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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

An Tagen wie diesen

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Von diesem Moment habe ich oft geträumt. Lange habe ich mir nur im Entferntesten vorstellen können, wie das wohl wäre, wenn alles vorbei ist. Diese Emotionen, die einen überwältigen und ich vor Worten schlicht und ergreifen übersprudeln würde. Keine 24 Stunden würde es dauern und ich hätte jene Zeilen zu Papier gebracht. Nichts sehnte ich mehr herbei als den Augenblick, wenn das letzte Spiel beendet und der letzte Tag unserer Zweitligasaison vorbei gewesen wäre. Ich hatte geglaubt, es würde leicht fallen, euch alle daran teilhaben zu lassen, so sicher war ich mir, es wäre ganz einfach, euch Einblick in meine Fanseele zu gewähren, die ein ständiges Wechselbad der Gefühle hinter sich hat.

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Doch dann gibt es da diese Tage, da überfordern mich meine Emotionen und ein jedes Wort, das mir in den Sinn kommt, erscheint mir nicht annähernd gut genug, um das treffend zu beschreiben, was am Sonntag passiert ist. Eine gute Stunde ist vergangen, seit ich das erste Wort auf der Tastatur getippt habe, anderthalb Absätze später muss ich mir eingestehen, dass es sehr viel schwerer werden würde, euch von dem einen Spiel zu berichten, das den VfB zurück in die Bundesliga brachte.

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Seit 34 Spieltagen konzentrierte sich alles auf diesen Moment, auf den Aufstieg, auf die Reparatur eines Betriebsunfalls. Das mag banal und emotionslos klingen, ist aber das versöhnliche Ende eines wahren Abenteuers. Wie konnte ich nur so töricht sein, zu glauben, es wäre einfach, davon zu erzählen? Ich will, dass ihr es spüren könnt. Ich will euch mit jedem einzelnen Absatz Gänsehaut bereiten können. Ich will euch erzählen, wie das so war, an jenem 21. Mai im Jahre 2017. Für die meisten meiner Freunde ist dieser Aufstieg nicht die Welt. Für jemanden, der vor zehn Jahren zu unbedarft und zu weit weg war, allerdings schon.

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Blick zurück aufs Aufstiegsglück

Mittlerweile hat mich der Alltag wieder eingeholt, doch was geblieben ist, ist die unbändige Freude über das, was ich am Sonntag erleben durfte. So genommen ist es beinahe schon absurd, was wir in dieser Saison alles schon durchgestanden haben, zu jeder Zeit in dem Bestreben, am 34. Spieltag ohne Umwege ins Oberhaus zurückzukehren. Einige Rückschläge haben wir hinnehmen müssen und weiß Gott, wie oft ich in so manchem Moment daran gezweifelt habe, ob es klappt. Ich habe Urlaubstage verbraten, tausende Kilometer hinter mich gebracht, unzählige Fotos geschossen und unzählige Worte niedergeschrieben, habe Tränen vergossen, vor Freude und manchmal auch vor Enttäuschung, um letztlich festzustellen, dass es das alles wert gewesen war.

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Von allen Geschichten, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe, waren nur wenige so bedeutsam wie diese. Das eine im Jahr im Unterhaus drohte die dunkelste Zeit von allen zu werden und ließ uns viele bittere Tränen vergießen, als der Abstieg vor einem Jahr feststand. Wer wollte schon nach Sandhausen, Heidenheim und Aue, wie sollte man sich nur vorstellen können, dass ausgerechnet der VfB den direkten Weg zurück finden würde? Vieles versteht man im Nachhinein erst rückwärts. Die zweite Liga war nicht das triste Dasein, dass wir befürchtet hatten, es wurde zur Chronologie eines einzigartigen Abenteuers.

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Noch ist die Zeit nicht gekommen, auf die gesamte Saison zurückzublicken, für diese Geschichte lasst ihr bitte noch ein bisschen Zeit. Aber man kann nicht vom letzten Spiel, das uns den Aufstieg brachte, erzählen, ohne nicht ein wenig zurückzublicken, wie man dazu gekommen war. Trotz so mancher Zweifel, die mich in den letzten Wochen und Monaten – eigentlich seit Beginn der Saison – begleitet haben, so empfand ich so viel Freude wie lange nicht mehr. Das klingt absurd, doch weiß ich ganz genau, wie so mancher von euch in diesem Augenblick die Mundwinkel ein kleines Stück nach oben zieht und ein kleines bisschen mit dem Kopf nickt.

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Einmal das volle Programm, bitte!

