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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Ein Quäntchen Glück

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„Ohje, bist du erkältet?“ fragte man mich, als ich am Montagmorgen das Büro betreten hatte. „Nein, nur ein wenig zu viel rumgeschrien“. Noch im gefühlten Halbschlaf legte ich meine Sachen ab, schlurfte zum Wasserkocher und machte mir Wasser für meinen Zitronentee, auf dass es dem Halse gut tun würde und setzte mich schließlich an meinen Rechner. „Und? Wie haben sie gespielt?“ fragte mich erwartungsvollen Blickes meine Kollegin Renate. „Nicht so gut…“, ihre Miene verfinsterte sich kurz, „…aber sie haben gewonnen!“.

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Sie haben gewonnen. Welch schönes, entspanntes und nahezu sorgenloses Gefühl, dass uns doch zuletzt nur selten zuteil wurde. Meinen frustrierten und deprimierten Gesichtsausdruck nach den unzähligen Niederlagen kannten die Kollegen und mein Chef leider nur zu gut, umso größer wiegt da die (gemeinsame) Freude über den ersten Heimsieg seit sechs Monaten und zwei Tagen. Wie oft hatte ich ihnen sagen müssen, wie gut sie gespielt haben, und dennoch verloren hatten. Woche für Woche das gleiche attraktive Spiel, der Blick auf die Tabelle so absurd wie eh und je.

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Noch vor der Saison lachten wir, „Ach süß, Ingolstadt und Darmstadt?!“, doch wer heute noch lacht, hat nicht ein einziges Spiel verfolgt. Die Aufsteiger mischen die Liga auf, seit dem ersten Spieltag weit mehr als der unterschätzte kleine Klub, gegen den man Punkte im Vorfeld fest einrechnen konnte. Vieles von dem, was wir uns vor dieser Spielzeit noch so „einfach“ vorgestellt hatten, ist hinfällig geworden.

 

2015_10_18_VfB-Ingolstadt_03Beste Auswärtsmannschaft der Liga

Der heutige Gegner aus Ingolstadt mauserte sich klammheimlich zur besten Auswärtsmannschaft, 14 Punkte nach acht Spielen sowie noch keine einzige Niederlage auf fremden Platz. Wer will es mir da also verdenken, dass meine Motivation für das anstehende Spiel auf der Skala der hoffnungsvollen Erwartungen schon im Minusbereich rangierte. Ausgerechnet daheim gegen Ingolstadt, es gibt dankbarere Aufgaben – sollte man zumindest meinen. Es gab schon viele machbare Aufgaben vor heimischer Kulisse. Gemacht hat der VfB daraus gar nichts.

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Der Glaube in die eigene Mannschaft wurde verletzt, doch längst nicht erst seit den letzten schweren Wochen, viel länger wünsche ich mir schon, einen Grund dafür zu finden, an das Gute in dieser Mannschaft zu glauben, wie immer diese auch zusammengestellt sei. Hoffnung, Glaube, Zuversicht, Optimismus, nur wenig ist davon noch übrig. „Warum tust du dir das dann überhaupt noch jede Woche an?“ mag nun eine legitime Frage zu sein. Eine, die ich nicht beantworten kann. Vielleicht, weil ich tief in mir drin doch noch hoffe, die guten Zeiten kehren wieder.

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Kalt ist es geworden im Ländle, der Herbst hatte Einzug gehalten und ließ mich das erste Mal die Thermo-Strumpfhose aus dem Kleiderschrank hervorkramen. Dick eingepackt und mit Knie- und Knöchelbandagen ausgestattet machten wir uns auf den Weg, viel wärmer angezogen als es die nachmittäglichen Temperaturen erfordert hätten. Sechs eigene Tore reichten den Gästen für den sechsten Tabellenplatz, die Metapher, der VfB müsse sich warm anziehen, nahm ich dabei wohl wörtlicher als gedacht.

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Eine weitere Vorahnung

Das Herbstlaub raschelte unter unseren Füßen, den Weg zum Stadion sind wir in den letzten Jahren unzählige Male gemeinsam gelaufen. Man kennt jeden Meter der Strecke, jedes Schild, jeden Parkplatz, jede Ampel, jedes Schlagloch im Boden und jeden Stolperstein. Man kennt das Gefühl, zum Heimspiel aufzubrechen, liebgewonnene Freunde wiederzusehen, sich auszutauschen und Tipps für das Spiel abzugeben. Man kennt das Gefühl, ein paar Stunden später gesenkten Hauptes wieder heimzulaufen.

