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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

So spielt ein Absteiger

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Das wars. Nach einer derart blutleeren Vorstellung wie am Mittwochabend im Frankenland, dürften selbst die letzten Optimisten ihre Hoffnung verloren haben. Im Ländle geht die Angst um, in den Augen der VfB-Fans steht geschrieben: „Das wars“. Wo wollen wir die Punkte denn noch holen? So richtig weiß ich nicht, was ich sagen soll. Deswegen werde ich mich heute kurzfassen. Arbeitsverweigerung trifft es am ehesten, wenn es darum geht, die Leistung der Mannschaft zu beschreiben.Und das mitten im Abstiegskampf. Fast so, als wäre es ihnen völlig egal.

Es hätte so ein schöner Tag in Franken sein können. Wir gönnten uns einen freien Tag und freuten uns regelrecht darauf, denn ein weiterer Sieg in Nürnberg, nur wenige Tage nach dem Befreiungsschlag gegen Hamburg, wäre Gold wert und würde weiteres Selbstvertrauen für die restlichen ausstehenden Spiele geben, die alles andere als einfach werden. Stunden später war das alles wieder hinfällig und wir fuhren mit hängenden Köpfen heim.

Was ist nur los? Ich habe keine Erklärung. Niemand scheint die zu haben. Wie kann man sich erdreisten, derart lustlos in eine Partie gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten zu gehen, jedweden Biss und die Leidenschaft vermissen lassen, die es in diesen schweren Stunden braucht, und sich dann auch noch nach dem Spiel hinzustellen und zu behaupten, man habe leider nur 90% gegeben? Das waren weder 90%, noch verstehe ich nicht, warum man sich nicht jedes Spiel den Arsch aufreißt.

Mit voller Entschlossenheit ins Frankenland

Wir dachten alle, sie hätten verstanden. Dieser Sieg gegen die Hamburger am vergangenen Samstag, nach so langer Zeit endlich mal wieder. Sie können gewinnen, und vor allem, ihnen wurde aufgezeigt, dass es eben nicht immer in den letzten zehn Minuten ein Gegentor braucht. Ich dachte, sie hätten verstanden. Es würde Auftrieb geben, Kraft, und den Willen, jetzt einfach immer weiter zu machen. In Nürnberg drauflegen, sonst ist der Sieg gegen den HSV nur wenig wert. Und dennoch waren wir entschlossen und optimistisch, selbst ich. Nur die Mannschaft nicht. Warum?

Das alles ahnte ich noch nicht, als ich am frühen Mittwochmorgen aus dem Bett hüpfte. Freilich ist es schwer, sich in dieser harten Zeit zu motivieren, doch war ich mir sicher, dass der Sieg einiges ausgelöst hatte, vor allem würde er die blockierten Köpfe der Mannschaft befreien, dessen war ich mir sicher. Schnell noch ins Fitnessstudio, ein wenig Haushalt gemacht und eine Kleinigkeit schnabuliert, bevor wir nach Weinstadt-Beutelsbach aufbrachen, wo ein weiteres Mal die Reise starten sollte.

Ein mulmiges Gefühl umgab mich dann schon, als Fahrer Gerd bei Aalen aufmerksam machte: \“Übrigens, hinter diesem Tunnel ist das Aalener Stadion, falls es mal irgendjemand braucht\“ – ich würde zu gern darauf verzichten, meine Auswärtsspiele künftig in Aalen, Sandhausen und Aue zu machen. Ein weiterer Alptraum droht ebenfalls: Lust auf ein Punktspiel in meiner Heimatstadt habe ich noch am allerwenigsten. Nach einer ruhigen zweistündigen Fahrt erreichten wir das Nürnberger Clubgelände, wo wir parkten und mit der S-Bahn in die Stadt reinfuhren.

3.000 VfB-Fans unter der Woche

Lange war ich entspannt. Ein wenig nervös wurde ich dann jetzt trotzdem. Petrus war uns gewogen, es war nicht besonders warm (die Strumpfhose musste mit), doch regnete es nicht. Nichts kann man am Spieltag weniger brauchen als jedwede Form von Niederschlag. Knips, knips, knips, wieder wurde alles fein säuberlich dokumentiert. Eines muss man Nürnberg lassen, ein schönes Städtle ist es schon. Von den Gassen der Innenstadt bis hoch zur Kaiserburg, es war ein ruhiger und entspannter Tag.