Alles, was ich wollte, war der Aufstieg. In dem Moment, als der Abstieg verdaut war und sich der Blick nach vorne gerichtet hatte, wartete ich auf diesen einen Sonntag im Mai. Immer wieder habe ich darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde, ob der VfB bis dahin schon längst durch wäre oder ob sich der rechnerische Aufstieg, als erster oder zweiter, wie einst in Paderborn in den letzten Minuten des letzten Spieltags entscheiden würde. Nach den letzten anstrengenden Jahren des mal mehr, mal weniger erfolgreichen Abstiegskampfs hätte es uns allen gut getan, nicht immer bis zum letzten Augenblick ausharren zu müssen, aber dank einer motivationslosen Leistung in Hannover wollte uns der VfB diesen Gefallen offenbar nicht tun.

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Eine Weile hatte es gedauert, bis ich die Niederlage in Hannover verdaut hatte. Wie sich die Mannschaft eine derartige Darbietung leisten konnte in dem einen Spiel, das man nicht verlieren durfte, das wollte mir einfach nicht in den Kopf. Lediglich die unerwartete Schützenhilfe aus Braunschweig sorgte dafür, dass sich trotz des Punktverlusts unsere Ausgangssituation verbesserte. Aber „nur“ als Zweiter aufsteigen, das genügte mir persönlich nicht. Ich wollte alles, einen überzeugenden Sieg zum Abschluss, die Zweitligameisterschaft, die Kürung eines Torschützenkönigs, die Vermeldung eines neuen Zuschauerrekords. Wenn schon aufsteigen, dann richtig!

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Schon vor vielen Monaten schrieb ich meine Initialen in unseren digitalen Urlaubskalender hinein. Egal wie es laufen würde, ich würde mindestens einen freien Tag definitiv gebrauchen. Sei es der Tatsache geschuldet, bis tief in die Nacht mit Freunden zu feiern, oder einfach für die Verarbeitung erstklassiger Bilder, um die ich mich ausnahmsweise nun wirklich nicht am selben Abend kümmern wollte – oder gar aus Frust, den verpassten Aufstieg erst einmal verarbeiten zu müssen. Dass der VfB ganz gewiss direkt wieder aufsteigen würde, so sicher war ich mir da bei weitem nicht immer. Wer will es einem gebrannten Kind auch schon verdenken, das schon oft vom VfB enttäuscht wurde. Am Ende sollte alles anders kommen, anders als ich oft behauptet hatte, und doch insgeheim so, wie ich es mir immer gewünscht hatte.

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Angespannt bis in die Haarspitzen

Um sieben Uhr hatte der Wecker geklingelt, ganz benommen suchte ich mit der rechten Hand auf dem Boden neben dem Bett mein Telefon, um die penetrante Melodie auszuschalten. Für einen Moment hielt ich kurz inne, starrte auf die Schlafzimmerdecke und murmelte schließlich: „Es ist soweit!“ Es gab nur wenige Spiele, die ich mit einer solchen Anspannung erwartet hatte, es waren die beiden Derbys gegen Karlsruhe und jenes Spiel in Hannover, welches schon die Entscheidung hätte bringen können. Langsam pellte ich mich aus dem Bett, steckte noch einmal sämtliche Ladegeräte in die Steckdosen und wusste gar nicht so recht, wohin mit der Anspannung, die mich dennoch überraschend gut schlafen ließ.

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Ich wusste, dass ich alles schon vorbereitet hatte, und dennoch prüfte ich alles noch einmal penibel durch. Sind alle Speicherkarten eingepackt? Sind alle Akkus und Batterien soweit vorbereitet? Sind die Dauerkarten da? Wo sind unsere Trikots? Haben wir genug Geld einstecken für die Feierlichkeiten danach? Und wo hab ich gleich nochmal die vier Päckchen Capri Sonne hingestellt? Fragen über Fragen, die mich nur kurz davon ablenken konnten, dass sich hier und heute (hoffentlich) alles entscheiden sollte. Zu 90% war der VfB schon aufgestiegen, doch so ganz wollte ich dem Braten nicht trauen, noch nicht.

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Über fünf Stunden galt es noch zu überstehen bis zum Anpfiff, als ich mich von Felix verabschiedete und sagte „Wir sehen uns als Erstligisten!“, zog die Tür hinter mir zu und machte mich auf dem Weg in Richtung Stadion. Nur ein paar wenige Trikots säumten meinen Weg, es waren vermutlich jene, die sich am Cannstatter Wasen einen guten Platz beim Public Viewing ergattern wollten. Sonst deutete kaum etwas darauf hin, dass heute das Spiel der Spiele sein sollte, keine Polizei, das Stadiongelände war noch leer und die ersten Abschleppfahrzeuge nahmen an der Mercedesstraße ihren Dienst auf.

