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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Die lähmende Angst vor dem Tor

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Warum tu ich mir das eigentlich noch an? Weil ich es mir so ausgesucht habe. Mit einem schweren Kopf hänge ich motivationslos über der Tastatur. Nur langsam setzt die Wirkung der Schmerztablette ein, die ich mir vor wenigen Minuten eingeworfen hatte. Es trifft die aktuelle Situation beim VfB ganz gut – die Sorge um den eigenen Verein verursacht Kopfschmerzen. Immer wieder kreisen meine Gedanken um das Unabwendbare, das uns bevorsteht, wenn der Schalter nicht umgelegt wird. Dabei dachten wir alle, es könne nicht schlimmer kommen als in der vergangenen Saison.

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Der Schädel brummt, nicht von den zwei Radler, die ich im Hirschgarten beim alljährlichen Kulturprogramm zu mir genommen hatte, vielmehr das wechselhafte Wetter und das nächtliche Bearbeiten der Fotos. Jetzt auch noch das Spiel in voller Länge anschauen zu müssen und einen schriftlichen Erguss über das zu formulieren, das uns Woche für Woche verzweifelter werden lässt, fällt gerade nach solchen Partien nicht leicht.

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Dabei hatte man es durchaus kommen sehen. Oder wer hatte ernsthaft an einen Auswärtssieg gedacht? Vielleicht, eventuell, unter den perfekten Voraussetzungen, falls der VfB einen richtig guten und die Bayern einen richtig schlechten Tag erwischen, dann möglicherweise, könnte man in Erwägung ziehen, dass… Es hätte einige kleine und große Wunder gebraucht. Am Abend fuhren wir wieder heim, erwartungsgemäß mit null Punkten und der Frage, wie lange dieses Elend noch anhalten würde.

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„Was erwartest du?“ – „Nichts!“

Auf die Frage, was ich denn von der Partie erwarten würde, antwortete ich seit Tagen stets mit „Nichts“ – der Glaube in die eigene Mannschaft hatte nicht nur in der zurückliegenden Spielzeit schwer gelitten, auch die ersten Wochen waren alles andere als einfach, doch auch das kam nicht überraschend, man wusste ja schließlich frühzeitig über das schwere Auftaktprogramm Bescheid. Wie schwer sich der VfB doch tun würde, selbst gegen jene, die vermeintlich schlagbar gewesen wären, lässt uns für die nächsten Wochen nichts Positives erahnen.

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Natürlich tut man es sich trotzdem an. Ohne Hoffnungen und ohne jeglichen Glauben an Erfolg würden viele Andere vermutlich eher daheim bleiben und sich das Spiel – wenn überhaupt – auf Sky anschauen. Diese Frage stellt sich nicht. Da steht man eben früh morgens, oder auch mal gar mitten in der Nacht auf, und macht sich auf den Weg zum Auswärtsspiel, völlig unabhängig davon, ob denn für die Strapazen zumindest ein Punktgewinn zu erwarten ist.

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Die meisten Sachen fürs anstehende Spiel in München bereitete ich schon am Abend zuvor ordentlich vor, Laptop, Kamera, Geldbörse mit Tickets, nur das Vesper musste morgens um sechs Uhr noch gerichtet werden. Eines der wenigen Auswärtsspiele mit kurzen Anfahrten sollte auch in dieser Saison im Münchner Hirschgarten zelebriert werden, eine mittlerweile doch sehr lieb gewonnene Tradition.

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Entspanntes Kulturprogramm

Gut ein Drittel der Fahrt hatte ich geschlafen, wie auf nahezu jeder Auswärtsfahrt. Unsere erste Station war der Westpark mit seinem Rosengarten und dem japanischen Garten. Das Wetter war gnädig und hielt sich zurück mit der für den ganzen Tag angekündigten Regenwahrscheinlichkeit von 90%. Nach einem Spaziergang ging es schließlich weiter zum Hirschgarten. Zu zehnt saßen wir an einem überdachten Tisch, tranken Bier und Radler und schnabulierten Weißwürste, Schnitzel, Haxn und mehr.