Fußballfans begegneten uns nur recht wenige, erst, als wir zum Stadion aufgebrochen waren, säumten sie unseren Weg. Mit der S-Bahn zum Stadion. Noch immer konnte uns nichts in unserem Glauben beirren, drei Punkte mit nach Stuttgart zu nehmen. Wie sehr wir uns doch täuschen würden. Die große Kamera war dabei, dank freundlichem Support der Nürnberger Fanbetreuung. Vor uns erhoben sich die Flutlichtmasten des Stadions, welches ab nächster Saison den Namen \“Max-Morlock-Stadion\“ tragen wird \“ ein Sieg für die Ultras, auch wir unterstützen sie einst dabei.

Der Block war bereits gut gefüllt. Um die 3.000 Stuttgarter hatten sich auf den Weg gemacht. Gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass dieses Spiel unter der Woche ist. Wie sehr sie mir doch irgendwie gefehlt haben, die englischen Wochen \“ trotz allem kann nichts über die Tatsache hinwegtäuschen, dass mir das Europapokal-Aus gegen Rijeka sowie dem Pokal-Aus in Freiburg schwer zu schaffen gemacht hatte. Damit war es dann vorbei mit den Spielen unter der Woche.

\“Bringt unsere Augen zum Leuchten\“

Ein weiteres Mal sichteten Felix und ich viele bekannte Gesichter. Kurz den üblichen Verdächtigen Hallo gesagt und wieder nett geplaudert. Die Stimmung war entspannt, bei mir zunehmend nicht mehr so wirklich. Die Nervosität hatte mich jetzt doch im Griff, was ich meine Bekannten und Freunde auch spüren ließ. Drama, Baby! Der VfB muss gewinnen, um sich auch gegen die schweren nächsten Spiele etwas ausrechnen zu können, die Kraft des Willens darf man hierbei nicht unterschätzen.

Schon längst war es dunkel, als kurz vor Acht die Mannschaften einliefen. Nur leider sah ich sie nicht dabei. Vor mir prangte plötzlich ein riesiges Banner, dahinter erkannte ich schemenhaft orangenes Leuchten. Verdammt! Durch die Masse hindurch rannte ich die Treppenstufen nach oben, um es sehen zu können. \“Bringt unsere Augen zum Leuchten\“ – unter diesem Banner erstrahlte die Nürnberger Heimkurve mit zahlreichen bengalischen Feuern, ein durchaus netter Anblick.

Als das letzte Feuer erloschen und jede Lautsprecherdurchsage runterdiktiert war, konnte es losgehen. Auf geht’s, Jungs, alles geben! Das gilt natürlich auch für uns mitgereisten Anhang, der nichts lieber sehen wollte als eine aufopferungsvolle Darbietung, Kampf bis zum Schluss, Gras fressen, Leidenschaft \“ und am Ende, drei weitere Punkte für den Klassenerhalt, den bisher keiner so wirklich abgeschrieben hatte. Zumindest vor dem Spiel nicht.

Eine indiskutable Vorstellung

Mittlerweile ist es Samstagmorgen, in wenigen Stunden geht es weiter zum Neckarstadion, Dortmund kommt. An dieser Stelle müsste ich spätestens jetzt das Spiel noch einmal Revue passieren lassen. So oft habe ich mir selbst bei den grausigsten Partien alle 90 Minuten noch einmal angesehen. Heute habe ich noch nicht einmal Lust auf die Highlights. Denn es gab ja nicht wirklich welche. Das einzige, was die Mannschaft erwähnenswert erbracht hat, war vor dem Spiel aufs Feld zu laufen und nach Abpfiff zu behaupten, sie wären gut ins Spiel gekommen.

Dazwischen gab es nichts, was von großem Wert gegeben wäre. \“Indiskutabel\“ trifft es wahrscheinlich am Meisten. Dass sie sich nicht schämen, ihren ohne jeden Zweifel erstklassigen Fans so etwas Zweit- nein, Kreisklassiges anzubieten, entbehrt jeglicher Logik. Alles, was wir nach Hamburg wieder hoffen durften, alles, woran wir wieder geglaubt hatte, alle unsere Hoffnung: verpufft. Wenige Spieltage vor dem Ende steht unser geliebter Verein schon vor dem fast sicheren Aus.

Die ersten Minuten waren schon rum, Nürnberg schien nicht wirklich viel einzufallen. Der VfB stand bisher sehr gut, aber unternahm nach vorne einfach nichts. Wir schrien, klatschten und sangen \“ es schien ihnen egal zu sein. Worauf wollt ihr noch warten, Nürnberg wird sicherlich keine Eigentore schießen wollen, damit wir das Spiel gewinnen können. Behäbig trabten sie über den Platz, von Leidenschaft keine Spur. Anfangsmüdigkeit, das will ich ihnen in den ersten Minuten mal durchgehen lassen, aber danach wollen wir etwas sehen! Wir warten bis heute.