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Der Tag war gekommen

Für mich begann die Vorbereitung aufs Spiel erstmalig im SSC hinter der Festwiese, ein vollständig unbekanntes Terrain für eine „Neigschmeckte“ wie mich. Ein Sonder-Stammtisch meiner liebgewonnenen Twitter-Freunde, bei Bier, Sonne und jeder Menge netter Leute. Hier hegte kaum noch jemand einen Zweifel, dass alles gut gehen würde, und selbst mich hatte die Vorfreude auf den Aufstieg nun vollends im Griff. Wie ich am frühen Morgen noch geschrieben hatte: „Ein wunderbarer Tag, um aufzusteigen“.

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Ich weigerte mich geradezu, nun so kurz vor dem Spiel noch daran zu denken, was wäre, wenn wir hoch verlieren und Braunschweig zeitgleich hoch gewinnt, was jedoch blieb, war der Gedanke an Hannover. Ich wollte, dass Simon Terodde die Schale hoch hält – und nicht etwa Martin Harnik. Nach der ganzen Saison „nur“ als Zweiter aufzusteigen, erschien mir irgendwie einfach nicht richtig, das wäre auch den vielen Wochen an der Tabellenspitze und nicht zuletzt dem unentwegt erstklassigem Engagement der gesamenten Fanszene nicht gerecht geworden. Auch dann nicht, wenn es letztlich egal ist, solange du nur wieder aufsteigst.

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Am nächsten Tag würde es gewiss trotzdem weh tun, denn während den Stunden im SSC brannte sich mir dermaßen die Sonne ins Gesicht, dass die Haut bereits spannte, bevor ich das Stadion erreicht hatte. Wie gut, dass ich die ganze Zeit eine Sonnencreme in meiner Kameratasche hatte, die ich aber nicht aufgetragen hatte. Ein letztes Mal durchquerte ich als Fan eines Zweitligisten die Eingangskontrollen und das Drehkreuz zur Cannstatter Kurve, lief ein letztes Mal die Stufen zum Block hinauf und stelle mich ein letztes Mal an meinen Stammplatz im Block 33, unten an der Treppe am ersten Wellenbrecher. Der Tag war gekommen.

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Ein letztes Mal

„Es kribbelt!“ hatte ich jedem geantwortet, der mich auf meine Gemütslage angesprochen hatte. Ein Hauch von Aufregung lag in der Luft, anderthalb Stunden vor Spielbeginn war der Block bereits so voll wie üblicherweise eine halbe Stunde vor Anpfiff. Das hier war keinesfalls eine normale Partie, das sah man in jedem Gesicht, das einem entgegenkam und hörte es in einem angespannten Grundrauschen, das uns umgab. Ein letztes Mal sollte die Mannschaft alles geben um uns dann alle gleichermaßen nach einer denkwürdigen Saison glücklich und stolz zu machen.

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Dass es nur die zweite Liga ist, ist mir bewusst. Dass man lieber gar nicht erst abgestiegen wäre, ist mir bewusst. Doch ich bin mir selber bewusst, dass ich diese Augenblicke niemals vergessen werde. Unentwegt füllten sich die Reihen, ein letztes Mal sollte es noch einmal richtig pickepackevoll werden, seit Wochen gilt das Spiel als ausverkauft, ein paar mehr oder weniger seriöse Angebote kursierten noch auf diversen Plattformen und über verschiedene Gewinnspiele. Nicht ausgeschlossen, dass sich der eine oder andere in seiner Verzweiflung an Viagogo gewandt hatte und mehrere hundert Euro für dieses Spiel bezahlte, nur um dabei sein zu können – und solange es Leute gibt, die sich darauf einlassen, wird diesem Markt nie Einhalt geboten werden können.

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Seit Jahren sind es stets die selben Leute, mit denen ich da unten stehe, wir haben miteinander gefeiert, getrauert, geschrien und gelacht, ich habe sie lieb gewonnen. Dazu gehört auch die liebe Nina, die auf mich zukomm, mich herzlich umarmte und mir ein kleines Geschenk in die Hand drückte: ein Tempotaschentuch mit einer Banderole, auf der „Für Freudentränen“ geschrieben stand. Eine kleine Geste mit großer Wirkung, wollte ich doch nichts anderes als Freudentränen nach gespielten 90 Minuten plus Nachspielzeit.

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Entgegen aller Widrigkeiten

Wer weiß, wieviele sich schon viel zu früh zum Stadion aufgemacht hatten, in dem Glauben, das Spiel würde wie viele andere Sonntagsspiele um 13:30 Uhr anfangen. Eine ganzen Saison lang quälten uns die unglücklichsten Anstoßzeiten, die letzten beiden Spiele sollten erst um halb vier beginnen. So richtig realisierte ich es gar nicht, was um mich geschah, ich sah zwar die zehntausenden wehenden Fähnchen und den Playback-Auftritt der Fraktion an der Eckfahne vor der Kurve, aber gedanklich war ich bereits schon weiter, bei dem einen Moment, in dem alles entschieden ist. Bis dahin war es noch einige Zeit hin. So wie ich mir die ganze Saison immer wieder sagen musste, dass es bis zu diesem einen Tag noch einige Zeit hin ist.