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Bei prächtiger Stimmung wurde viel gelacht, Kumpel Marco ließ sich zu der leichtsinnigen Aussage hinreißen, er würde seine langjährige Freundin Saskia dann heiraten, wenn der VfB in München gewinnt. Der ganze Tisch wurde hellhörig und so schnell wurde aus einem vermeintlichen „Das wird so schnell eh nicht passieren“ ein optimistisches „Alleine dafür wärs doch witzig“. Und schon waren wir mittendrin in einer amüsanten und spontanen Hochzeitsplanung.

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Viel zu schnell war der rückwirkend betrachtet angenehmste Teil des Tages vorbei und wir brachen auf in Richtung Schlauchboot. Wo sich sonst ein kribbelndes Bauchgefühl mit Hoffnungen und Angst vermischt, war mir einfach nur noch übel bei dem Gedanken an das, was uns vermutlich bevorstehen würde. Optimisten würden sagen „Hoch gewinnen wir heute nicht“. Ich frage mich eher: „Wie hoch verlieren wir heute?“

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Eine erschreckende Bilanz

Alle Jahre wieder führte uns unser Weg zum Wohngebiet nahe der Bahnstation Kieferngarten, von wo aus wir zu dem langen Fußmarsch aufbrechen. Mitten ins Nirgendwo gesetzt in ein weitläufiges Gebiet ohne ernsthaft vernünftige öffentliche Anbindung ein Graus für jeden gehandicapten oder fußlahmen Fußballfan. Derzeit laboriere ich erneut an Achillessehnenproblemen, im Vergleich zu vor gut einem Jahr hat es diesmal die rechte Seite erwischt.

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Jeder Schritt schmerzte, viele weitere Schritte hat man noch vor sich – bezeichnend auch für die aktuelle Stimmung. Es tut weh, jedes Mal aufs Neue, doch statt stehen zu bleiben, laufen wir weiter, in der Hoffnung, eines Tages am Ziel anzukommen, ob schnurgerade aus oder humpelnd und schleppend. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, als wir uns an zahlreichen Kunden und Erfolgsfans vorbei drückten, um zu einem Stadion zu kommen, das mir noch nie ein schönes Erlebnis beschert hat, auch nicht mit der Nationalmannschaft.

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„Mädel, spar dir das Geld, da kommt eh nichts Vernünftiges raus!“ – es waren die Wortes unseres langjährigen Kumpels Philipp im März 2010, der mir geraten hatte, auf das anstehende Auswärtsspiel am 28. Spieltag der Saison 2009/2010 zu verzichten. Der VfB gewann mit 2:1 beim Rekordmeister, noch heute berichten meine Freunde von diesem erfreulichen Spiel. Meine Bilanz in der Allianz Arena ist dagegen eher ernüchternd: 2:1, 2:0, 6:1 und 1:0, somit 11:2 Tore in vier Spielen. Nur in Wolfsburg ist meine Bilanz noch schlechter.

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Jetzt oder nie

Kaum den langen Marsch bis zum Einlass überstanden, ging es die unzähligen Treppenstufen in den dritten Stock hinauf, der lieblos unter das Dach gesetzte Gästeblock weit weg vom Spielfeld, zusammengepfercht zwischen Ordnern und Polizisten und mit bescheidenen Lichtverhältnissen für jeden Fotografen. Willkommen zurück in München, in dieser tollen Stadt, wenn da nicht dieser Verein wäre. Die meisten der gut 6.200 mitgereisten Fans waren bereits im Gästeblock verteilt, leere Bereiche und vor allem die Auswahl an guten Fotopositionen war bereits gab es schon nicht mehr.

