen, stand außer Frage. Wer nicht schon das Stadion verlassen hatte, machte seinem Ärger Luft. Nicht ganz zu Unrecht, schien es doch streckenweise wie Arbeitsverweigerung.

Langsam kamen sie in den Kurve, einige Pfiffe, einiges Klatschen, die große Wut war es noch nicht. Doch die Fans sind ungeduldig, das weiß man im Stuttgarter Umfeld. Gibt man die interationalen Plätze als Ziel aus, ist die Enttäuschung groß, wenn es in der Praxis eher nach versuchtem Klassenerhalt aussieht. Dabei sind die Jungs und wir Fans zu so viel mehr in der Lage.

Dumm gelaufen

Natürlich war ich enttäuscht. Doch sah ich das ganze Wochenende schon vorweg als stimmungsmäßiges Tiefdruckgebiet? Ich dachte mir „Shit happens, gibt schlimmere Spiele“, das 0:3 vor fast zwei Jahren hatte mich wesentlich mehr mitgenommen. Schnell rappelte ich mich wieder auf, Felix schien leicht irritiert aufgrund meiner Reaktion. Auch Gerd und Ingrid, mit denen wir am kommenden Wochenende nach Gelsenkirchen fahren, waren überrascht. Das war ich ja selbst von mir auch.

Es brauchte wieder einige Zeit, bis wir draußen waren. Heute tat es mir leid für meinen Physiotherapeuten Denis, der sein erstes Heimspiel seit dem Pokalhalbfinale gesehen hatte, sein nächstes Spiel wird hoffentlich erfolgreicher. Lange blieben die mitgereisten Gladbacher noch im Block, wahrscheinlich besser so, es hätte vielleicht nur Stress gegeben.

Daheim angekommen bearbeitete ich die Bilder noch wie gewohnt, hatte sie hochgeladen und ging ins Bett. Es war bereits fast Eins, als der Tag beendet war. Das Spiel so schnell wie möglich verdauen und nicht mehr drüber nachdenken, das wäre schön. Am Samstag konnte ich mich zum Schreiben des Berichtes noch nicht aufraffen. Was bleibt hängen? Nichts. Ist wahrscheinlich auch besser so.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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