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Hier stand ich nun und könnte kaum stolzer sein. Unfassbar, was wir in dieser Saison als Fanszene geleistet haben, entgegen aller Widrigkeiten, aller Anstoßzeiten zum trotz, über hunderte und tausende Kilometer. Es mag mein unerschöpflicher Pathos sein, und wer weiß, vielleicht reklamiert diese Aussage eine jede erfolgreiche Mannschaft für sich, aber vielleicht steckt doch die Wahrheit in den Worten, die Hannes Wolf dieser Tage in die Mikrofone sprach, dass wir die Mannschaft über die gesamte Saison hinweg getragen haben. Wir haben schon so viel durchstehen müssen, haben Jahre des Abstiegskampfs und -krampfs hinter uns und fühlten uns im Stich gelassen von einer Mannschaft, die in Wolfsburg abgestiegen war. Und dennoch standen wir immer hier.

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Es war angerichtet für das letzte Spiel und Patrick Ittrich die Mannschaften aufs Feld führte, ergriff mich inmitten dieses schier endlos scheinenden Fahnenmeers im Stadion die Gänsehaut, bevor der Ball sich überhaupt in Bewegung gesetzt hatte. Bitte lass diesen Tag so großartig werden, wie ich ihn mir erträumt habe, das sagte ich mir selbst als ich mit meiner rechten Hand meine Kamera fest umschlossen hielt und auf Zehenspitzen stehend über dutzende Köpfe hinweg fotografierte, so wie ich es in dieser Saison schon 16 Mal gemacht habe, so wie ich es seit Jahren gemacht habe.

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Konzentriert bleiben!

„Nie mehr, Zweite Liga, nie mehr, nie mehr!“ schallte es von den Rängen, eine gewaltige Kulisse für das letzte Spiel in Liga zwei. Ganz anders als dem VfB erging es unseren ehrfürchtigen Gästen, auf Platz 17 waren sie gefallen nach einer unglaublichen Hinrunde, sie würden ein Wunder brauchen, sich doch noch in die Relegation zu retten. So wunderbar dieser Tag auch werden könnte, nichts ließ mich vergessen, wie sich der VfB vor einem halben Jahr in die Winterpause verabschiedete. Mit 0:3 verloren wir am Dallenberg, fielen auf Rang drei zurück und überwinterten mehr mit Frust als mit Hoffnung auf die kommenden fünf Siege in Folge.

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„So steigt man nicht auf“ dachte ich einst, „So steigt man auf“ dachte ich mir heute. Dass es dann doch die Würzburger waren, die die erste große Chance für sich verzeichnen konnten, hatte angesichts des späteren Spielstands und der darauffolgenden Feierlichkeiten beinahe schon etwas Ironisches. Ich hätte nicht gewusst, was gewesen wäre, wenn Mitch Langerak nicht zwei Mal in Folge mit dem Fuß zur Stelle gewesen wäre und man den frühen Rückstand hätte hinnehmen müssen. Es blieb uns erspart, als ob der Fußballgott unbedingt wollte, dass der Tag perfekt gemacht wurde.

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Ein hoher und vor allem überzeugender Sieg nach all den Bluthochdruckspielen der letzten Wochen, die uns in Bielefeld und vor allem in Nürnberg alle Nerven gekostet haben, hatten wir einen angstfreien Nachmittag mehr als verdient. Nur die Tore, die wollten noch nicht fallen. Zunächst mit einem Schmunzeln abgetan, aber als Alexandru Maxim aus bester Position eigentlich nur abziehen musste, statt viel zu überhastet auf den mitgelaufenen Daniel Ginczek zu passen, wurde das Raunen etwas lauter. Das hätte doch die Führung sein müssen?! Doch nur Geduld, unsere Zeit wird kommen. Vor dieser Kulisse würde es sich der VfB gewiss nicht erlauben, kein Tor zu machen.

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Mit Vollspann ins Glück

Es war fast so, als scharrte man mit den Hufen, flehentlich wartend auf das erste Tor. Völlig egal, wie die Frage ist, die Antwort lautet immer „Simon Terodde“ – nach 23 Saisontoren stand er durch Martin Harniks fünfte gelbe Karte bereits als Torschützenkönig fest, anzunehmen, dass er das eine oder andere Tor noch oben drauf packt, um damit einen acht Jahre alten Rekord von Mario Gomez zu brechen und vielleicht seine Bestmarke von 25 Toren in der letzten Saison zu toppen. Entweder er oder Daniel Ginczek, einer von beiden. Schießt er selbst oder legt er rüber, das war die einzige Frage, die sich in der 32. Minute stellte.