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Immer wieder drückten mich die Ordner in die Reihen zurück, welch überhebliches und peinliches Gehabe, jedes Jahr aufs Neue. Punkt 15:30 Uhr war es soweit, unter wehenden Fahnen begrüßten wir den VfB auf dem Spielfeld, mit dem Willen, zumindest auf den Rängen den Bayern den Schneid abzukaufen. Hoffentlich würde es bald vorbei sein, und hoffentlich wird es nicht ganz so schlimm, ein katastrophales Torverhältnis brauchen wir sicherlich nicht zu Beginn der Saison. Oder anders: Das braucht man eigentlich nie.

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Es war ein guter Zeitpunkt, die Bayern zu schlagen, meinte Armin Veh in der vorausgehenden Pressekonferenz. Mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen wurde mir nun erst nach dem Spiel bewusst, wie Recht er damit hatte. Umso beschämender, enttäuschender und frustrierender, dass offensichtlich die halbe Kraft reichte, um uns ein weiteres Mal das Genick zu brechen, und damit auch jegliche Hoffnungen auf Besserung.

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Nichts zu melden

Armin Veh brachte den zuletzt (nicht zu Unrecht) gescholtenen Moritz Leitner, und im Sturm durfte weiter Vedad Ibisevic sein Glück versuchen. Hinter ihm liegen Tage des Shitstorms, ein Interview tauchte aus dem Nichts auf, wie ein Schlag in die Fresse eines jeden VfB-Fans. Er habe größere Ambitionen, war da zu lesen. Nach einigen stillen Tagen dementierte er alles auf Facebook, stellte alles als Lüge dar und stelle sogleich sein Profilbild und Titelbild im Brustring-Trikot ein. Was soll man davon halten?

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Der Ball rollte. Von nun an war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Unglück beginnen würde. Auf der Suche nach dem Optimismus habe ich einige Rückschläge mit ansehen müssen, nicht ganz unverständlich also, dass ich nach guten Gedanken zunächst lange suchen muss. Kaum zehn Minuten war die Partie alt, da bekam man das erwartete Bild in aller Deutlichkeit zu sehen: der VfB würde auf dem Rasen nicht viel zu melden haben. Immer weiter ließen sie sich in die eigene Hälfte zurückdrängen.

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Viel lief nicht zusammen, aber das überraschte nicht wirklich. Stattdessen kamen die Gastgeber immer häufiger vor das Tor von Sven Ulreich, der sicherlich auch schon einmal bessere Phasen in seiner Karriere hatte. Doch er war da, als es nach einer guten Viertelstunde wichtig war: eine gefährliche Flanke von Jerome Boateng landete auf dem Kopf von Thomas Müller, Ulle parierte spektakulär zur Ecke – tolle Aktion, dachten wir noch, und erfreuten uns zumindest am torlosen Zwischenstand.

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Ohne Offensive keine Tore

Die Stimmung war gut bei den mitgereisten Fans, von denen viele sicherlich auch Schönwetter-Fans sind, die stets nur zu den Spielen gegen Bayern ins Stadion kommen, ob daheim oder auswärts. Die Unentwegten in den Blöcken 344 und 343 gaben Alles, um Gehör zu finden, die verzerrte Wahrnehmung durch die Platzierung des Gästesblocks lässt mich letztendlich nicht ganz sicher sein, ob davon so viel in der Südkurve angekommen ist, wo sie seit dieser Saison das „Stuttgarter Modell“ eingeführt haben, ein revolutionäres System für Stehplatzbereiche. Wenigstens da werden wir der Abkürzung „VfB – Vorbild für Bayern“ gerecht.

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Offensive? Was ist das gleich nochmal? Die Mannschaft scheint es vergessen zu haben, und auch wir Fans erinnern uns kaum noch an jene Zeiten, in denen der VfB mal mehr als ein Tor geschossen hat (oder wo er überhaupt mal getroffen hat), Zeiten, in denen auch ein Punktgewinn in München kein Ding der Unmöglichkeit war. Es waren glückliche Zeiten.

