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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Viel zu wenig

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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machten wir uns spät Abends auf den Heimweg. Einen großen Anlass zum Lachen gab die spielerische Darbietung des VfB zwar nicht, doch waren es ein weiteres Mal die Umstände, die auch diese fade Auswärtspartie zu etwas Besonderem gemacht haben: eines meiner deutschen Lieblingsstadien, tolles Essen und noch viel tollere Leute, darunter auch meine langjährige Freundin Melanie, ihres Zeichens dem FC verschrieben. So wiegt die Freude über einen ansonsten gelungenen Tag doch ein wenig mehr als jeder Frust über viele vergebene Möglichkeiten.

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Nie habe ich es vergessen, dieses eine legendäre Bronchitis-Spiel im Februar 2010. Mit heftigsten Hustenanfällen wären viele andere zuhause geblieben, doch ich wollte dieses Auswärtsspiel nicht verpassen und fuhr dennoch, feierte einen 5:1-Auswärtssieg und bekam einen ersten Vorgeschmack darauf, was nur wenige Jahre später meine Wochenenden prägen würde: dass (fast) nichts einen davon abhalten kann, im Namen des Brustrings unterwegs zu sein. Damals waren die sportlichen Vorzeichen aber durchaus auch andere als in dieser schweren Zeit. Trotz aller Schwarzmalerei, mein Gefühl sagte mir, das wird!

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Seit fünfzehn Jahren war der VfB in Köln ungeschlagen – eine Statistik, die sich durchaus sehen lassen kann. Auf dieses Auswärtsspiel freute ich mich nun schon so lange, da konnte auch die unglückliche Terminierung an einem Mittwochabend nichts ändern. Auf nach Köln! Am liebsten für den ganzen Tag. Wäre da nur nicht der einige Monate im Vorfeld abgesegnete Terminplan eines Kunden. Präsentation vor Ort. Ausgerechnet am Mittwoch.

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Terminliche Komplikationen

Ohje, was mach ich denn nun? Köln sausen lassen? Kleinlaut klopfte ich an die Bürotüre meines Chefs und bat ihn, den Präsentationstermin auf den Vormittag zu lenken. Tage später die erleichternde Nachricht: zehn Uhr. Aber ob das am Ende reicht? Ein tolles Ergebnis ist dabei herausgekommen, entspannt fuhren mein Chef und ich zum Kunden nach Möglingen, unweit der A81. Was gibt es Schöneres im Beruf als einen zufriedenen Kunden?

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Der Blick in strahlende Gesichter und ein euphorisches Feedback ließen mich gut gelaunt zur Mittagsstunde das Haus verlassen, wo mich Stammfahrer Gerd und meine bessere Hälfte Felix wenige Minuten später abholten. Jetzt aber: Auf nach Köln! Mitfahrer Helmut sammelten wir kurze Zeit später in Pleidelsheim ein und so fuhr der Tross bei bester Stimmung in Richtung Domstadt. Fast drei Jahre ist das letzte Auswärtsspiel auf Kölschem Boden her, es war mal wieder an der Zeit.

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Ich konnte nur hoffen, dass Felix tatsächlich alles eingepackt hatte. Stiefel, Laptop, Akkuladegerät für unsere Handys, mein Bauchtäschle mit den Tickets und unsere beiden Kameras. Check! Alles dabei! War die Rückbank auch voll belegt von lauter Jacken, Taschen und sonstigem Kram, ein wenig Platz für drei Punkte hätten wir mit Sicherheit auch noch. Die Vorfreude war groß, vor allem weil ich Melanie nach langer Zeit mal wieder treffen würde. Fast fünf Jahre dürften seit dem letzten Mal vergangen sein.

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Köln, wie hab ich dich vermisst!

Was tun mit der Zeit, die wir nun noch hatten? Der Plan, in die Innenstadt zum Dom zu fahren, wurde schnell verworfen, ein heißer Tipp fürs leibliche Wohl war gefragt. Schnell wurde uns geholfen, nach wenigen Minuten gabs leckere Burger und Kölsch für Alle. Naja, fast Alle. Melanie kam auch noch dazu, wenn auch nur für ein paar wenige Minuten, bevor sich unsere Wege schon viel zu früh wieder trennten. Vor uns lag bereits das Kölner Stadion, die Aufregung wurde größer.