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Hände wurden über den Köpfen zusammengeschlagen, „das gibt’s doch nicht!“ schallte es von allen Seiten. Simon Terodde entschied sich fürs Rübergeben, doch zu spät, zu unplatziert. Die Situation blieb jedoch heiß, wie die Sonne, die den Spielern auf den Latz knallte. Daniel Ginczek gab noch einmal ins Halbfeld und in der Hoffnung, vielleicht doch noch den Torjubel mit der Kamera einfangen zu können, hielt ich direkt drauf. Ich habe nicht gesehen, wer da angerauscht kam, ich sah durch den Sucher meiner Kamera nur den Ball, wie er schnurstracks links oben im Netz einschlug, es war das letzte scharfe Foto in einer Reihe, die das Dosenöffner-Tor zeigen sollte.

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War es Schicksal, dass das Tor nahezu ein Duplikat von Thomas Hitzlspergers Ausgleichstor vor zehn Jahren war? Eine ähnliche Entfernung, ein ähnlicher Winkel, eine ähnliche Wucht wie einst gegen Cottbus. Amüsant zu sehen, dass der Torschütze Matthias Zimmermann mit dem Torjubel ebenso überfordert schien wie der Deutsche Meister von 2007. Das glaubst du auch nur, wenn du es selbst miterlebt hast. Bevor ich meinen Freunden um den Hals fiel, ging der erste Griff zum Taschentuch, nicht zu dem für die Freudentränen, sondern zu einem normalen, schnell weg mit dem Bier, dass sich über die Kamera ergossen hatte. Es sollte nicht das letzte Mal sein.

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Zuhause ists (meist) am schönsten

Es wird mir sehr fehlen, dieses wunderbare Lied, dass uns in den letzten fünf Monaten begleitet hat bis zu diesem Moment unbändiger Begeisterung, Woche zu Woche wurde es lauter, bis es schließlich genau heute Wirklichkeit werden sollte. Bis zum Auswärtsspiel in München verweigerte sich Felix dem schönsten aller Lieder, es schien ihm unverständlich, dies so früh in der Saison zu singen, dass selbst die größte Pessimistin der Kurve dieses Lied mitgesungen hatte, war ihm geradewegs egal. Lediglich die Tatsache, dass bereits kurz nach dem Führungstreffer die erste Laola durchs Stadion schwappte, konnte ich auch nicht so recht verstehen.

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Jeden einzelnen Moment genießen und ihn aufsaugen wie ein Schwamm, das war meine Devise für diesen frühsommerlichen Nachmittag, auf den wir alle eine ganze Saison lang hingearbeitet haben. Zwei Päckchen Capri Sonne hatte ich eingesteckt, wer weiß, wie lange ich heute noch unterwegs sein würde, und doch bezweifelte ich, dass das reichen würde, sowohl der zweite Teil meiner Getränkeration als auch das eine Tor, dass man bisher erzielt hatte.

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Hier zuhause haben wir schon viele verrückte Geschichten erlebt, vom euphorischen Auftakt gegen St. Pauli über den Marathon-Hattrick von Simon Terodde gegen Bielefeld, das absurde Spiel gegen Dresden oder einen viel gefeierten Derbysieg. Wir waren noch nicht fertig damit. Ein letztes Mal sollte die Mannschaft in Richtung Cannstatter Kurve spielen und uns im zweiten Durchgang noch das eine oder andere wunderschöne Tor bescheren. Wirklich gesehen habe ich keines davon, aber das war mir egal.

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Störfeuer von außen

Dieser Tage drohte Unruhe, als man von einer Ausstiegsklausel bei Simon Terodde erfuhr, der denkbar schlechteste Zeitpunkt vor einem solch immens wichtigen Spiel. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass er kurz nach dem Beginn der zweiten Halbzeit drei gute Chancen liegen ließ. Manche murmelten bereits, er wirke gehemmt, doch noch war das Spiel ja nicht vorbei. Der Tag war gekommen für die ganz großen Gänsehautmomente, mit jedem einzelnen Lied wurde es lauter und mit jeder Sekunde kam man dem großen Ziel immer näher.

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Wie will man an solchen Tagen nur ruhig und entspannt bleiben, wenn das Herz mit einem Tango tanzt und man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist. Solche Tage sind magisch und verdienen es, sich unsterblich in unseren Kopf einzubrennen. Ab dem Moment, als Simon Terodde nach gut einer gespielten Stunde den Ball eroberte und zu Daniel Ginczek weitergab, konnte ich nichts mehr sehen, alles postierte sich auf der Mauer vor dem Tor. Ich wusste nicht, was passiert ist, hielt meine Kamera in die Luft und wartete nur auf den einen Moment, in dem alles laut herausschreit und mich der nächste Bierschwall von hinten trifft.

