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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Der Blick geht nach unten

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Irgendwie habe ich es geahnt. 42 Tage ohne Fußball. Viele fußballfreie Wochenenden, Zeit für mich, Zeit für uns \“ ohne Bruddeln, Nörgeln und Schimpfen nach erneuten Niederlagen unseres geliebten VfB. Dem Frieden des „besten Trainingslagers aller Zeiten“ traute ich nicht so ganz, offenbar nicht zu Unrecht. Kaum ist sie da, die Rückrunde, erinnere ich mich wieder, weshalb ich entgegen aller Behauptungen die Bundesligapausen ganz nett finde. Kaum spielt der VfB wieder, sorgt er für Ärger und Frustration.

Sind die Gründe für nicht erbrachte Leistungen seit Jahren durchwachsen, vom falschen Trainer bis hin zu gezielten Schwachpunkten in der Formation, so ist der Grund für Pfiffe von den Rängen allzu oft immer wieder der selbe: enttäuschte Erwartungshaltung. Vor nicht allzu langer Zeit spielten wir regelmäßig um die vorderen Plätze in der Bundesliga, waren international verteten und es gab durchaus Gegner, gegen die ohne jeden Zweifel mit drei Punkten gerechnet werden konnte. Nichts davon ist übrig geblieben.

(Fast) jede Woche das Selbe. Manchmal denke ich mir: „Warum mache ich das überhaupt noch? Warum bleibe ich nicht daheim, spare mir Geld und Nerven und schalte den Fernseher einfach ab, wenn es mir zu blöd wird?“ – auch viele Freunde und Bekannte haben mich das über die letzten Jahre gefragt, in denen Felix und ich zu Vielfahrern, bzw. Fast-Alles-Fahrern geworden sind. Vermutlich weil ich einfach nicht anders kann.

Was eine Niederlage gegen Mainz mit Liebeskummer zu tun hat

Warum nur? Bei allem Frust und bei aller Enttäuschung, treibt uns die Leidenschaft doch immer wieder dorthin zurück, wo uns erneut das Herz gebrochen wird und wir uns all diese Fragen erneut stellen. Beschweren darf ich mich dann eigentlich nicht, das Schicksal, dass ich mir selbst erwählt habe, das Hobby, dass ich mir gesucht habe, der Verein, in den ich mich verliebt hatte \“ wie Nick Hornby einst sagte, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, welcher Schmerz und welche Zerrissenheit damit verbunden sein würden.

Die Liebe für den Verein lebt ewiglich fort, doch wo Liebe ist, gibt es auch Liebeskummer. Und was genau hat ein verlorenes Spiel gegen Mainz genau mit Liebeskummer zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Man gibt, investiert, verbringt Zeit, bringt Opfer, nur der Liebe wegen. Am Ende des Tages stehst du in der Kurve wie ein begossener Pudel, ein weiteres Mal wird dir gezeigt, dass deine Bemühungen völlig egal waren. Lässt du es deswegen bleiben? Nein. Du bist eine Woche später wieder mittendrin, in der Hoffnung, dass dir das Herz nicht wieder gebrochen wird. Weil du liebst.

Mainz. Ich kann es nicht oft genug sagen. Mainz. Vor einigen Jahren nicht der Rede wert gewesen, klare drei Punkte für den klaren Favoriten. Kein traditionsloser Retortenverein und kein lächerlicher Karnevalsverein muss vor Ehrfurcht erzittern, wenn der VfB Stuttgart der Gegner ist. Im Gegenteil: langsam, still und heimlich wurden wir zum Punktelieferanten, blamieren uns bei allen, vom Abstiegskandidaten bis hin zu den Champions League Anwärtern. Einkalkulierte Punkte gibt es nicht mehr. „Ein Punkt, wenns gut läuft“ wird zum häufigsten Tipp, wenns mehr wird, ists schön, wenn nicht, hat mans ja vorher eh schon geahnt.

„Bestes Trainingslager aller Zeiten“?