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Es war schon längst dunkel geworden, entgegen vieler anderer Meinungen kann ich jedoch mit Flutlichtspielen weniger anfangen als mit anderen. Grund dafür sollten auch am heutigen Abend die Lichtverhältnisse für uns Fotografen sein. Die großen Kameras durften nicht mit hinein, ich hatte noch am Tag zuvor mit der Kölner Geschäftsstelle telefoniert. Bedauerlicherweise bedeutete das für mich um Umkehrschluss, mit der kleinen Kamera Vorlieb nehmen zu müssen, die bei schlechtem Licht kaum bessere Ergebnisse liefert.

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Vor den Toren des Eingangs hatten wir es bereits erfahren, dass ein Großteil der in den Bussen angereisten Fans noch nicht da war, sie standen im Stau. Ohnehin waren es weit weniger Schlachtenbummler, die sich auf den Weg gemacht hatten, selbst für unter der Woche sind 1.700 Fans ein schlechter Schnitt, zumindest in Köln, wo die Auswärtsspiele stets gut besucht sind. Nach kurzer Zeit erreichten dann auch die Bus-Nachzügler den Gästeblock, von uns aus konnte es losgehen.

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Traue keiner Statistik

Man kann ja viel darüber nachdenken, wie das Spiel wohl verlaufen würde. Ob es den Jungs wohl gelingen würde, den Schalter umzulegen und die Leistung an den Tag zu legen, zu der sie – zumindest auf dem Papier – durchaus im Stande sein müssten? Ein Schlachtfest wie vor fünf Jahren würde es wohl eher nicht geben, doch eine anständige Darbietung samt Auswärtssieg war hier durchaus drin. Wir waren bis dato schließlich die viertbeste Auswärtsmannschaft. Was liegt dann näher, als auswärts mal wieder zu punkten?

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Doch schon die Aufstellung gab keinen Grund für Luftsprünge. Kein Alexdandru Maxim, kein Filip Kostic – und somit ein weiteres Mal eine grunddefensive Aufstellung ohne Zug zum Tor. Wie will man denn eine Partie gewinnen, wenn man kein Tor schießt? Der Blick war nun aufs Spielfeld gerichtet, wo sich die Mannschaften um den Mittelkreis versammelten. In kurzer Zeit waren vier Ehrenpersonen verstorben, darunter auch die Legende Udo Lattek, ohne den die Bundesliga heute nicht das wäre, was sie heute ist. Ihnen allen wurde mit einem langen Applaus gedacht.

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Der Ball rollte. Endlich. Auf kein anderes Auswärtsspiel freute ich mich so sehr wie auf dieses. Man konnte nur hoffen, dass es sich auch mal wieder lohnen würde. Und selbst, wenn es sich nicht lohnen würde, wir würden trotzdem wieder auswärts fahren – in anderthalb Wochen ginge es nach Hoffenheim. Behäbig ging es los, doch davon war auszugehen. Der VfB gehört nicht zu den Mannschaften, die dem Gegner schnell ihr Spiel aufzwingen. Der FC hingegen heimschwach und gewohnt abwartend, das hatte mir die Melanie vor dem Spiel bereits vorausgesagt. Bisher lief alles wie erwartet.

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Warten auf das Tor

Ein halbes Jahr ist Moritz Leitner noch in Stuttgart, bevor er im Sommer nach zwei Jahren Leihe nach Dortmund zurückkehrt. Der Plan war gescheitert, aus dem begnadeten Talent einen starken Spieler zu formen, an seiner Überheblichkeit ließ er viele anecken, Mitspieler, Trainer und nicht zuletzt viele Fans. Es gibt nur wenige, die ihm wohl hinterher weinen werden. Wirkliche Freude kam daher nicht auf, ihn erneut in der Startelf zu sehen, doch eines musste man ihm lassen: seine Chance in der siebten Minute war durchaus vielversprechend.

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Weiter, weiter, immer weiter, laut hüpfend und singend wehrte sich der Gästeblock gegen den Stillstand, was wohl aber auch den eisigen Temperaturen geschuldet war. Wir sahen eine Mannschaft, die schrittweise das Zepter übernahm und die Partie im Griff hatte. So gefällt uns das, jetzt sollten sie nur noch das tun, womit sie zuletzt sehr schwäbisch-geizig waren: Jungs, ihr müsst halt auch mal das Tor treffen!

