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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Nichts zu holen in der Heimat

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Lange war das Spiel schon vorbei und noch immer prasselten die Regentropfen nieder. Es ist kalt geworden, von den sommerlichen Temperaturen des Nachmittags war nicht mehr viel zu spüren. Bis zum Ende blieb es dabei: das komischste Auswärtsspiel der Saison, vielleicht sogar der letzten Jahre, es lag nun hinter mir. Noch vor zehn Jahren hatte meine Lebensplanung ganz anders ausgesehen, mit einem durchschnittlichen Job, einer netten Altbauwohnung in einem gehobenen Wohnviertel, eine Familie. Dann kam der VfB und änderte alles, was bisher da war und verschaffte mir ein Leben, das so ganz anders war als ich es gedacht hatte.

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Kaum jemand von euch wird verstehen können, welche Emotionen am Wochenende in mir rumorten. Wäre der VfB nicht gewesen, wäre ich eine von denen geworden. Ein Teil von dem, das ein jeder romantische Fußballfan geschworen hat, zu bekämpfen. Es ist der schmale Grat zwischen der Erinnerung an die eigenen Wurzeln und dem Pathos, den jede aktive und lang gewachsene Fankultur in sich trägt. Auf dem Papier ging es um nicht mehr als drei Punkte. Für mich wurde die Reise in die Vergangenheit zur emotionalen Zerissenheit, zwischen dem, was ich heute mein Leben nenne und dem, was hätte mein Leben sein können.

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24 Jahre hatte ich hier gelebt. Ich wurde in der Frauenklinik geboren, bin in der Eisenbahnstraße aufgewachsen, machte meinen Schulabschluss in der August-Bebel-Schule, absolvierte meine Ausbildung an der Gutenbergschule, lernte viel beim Praktikum nache des Bundesverwaltungsgerichts, arbeitete über fünf Jahre auf der Karli und lebte viele Jahre alleine in meiner eigenen Wohnung in Neustadt-Neuschönefeld. Das Gefühl, mir würde etwas fehlen, konnte mich in all den Jahren trotz allem nie wirklich loslassen. Bis ich schließlich mein Herz einem Verein schenkte. Was wurde ich damals nicht immer belächelt, Fußballfan geworden zu sein. Viele von denen waren womöglich am Samstag im Stadion, als mein Herzensverein einem Marketingprodukt unterlag, das es noch nicht einmal gab, als ich mir die erste Dauerkarte beim VfB gekauft hatte.

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Ein alternatives Leben

Manchmal frage ich mich, wie mein Samstag wohl ausgesehen hätte, wenn das Sommermärchen 2006 schnell abgebbt wäre, der VfB 2007 nicht Deutscher Meister geworden wäre und ich somit den Weg zum Fußball nicht gefunden hätte, oder zumindest auf eine sehr viel nüchternere Art und Weise. Versteht mich nicht falsch, ich bin stolzer VfB-Fan und bin dankbar um all die Möglichkeiten und Begegnungen, die der Verein in mein Leben gebracht hat, aber gerade dann, wenn meine Gegenwart auf einen Teil meiner Vergangenheit trifft, kommen gewisse Fragen in mir hoch.

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Unterschiedlicher können die beiden Vereine nicht sein. Der eine mit einer ewigen Tradition, Gründungsmitglied der Bundesliga, international bekannt und mit einer treuen Fanbasis, die den Verein durch Ab- und Aufstiege begleitet hat. Der andere ein auf dem Reißbrett konstruiertes Produkt, das einzig dem Ziel dient, mit der Platzierung von Fußball ein Produkt zu verkaufen, im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Motto „Koste es, was es wolle“, die meisten Zuschauer haben vor einigen Jahren ein Stadion noch nie von innen gesehen und konsumieren den Fußball als reines Familienevent.

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Nur: dass die Leipziger dies mit enormen sportlichen Erfolg tun, während es für uns nach einem Jahr Zweitklassigkeit wieder um nicht mehr als den Klassenerhalt gehen kann, bringt einen zum Nachdenken. Viele Leipziger können nicht verstehen, warum sie so angefeindet werden, den meisten ist es mittlerweile gleich ganz egal. Ich für meinen Teil kann zumindest den Part nachvollziehen, sich am höherklassigen Fußball in dieser doch wunderbaren Stadt zu erfreuen, nachdem jahrzehntelang der Krieg zwischen Lok und Chemie die Stadt zerrüttet hat. Welche Konsequenzen das für den Fußball hat, verstehen sie nicht. Wie denn auch, wenn man sich erst seit kurzem am Event erfreut?

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Ab nach Hause zu Mama

Mit dem Erscheinen des Spielplans habe ich als erstes nach drei Partien gesucht, nämlich das erste Heimspiel, das letzte Saisonspiel und wann der VfB in Leipzig antreten würde. Noch am selben Abend rief ich meine Mama an und teilte ihr mit, der VfB würde am Wochenende zwischen dem 20. und 22. Oktober in der Heimat spielen. Schon von Beginn an beschlichen mich diese beiden Gefühle, nämlich dass der VfB wohl nichts zu holen haben würde und dass Timo Werner mit Sicherheit einen Anteil daran haben wird, soviel war für mich klar. Die Wochen vergingen und während sich das Brausekonstrukt von Punktgewinn zu Punktgewinn mauserte, wusste der VfB lediglich daheim einigermaßen zu überzeugen.