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Es gibt keine Worte dafür, völlig durchnässt in der Kurve zu stehen und die Freudentränen zurückhalten zu müssen. Mädchen, reiß dich zusammen, du kannst jetzt nicht durchdrehen. Gar nicht so leicht, wenn dir von allen Seiten „Wenn du mich fragst, wer Meister wird“ ins Ohr geschrien wird. Da brauchte es auch nicht das gleichnamige Lied, um zu wissen, dass der VfB wieder da ist, daran konnte auch das unnötige Anschlusstor der Würzburger nichts mehr ändern. Das hier konnte und wollte sich niemand mehr nehmen lassen.

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Nicht aufzuhalten

Zehn Minuten galt es noch zu überstehen, bis es keinen mehr auf den Sitzen halten würde. Zwei Tage zuvor wandte sich der VfB öffentlich an die Fans, man möge im Falle des Aufstiegs doch bitte nicht das Spielfeld betreten, eine eher obligatorische Bitte, doch manch einer erinnerte sich an 2007, als Zäune vor der Kurve aufgebaut wurden, um die Fans vom Platzsturm abzuhalten. Zäune gab es heute nicht, und nach allem, was wir am Samstagabend in der Sportschau aus Köln und Hamburg sehen konnten, wie wolle man da verhindern, dass alle Zuschauer brav an Ort und Stelle verweilen, während die Emotionen mit einem durchgehen?

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Bereits im Vorfeld war klar, man würde die Zwischenergebnisse aus Braunschweig und Sandhausen nicht auf der Anzeigetafel übermitteln, zu skurril war für unsere Mannschaft das Spiel in Hannover, als das gesamte Stadion die Bielefelder feierte. Netz hatte ich keines, einen Knopf im Ohr auch nicht, die wenigsten wussten, was Hannover währenddessen machte. Lediglich von einem zwischenzeitlichen 1:0 der Sandhausener war die Rede, doch das war schon eine ganze Weile her. Jetzt holt euch schon die verdammte Radkappe!

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Just in diesem Moment, als mir jener Gedanke durch den Kopf schoss, erreichte Timo Baumgartls Pass den Fuß von Daniel Ginczek. Mach es, Kerle, mach es, „Schieeeeeeeeß!“ brüllte mir jemand ins Ohr, danach verdeckten meine Vorderleute die Sicht und überließen es mir, mich wie so oft alleine auf mein Gehör zu verlassen. Eine gute Minute war seit Würzburgs Anschlusstor vergangen, bis Simon Terodde in einem phänomenal lautem Jubelschrei den alten Abstand wiederherstellte. Es gab kein Halten mehr, alles sprang wild durcheinander und eine herzliche Umarmung nach der anderen wurde ausgetauscht.

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Mit Sahnehäubchen

Und der erneute Vorlagengeber Daniel Ginczek? Der lag entkräftet auf dem Rücken, Arme und Beine weit von sich gestreckt und bevor der andere Part dieses wunderbaren Ochsensturms nur noch seinen Fuß hinhalten musste, ließ Daniel Ginczek seinen Kopf auf den Rasen sinken, schaute hinab in den strahlend blauen Himmel und lauschte dem Aufschrei des Neckarstadions, der so viel Erleichterung, Glückseligkeit und Freude in sich trug. Kurz darauf legte sich sein kongenialer Partner auf ihn drauf, irgendwas hatte unsere Nummer 33 ihm ins Ohr gesagt, was genau es war, werden wir wahrscheinlich nie erfahren.

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Da huschte sie mir dann doch über die linke Wange, eine einzelne einsame Träne, die sich nicht gedulden konnte bis zum Abpfiff. Inmitten der unfassbaren Freude platzte Holger Laser hinein und sprach ins Mikrofon noch einmal die Bitte, nach dem Abpfiff auf den Plätzen zu verweilen. Viele Freunde machte er sich in der Kurve damit nicht, die schönsten Emotionen lassen sich nach dem sofortigen Wiederaufstieg wohl kaum im Zaum halten – wer will es uns auch verdenken nach dieser aufregenden Saison, die uns so viele tolle Highlights gebracht hat. Wenn selbst die Untertürkheimer Kurve ein Lied anstimmt, dann weißt du genau, dass dies die Momente sind, für die du dein Herz an den VfB verschenkt hast.

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Nur noch wenige Minuten trennten und von der Zweitligameisterschaft, drei Tore hatte man erzielt, Würzburg konnte und wollte nicht mehr, alles war bereits entschieden. Nur einer gab sich damit nicht zufrieden: der dreifache Vorbereiter Daniel Ginczek. Warum nicht also einfach mal aus dem Stand heraus das Ding unter die Latte nageln? Kann man mal so machen, Daniel Ginczek. Viel freuen konnte er sich nicht, schon sackte er unter dem tosenden Jubel erstklassiger Fans auf dem Boden zusammen, die Wade hatte dicht gemacht. Du wunderschöner Schmerz.