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Nach gut 20 Minuten ereignisarmen Ballgeschiebe und unzähligen Ballverlusten auf beiden Seiten schien der FC mehr Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Beschreien wollte ich es noch nicht, aber aktuell sah es nicht danach aus, als würden hier nur überhaupt irgendwelche Tore für irgendjemanden fallen. Am Ende sollte ich damit leider recht haben. Wirklich recht sein konnte es einem nicht, denn wieder machte man Ansagen alá „Wir geben alles“, so wirklich sah es aber nicht danach aus.

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Zäh!

Seit Oktober hatten die Kölner vor heimischem Publikum nicht mehr gewinnen können, der VfB schon nicht mehr seit September. Doch was unser Verein hier trotz den meisten geschossenen Auswärtstoren der Liga (Danke, Frankfurt!!) unheimlich harmlos. Die Zahl der Gegentore ist unter Huub Stevens stark zurück gegangen – die Zahl der selbst geschossenen Tore allerdings auch. Nach Moritz Leitners Chance in der siebten Minute, kam erst wieder Martin Harnik in der 24. Minute auch nur ansatzweise in eine gefährliche Position. Den Rest der ersten Halbzeit lasse ich dezent unkommentiert. Aus Gründen.

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Weit gingen die Meinungen zum ersten Durchgang in der Halbzeitpause nicht auseinander: von „Zäh“ bis „Boah, sind wir schlecht“ war so einiges dabei, nur keine Begeisterung. Wenn ein 18-jähriger Abwehrspieler unser bester Mann auf dem Platz ist, ist ja bereits fast alles gesagt. Der kalte Wind wehte mir um die Nase und ließ mich mir selbst die Frage stellen, wie ich denn nur von einem 3:1-Auswärtssieg ausgehen konnte. Sollte der VfB hier tatsächlich noch Anstalten machen, es wäre nun höchste Zeit. Es folgen schwere Spiele in den nächsten Wochen, darunter Bayern, Hoffenheim und Dortmund.

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Unter Umständen könnte man aktuell ja schon fast sagen, dass man vor Dortmund nicht sehr viel zu befürchten hat, aber ich tue mich schwer, eine strauchelnde Mannschaft zu unterschätzen. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff liefen die Zwischenergebnisse über die Anzeigetafel: Dortmund lag daheim gegen Augsburg zurück. Ohweh, was ist nur aus den Schwarzgelben geworden? Doch auch die Bayern enttäuschten zuletzt, ein demütigendes 1:4 gegen Wolfsburg und nur ein 1:1 gegen Schalke. Das Problem: die kommen mit einem mächtigen Hals nach Stuttgart. Und das wird bereits in wenigen Stunden de Fall sein, denn ich schreibe diese Zeilen erst am Samstag Vormittag.

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Hinten steht die Null – vorne aber leider auch

Die Partie war so unglaublich zäh. Für Defensivfanatiker eine Freude, doch für den gemeinen Fußballfan nur schwer verdaulich. Auch in der zweiten Halbzeit wurden die Strafraumszenen nicht häufiger und die Möglichkeiten nicht gefährlicher. Mit Kusshand nimmt man da einen Freistoß für den VfB, der aber immernoch zu weit vom Tor entfernt schien. Moritz Leitner sollte ihn treten, da das eigentliche Juwel, Alexandru Maxim, sich vor der Kölner Kurve noch warm machen musste.

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Alle rechneten damit, dass er ihn auf einen Mitspieler zieht, der ihn dann mit dem Kopf nimmt. „Oh Gott, ist das schlecht!“ wollte man schon fast rufen, als der Ball vorbei an Freund und Feind vors Tor kam. Timo Horn, der Kölner Keeper, sah ihn vermeintlich schon über den Pfosten fliegen. Und da hat es „Klong!“ gemacht. Lattenkreuz! Uiiiiiiiiiiiiii! Timo Horn war weit aus seinem Kasten herausgekommen, das muss Moritz Leitner gesehen haben. Wie gerne wir solche Szenen von ihm viel häufiger hätten sehen wollen.