Da standen sie nun auf dem Felsen des „Lions Head“ in Kapstadt, hoch über den Dächern Afrikas ließen sie sich für Facebook und Instagram fotografieren. Man möchte gerne glauben, dass sie das mit Sicherheit teure Trainingslager in erster Linie zum Trainieren genutzt haben, und uns endlich das zurückzahlen, was sie uns in der Hinrunde lange schuldig geblieben sind. Wie viel es gebracht hat, hat man am Nachmittag erneut schmerzlich erfahren müssen.

Statt nach vorne, wie eigentlich im großen Stil angekündigt, schauen wir nun mit besorgtem Blick nach hinten. Zwar fehlt uns noch das verlegte Hinrundenspiel gegen die Bayern, doch sind es am Ende des 18. Spieltags nur noch 3 Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Viel besser werden wir auch am Mittwoch nicht dastehen, wenn das Spiel um ca. 21:50 Uhr vorbei ist.

Erinnert ihr euch noch an den 22. Juli des letzten Jahres? Kurz vor Mitternacht an jenem Montag sprangen wir von unseren Sitzplätzen auf und sangen unser Lied „Oh VfB, hier im Stadion“. Es war der Moment, als wir uns sicher waren, dass alles gut werden würde. Ein paar Wochen der Frustration später kam mit Thomas Schneider ein neuer Trainer und neue Erfolgserlebnisse, dann wird eben jetzt alles gut. Ich mag nicht aussprechen, dass ich aufgegeben habe. Wird es wirklich gut? Eher nicht.

Endlich wieder Bundesliga

Las ich tagelang bei Facebook nichts anderes als „Bald gehts wieder los“ und „Endlich wieder Fußball!“ bockte es mich zunächst nicht allzu arg. Warum wohl? Ist es mittlerweile die negative Grundstimmung, die mitschwingt? Ich will mir nicht vorwerfen lassen, ich sei ein Pessimist, vielmehr nenne ich es „Realist“, zu oft hat der VfB die allgemeinen Erwartungen enttäuscht. Und nein, es muss nicht immer die Meisterschaft oder die Champions League sein. Ein wenig Konstanz und sich vor allem nicht mehr gegen lächerlich kleine Mannschaften blamieren, das wäre ja schon einmal ein Anfang.

Erst auf dem Weg zum Stadion, als sich am Veielbrunnen die Sicht aufs geliebte Neckarstadion offenbarte, setzte die wirkliche Vorfreude wieder ein. Ist es nicht merkwürdig, nicht vor Aufregung zu platzen, wenn man denn ohnehin so gut wie jedes Spiel besucht? Wirklich erklären kann ich es nicht. Ein weiteres Mal die selben bekannten Gesichter, als wäre man nie weggewesen und das letzte Spiel sei erst wenige Tage her.

Auch Glücksbringer Sandro war bereits am Start, wir leisteten ihm und seiner Freundin Betti Gesellschaft im A-Block, den ich nach langer Zeit mal wieder betreten hatte \“ so richtig viel anfangen kann ich damit nämlich aktuell nicht. Schräg gegenüber zeigte ich kurz vor Drei meine Dauerkarte, lief ein paar Schritte und warf einen Blick auf das, was meine zweite Heimat ist. Willkommen Zuhause. Ob es ein schöner Tag wird, entscheidet zum gewissen Teil der VfB, der sich auf dem Feld bereits warm machte.

Erneuter Zuschauerschwund

Erst spät war ich im Block gewesen, umso schneller verging die Zeit bis zum Anpfiff. Nur noch diese Rückrunde mit dem „falschen“ Wappen auf der Brust, die Tage sind gezählt, schon sehnsüchtig blicken wir bereits jetzt auf die neue Saison, wo doch mehr als die Hälfte der aktuellen Spielzeit noch zu absolvieren ist. Mit einem pompösen und eindrucksvollen Doppelhalterintro begrüßten wir sie an diesem 18. Spieltag, sie gab ein tolles Bild ab, unsere Cannstatter Kurve.

Ein Blick auf die Ränge, ein ernüchterndes Bild. Die Lücken im Neckarstadion werden anscheinend von Spiel zu Spiel größer, korrespondierend zu ausbleibenden Erfolgserlebnissen, die im Schwobaländle nun einmal erforderlich für ein volles Haus zu sein scheinen. Ob das mehr als 40.000 Zuschauer sind? Ein Bild des Jammers und trotz der aktuellen Flaute nicht wirklich nachvollziehbar.