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Alle auf den Platz!

Eine Nachspielzeit sollte es nicht geben, das konnte und wollte man den bemitleidenswerten Kickers nicht zumuten, keine Sekunde zu spät zückte Patrick Ittrich mit einem Schmunzeln im Gesicht die Pfeife und erklärte damit nicht nur die Partie für beendet, sondern kürte den VfB damit zum Aufsteiger und Zweitligameister. Es war vollbracht. Noch einmal versuchte ich, die Freude der Mannschaft mit der Kamera einzufangen, aber dafür zitterten meine Hände viel zu sehr. Es schien ruhig zu bleiben auf den Tribünen, jedenfalls machte es gut 20 Sekunden lang den Eindruck, bis ungefähr bei Block 36 alle Dämme gebrochen waren und binnen weniger Sekunde hunderte Leute das Feld stürmten, weitere tausend folgten.

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„Jetzt ists auch egal“ lachte ich laut hinein, wischte meine Tränen aus dem Auge, packte die Kamera weg, verschloss die Tasche und ließ mich von der gewaltigen Masse mit nach vorne reißen. Unten angekommen, stellte ich jedoch fest, dass der Plan, den ich seit dem ersten Spieltag lang hefte – mit dem Abpfiff aufs Feld zu rennen – nicht ganz durchdacht schien. Wie komme ich da jetzt über die Mauer? Ich weiß nicht mehr genau wie, grazil ausgesehen hat es mitnichten, doch was spielte das schon für eine Rolle in diesem Augenblick der entfesselten Emotionen.

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Mit unbändiger Freude, aufgestiegen zu sein und mir bei meinem Platzsturm weder den Knöchel verstaucht noch die Achillessehne gerissen zu haben, lief ich unbeirrt mit weit ausgebreiteten Armen weiter. Auf genau diesen Moment habe ich gewartet. Es wäre fototechnisch die weitaus schlauere Wahl gewesen, an meinem Platz zu verbleiben, doch ich konnte das nicht, nicht nachdem ich diesen Plan schon so lange in meinem Kopf hatte. In Sekundenbruchteilen fand ich mich wieder in einer jubelnden Masse, versuchte mich zu orientieren.

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Die Tränen eines Aufsteigers

Wie gerne wollte ich jetzt Simon Terodde oder Alexandru Maxim in die Arme fallen, doch ich konnte niemanden finden, alle schienen das weiße Heimtrikot zu tragen. Nur Mitch Langerak konnte ich entdecken, den man hochleben ließ, und ich auf einmal mittendrin. Bis vor die Haupttribüne hatte es mich verschlagen, wobei ich euch nicht sagen kann, wie genau ich dort gelandet war. Schnell stellte ich fest, dass es keine so arg gute Idee war, jedenfalls nicht im Sinne der Fotos und auch nicht im Sinne einer nicht unbeliebten Tätigkeit, die sich „Luft holen“ nennt.

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Ich hatte keinen Überblick, wie es mittlerweile auf dem Feld aussah, mein Blick ging zur Anzeigetafel, wo ich vielleicht das alles von oben sehen könnte. In weißten Lettern stand dort auf einer roten Farbfläche geschrieben: „Weiß-rot ist Meister!“ und spätestens jetzt war es vorbei mit der Contenance. Da flossen die Tränen, vollkommen ungeniert, und alleine war ich damit weiß Gott nicht. So sehr sehnte ich diesen Moment herbei, dass er sich genau so erfüllt hatte, bedeutete mir mehr, als ich je sagen könnte.

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Nur schwer konnte ich über die vielen Köpfe hinwegsehen, die vor mir waren und ihre Handys gezückt hatten, wenige Meter von mir entfernt war Alexandru Maxim aufs Dach der Ersatzbank gestiegen, streckte seine Arme in die Luft und genoss das Bad in der Menge und machte sich damit unwissentlich zum Sinnbild des Aufstiegs. Das Bild, wie er dastand und seine Freude hinausschrie in die Gesichter von tausenden, die den Platz gestürmt hatten, ging durch die Medien – nicht nur für die geschätzten Kollegen vom Vertikalpass ein epischer Moment.

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Da ist das Ding!

Immer mehr Leute drängten nach vorne, der Ordnungsdienst drückte nach hinten, es wurde schnell unangenehm auf dem Platz und gut sehen konnte ich auch nicht wirklich. Die Siegerehrung mit Schalenübergabe wurde kurzerhand auf die Tribüne verlegt, auf dem Platz ging gar nichts mehr. Einer nach dem anderen bekam seine Medaille um den Hals gehängt und ob mans glaubt oder nicht, selbst jetzt verkniff sich Hannes Wolf das Grinsen, in einer schelmischen Art und Weise wie beim Heimspiel gegen Aue. Als letzter wurde Christian Gentner herausgebeten der die Zweitligameisterschale in die Hand nahm und unter dem tosenden Jubel aller Zuschauer in die Luft streckte.

