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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Ratlos, planlos, hoffnungslos

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78 Tage ist es her, dass ich zum letzten Mal etwas Positives vom VfB zu berichten hatte. Elf Wochen ist es her, dass ich in der Cannstatter Kurve das Gefühl der Glückseligkeit empfand. Fast drei Monate ist es her, dass der VfB zum letzten Mal gepunktet hatte. Eine gefühlte Ewigkeit. Vor einem halben Jahr mit dem Europapokal in unseren Träumen \“ heute mit dem Abstieg in unseren Alpträumen. Es gibt nichts mehr, was mich lächeln lässt, wenn ich an unseren Verein denke. Die Angst sitzt einem im Nacken und mit jeder Woche kommst du dem Abgrund immer näher.

Wortlos stand ich ein weiteres Mal im Block, wie so unzählige Male in den letzten Monaten. Ich wollte nicht glauben, was ich hier ein weiteres Mal mit ansehen musste. Warum tu ich mir das überhaupt noch an? Wäre es nicht so viel einfacher, jeglichen Stadien \“ und damit dem Schmerz und dem Kummer \“ fern zu bleiben, bis sich die bedrohliche Situation gelegt hat? Wie groß kann eine Liebe sein, dass man sich jedes Mal aufs Neue erniedrigen lässt. Ich weiß es nicht.

Denke ich ein paar Jahre zurück, sehe ich mich noch selbst als euphorischen und begeisterungsfähigen Neuling in der Kurve. Fast 500 Kilometer Anfahrt zu den Heimspielen, die Kamera war seit jeher mein treuer Begleiter. Was mit zahlreichen Videos (von sämtlichen VfB-Toren) und nur wenigen Fotos begann, wurde mittlerweile zur Berufung. Auf allen Wegen mit dabei, wie wir zu singen pflegen. Vieles erlebt. Viel Schönes. Viel Schlechtes. In letzter Zeit nur leider mehr Schlechtes.

Zusammenhalten!

Damals gab es so gut wie nichts, was mir Angst machen konnte. Mutterseelenallein weiß-rot gekleidet zum Auswärtsspiel nach Berlin? Kein Problem. In der Begleitung von (fast) fremden Leuten durch die Gassen von Glasgow ziehen? Warum nicht? Hoffnungsvoll nach Barcelona fliegen, in Erwartung eines Wunders? Hier, ich! Seit fast sieben Jahren trage ich (erst) den Brustring \“ nie war ich hoffnungsloser als in diesen schweren Wochen.

Wir sitzen alle im selben Boot. Jede Woche aufs Neue. Immer wieder sind es die gleichen Gesichter, die man im Stadion sieht, ob 20 Fußminuten oder zehn Busstunden entfernt. Man kennt sich, man schätzt sich, man sieht sich \“ immer und überall. Das macht uns zu einer Art Familie. Die zusammenhalten muss, wenns hart auf hart kommt. So ist zumindest die Theorie. Der Hausfrieden hängt seit Wochen schief, denn die, für die wir alle Strapazen auf uns nehmen, der Leidenschaft wegen, haben offensichtlich noch nicht begriffen, um was es geht.

„Zusammenhalten!“ heißt die diesjährige Kampagne. Eine inoffizielle Fortsetzung der „Niemals 2. Liga!“-Kampagne, die man vor mehr als drei Jahren in höchst bedrohter Situation ins Leben rufen musste. Zusammenhalten sollte man immer, in guten und in schlechten Zeiten, wie in einer Beziehung, bzw. Ehe. Dass man bis heute das Wort „Abstiegskampf“ von offizieller VfB-Seite noch nicht oft gehört hat, zeugt davon, dass man sich darin noch nicht angekommen sieht. Und steht doch schon drin, bis zu den Schienbeinen.