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Die Geschichte der ersten Halbzeit ist weitgehend schnell erzählt. Geprägt von Ballverlusten und Fehlpässen, ergänzt von einer bemerkenswerten Harmlosigkeit in der Offensive. Ein Schreckensbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Gemütlich spielten sich die Gastgeber den Ball zu, große Angst vor einer Gegenwehr mussten sie ja berechtigterweise nicht haben, angesichts dieser Lustlosigkeit.

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Durch die Beine zum Rückstand

In der Absicht, den Ball zu spielen, sah Oriol Romeu nach 27 Minuten die gelbe Karte, es folgte ein unvermeidlicher Freistoß. Xabi Alonso stand bereit, der neue Millionenmann aus Spanien. Ich wollte nicht hinsehen, fast so, als hätte ich gewusst, was kommt. Gerade noch konnte Martin Harnik per Kopf klären, konnte aber nicht verhindern, dass der WM-Final-Torschütze Mario Götze aus der zweiten Reihe abschließen konnte. Da stand es 1:0 für die Gastgeber und der Gästeblock verstummte für einige Momente.

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Kurz jubelten sie, die vielen Kunden und Erfolgsfans sowie die wenigen leibhaftigen FCB-Anhänger, die ebenso für den Fußball leben wie wir auch. Mögen wir auch keine Freunde sein, die Liebe zu diesem Sport und zu unseren Kurven eint jede Fanszene eines jeden Vereins. Die meisten setzten sich bald wieder brav hin und folgten dem Spiel, als wäre nie etwas gewesen, wortlos und emotionslos, der Hauptgrund für die weitgehend maue Stimmung im Schlauchboot.

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Schnell schüttelten sich die meisten, die an diesem Nachmittag den Gang nach Canossa angetreten sind, schon bald wurde wieder ungehemmt laut gesungen, geklatscht und unterstützt, bemerkenswert, gemessen an der Harmlosigkeit, die der VfB hier im ersten Durchgang darbot. Doch sie gaben nicht auf und ließen sich nicht zugleich abschlachten, auch das haben wir hier in Fröttmaning schon anders erlebt.

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„Hoffentlich wird’s nicht so schlimm“

Wieder lag der ewig verletzte Holger Badstuber am Boden, dabei hatte er gerade erst wieder sein Comeback nach zwei Jahren Verletztungspause gegeben. Wieder das Knie, für ihn kam Autoschieber-Sprössling Gianluca Gaudino, dessen Vater von 1987 bis 1993 beim VfB spielte und nicht immer mit seinen fußballerischen Qualitäten von sich Reden machte. Zu sehen, dass ein Siebzehnjähriger mit einer fast schon bemerkenswerten Routine für den Rekordmeister aufläuft, während ein Achtzehnjähriger Timo Werner früh gehypt wurde und seither in seiner Weiterentwicklung stagniert, ist traurig mit anzusehen.

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Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, der unter VfB-Fans aufgrund seiner „Bayern-Bilanz“ nicht gerne gesehen ist, pfiff nach einer Minute Nachschlag zur Pause. Dezenter Applaus im Gästeblock, man wusste nicht so ganz, wie man es einordnen sollte. Auf einer der grauen Sitzschalen machte ich es mir für wenige Minuten bequem, sehr angenehm, nach stundenlangem Stehen und Laufen etwas Entlastung für die angeschlagene Achillessehne zu bekommen. Um mich herum hielt sich die Frustration noch in Grenzen, für mich selber wollte ich noch kein Zwischenfazit fällen.

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So gut der VfB auch in den letzten zwei Spielen gegen die Bayern agierte, so leidenschaftlich und voller Wille, es waren stets die letzten Minuten, die aus einem „Hoffentlich wird’s nicht so schlimm“ erst in den letzten Sekunden eine noch viel schmerzhaftere Erfahrung gemacht hatten. Es ist erst vorbei, wenn es wirklich vorbei ist. Das haben wir in der letzten Saison nicht nur aus den beiden Spielen gegen die Bayern gelernt.