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Seit dem Stadionumbau vor über vier Jahren hatte der VfB stets mehr Spiele verloren, als dass man sie alle aufzählen könnte, oder es zumindest wollte. Vieles sind sie schuldig geblieben, sich selbst, ihren vielen Trainern, und nicht zuletzt auch uns, die wir uns alle zwei Wochen in die Kurve stellen. Anspruch auf Unterhaltung mit Erfolg dürfen wir nicht erheben, das hören wir immer wieder, wann immer man unsere Motive, getragen von Emotion und Leidenschaft, in Frage stellt. Eine für jeden einzigartige Liebesgeschichte, die doch auch wie im echten Leben immer wieder Kummer bereithält.

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Da stand ich nun wieder, blickte auf meine Kurve, auf mein Spielfeld, auf mein Stadion. Man kennt jeden Wellenbrecher, jede Stufe, jeden verblassten Kleber. Sei ich auch nicht der optimistischste Mensch, eine jede Rückkehr ins Neckarstadion hat etwas für sich, ungeachtet jeglicher Vorahnungen, die mich zum Teil Tage, Wochen oder Monate zuvor ereilen. Zuhause ist, wo das Herz ist.

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Mangels Motivation

Sehr viele hatten sich im anderen Eck des Neckarstadions nicht eingefunden, von gut 1.000 Ingolstädtern war zu lesen, nur ein Drittel des Gästeblocks war befüllt. Mit Spannung erwarteten wir, welcher der beiden Torhüter denn heute im Tor stehen würde, nachdem Przemyslaw Tyton in der jungen Saison schon unzählige Male gepatzt hatte und schließlich vor zwei Wochen in Hoffenheim von der eigenen Anhängerschaft ausgepiffen wurde.

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Sowohl er als auch Odisseas Vlachodimos wärmten sich auf, kurz darauf machte es via Smartphone die Runde: Tyton würde erneut im Tor stehen. Ein Raunen ging durchs Stadion, wir hatten noch keine Ahnung, was wir daraufhin erleben würden. Wieder stand ich an meinem Platz, schaute umher, plauderte mit Freunden und wusste doch insgeheim schon fast, mit dem selben miesen Gefühl die Treppenstufen wieder hochzuächzen, nach einer weiteren Niederlage und vielen weiteren Pfiffen. Ich dachte, ich wüsste es schon.

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Richtige Lust auf die anstehende Partie wollte sich nicht einstellen, selbst dann nicht, als beide Mannschaften das Spielfeld betraten, Schiedsrichter Guido Winkmann das letzte Spiel des neunten Spieltags freigab und ich das bunte Fahnenintro meiner geliebten Cannstatter Kurve durch das Display meiner Kamera erfassen konnte. Mehr mit Fotografieren als mit dem Blick aufs Spielfeld beschäftigt, realisierte ich die ersten paar Spielminuten nicht wirklich. Zumindest, bis ein schriller Pfiff ertönte.

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Früher Schock

Im Augenwinkel sah ich, wie sich die Ingolstädter in unserem Strafraum vor der Kurve bewegten, noch kein großer Grund zur Sorge, dachte ich jedenfalls. Einer fiel, einer pfiff, ein Aufschrei der Empörung hallte durchs Stadion. Doch es nützte nichts, der Zeigefinger des Referees zeigte nach nur drei Minuten genau dahin, wo unser Herz in die Hose gerutscht war. Der kleine Kreidepunkt elf Meter vor dem Tor. Martin Harnik war Benjamin Hübner unglücklich in die Hacken getreten, der das Geschenk dankend annahm.

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Elfmeter in der vierten Spielminute gegen die beste Auswärtsmannschaft der Liga. Ich wandte mich zu Isabell, die neben mir stand und meinte nur „Genau das hatte ich gemeint“, ohne zu wissen, ob die Ingolstädter in Führung gehen würden. Einen Strafstoß hatte der VfB schon ewig lang nicht mehr gehalten, auch fehlt mir zum Dienstagabend die Zeit, das nachzurecherchieren. Und Tyton? Der war doch eh schon der Buhmann, dachten sich offenbar die meisten, auch ich war mir sicher, Holger Laser würde gleich „Tor für die Gäste“ ins Mikrofon sprechen.