Der Ball rollte, das Spiel lief, ein wirklich gutes Gefühl für den Ausgang der Partie hatte ich nicht. Aber ich freute mich, wieder hier zu sein, zu singen und zu hüpfen \“ letzteres allerdings nur zaghaft, einen Tag zuvor übertrieb ich es ein wenig im Fitnessstudio und spürte nun 24 Stunden später die schmerzhaften Konsequenzen. Nicht schlecht, Herr Specht, ich meine: Herr Harnik. Beinahe mit einem Seitfallzieher zum frühen 1:0 nach wenigen Minuten. Wäre das schön gewesen.

Ein unerwarteter Torschütze

Verhältnismäßig viele Mainzer hatten sich auf den Weg nach Stuttgart gemacht, wenn auch nicht besonders optisch auffällig, es fehlte weitgehend an Fahnen und Doppelhaltern, soweit ich sehen konnte. Waren wir als Cannstatter Kurve an diesem Tag einfach nicht ganz bei der Sache? Der erste Wechselgesang mit dem Rest des Stadions wurde beinahe lauter aus Richtung Gästeblock mit „Hurensöhne“ beantwortet, ein herber Schlag.

Im Trainingslager überzeugte er an der Seite von Vedad Ibisevic: bisher glanz- und leider vor allem torlos verdiente sich Mohammed Abdellauoe das Vertrauen des Trainers und stand von Beginn an im Sturm. Ich muss zugeben, ich musste laut lachen, als nach elf Minuten der Jubel aufbrannte und der VfB in Führung lag \“ dank eines Tores des Norwegers. Sein erstes Tor in einem Pflichtspiel. Er kann es ja tatsächlich.

Irgendwie noch reingestochert, es zeugte mehr von Glück als von Verstand. Die Vorlage kam von Alexandru Maxim, zwei Stuttgarter gegen vier Mainzer auf engstem Raum. Den Kopfball von Vedad Ibisevic konnte Loris Karius noch nach vorne abprallen lassen, nicht aber das nachgesetzte Gestocher unserer Nummer 25. Die Freude war groß, völlig egal, wer am Ende als Torschütze zelebriert wird, wichtig war nur eines: dass es gefallen ist, das erste Tor.

Passabler Beginn

Na bitte, geht doch. Warum nicht immer gleich so? Lange hat es gedauert, bis er in Tritt kam. Ohne jeden Zweifel wäre es wünschenswert, wenn er die Erwartungen, die wir in ihn gesetzt hatten, auch regelmäßig und konstant erfüllen kann. Für einen Moment schien es so, als würde es tatsächlich am Ende des Tages ein wohliges Gefühl geben, wenn selbst Gotoku Sakai, der so oft in den letzten Monaten sehr ängstlich agierte, beherzt anfängt, aufs Tor zu schießen. Wenn er hinten aufpasst, wäre es mir aber noch lieber.

Bisher sah das doch gar nicht so schlecht aus, wie mir mein komisches Bauchgefühl zunächst weismachen wollte. Sie waren dominant, doch ließen sie immer wieder Konter zu, die nicht gerade ungefährlich waren. Es gab Ecke für den VfB vor der Untertürkheimer Kurve, Alexandru Maxim durfte ein weiteres Mal ausführen. Das Muster war bereits bekannt, Kopfballverlängerung und dann per Kopf ins Tor.

Hätte auch dieses Mal beinahe funktioniert, wir jubelten bereits, merkten aber schnell, dass es abgepfiffen wurde. Drei Mainzer lagen am Boden, man vermutete also, dass der junge Schiedsrichter Daniel Siebert wegen vermeintlichen Fouls abgepfiffen hatte. Entsprechend laut die Reaktion des heimischen Publikums. Bei näherer Betrachtung aber galt der Abbruch dem versuchten Handspiel von Vedad Ibisevic.