Tickets für lau

Lediglich die rückläufigen Zuschauerzahlen hatte der VfB mittlerweile registriert, und startete in seiner Verzweiflung eine nur recht kurzsichtig gedachte Aktion: jeder Dauerkarteninhaber kann für 2,50 € bis zu zwei Freunde einladen. Der Wert deckt somit allenfalls den VVS-Zuschlag für Bus und Bahn ab, was die Karten als „Geschenkt“ erscheinen lässt. Für die Heimspiele gegen Berlin und Braunschweig gibt es die Aktion, „um die Hütte voll zu bekommen“.

Nett gedacht, aber sind noch mehr undankbare Bruddler im Stadion, die sonst nie zum VfB kommen, es wirklich wert? Die Meisten wird man nach der Aktion nie wieder sehen \“ denn die Mannschaft bleibt den Beweis fortwährend schuldig, dass es sich lohnen würde, Geld zu bezahlen. Wir Dauerkarteninhaber haben schon gezahlt. Was bekommen wir? Jede zweite Woche fußballerische Magerkost, Häme und Demütigung gibts oft gratis dazu. Da fällt es schwer, die Fassung zu wahren.

Die meisten meiner Freunde stehen mit mir in der Cannstatter Kurve, auch fragte mich keiner, ob ich eine dieser „geschenkten“ Karten besorgen kann. Ob die Hütte tatsächlich mal voll wird, blieb abzuwarten, lediglich gegen die Bayern war das Stadion ausverkauft, „dank“ der zahlreichen Gästefans, die sich wie Unkraut selbst im Ländle verteilt haben, die sonst nie ins Stadion gehen, außer dorthin, wo sie schnell hinkommen und zehn Minuten vor Abpfiff schnell wieder wegkommen.

Das Warten auf den Funken

Nun also der siebte Anlauf seit elf Wochen, etwas zählbares mitzunehmen. Ein Heimsieg gegen Hannover, seither alles verloren, teilweise unglücklich, aber meistens dämlich. Der Bock würde umgestoßen werden, ein dreckiges 1:0, dessen war sich mein bester Freund sicher. Und Felix? Auch der ging felsenfest davon aus, dass es gut gehen würde. Wie die Woche davor. Und die Woche davor. Und auch die Woche davor. Und so weiter.

Die innerliche Unruhe beschäftige mich schon einige Tage davor. Im Umfeld der Fanszene hörte mich um, wie die Stimmung bei den einzelnen Fangruppen und Fans so wäre. Ziemlich sicher war man sich in der Tatsache, dass es früher oder später knallen wird, wenn nichts vorwärts geht, wie damals gegen Bochum 2009. Keine schönen Erinnerungen, es machte mir unheimlich viel Angst. Vier einhalb Jahre später scheint man erneut auf einem Pulverfass zu sitzen.

Keiner weiß, wann der Funke kommen wird, der die Lunte entzündet und das Fass hochgehen lässt. Wir stehen direkt darauf, mit dem unguten Gefühl, dass einen auf jedem Schritt und Tritt zu verfolgen scheint. Das Unentschieden in letzter Minute war damals der Auslöser für unschöne Szenen auf den Straßen, gefolgt vom Trainerrauswurf, Markus Babbel musste gehen. Die Lage beruhigte sich und wir zogen ein halbes Jahr später als Rückrundenmeister in den Europapokal ein.

Ein ungutes Gefühl in meinem Kopf

Das fortwährende Image eines gigantischen „Rückrunden-VfB“, der mit dem der Vorrunde fast nichts mehr gemein hatte, setzte sich nahtlos fort. Seit sieben Spielen warteten wir nun, auf den „Rückrunden-VfB“. Ob er noch kommt? Die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null. Warum sollte ausgerechnet gegen die Berliner, die einen Lauf haben, der Bock umgestoßen werden? Nach Wochen der Verunsicherung und der wachsenden Frustration im Ländle? Schön wäre es \“ aber mindestens ebenso unwahrscheinlich.