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Einer nach dem anderen bekam sie in die Hand gedrückt und präsentierte sie voller Stolz. Es ist nur die kleine Meisterschaft, es war nur die zweite Liga, aber sie ist die versöhnliche Wiedergutmachung für die Leiden des Abstiegs. Vor einem Jahr hatte ich nicht geglaubt, dass wir direkt wieder aufsteigen, ich prophezeite einige Jahre Zweitklassigkeit, zu sicher war ich mir, es würde lange Zeit dauern, bis der VfB den Weg zurück nach oben findet. Durchweg überzeugend war diese Spielzeit bei weitem nicht, sie säte so manchen Zweifel und sorgte für den einen oder anderen schmerzhaften Tiefschlag, aber am Ende bewiesen sie doch, wozu sie im Stande waren.

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Langsam zog ich mich zurück und suchte meinen Weg durch die Massen zurück zu meinem Block 33, wo ich meine Freunde und Freundinnen wieder in die Arme schloss. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht schaute ich gelassen auf das noch immer volle Spielfeld, dass sich nur langsam wieder zerstreute. Die Tränen waren getrocknet und was blieb, war die Erleichterung. Niemand vermochte sich vorstellen zu wollen, was wäre, wenn der VfB nicht aufsteigt, wenn er ein weiteres Jahr in den Niederungen des Unterhauses hängen bleibt, wichtige Leistungsträger wegfallen und ein zerbrochener Kader wohl kaum eine ähnliche Qualität entwickeln könnte wie an diesen 34. Spieltagen. Zum Glück müssen wir uns das jetzt nicht mehr vorstellen.

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Hallo Aufstieg, genau so habe ich dich geträumt

Auf den Anzeigetafeln über unseren Köpfen flimmerte die Pressekonferenz über den Bildschirm, viel verstehen konnte ich zunächst nichts, ich habe nur mitbekommen, wie Pressesprecher Tobias Herwerth Hannes Wolf bat, das Spiel zu analysieren, der daraufhin in einem eigens angefertigen „Erstklassig“-Shirt lachend antwortete, dass darauf doch sowieso keiner Bock hat. Kurz darauf ein lautes Geschrei aus dem Hintergrund, Daniel Ginczek, Timo Baumgartl und Co crashten die Pressekonferenz und übergossen einen völlig gelassenen Hannes Wolf. Während im die Brüche aus den Haaren übers Gesicht lief, schmunzelte er und fragte: „Kann ich jetzt weiter analysieren?“

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Wohin man auch in Stuttgart schaute, überall wurde gefeiert. Auf dem Spielfeld, in der Kabine, auf den Straßen, nebenan auf dem Wasen, in den Kneipen und vor den heimischen Fernsehern. Mich zog es mit meinen engsten Vertrauten erst einmal in die nahe gelegene Ultrakneipe, die Atmosphäre geprägt von einer ausgelassenes, erleichterten aber auch erschöpften Stimmung. Später ging es für mich weiter, Teil zwei des Twitter-Stammtischs wartete bereits am Feuersee, Teil drei setzten wir nach dem Zapfenstreich wenige hundert Meter in einer anderen Kneipe fort. Das Adrenalin ließ nur langsam nach und ließ mich feststellen, wie viel Kraft der Tag gekostet hatte. Es konnte mir kaum egaler sein.

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Zurück daheim war an Schlafen nicht zu denken, ich schaute mir Videos und Bilder in den sozialen Medien an, um meine eigenen Bilder wollte ich mich jedoch erst am nächsten Tag kümmern. Hätte man mich gefragt, wie ich mir den Tag wohl hätte vorstellen können, ich hätte vermutlich geantwortet: „Genau so“. Seit Tagen zehre ich noch von den Emotionen rund um dieses Spiel, die Erfahrungen des Aufstiegs und der Zweitligameisterschaft werden sich genauso in mein Gedächtnis brennen wie so manches Spiel, das uns zu diesem Punkt gebracht hat. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, dass ich das erleben durfte, mit einzigartigen Erfahrungen, skurrilen Erlebnissen und unglaublichen Weggefährten, die diese Zweitligasaison zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Wenn du mich fragst, wer Meister ist, dann sage ich zu dir, das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB.

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Ich wart seit Wochen, auf diesen Tag
und tanz vor Freude, über den Asphalt
Als wär’s ein Rythmus, als gäb’s ein Lied
Das mich immer weiter, durch die Straßen zieht
Komm dir entgegen, dich abzuholen, wie ausgemacht
Zu der selben Uhrzeit, am selben Treffpunkt, wie letztes mal […]
An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
Wünsch ich mir Unendlichkeit

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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