Die Angst im Nacken

Wie sehr wir uns wegen eines (nicht zuu Unrecht) abepfiffenen Tor noch ärgern würden, konnte man allenfalls befürchten, schließlich hat der VfB ein außergewöhnliches Händchen für Pleiten, Pech und Pannen. Während wir unablässig per Anzeigetafel die Zwischenstände aus den anderen Stadien gezeigt bekommen hatten, konnte man sich schon fragen, warum es dem VfB nie so recht gelingen mag, einen Gegner schnell und nachhaltig in die Knie zu zwingen.

Einfach der anderen Mannschaft das eigene Spiel aufzwingen, so dass diese nichts, aber auch überhaupt gar nichts zu melden haben. Vor Mainz und Co. brauch man doch nun normalerweise keine Angst haben. Stattdessen passiert meist das, was schlimmstenfalls trotz einer Führung zu befürchten war: den Gegner mitspielen lassen, auskontern lassen und am Ende die Butter vom Brot genommen bekommen. Weil es einfach fast immer so ist. Bin ich etwa verbittert? Ein bisschen vielleicht. Ein bisschen sehr.

Schlecht war das Spiel bisher nun wirklich nicht, zumal wir ja \“ trainerübergreifend \“ nicht gerade mit ansehnlicher Fußballkost verwöhnt worden sind im Kalenderjahr 2013. Doch die Furcht vor dem einen Fehler, der das vorne mühsam aufgebaute mit dem Hintern wieder umreißt, sitzt einem ständig im Nacken und begleitet einen überallhin, auf allen Wegen zwischen Hamburg und München. Führt der VfB, schenkt er das Spiel her, liegt der VfB zurück, vermag er es nicht zu drehen \“ es wäre mir lieber, wenn dies keine bitteren Tatsachen wären.

„Nimm du ihn, ich hab ihn sicher“ \“ reloaded!

Wenn mal bitte jemand auf Shinji Okazaki aufpassen könnte, ich wäre ihm sehr verbunden gewesen. Zwar war er während seiner Zeit im VfB-Trikot alles andere als ein gewährlicher Stürmer mit zehn Toren in zwei Jahren, doch hat man doch sicher auch beim Trainerstab mitbekommen, wie sehr er in Mainz aufgeblüht war, seit er letzten Sommer dorthin gewechselt war. Erstes Spiel, prompt gegen den VfB, prompt das Tor. Soviel dazu. Und er ist nicht die Erste (und sicher auch nicht der Letzte), der erst gegen den roten Brustring die eigentliche Qualität beweist.

Tolle Ballannahme, schnelle Drehung, nur mit Glück neben das Tor von Sven Ulreich gesetzt. Ui. Am Neckar galt er oft als Chancentod, hatte im Pokalfinale mehrere Chancen, ein Tor zu erzielen \“ wer weiß, wie es hätte ausgehen können? Sie ließen ihn oft laufen, unbehelligt jeglicher Abwehr. Früher oder später rächt sich das… Gesagt, getan. Keine 60 Sekunden später, wieder ein Abstimmungsfehler zwischen Sven Ulreich und Gotoku Sakai.

Alles andere als elegant rasselten sie zusammen, Shinji Okazaki brauchte nur noch das leere Tor treffen, was ihm im VfB-Trikot oft nicht einmal gelang. Jedes einzelne Gegentor ist ärgerlich, doch dieses gehörte zur Kategorie „Sinnlos und unnötig“. Jedes Spiel aufs Neue stehst du da, schüttelst den Kopf, in dir kocht die Wut hoch und trotz allem kommst du immer wieder zurück. Der Fan als solches scheint wohl doch mitunter ein wenig naiv. Laute Pfiffe von allen Seiten, wie kannst du nur so ein dummes Ding fangen.

Mit dem Ausgleich in die Halbzeitpause

Sekundenlang lag unser Japaner am Boden, das nächste Tor, was auf seine Kappe geht. Doch nicht nur ihn trifft die Schuld. Was war in Sven Ulreich gefahren? Auf der Linie ist er super, doch beim Rausrennen kommen immer wieder so krumme Dinge raus. Sollte der Torwart sich nicht eigentlich sicher sein, dass er klären kann, wenn er schon rausrennt? Fünf Minuten bis zur Halbzeitpause, die überstand man zum Glück unbeschadet.