Dessen war ich mir bewusst. Ich schlief schlecht in der Nacht vor dem Spiel, wachte immer wieder auf, schlief wieder ein, träumte von einer Niederlage und schreckte schließlich im Bett wieder hoch. Den Samstag Vormittag verbrachte ich unbeweglich auf der Couch, dröhnende Kopfschmerzen würden jeden anderen „normalen“ Menschen zum Daheimbleiben bewegen. Nicht uns Fußballfans. Ich habe Spiele mit akuter Bronchitis, einer stark entzündeten Achillessehne und einer frisch operierten Kniescheibe samt Krücken überlebt, warum sollte ich jetzt daheim bleiben?

Erst eine Schmerztablette ließ mich am Mittag wieder aufstehen, das miese Gefühl in mir blieb. Leicht bekleidet oder doch lieber in Zwiebelschicht dick eingepackt? Das Übergangswetter irgendwo zwischen Winter und Frühling macht die Planung schwer, die Jacke musste also mit, recht so, trotz Sonne war der Wind recht frisch. Den Weg zum Neckarstadion säumten viele Polizisten, der Wasen war abgeriegelt, offenbar lernte man von den Geschehnissen vom Spiel gegen Augsburg.

Draufgehen, Grätschen, Gras fressen!

Vor Ort bekam ich noch meine Karte für Frankfurt überreicht, welches für mich ein weiterer Meilenstein sein wird. 200 Spiele werden es in Hessen, umso trauriger, dass es vermutlich auch da kein gutes Ende nehmen wird. Die Unruhe war zu spüren, schließlich ist man alles andere als dick befreundet mit den blauen Kumpels der Karlsruher. Auch die Anspannung des Spieles wegen konnte man vernehmen. Hier und heute eine weitere Klatsche in Kauf nehmen zu müssen, macht die Lage für den VfB immer bedrohlicher.

Hinein in den Block. Ein weiteres Mal mit einem komischen Bauchgefühl. Wird der Bock tatsächlich umgestoßen und geht die Durststrecke weiter? Langsam lief ich die Stufen hinunter, schaute mich um, checkte, wer schon da war, wer noch fehlte. Auch auf den Gästeblock warf ich einen Blick. Nicht besonders proppenvoll, aber auch nicht leer. Die letzten Heimspiele richtete der VfB Pufferzonen um den Gästeblock ein, heute ausnahmsweise nicht, die 2,50 € Aktion zeigte Wirkung und ließ das Stadion voller werden als die letzten Male.

Ein Schwarm Tauben ließ sich auf dem Spielfeld nieder, wild flatternd zogen sie wieder von dannen, als die Mannschaft zum Aufwärmen herauskam. Ein Transparent hielten wir ihnen schließlich hin: „Draufgehen, Grätschen, Gras fressen! Für unseren VfB!“. Bis sie wieder in den Katakomben verschwunden waren, zierten die Buchstaben die Cannstatter Kurve, gut sichtbar für jenen brustringtragenden Spieler, der sich der wichtigen Aufgabe an diesem Nachmittag bewusst sein sollte.

Irgendwie kontraproduktiv

Schon nach dem Spiel in Hoffenheim war ich es leid, darüber zu schreiben. Und doch tue ich es, so schwer es mir auch fallen mag. Auch diesmal werde ich darauf verzichten, das Spiel in voller Länge anzuschauen. Warum auch ein weiteres schlimmes Erlebnis unnötig lange hinaus zögern? Wie ich mich selbst kenne, werde ich am Ende des Tages höchstwahrscheinlich auch nicht unter sechs Word-Seiten bleiben, aber sei es drum.

Samstag, 15:30 Uhr. Perfekte Fußballzeit in einer ganz und gar unperfekten Phase für unseren geliebten Verein. Vor einer deutlich verdichteten Kulisse betraten die 22 Akteure das Feld, angeführt vom Schiedsrichter Robert Hartmann. Ich bin zwar Atheist, aber oh Gott, bitte lass dieses Spiel nicht zur Katastrophe werden. Viele davon ertrage ich nicht mehr, und erst recht nicht der VfB. Sichtlich nervös beobachtete ich den Anstoß und hoffte das Beste.