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Gefeierte Auswechslung

Schnell gab der Stadionsprecher noch die Auswechslungen bekannt. Für Vedad Ibisevic sollte von nun an Neuzugang Filip Kostic spielen, lauter Applaus brandete auf im Gästeblock. Was sich angesichts der Chancenlosigkeit und der unbeschreiblich zähen Flaute des Bosniers bereits angedeutet hatte, versetzte mir durch eine derartige Reaktion dann doch einen gefühlten Leberhaken. Bei vielen Fans ist er bereits unten durch, die wenigstens vertrauen darauf, dass der einstige Knipser mit der Nummer Neun wieder zur Top-Form kommt und wie in schönsten Zeiten ein schönes Tor nach dem anderen erzielt.

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Ich war erschrocken. Eine solche heftige Reaktion hatte ich nicht erwartet, und sei die Enttäuschung über seine Flaute und seinem Umgang mit einem ominösen Interview auch noch so groß, eine solche Aktion ist aktuell mit Sicherheit alles andere als hilfreich. Die Pfiffe hat er gehört, er saß bereits auf der Bank. Ob ihn das motiviert, in den nächsten Wochen gefährlicher zu sein und mehr Tore zu schießen, möchte ich an dieser Stelle gerne in Frage stellen.

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Gerade war der zweite Durchgang angepfiffen, da sorgte Filip Kostic gleich schon für Aufregung, ein direkter Pass von Martin Harnik direkt in den Lauf des Serben, der sich den Ball aber dann doch wenige Zentimeter zu weit vorlegte. Wie knapp wenige Millimeter und Zentimeter über Glück und Unglück entscheiden können, wäre hier die Flanke in den Strafraum gekommen, hätte dies der Ausgleich sein können.

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Nur ein einziges Tor

Schon jetzt könnte die Saison doch schon so viel anders aussehen, wenn es das Wort „Hätte“ nicht gäbe. Dass man beim VfB die Theorie gut kann, in der Praxis aber immer wieder an sich selbst und den manchmal limitierten Mitteln scheitert, weiß man auch nicht erst seit gestern. Wirklich so schlecht, wie erwartet, agierte die Mannschaft in der zweiten Hälfte gar nicht, doch wer sich nicht traut, sich ein Herz zu nehmen und mutig gegen eine Mannschaft aufzutreten, die zur Hälfte aus Weltmeistern besteht, der hat es naturgemäß schwer, die einfachste aller Rechnungen im Fußball zu lösen: gewinnen tut der, der mindestens ein Tor mehr erzielt.

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Einer der wenigen Vorstöße ohne das nötige Tempo endete in einem Foul an Martin Harnik, Xabi Alonso sah Gelb. Wieder eine gute Chance fahrlässig vertan. Eine Auswechslung bahnte sich an, Christian Gentner streifte sich schließlich die Kapitänsbinde vom Arm, übergab sie an Daniel Schwaab und lief vom Feld, mit Sicherheit war ich nicht der einzige irritierte VfB-Fan. Ein Zeichen von Armin Veh, das keiner der Stammspieler seinen Platz sicher hat?

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Ganz aufgeben wollte man die Hoffnung trotzdem nicht, ein einziges Tor kann alles verändern und den Spielverlauf völlig auf den Kopf stellen. Kann. Muss aber nicht. Mit Glück rettete der Pfosten für uns, einmal bei einem Vollspannschuss des spanischen Neuzugangs, einmal beim darauffolgenden Nachschuss von Robert Lewandowski. Das war knapp, tief durchatmen war angesagt.

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Das Warten auf den Lucky Punch

Es mangelte am Vertrauen in sich selbst und das Selbstverständnis, auch mal die unangenehmen Wege mutig zu beschreiten. Und so standen wir schließlich da und sangen, ohne von der Mannschaft gehört zu werden. Ein leichtes Schmunzeln huschte über meine Lippen, als ich sah, dass sich der bisher einzige VfB-Torschütze der Saison (traurig genug!) bereit machte. Alexandru Maxim sollte kommen, und damit auch ein kleines bisschen mehr Gefahr bei den ruhenden Bällen, er kann ein Mann für magische Momente sein.