Szenenapplaus gab es für unseren Heißsporn Antonio Rüdiger, der am Ende des Tages einer der wenigen Lichtblicke war. Mit einer geschickten Körperdrehung behauptete er den Ball gegen VfB-Schreck Nicolai Müller, der sich natürlich erst einmal Fallen ließ, er weiß sehr wohl, dass unser junger Abwehrspieler aus der eigenen Jugend durchaus temperamentvoll ist. Armes Mainzer Mimöschen, legt sich selbst und verletzt sich auch noch dabei.

Kurz vor Ende des ersten Durchgangs gabs noch einmal Freistoß wegen Handspiels von Nikolce Noveski. Wer nicht schon stand, stand jetzt zumindest auf. „Hineiiiin, hineiiiin!“ skandierten alle, die dem Brustring wohlwollend gesinnt waren, Alexandru Maxim drosch drauf, die Lücke in der Mauer fand er jedoch nicht. Schade. Erstmal Pause. Zum Genießen gabs auf der Anzeigetafel noch einmal das frühe Führungstor des VfB, umso lauter das Raunen um mich herum, als der Ausgleich gezeigt wurde.

Zäher Wiederbeginn in Durchgang Zwei

Ob es im zweiten Durchgang besser wird und ob das richtige Mittel gegen so ein blödes Ausgleichstor gefunden werden kann, wird sich zeigen. Ich sichtete die ersten Bilder auf der Kamera, das Doppelhalterintro vom Einlaufen der Mannschaften förderte auch auf dem Display meiner Kamera ansehnliche Fotos. Es gehörte schon wesentlich mehr dazu, ein Punkt gegen Mainz reicht nicht aus, um die vorderen Plätze nicht völlig aus den Augen zu verlieren, eine Niederlage bedeutete schlimmstenfalls sogar das Einläuten des Abstiegskampfes.

Volle Konzentration auf den zweiten Durchgang, möge das eine oder andere Tor für den VfB noch fallen, die Spiele danach werden alles andere als leicht, mit drei Punkten mehr auf dem Konto wäre man doch durchaus ein wenig beruhigter. Es ist eine schwere Situation derzeit, auch für uns Fans. Irgendwo zwischen hoher Erwartungshaltung und dem Willen, auch in schlechten Zeiten für den Verein da zu sein, es ist nicht immer einfach.

Das Spiel lief bereits, den unbedingten Willen, die Partie noch zu gewinnen, sahen wir nicht. Und wenn ich das sage, meine ich damit: lange nicht. Die Minuten verstrichen, hier mal ein Freistoß, da mal eine Ecke, sogar ein missglückter Fallrückzieher des Torschützen aus der ersten Halbzeit. Aber ansonsten…?! Die Uhr tickte, und je länger es dauerte, desto lauter sprach meine innere Stimme zu mir: „Wenn sie so weitermachen, fangen sie hinten eins“.

Frischer Wind im Spiel

Gut eine Stunde war gespielt, da fehlte nicht viel zur erneuten Führung. Manchmal gibt es eben so Tage, wo dann doch noch ein Fuß oder ein Kopf zwischen den Ball und das Tor kommt. Es hätte so wunderbar passen können. Schneller Ballgewinn (es kommt selten genug vor),Vorlage von Alexandru Maxim der für Martin Harnik vorbereiten wollte. Nikolce Noveski war mit der Pieke noch dran und legte unfreiwillig vor für den aus dem Rückraum heran eilenden Vedad Ibisevic. Ein Schuss, wir hielten den Atmen an \“ vorbei. Würde ja hoffentlich nicht die letzte gute Chance in dieser Partie sein… Oder etwa doch?