Viel Grund zum Aufregen gab es in den ersten wenigen Minuten nicht. Ecke für die Hertha, direkt vor der Cannstatter Kurve. Pfiffe. Aber dennoch der Glaube, es würde so früh schon nichts passieren. Denkste. Krummes Ding, den Ball nicht wegbekommen, Ulle nicht mehr dran, 0:1. Bedröppelt schaute ich zu meinem besten Freund rüber. Soviel zum Thema „Dreckige 1:0-Heimsieg“. Das hat sich ja dann erstmal erledigt.

Wer solls richten?

Einen Raunen ging durch die Reihen. Das Darf doch wirklich nicht wahr sein. Viel hatten sie sich vorgenommen, das wollten wir auch hoffen, denn nicht wir Fans sind die, die sich für die Ergebnisse der letzten Wochen verantwortlich zeichnen. Recht schnell drängten sie auf den Ausgleich, nur mit Glück kam Thomas Kraft, der im Hinspiel nur einmal hinter sich greifen musste (was am Ende ausreichte), noch an den Ball. Das wäre es gewesen, schade für Martin Harnik, der gerade jetzt als Alleinunterhalter unter Druck steht.

Der Österreicher machte eine gute Partie, wenn man bedenkt, wie er sich die letzten Wochen tat. Da uns Vedad Ibisevic noch einige Wochen fehlen wird und von Mohammed Abdellaoue abgesehen vom Trainingslager und dem Tor gegen Mainz nicht viel zu sehen war, gilt es umso mehr, Alternativen zu haben. Der Platzverweis gegen Augsburg wog schwer, wer sollte denn nun bitte die Tore schießen?

Das Spiel verflachte. Zeit genug, um Fotos zu machen. Zwar waren mehr im Stadion als die letzten Male, diese neuen Kräfte aber zu mobilisieren ist in solch mageren Zeiten ein hartes Stück Arbeit. Nur wenig kam von denen, die sonst daheim geblieben wären. Am Ende hing es dann doch nur wieder ganz allein an der Cannstatter Kurve. Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen, mehr und mehr wird der Support zum anstrengenden Akt, sollte er doch bereitwillig und voller Inbrunst gelebt werden.

Der Strahl ins Glück

Zwar taten wir Fans uns mitunter ein wenig schwer, man sah zumindest den Spielern an, dass sie wollten. Sie rannten, sie kämpften, sie bemühten sich. Noch immer kein Vergleich zur Energieleistung, die die Partie gegen die Bajuwaren zu Tage befördert hatte, doch immerhin ein kleiner Lichtblick in einem finsteren und langen Tunnel. Nach einer Durststrecke in der Partie zog das Tempo gegen Ende des ersten Durchgangs wieder ein wenig an, ob hier doch noch ein Treffer fällt?

Noch eine Ecke für den VfB, vermutlich die letzte Aktion der ersten Halbzeit. Alexandru Maxim trat sie mit Selbstverständlichkeit. Erinnerungen ans Hinspiel wurden wach, Christian Gentner nickte daraufhin ein zum Tor des Tages. Heute stand er nicht auf dem Feld. Thomas Kraft faustete den Ball gerade noch unter Zuhilfenahme aller 187 Zentimeter Körpergröße, direkt vor die Füße von Arthur Boka, der mehr als 20 Zentimeter kleiner ist.

Es gibt diese Tage, da verstehst du nicht, was der kleine Ivorer auf dem Feld verloren hat. Und es gibt jene Tage, an denen er über sich hinauswächst und zum „Warrior“ wird. Sein brutal wichtiges Tor in Genk werde ich nie vergessen. Und auch dieses hier war nicht weniger schön: kalt, trocken, wie ein Strahl hinein ins Netz. Jaja, der kleine Boka \“ manchmal schießt er bessere Tore, als das er sie verhindert.

Macht einfach noch eins. Einfach?