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Auffällig war bisher nahezu nur einer, der in den letzten Wochen lediglich durch Instabilität „glänzte“: Antonio Rüdiger hatte zahlreiche Kopfballchancen, teilweise fehlte nicht viel. Wann wird er kommen, der viel beschworene Lucky Punch, der Moment, in dem der Knoten platzt und vieles andere, was zuvor schwer und zäh erschien, auf einmal leicht wird? Schon jetzt sehnen wir diesen Tag herbei.

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In dieser Spielzeit gibt es keinen Kredit, keine Akzeptanz für eine obligatorisch schlechte Hinrunde, wir wollen Wille, Kampf und Leidenschaft, die Ergebnisse kommen dann von ganz allein. Wenn die Ergebnisse aber von Anfang an ausbleiben und du ohnmächtig und tatenlos dabei zuschaust, wie es Woche für Woche schlechter wird, geht dir irgendwann jeglicher Glauben ab, du verlierst den Mut und deine Hoffnung.

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Spät, aber nicht unverdient

Die Partie neigte sich dem Ende und während der Gästeblock mutig weitersang, nahm das Unheil seinen Lauf, ein einfacher Pass von Robert Lewandowski auf Franck Ribery hatte ausgereicht, um all unsere Hoffnungen auf einen „Irgendwie!“-Ausgleich zu begraben. Fünf Minuten vor Schluss war die Niederlage besiegelt. Der Knock-Out kam spät, aber nicht unverdient, wie man leider voller Enttäuschung eingestehen muss.

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In der Offensive keine Durchschlagskraft, klaffende Löcher in der Abwehr, so wird es schwer, auch nur einen einzigen Punkt zu holen, ob gegen Bayern, Dortmund oder Paderborn. Uns bleibt nur zu hoffen, dass schon bald der eine erlösende Moment kommt, der uns einen Sieg beschert und damit das Worst-Case-Szenario abwendet, von der Abstiegszone nicht wieder weg zu kommen. Noch sind es 31 Spieltage – ob mir das Mut oder Angst machen soll, weiß ich derzeit selber nicht.

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Und während in Berlin der fahrlässig vertriebene Shinji Okazaki das 1:3 erzielte, hingen bei uns die Köpfe tief. Noch einmal kam der Support nicht zurück, der Gästeblock verstummte angesichts der Tatsache, das man sich von der Südkurve hatte anhören müssen, man könne ja mal gegen Bayern verlieren. Stimmt, kann man. Doch wenn, dann mit Kampf.

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Wir wollen euch kämpfen sehen

Erst in der sonntäglichen Nachbetrachtung vernahm ich erst die Schmähgesänge von der Schickeria, „Absteiger!“ und ein weiterer Lobgesang auf den schon längst entlassenen Bruno Labbadia. Jaja, wer den Schaden hat. Zehn Sekunden vor Ende der Nachspielzeit schlug Antonio Rüdiger noch einen Schussversuch von Franck Ribery von der Linie, auch nicht selbstverständlich, wenn du ohnehin schon das Spiel verlieren wirst.

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Schließlich war es endlich vorbei. Irgendwie erlösend, das diese vermeintlich schwerste aller Partien nun hinter uns liegt, allemale besser, als wenn es am letzten Spieltag noch um wichtige Entscheidungen geht. Während der Jubel auf der anderen Seite einen Hauch von „Erwartungsgemäß!“ bis „War trotzdem ein schlechtes Spiel!“ hatte, wog bei uns die Enttäuschung natürlich schwer. Wortlos schaute ich, wie sie ganz langsam Richtung Nordkurve trabten, die Köpfe hängen ließen und sich geradezu durchringen mussten, die Hände zum wohlwollenden Applaus zu erheben.