Mainz hatte bereits einen Doppelwechsel, wer kann uns denn in dieser zerfahrenen Situation weiterhelfen? Zwar genieße ich es immer, Timo Werner spielen zu sehen, doch musste ausgerechnet Alexandru Maxim für ihn das Feld verlassen? Man kennt ja das Sprichwort vom Einäugigen unter den Blinden. Auch Martin Harnik musste runter, für ihn kam Ibrahima Traoré. Noch wenige Tage ist das Transferfenster geöffnet, wir sind alle gespannt, ob sich in dieser Personalie noch etwas tut \“ Schalke hatte nun von einer Verpflichtung abgesehen, anscheinend hatte er zu hoch gepokert.

Weniger als eine halbe Stunde noch zu spielen. Geht hier noch was? Schwer zu sagen, bei all den Rückpässen und Ballverlusten. Eins, zwei, drei Stationen, mehr brauchte Mainz nicht, um nach einem Fehler des VfB gefährlich vor Sven Ulreich aufzutauchen. Es gab einmal Zeiten, da war das Selbstvertrauen ein ganz anderes. Wer hätte gedacht, dass es der VfB aus eigener Kraft schafft, sich gegen einen völlig desinteressierten und planlosen Gegner so schwer zu tun.

Laaaaangweilig!

Wunderbare Flanken, versemmelt ins Nirgendwo, grottiges Stellungsspiel, keine Lust, kein Wille, keine Leidenschaft. Wie will man so bitte ein Spiel gewinnen? Schaute man sich das so in Ruhe an, wolle man am liebsten ins nur mäßig gefüllte Rund hineinrufen: „Laaaaangweilig!“ – etwas derart Schwaches und Blutleeres haben wir… Nein, ich kann nicht einmal sagen, wir hätten so etwas lange nicht mehr gesehen, es wäre schlichtweg gelogen. Wir haben es schon gesehen. Ziemlich oft.

Unruhe machte sich allmählich breit, Pfiffe bei jedem Rückpass, Bruddeln bei jedem Ballverlust. Der Wind wird zunehmend rauer am Neckar, die Zeiten, in denen es solche Spiele auch einfach mal hin und wieder gibt und man beim nächsten Mal einfach wieder Vollgas gibt, sind vorbei. Es hat sich gewandelt, die Spiele, die die positive Seite des VfB zu Tage befördern, sind sehr selten geworden, das Image angekratzt, im grauen Mittelfeld der Liga mit steter Tendenz nach unten vegetieren sie dahin, und sie merken es nicht einmal.

Nur noch 20 Minuten. Zdenek Pospech brachte Mohammed Abdellaoue kurz vor der Strafraumgrenze zu Fall, auf den ersten Blick vermuteten wir gar einen Elfmeter. Dafür sah der Mainzer Gelb, eine tolle Position für einen direkten Freistoß \“ so wie es einst Thomas Hitzlsperger machte. Keine Kunstschüsse drüber oder drumherum. Nein. Direkt drauf, mittendurch, ohne Rücksicht auf Verluste. Hatte er in den letzten Jahren im Ländle zwar einen schweren Stand, für Szenen wie diese vermisse ich ihn sehr. Vedad Ibisevic verfehlte das Tor deutlich und schoss darüber. Unsere Statistik von null direkt verwandelten Freistößen kommt ja nicht von irgendwo her.

So dumm kann man doch nicht sein \“ oder doch?

Nur noch fünf Minuten. Richtig, ein Sprung von einer Viertelstunde. Warum? Weil nichts, aber auch wirklich gar nichts Nennenswertes passiert ist. Ein zähes Spiel, zum Ende hin so unansehnlich wie Erbrochenes. Und wenns am Ende ein 1:1 ist, es ist zwar nicht besonders schön, aber immerhin besser als gar nichts. Meine Jungs sahen nicht so aus, als könnten sie noch einmal die Kraft aufbringen.

Einzig und alleine Timo Werner sorgte für den letzten Hoffnungsschimmer, toller Antritt, am Ende enteilte der Ball ihm ins Aus. Aufmunterndes Klatschen aus der Kurve, die so wie ich auch keine Antwort auf die dargebotene Leistung hat. Sieht so das „beste Trainingslager aller Zeiten“ aus? Die Uhr tickte, nur noch ein paar Minuten regulär zu spielen. Vier Mainzer, sechs Stuttgarter, nichts wirklich gefährliches. Aber was heißt das schon beim VfB?