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Die Kölner wechselten gleich doppelt und wurden schlagartig gefährlicher. Huub Stevens‘ Reaktion angesichts des beunruhigen Zwischenstandes kam spät, aber sie kam: Timo Werner kam ins Spiel. Wesentlich mehr Offensive brachte das nicht. Auf der anderen Seite wurden die Kölner stärker und schickten sich an, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Schließlich weiß man ja, wie man den VfB mit späten Toren K.O. schlägt. Eine ohnehin schon schwache Partie wurde aus VfB-Sicht immer schlechter. Hoch gewinnen wir heut nicht mehr, dessen war ich mir sicher.

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Viel zu späte Wechsel

Gut eine Viertelstunde vor Abpfiff wünschte ich mir so sehnlichst, das Eckverhältnis wäre das Zwischenergebnis: 0:4 stand da geschrieben, es wäre Balsam für die Seele gewesen. Stattdessen mussten wir zusehen, wie die Hausherren aufs Tor drückten und das zeigten, was ich mir von meiner eigenen Mannschaft das ganze Spiel über gewünscht hätte: Biss, Engagement, Leidenschaft. Der VfB zeigte davon relativ wenig, fast so, als seien sie zufrieden mit dem Punkt. Verstehen muss man das nicht, denn in den nächsten Spielen wird die Chance nie wieder so groß sein wie in Köln.

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Am Ende durfte man froh sein, dass auch die Gastgeber das Tor nicht treffen konnten, das haben wir unter anderem dem jungen Timo Baumgartl zu verdanken. Viel zu spät kamen Vedad Ibisevic in der 87. Minute und Alexandru Maxim in der 90. Minute – welchen Sinn soll das denn gehabt haben? Um etwa 21:50 Uhr erlöste uns dann endlich Schiedsrichter Tobias Stieler, noch bevor die Kölner uns den späten Todesstoß verpassen konnten.

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Zwei mauernde Mannschaften, wenig Strafraumszenen und null Tore. Und dafür nimmt man unter der Woche Urlaub? Wirklich viele Pfiffe gab es nicht, man nahm es beinahe schon teilnahmslos zur Kenntnis. Langsam trabten sie erneut in unsere Richtung, ein paar wenige klatschen, ein paar wenige gestikulierten ihre Unzufriedenheit, der Rest stand einfach nur da und zuckte mit den Schultern. Zügig leerten sich die Ränge, während wir noch wie gewohnt etwas länger verweilten.

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Zum Leben zu wenig

Noch eine Bratwurst mit Ketchup als spätes Abendessen und wir Vier waren soweit, aufzubrechen. Stammfahrer Gerd gönnte sich den Spaß und verabschiedete jeden einzelnen der Ordner, die am Ausgang Spalier gestanden waren, per Handschlag. Immer wieder gut für solche witzigen Aktionen. Langsam liefen wir in Richtung Auto und beobachteten die vollgestopften Straßenbahnen, die unseren Weg kreuzten. Wirklich zufrieden konnte ich mit dem Ausgang der Partie wahrlich nicht sein, mit dem gesamten Tag allerdings schon, es hat Spaß gemacht.

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Herrgott, ist das kalt! Noch eine halbe Tasse lauwarmer Kaffee aus der Thermoskanne, und dann erstmal die stabilen Stiefel gegen bequeme Turnschuhe ausgetauscht, dann konnte es wieder heimwärts gehen. Das Programm war dabei das gleiche wie sonst auch immer: hingesetzt, Laptop auf, Bilder bearbeitet. Ganz fertig wurde ich nicht, die Müdigkeit hatte mich spät Nachts dann doch im Griff und ich schlummerte ein.

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Einige Tage sind seither schon vergangen. Wie undankbar englische Wochen doch für das Schreiben meiner Spielberichte sind, hat sich auch dieses Mal erneut erwiesen. In wenigen Stunden würden wir uns ein weiteres Mal auf den Weg machen, die Bayern sind zu Gast. Das Stadion ist ausverkauft, höchstwahrscheinlich besteht die Hälfte aus Bayernfans. Das einzig Gute daran: wir können ja nur positiv überrascht werden.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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