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Mathew Leckie nahm sich den Ball. Einen kurzen Anlauf hatte er genommen, ein Schuss, gefolgt von Jubel. Doch etwas war anders als sonst. Es waren nicht die anderen, die jubelten, wie so viele Male zuvor. Es war die Cannstatter Kurve, die jubelte, als wäre das Tor für unseresgleichen gefallen. Gehalten! Wie schwach der Elfmeter in die Mitte geschossen war, es war uns egal. Ein psychologisch unheimlich wichtiger Moment, der am Ende möglicherweise entscheidend sein könnte, dessen war ich mir sicher.

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Mit dem Kopf durch die Wand

Hallo, wach! So wenig Lust ich im Vorfeld auf diese Partie hatte, so sehr schöpfte ich durch den gehaltenen Elfmeter erneute Hoffnung. Woher sie kam, konnte ich nicht vollständig lokalisieren, es ist der nie enden wollende Gedankentrieb, welche sportpsychologischen Auswirkungen diese Situation haben könnte, gebunden an das Gefühl, es würde zuträglich sein. Auch die Kurve gab noch einmal ein wenig mehr Gas, volle Unterstützung für die gescholtene Mannschaft, die hier schon oft ein tolles Spiel zeigte, ohne sich auch nur im Entferntesten dafür zu belohnen.

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Ein durchaus intensiver Beginn, der Puls war hoch, die Dringlichkeit für drei Punkte aber ebenfalls – nicht umsonst zeigte man ihnen beim Aufwärmen das Spruchband: „Holt mal Punkte, ihr seid schon wieder Letzter!“. Ein dickes Brett, das es zu bohren galt, da war man sich im Ländle doch erstaunlich einig. Doch wie sollte man hier punkten, nach 19 Gegentoren und einer Chancenverwertung im gefühlten Minusbereich?

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Das Bemühen konnte man ihnen nie wirklich absprechen, es versprach hitzig zu werden, nach nicht einmal zwölf Minuten waren Martin Harnik und Serey Dié bereits gelb verwarnt, da lag der Verdacht nah, in gleich bleibender Intensität das Spiel nicht vollzählig zu Ende bringen, eine Vermutung, mit der ich auch dieses Mal Recht behalten sollte.

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Von Slapstick und Nostalgie

Timo Werner scheiterte an der breiten Brust von Ramazan Özcan, das Führungstor nach 15 Minuten hätte beflügeln können, ohne jeden Zweifel. Für Slapstick-Einlagen war der VfB schon immer zu haben, dass aus der Dreifach-Chance der Ingolstädter kein Gegentor resultierte, kann man schon ein wenig dem Glück zuschreiben, dass uns in der gesamten Partie von der vierten Spielminute an durchaus hold war.

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Von der hitzige Anfangsphase war nach einer halben Stunde kaum noch etwas übrig geblieben, das übertrug sich zwangsweise auch auf die Kurve, die in den Nebenblöcken stiller wurde. Dass es gegen gut stehende Ingolstädter schwer würde, hatte man bereits geahnt, dass es zwischenzeitlich kein Durchkommen mehr gab, wähnte mich schnell in dem Glauben, der VfB müsste sehr viel mehr tun, um zu punkten, sonst würde wieder das passieren, was stets passiert: dass der weniger aktive Gegner am Ende die Punkte mitnimmt.

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Das wäre es fast gewesen. Timo Werner wäre durchgewesen, nachdem der weit herausgeeilte Ramazan Özcan den Zweikampf verlor und der öffentlich kritisierte Ausgleichstorschütze von Hoffenheim alleine aufs leere Tor zurannte. Abseits soll es gewesen sein, dass man im Zweifel das Tor gibt, davon hielt das Schiedsrichtergespann offenbar nichts. Auch Daniel Didavi scheiterte, mit den Fingerspitzen war der Keeper noch dran. Zwei große Chancen binnen weniger Sekunden.

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Torlos in die Halbzeitpause

Wie schön es doch einmal wäre, ein Spiel vollkommen ungefährdet und in einer entsprechenden Höhe zu gewinnen, wie entspannt man beim Blick aufs Spielfeld sein könnte. Vor meinem inneren Augen tauchten all die Bilder auf, die mich verzückten, von tollen Heimsiegen, mit drei, vier, fünf, sechs oder gar sieben Toren. Es waren mitunter glücklichere Zeiten, im oberen Tabellendrittel mit den Freuden des internationalen Geschäfts.