Auftrieb vom Hamburg-Spiel? Wo denn?

An uns Fans soll es nicht scheitern. Auch in schweren Zeiten stehen wir zusammen, und wenn sich 3.000 Leute auf den Weg machen, fahren sie ja sicher nicht ganz ohne Hoffnung. Der Support war da. Wie gern würden wir am Ende jubeln, nach langer Durststrecke kann der Sieg gegen Hamburg doch nicht wirklich schon Alles gewesen sein. Wollen wir hoffen, dass unsere Lieder bei der Mannschaft ankommen. Wir stehen hinter euch, macht was draus.

Ob sie uns wegen der dazwischenliegenden Laufbahn nicht gehört haben? Lediglich ein ganz akzeptabler Angriff über rechts, Konstantin Rausch traf allerdings nur die Latte. Schade! Es war aber die einzige richtig nennenswerte Möglichkeit. Wer weiß, wie das Spiel sonst ausgefallen wäre. Momentan bin ich mir wegen gar nichts sicher. Ich habe das Spiel gesehen, und es macht mir Angst. Im weiteren Verlauf sahen wir stattdessen, wie die Hausherren immer stärker wurden.

Sie schienen begriffen zu haben, worum es geht. Das wäre mir bei meiner eigenen Mannschaft aber natürlich viel lieber gewesen. Immer wieder tauchte der Club vor Sven Ulreich auf, der kaum noch wusste, wohin mit sich. Unterstützung von der Abwehrreihe kam augenscheinlich nur sehr widerwillig. Wenn sie die Nervosität nicht abschalten und die kämpfenden Nürnberger nicht in den Griff bekommen, wird das hier schon sehr bald nach hinten losgehen.

Logische Schlussfolgerungen

Wie sie es geschafft haben, 43 Minuten lang stand zu halten, weiß ich nicht. Schließlich passierte das Unvermeidliche, wenn du so herzlos zu Werke gehst wie die Spieler, die an diesem Tage den Brustring nicht verdient haben. Ohne jeglichen Biss liefen die Jungs nur hinterher, als Josip Drmic immer näher in Richtung Tor lief, keiner schien ihn bei seinem gemütlichen Ausflug am Samstagabend stören zu wollen. Schon stand es 1:0 für die Gastgeber, und man konnte noch nicht einmal sagen, dass es unverdient gewesen wäre.

Dabei hätte ein einfacher Blick auf die Torschützenliste der Bundesliga schon ausgereicht, um die Alarmglocken Schrillen zu lassen. Josip Drmic steht mit (vor der Partie) 16 Toren und drei Vorlagen weit oben, noch vor unserem vermeintlichen \“Top-Torschützen\“ Vedad Ibisevic, der erst 13 Tore erzielt hat. Die Häme der anderen mussten wir uns anhören und ansehen. Auf dem Oberrang hämisches Winken, Wappenküssen, Gesten des Spottes. Mit vielem hatte ich gerechnet \“ nur nicht mit einer derart faden Vorstellung.

Dann war Pause. Frust ohne Ende, und nur wenig Hoffnung, dass es besser wird. Was muss passieren, dass Huub Stevens den Jungs Beine macht? Er hat ja nur 15 Minuten Zeit. Konstantin Rausch und Martin Harnik, die beide blass waren, blieben draußen, für sie kamen Alexandru Maxim und Timo Werner. Ein positives Signal, wollte man zumindest meinen. Unglaublich, was wir im ersten Durchgang sehen mussten.

Kein Kampf, keine Leidenschaft, keine Punkte

\“Es kann nur besser werden\“, meinte einer, der hinter mir stand. Muss nicht. Und wird auch nicht. Alexandru Maxim gab kurz nach Wiederanpfiff die Vorlage auf Ibrahima Traoré, an einem derart bescheidenen Fußballtag war es jedoch nicht weiter verwunderlich, dass da nur ein schwaches Schüsschen abgegeben wird, was von den Heimfans lediglich amüsiert belacht wird. Ist das wirklich schon alles, was ihr heute könnt? Die Hoffnung schwand, dass hier noch etwas Zählbares rausspringt.