Mit dem erfreulichen Ausgleich ging es in die Halbzeitpause. Ein unheimlich wichtiges Tor. Was geht hier noch? Am besten noch zwei Tore machen, dann ist Ruhe im Karton. Wenn es doch nur so einfach wäre. Gewechselt wurde zur Pause nicht, es konnte weitergehen. Hoffentlich am Ende mit einem akzeptablen Ergebnis von mehr als null Punkten.

Sie mühten sich, das sah man. Sie gingen drauf, so auch Alexandru Maxim, der einen verloren geglaubten Ball noch zurückholte, in den Strafraum drang und dort gelegt wurde. Kein Pfiff vom Schiedsrichter, viele Pfiffe vom Publikum. Eine Berührung hat es gegegeben, also Strafstoß. Doch wie sagte Andi Brehme damals? „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“.

Mit fortschreitender Spieldauer wurde ich immer nervöser. Schießt der VfB das zweite Tor noch? Schaffen sie es, zumindest unbeschadet ein Unentschieden über die Bühne zu bekommen? Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Der völlig teilnahmslose Herr, der vor mir stand und sich nicht einmal gesanglich oder physisch am Support beteiligte, warf mir lediglich einen genervten Blick zu \“ wenn es ihm nicht passt, dass ich ihm ins Ohr schrei, er hätte ja weggehen können.

Drängen auf den Sieg

Eine Viertelstunde noch, das Hoffen und Bangen wurde größer und größer. Die Kurve gab Gas und setzte zum Schlussspurt an, auf dass uns die Jungs hören und wir ihnen die Kraft geben können, doch endlich dieses vermaledeite zweite Tor zu schießen. Nach einem Rückstand in Führung gehen, das hatte zuletzt geklappt gegen Hannover \“ das letzte Spiel, bei dem es Punkte gab. Martin Harnik verfehlte den Pfosten nur knapp. Das kann doch nicht wahr sein. Die Kurve hatte bereits zum Jubeln angesetzt.

Selbst Gotoku Sakai, der schwere Monate hinter sich hat, setzte zur Offensive an mit einem nicht für möglich gehaltenen Solo übers halbe Spielfeld, toller Abschluss, aber eben auch toll gehalten von Thomas Kraft. Wenn doch nur jeder Versuch ein Treffer wär, ein tolles Tor erzielte er einst in Bukarest. Nur noch wenige Minuten zu spielen. Mein Herz raste heftigst, beschwerte ich mich im Herbst noch über eine Reihe von Unentschieden, dieses hier wollte ich unbedingt, mit Kusshand.

Timo Werner, der oft glücklos agierte in den letzten Wochen, war unterwegs in Richtung Cannstatter Kurve. Hier war Dampf unter dem Kessel, ein einziges Tor und die Kurve dreht durch, im positiven Sinne. Mit unfairen Mitteln gelegt, den Ball hatte er verloren, die Hertha war wieder am Zuge. Wüstes Schreien gegen den sogenannten Unparteiischen, der hier Freistoß hätte pfeifen müssen.

Eine Fehlentscheidung mit Folgen

Viele konnten sich gar nicht wieder beruhigen, „Hängt sie auf, die schwarze Sau!“ muss in besonders schweren Fällen durchaus das eine oder andere Mal herhalten. Mit Ansage dagegen: kaum fällt ein Berliner, gibt es selbstverständlich Freistoß für die Gäste. Wo schon Stunden zuvor die Aggressionen schwelten, drohten sie hier nun ihren freien Lauf zu nehmen. Wenige Minuten vor Schluss also noch ein ruhender Ball für die Berliner. Einer mit Folgen.

Tolga Cigerci führte aus, Sandro Wagner stieg hoch und versenkte unhaltbar per Kopf zum 1:2 aus Stuttgarter Sicht. Drei Minuten vor dem Ende. Ich hab da so ein Dejá vu… Eingeleitet von der Fehlentscheidung des Schiedsrichters, im Gegenzug doch noch die unglückliche Niederlage. Ich war mir nicht sicher, was ich denken, fühlen, sagen oder schreien sollte. „War ja irgendwie klar“ kroch mir schlussendlich dann doch irgendwie aus den Hirnwindungen. Ist ja schließlich nicht das erste Mal.