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Im Hier und Jetzt war der VfB Tabellenletzter und verabschiedete sich mit einem 0:0 gegen den Aufsteiger aus Ingolstadt in die Halbzeitpause. Ein kurzer Moment Entspannung auf den kalten Betonstufen des Blocks 33, zehn Minuten die Knie entlasten, die in den kalten Monaten beim Fußballschauen immer wieder Probleme machen. Mit neuer Kraft weitermachen, das galt auch für unsere Jungs. Mit Applaus begrüßten wir sie zurück, die Hoffnung auf den ersten Heimsieg seit einem halben Jahr war definitiv da.

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Wieder wäre Timo Werner durchgewesen, wieder wurde er zurück gepfiffen. Es passte ins Bild einer doch sehr einseitigen Spielinterpretation des Unparteiischengespanns, dass sich mehr und mehr unbeliebt machte mit Freistößen für die Gäste und dem kommentarlosen durchwinken der meisten Fouls an unseren Spielern. Angefangen vom Elfmeter bis hin zu diversen Abseitsstellungen, die keine waren.

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Aus dem Abseits ins Glück

Es schien kein Durchkommen zugeben durch das Bollwerk der Gäste, immer wieder versuchten sie es, von links, von rechts, durch die Mitte, von nah, von fern, oder durch geschickte Seitenwechsel. Alexandru Maxims Querpass übers komplette Spielfeld landete auf dem rechten Fuß von Florian Klein, ein schneller Haken, eine Flanke von der Strafraumgrenze, der Rest war Warten. Ich habe nicht gesehen wie, ich habe nicht gesehen wer, doch das laute Getöse um mich herum ließ es mir egal sein, der Ball war im Tor.

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Die Ironie des Ganzen: es war Abseits! Es war der Stollen von Daniel Didavi, der den Ball endgültig durch die Hosenträger des türkischen Keepers ins Netz beförderte, ein eigentlich irregulärer Treffer, doch das konnte einem aufgrund diverser ohne Abseits abgepfiffenen Szenen herzlich am Allerwertesten vorbei gehen. Es war der Tag der Fehlentscheidungen, denn im ersten Sonntagsspiel gewann Hannover durch ein klares und vor allem wissentliches Handspiel gegen Köln. Wer an Karma glaubt, kann sich seinen Teil denken.

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Immer wieder Tyton. So sehr er sich vor dem Spiel die (meist berechtigte) Kritik anhören musste, hier und heute machte er sein bis dato bestes Spiel im roten Brustring. Doch noch waren 30 Minuten zu spielen, der gehaltene Elfmeter, die zahlreichen herausgefischten Möglichkeiten der Gäste, alles würde nichtig werden, wenn er wieder ein oder zwei Bälle durchrutschen lässt. Bisher bestätigte sich meine Vermutung, der gehaltene Elfmeter würde für den Polen geradezu beflügeln.

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Mehr Punkte, weniger Show

Zwanzig Minuten zittern, zwanzig Minuten bangen, zwanzig Minuten hoffen, dass es doch noch irgendwie reicht zum ersten Heimsieg der Saison, sieben Punkte würden wir dann verzeichnen, die Hälfte der Punkte, die Ingolstadt bereits mit sechs eigenen Treffern geholt hatte. Alexander Zorniger reagierte, nahm Alexandru Maxim vom Feld und brachte zum ersten Mal Philipp Heise, dem Vernehmen nach letzte Saison in Heidenheim der beste Verteidiger der zweiten Liga.

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Scheinbar weg von der Prämisse der absoluten Attacke, hin zur defensiven Ordnung mit Nadelstichen nach vorne. Alles andere als schön anzusehen, doch spannend und letztendlich doch erfolgreich, worauf es am Ende doch einzig und allein ankommt. Ob das gut geht? Ich wollte und konnte es erst glauben, als die Partie vorüber war. Die letzten Minuten zogen sich eine Ewigkeit, wie jedes Mal, wenn einem der sofortige Abpfiff des Schiedsrichters doch so sehr in die Karten spielen würde.