Und wenn du die Scheiße sowieso schon am Fuß hast… siehst du, wie deine Mannschaft (mal wieder) in einen Konter läuft, wohlgemerkt gegen das schlechteste Heimteam der gesamten Liga, langer Ball von der Seite, keine Gegenreaktion vom \“Abwehr\“spieler Daniel Schwaab, wieder Josip Drmic, 2:0 für den Club. Ich war völlig bedient. Wie kann man nur so unheimlich dämlich sein. Das Kicken verlernt, den Kampfgeist ohne ersichtlichen Grund schon vor dem Spiel in der Kabine gelassen, einfach nur unverständlich.

Erst 54 Minuten waren gespielt, als Nürnberg das bittere zweite Tor erzielte. Von Gegenwehr war nichts zu sehen, also stellte sich nun nur noch die Frage, wie viele Tore der VfB noch kassieren würde. Ein paar mehr wären es beinahe noch geworden. Bezeichnend, dass auch Alexandru Maxim mit einem möglichen Anschlusstor scheiterte und Raphael Schäfer gegen seinen Ex-Club wieder einmal zu Höchstleistungen auflief. Auch Timo Werner machte es nicht besser.

Nichts zu Holen

Das war es dann auch schon. 90 Minuten im Schnelldurchlauf. Ein Alptraum, eine Blamage, eine unsäglich indiskutable Vorstellung, die die Mannschaft hier gezeigt hat. Sie haben gar nichts begriffen, überhaupt nichts. Die Pfiffe mussten sie sich anhören, über die Bande kletterten sie nicht. Vermutlich aus Angst und Schamgefühl, wenn überhaupt. Schnell kehrten sie uns den Rücken zu. Denen, die Woche für Woche dabei sind, die quer durchs Land reisen, um sie zu unterstützen. Sie zeigten nicht nur miese Leistungen, sondern nun auch noch die kalte Schulter.

Was soll man dazu sagen? Bereits Minuten vor dem Abpfiff war der Gästeblock verstummt, die Köpfe hingen tief und die Stimmung war am Boden. Etwas derartiges hatten wir nicht erwarten können. Psychologisch gesehen waren wir dabei sogar im Vorteil. Daraus etwas gemacht hat die Mannschaft nicht. Ängstlich, lustlos, unmotiviert. Ich kann gar nicht genug Worte für das aufzählen, was ich in Nürnberg sehen musste. Es war alles, nur kein Abstiegskampf.

Bald machten wir uns auf den Heimweg, kurz vorm Verlassen des Stadions fiel schließlich auch noch meine Kamera mit dem Telezoom-Objektiv vorneweg auf den Boden. Oh Gott! Kamera an, funktioniert noch. Vorsichtig am Objektiv gedreht, ein kleiner Knack. Sonst nichts weiter. Nochmal Glück gehabt, so schien es zunächst. Durch zahlreiche Nürnberger hindurch machten wir uns auf den Weg zur Bahnhaltestelle, auf dessen anderer Seite das Auto stand.

Das war der halbe Abstieg

Ewig lang mussten wir uns durch sie hindurch quetschen. Sie lachten, sangen und tanzten, spotteten über den VfB, der schlichtweg zu dämlich war. Und damit hatten sie vollkommen recht. Bereitwilliger hätte man dem direkten Abstiegskonkurrenten die Punkte nicht überlassen können, eine wahre Glanzleistung in Sachen Arbeitsverweigerung. Sich nichts anmerken zu lassen gehört nach einem verlorenen Auswärtsspiel zu den schwersten Dingen.

Die Arbeit rief. Die komplette Heimfahrt brachte ich damit zu, die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Zwei Stunden später, als wir wieder daheim waren, war ich jedoch noch nicht fertig. Ich saß noch bis nachts, erst nach drei Uhr waren die Fotos fertig. Frustriert ging ich schlafen, um vier Stunden später wieder aufzustehen. Die Arbeit ruft. Im Gegensatz zu Felix hatte ich den Donnerstag keinen Urlaubstag genommen. Hätte ich mal lieber.

In diese Nacht starb bei vielen Fans die Hoffnung, dass es der VfB noch schaffen würde. Das Restprogramm, die Null-Bock-Einstellung der Mannschaft und die Tatsache, dass es alle anderen Mannschaften im Abstiegskampf begriffen haben, worum es geht \“ das alles, macht uns große Angst und bestärkt uns nicht gerade in dem Glauben, dass es am Ende der Saison doch noch reicht. Wenn es ganz dumm läuft, müssen wir gar hinter den Braunschweigern als Tabellenletzter runter. Die sind nur noch drei Punkte entfernt. Und nun kommt Dortmund. Mir schwant Böses.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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