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Statt mit lauten Pfiffen und aggresiven Gesten die weitgehend harmlose Darbietung zu quittieren, fiel die Reaktionen des 6.200 Mann starken Anhangs wesentlich positiver aus als zwei Wochen zuvor nach dem Heimspiel gegen Köln. Alles, was wir wollen, ist: euch Kämpfen sehen. Wir wissen alle, das ein Neuanfang nach einer derart schlechten Saison seine Zeit braucht, und dass mit Armin Veh ein neuer alter Trainer kam, der viele Dinge nun anders machen will, und auch anders machen muss. Doch wird er die Zeit dazu bekommen, bevor es ungemütlich wird, ist die Frage.

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Es gibt viel zu tun

Lange blieben wir zurück im Gästeblock, der sich zügig geleert hatte. Die meisten brachen auf zum Fanzug, der für dieses Spiel extra bereit gestellt wurde. Wehmütig schaute ich umher, sehne mich so sehr nach der Rückkehr der glücklichen und sorglosen Tage, und war lediglich dankbar, das uns ein Debakel erspart geblieben war. Das täuscht natürlich nicht über die Tatsache hinweg, dass ein Punktgewinn hier und heute machbar gewesen wäre.

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Dass diese Mannschaft derzeit neben sich steht und in erster Linie mit sich selbst beschäftigt ist, ist offensichtlich, und etwas, an dem Armin Veh dringendst arbeiten muss. Ich zweifle nicht daran, dass das unser Trainer verstanden hat, wo es krankt, doch bin ich mir nicht sicher, ob er auf offene Ohren stößt. Eine zerstrittene und teilweise lustlose Mannschaft hat es schwer, den Weg zurück um Erfolg zu finden, und ich weiß nicht, welche Opfer dafür gebracht werden müssen. Zeit? Spieler? Trainer? Vorstand? Oder gar der Ligaverbleib?

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Es fing an zu regnen, als wir das Schlauchboot verließen und wieder in Richtung Auto liefen. Schwermütiger denn je, ohne zu wissen, wie lange diese Phase noch andauern wird, setzte ich mich hin, öffnete den Laptop und bearbeitete meine Bilder, so, wie ich es immer tu. Immer stärkte prasselten die Regentropfen gegen die Windschutzscheibe und ich fragte mich, wo das alles enden würde, wenn in 31 Spieltagen der Tag der Abrechnung gekommen ist.

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Quo vadis, VfB?

Überhitzen sei auch nicht das Mittel zum Zweck, meinte Stamm-Auswärtsfahrer Gerd auf meine Aussage, wie schwer es mir fallen würde, cool zu bleiben. Recht hat er, wie so oft. Doch woran klammerst du dich, wenn es schlecht läuft? Wer ist schon bereit, klaglos alles hinzunehmen, was einem der geliebte Verein zum Fraß vorwirft? Etwas mehr Gelassenheit würde mir gut zu Gesicht stehen, dessen bin ich mir bewusst. Viel Gelassenheit wird nötig sein, um all die Schandtaten zu überstehen, die uns offenbar in dieser Spielzeit noch bevor stehen.

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Am späten Abend erreichten wir unser Zuhause, fertig war ich mit den Bildern nicht geworden, bis um ein Uhr saß ich noch am Rechner, so müde, dass mir fast die Augen von allein zugefallen waren. Schnell noch die Bilder veröffentlicht und ab ins Bett, das Schönste nach einem Auswärtsspiel. Immer wieder wälzte ich mich umher, in dem Wissen, am nächsten Tag das Spiel in voller Länge anschauen zu müssen, diesen Bericht hier zu schreiben und all die Kommentare bei Facebook und Twitter zu lesen.

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Für einen Moment waren wir am heutigen Sonntag Tabellenletzter, doch so wie auch in den letzten Spielen der letzten Saison, stellten sich „glücklicherweise“ die Hamburger nur noch dümmer an. Dass das schon unsere Genugtuung sein muss, ist traurig genug. Doch wenn sich die eine oder andere Geschichte aus der letzten Saison wiederholt, warum dann nicht auch ein unerwarteter 6:2-Sieg gegen Hoffenheim? Der VfB darf aber gerne auch knapper gewinnen. Solange er gewinnt.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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