In aller Ruhe spielten sich die Gäste den Ball zu, nahezu unbehelligt von der Abwehr, die so schien, als würde sie einfach abwarten und zusehen wollen, was passiert. Ein langer Ball nach vorne, die gescheiterte Abseitsfalle, nur halbherzig lief Sven Ulreich aus seinem gewohnten Terrain heraus. Wenige Minuten vor Schluss, das 1:2 für die Gäste. Gibts des? Die Spieler, Ersatzspieler und Betreuer rannten Richtung Eckfahne und beglückwünschten den erst vier Minuten zuvor eingewechselten Benedikt Saller.

Ernüchternder Ausblick auf die nächsten Wochen

Fußball, verdammte Hölle. Warum ist es nur immer wieder so verdammt schmerzhaft. Nun hatten sie gut lachen, die Clowns vom Karnevalsverein. Aus der anderen Ecke hallte es „Auswärtssieg“ \“ am Ende blieb es dabei. Besonders bitter: es ist Mainz‘ erster Auswärtssieg im Ländle. Gern geschehen, blamieren können wir uns besonders gut. Auch die zwei Minuten Nachspielzeit blieben ohne weitere Tore. Und so endete der 18. Spieltag, von allen anstehenden Spielen der nächsten Wochen die drei wahrscheinlichsten Punkte fahrlässig hergeschenkt.

Was soll man dazu sagen? Die Geräuschkulisse beim Abpfiff können sich selbst jene vorstellen, die der Schmach nicht beigewohnt hatten. Ratlose Gesichter, Fassungslosigkeit und Wut. So unglaublich dumm, dass es schwer fällt, dafür Worte zu finden. Die Pfiffe holten sie sich ab und trabten mit hängenden Köpfen Richtung Kabine. Soviel zur tollen Vorbereitung und einer neu entfachten Euphorie. Verpufft, noch bevor die geplante Aufholjagd beginnen konnte.

Die nächsten Wochen werden wenig erfreulich. Drei Spiele, null Punkte, wie ich das realistisch einschätze. Bayern ohne jeden Zweifel, Ernüchterung in Leverkusen, und selbst Augsburg ist mittlerweile ein Angstgegner. Sie holten parallel ein Unentschieden in Dortmund. Wie unsere Tordifferenz in einigen Wochen aussehen mag, daran will ich erst gar nicht denken.

Durch Dick und ganz, ganz dünn

Minutenlang stand ich regungslos im Block, als sich die Reihen um mich herum langsam lichteten. Leere, nichts als Leere. Keine Hoffnung, keine (Vor-)Freude, kein Verständnis \“ der Blick in Richtung Gästeblock tat weh, wie sie ihre Humba machten und ihre Schals zu „You’ll never walk alone“ stolz in die Stuttgarter Abendluft streckten. Was ist nur aus dem Verein geworden, dem ich einst mein Herz schenkte? Er ließ sich jahrelang den Schneid abkaufen, von Mannschaften wie Gladbach, Mainz und Anderen, die den Weg gegangen sind, den der VfB gerne gegangen wäre.

Was bleibt nun von diesem enttäuschenden Tag? Angst. Nicht mehr als das. Angst vor den Bayern, vor Leverkusen und vor Augsburg. Ich wünschte, es wäre nicht so. Das Trainingslager anscheinend nahezu nutzlos, außer Spesen nichts gewesen. Einfacher wird es nicht. Wie will man in dieser Verfassung gegen all die anderen Mannschaften bestehen können, die wenigstens noch so etwas wie Leidenschaft, Ehrgefühl und Selbstbewusstsein haben?

Wo soll das nur enden? Diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verbindlich beantwortet werden. Hätte sich der VfB gegen Mainz nicht so dämlich auskontern lassen, wäre meine Antwort wohlmöglich eine andere als jetzt. Mehr als auf die Zähne zu beißen können wir fürs erste nicht tun. Woche für Woche die Wunden lecken, wiederkommen, und erneut darauf hoffen, dass es gut geht. Weil wir lieben.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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