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Entsetzlich lange Minuten spannten uns auf die Folter, nicht frei von Angst, am Ende würde das eine Tor der Gäste doch noch fallen und uns um den Lohn der drei Punkte bringen. Die Kräfte schwanden, Angriffe wurden nicht mehr komplett bis zum Ende gespielt, es würde noch ein hartes Stück Arbeit werden. Ich rang um Atem, beinahe hätte Timo Baumgartl unfreiwillig ins eigene Netz getroffen beim Versuch, zur Ecke zu klären. Du liebe Zeit, Hilfe, pfeif doch bitte endlich ab!

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Vier Minuten Ewigkeit

Sie begannen, Beton anzurühren und sich mit Mann und Maus gegen alles zu werfen, was uns gefährlich werden konnte. Das galt vor allem für unsere Kampfsau Serey Dié, der gelbverwarnt an der Außenlinie weit weg vom Strafraum unnötigerweise Max Christiansen zu Fall brachte und des Feldes verwiesen wurde. Ausgerechnet vor Leverkusen. Vier Minuten plus Nachspielzeit hatten wir noch zu überstehen, eine eigentlich machbare Aufgabe, doch haben wir einfach schon zu viel erlebt. Daniel Didavi musste Platz machen für Daniel Schwaab, ein paar Minuten Absicherung, ein paar Minuten der Ungewissheit, ob es reichen würde.

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Vier Minuten Nachspielzeit standen auf der Anzeigetafel von Bibiana Steinhaus, begleitet von weiteren lächerlichen Freistößen für die Gäste, ohne dabei die Fouls an uns zu ahnden, aller Hass richtete sich nun auf Guido Winkmann und seine Linienrichter. Ein gellendes Pfeifkonzert hallte durchs Neckarstadion, nur kurz unterbrochen vom Jubel, als Przemyslaw Tyton noch zwei Mal bravourös klärte.

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Auf der Anzeigetafel werden die restlichen Sekunden der Nachspielzeit nicht mehr angezeigt, man konnte nur erahnen, wann die vier grässlich langen Minuten vorüber wären, sie zogen sich wie eine halbe Stunde. Tick. Tack. Tick. Tack. „Pfeif aaaaaaaaaaaaaaaaab!“ schrie ich inbrünstig hinaus, das vor mir stehende junge Mädel zuckte zusammen, drehte sich um und schaute irritiert. Keinen hielt es mehr auf den Plätzen. Tick. Tack. Tick. Tack. Um 19:25 Uhr war es überstanden und ich fiel Isabell in die Arme, so wie es die Allermeisten taten.

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Das süße Gefühl des Sieges

Am Tag zuvor veröffentlichte ich noch bei Facebook und Twitter das offizielle Video von „Paradise City“ von den Guns ‚n‘ Roses und schrieb, wie lange ich das schon nicht mehr gehört habe. Die Optimisten meldeten sich zu Wort, ich würde es am Abend hören können, sie hatten daran keinen Zweifel. Jeden einzelnen Akkord in meinen Ohren genoss ich in vollen Zügen, als sie die Mannschaften noch abklatschten und die Unparteiischen mit entsprechenden Unmutsbekundungen verabschiedet worden.

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Heute war das Glück auf unserer Seite, nach vielen unglücklichen Momenten waren nun wir diejenigen mit dem breiten Grinsen im Gesicht. Sechs Monate und zwei Tage ist es her, dass wir hier gemeinsam den immens wichtigen Heimsieg gegen Hamburg feierten, sechs Monate und zwei Tage voller Frust und Entbehrungen, sechs Monate und zwei Tage des flehentlichen Wartens, dass die Leidenszeit endlich ein Ende hat. Von Wende mag indes keiner sprechen. Dafür kennen wir unseren VfB leider zu gut.

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Am kommenden Samstag wartet eine Herkulesaufgabe in Leverkusen, ein Auswärtsspiel, das meist mit vielen Gegentoren und noch mehr Frust ein enttäuschtes Ende nimmt. Doch wer weiß, was dieser Heimsieg bewirken mag. Beschreien werde ich es nicht, wir dachten ja auch nach Hannover schon, der Groschen wäre endlich gefallen. Ob das nur ein weiteres Strohfeuer war, wird sich zeigen – aber vielleicht war dies doch der eine Funke, der unser Feuer lodern lässt. Wir brennen darauf!

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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