Mainz, Bayern, Leverkusen und nun Berlin. Vier Spiele in 2014, allesamt verloren in den letzten fünf Minuten. Der Fußballgott ist halt doch manchmal ein echtes Arschloch. Es an ihm fest zu machen ist zu leicht, wie auch alleine an der Fehlentscheidung des Schiedsrichters \“ wer das zweite Tor nicht macht, der… Naja, wir wissen ja, wie dieser Spruch weitergeht.

Wieder nix

Jetzt das Ruder doch noch umreißen? Für jede andere Mannschaft denkbar, doch offenbar nicht für den krisengebeutelten VfB, der jede Woche aufs Neue immer tiefer in die Misere rutscht. Hängende Köpfe, geschädigte Nerven, schlaffe Beine \“ das traurige Bild unserer gefallenen Helden. Langsam liefen die Minuten herunter. Auf den Rängen konnte man genau sehen, wie die Zuschauer zum VfB stehen. 45.700 Zuschauer waren es laut Anzeigetafel, was eigentlich nicht sein konnte. Wir wissen, wie 45.000 Zuschauer im Stadion aussehen.

Gerade einmal zehn Minuten vor Schluss wurde der Berliner Torschütze eingewechselt. Bis zum Schluss bleiben durfte er nicht, binnen zwei Minuten gab es Gelb und Gelb-Rot, aber das war ja mittlerweile völlig belanglos. Die Nachspielzeit vorbei, das Spiel zu Ende, wieder ohne Punkte. Wie man nur so viel Mist und Unglück fabrizieren kann, der VfB zeigt, wie es geht. Die siebte Niederlage in Folge. Leere Gesichter und ein ungewisser Blick in die Zukunft.

An mir huschten die ersten Fans in der Cannstatter Kurve vorbei, weit kamen sie nicht in den engen Treppenaufgängen. Langsam schlurfte die Mannschaft in unsere Richtung. Ob der Applaus ironisch oder ernst gemeint war, vermag ich noch nicht einmal genau zu urteilen. Die Köpfe hängen immer tiefer, unheimlich traurig, das alles mit anzusehen. Sie diskutierten ein weiteres Mal mit den Ultras, vermutlich weniger aggressiv als noch gegen Augsburg.

Das Ende aller Hoffnung?

Wieder stand ich frustriert da, mit leeren Händen und einem schweren Gemüt. Ein Blick auf die Anzeigetafel. Hamburg hat mit 3:0 gegen Dortmund gewonnen. Schöne Scheiße. Nun sind wir punktgleich mit denen, die wochenlangen Hohn und Spott ertragen mussten, als Absteiger schon oft genannt wurden. Mit 19 Punkten und nur vier Tore besser als die Hanseaten stehen wir weiterhin auf Platz 15. Hätte Freiburg gewonnen, wären wir nun auf dem Relegationsplatz.

Recht schnell kam Felix zu mir. Er versuchte mich zu trösten, selbstredend ohne jeden Erfolg. „Das wars“ bruddelte ich vor mich hin. Eine durchaus ernst gemeinte Aussage. Still und leise verließen wir das Stadion, schneller als je zuvor. Schnell weg hier, bevor es vielleicht noch draußen knallt. Wenn Stuttgarter auf Berliner treffen, möchte ich nicht mittendrin stehen. Fest hielt er meine Hand, als wir die Mercedesstraße und Daimlerstraße bis zum Cannstatter Carré hinunter liefen.

Wortlos setzte ich mich an den Rechner, schob die Speicherkarten in den Rechner und feilte an einer ausgewogenen Bildauswahl der heutigen Partie. Es wäre vermutlich besser, mich langsam mit einem möglichen Abstieg zu arrangieren. Wenn es nicht eintritt, freut es mich umso mehr. Ich werde weiterhin in der Kurve stehen. Und insgeheim hoffen, dass es irgendwie noch klappt. Zwölf Spiele haben sie noch Zeit.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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