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Aus den geplanten vier Tagen in der Heimat wurde leider nichts – aus beruflichen Gründen mussten ein paar Stunden am Freitag, die ich eher gehen durfte, ausreichen. Mit Sack und Pack ging es Richtung Osten, diverse Staus machten die Anfahrt überaus zäh und nach sechs Stunden Fahrt hatten wir es endlich geschafft. Die restlichen wenigen Stunden des Freitagabends verbrachten wir entspannt, bei einem Bier, Fernsehen und dem neuesten Klatsch und Tratsch, bevor es am nächsten Mittag tatsächlich soweit wäre und wir erstmals ein Pflichtspiel der VfB-Profis in Leipzig besuchen würden.

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Wer keine Hoffnungen hat, kann auch nicht enttäuscht werden, oder wie war der Spruch gleich nochmal? Ich dachte, ich würde mich leichter tun, wenn ich gleich im Vorfeld davon ausgehe, dass der VfB dem aktuellen Niveau der Leipziger nichts entgegenzusetzen haben würde, dass Timo Werner das eine oder andere Tor macht und wir mehr oder weniger sang- und klanglos unter die Räder kommen. „3:0 und aufwärts“ lautete mein durchaus realistischer Tipp, vielleicht würde es dann weniger weh tun, wenn es genauso eintritt. Doch nicht einmal das war mir vergönnt.

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Alte Freunde, neue Freunde

Um die Mittagszeit herum machten wir uns auf den Weg zur nahegelegenen Straßenbahnhaltestelle „Gerichtsweg“ und machten uns auf in Richtung Hauptbahnhof, wo mein Kumpel Moritz und dessen Vater ihre zwei organisierten Karten in die Hände gedrückt haben wollten. Lange ist es her, dass ich die beiden gesehen hatte, oder vielmehr gesagt, es war jener Abend nach dem 0:5-Debakel in Dresden, als wir trotz allen Frusts gemütlich beisammen saßen bei köstlichem Essen und feinem Wein. Gut ein Jahr später sah man sich wieder, doch im Gegensatz zum damaligen Zweitligaauswärtsspiel würde ich heute schon vorher wissen, dass der VfB nichts zu melden hatte.

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Auch meinen langjährigen Kumpel Eric traf ich am Hauptbahnhof, genau wie Moritz auch aus dem Osten, natürlich ebenso im Zeichen des Brustrings. Die Faszination des VfB überschreitet hin und wieder schon die eine oder andere (Bundes-)Landesgrenze. Schon bald machte ich mich auf den Weg, auch ein Treffen mit Henriette durchte nicht fehlen, wenn wir schonmal gegeneinander spielen. Ganz recht, Henriette ist RB-Fan. Als wir neulich miteinander schrieben, überlegten wir, wie lange wir uns schon nicht mehr gesehen haben. Es war sehr lange, bevor sie zu RB kam. Und lange, bevor ich zum VfB kam. Eine Bekanntschaft aus meinem früheren Leben, es dürften nun schon gute 15 Jahre sein.

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Auf einem Schotterweg trottete ich schließlich weiter, links von mir das Elsterbecken, dass ich schon so oft in meinem Leben auf einer Brücke überquert hatte, rechts von mir das Zentralstadion, das so viele Jahre ungenutzt geblieben war. Am Gästeblock versammelten sich die ersten hundert Leute, stetig wurden es mehr. Es fühlte sich mit jeder Minute seltsamer an, hier zu sein. Das letzte Mal, als ich hier war, traf RB Leipzig in der dritten Liga auf unsere Amateure und gewann unter anderem durch das Führungstor nach 8,6 Sekunden mit 3:1. Ganz hervorragende Aussichten also für die heutige Bundesligapartie. Nicht.

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Vier Jahre seit dem letzten Mal

Treppe hoch, Treppe runter, Treppe hoch – wer das vom Zentralstadion, das 1965 für 100.000 Zuschauer eröffnet wurde, nicht kennt, hatte seine liebe Mühe mit der von außen kaum vorstellbaren Wegeführung der heute 42.959 Zuschauer fassenden Spielstätte. Lange stand ich am Rande des Unterrangs und ließ meinen Blick ziellos schweifen. Ich kann mir nur grob vorstellen, wieviele von denen, die heute hier waren, ich aus meinem damaligen Leben über ein oder zwei Ecken kennen würde, viele meiner meiner damaligen Freunde und Mitschüler schlappen mittlerweile alle zwei Wochen hierher. Dass ich deren Worte nie vergessen habe, man könne eh nicht verstehen, als Leipzigerin Fan eines Stuttgarter Vereins zu werden, wissen sie nicht.

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Ich ging weiter nach oben in den Oberrang und traf dort gleich am Eingang auf meinen langjährigen Kumpel Nico aus Wurzen und dessen ortsansässigen Freund Jörg, alle waren da, wie schon 2013 beim Spiel der Amateure. Vier Jahre später hatte RB zwei Aufstiege und eine Vizemeisterschaft hinter sich, der VfB ein peinliches Aus in der Europa League, zwei hart umkämpfte Klassenerhalte, einen Abstieg und einen Aufstieg. Viel haben wir erlebt und wenn mich eines die letzten Jahre hätte lehren müssen, dann doch das, dass es irgendwie immer weitergeht. Doch es gibt Tage, da will dieser Gedanke so gar nicht in meinen Kopf.

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Die letzten Minuten bis zur Partie waren angebrochen, eine Ehrung des kürzlich überraschend gestorbenen Thomas Albeck sollte es noch geben. Lange Jahre im Dienste des VfB und Grundsteinleger für viele erfolgreiche Karrieren und die Deutsche Meisterschaft 2007, seit 2013 im Dienste der Leipziger. Eine minutenlange Andacht, die schließlich durchbrochen wurde vom Applaus des Gästeblocks, bei jenen Worten, wieviel Anteil er an der erfolgreichen Jugendarbeit des VfB hatte. Ein Gänsehautmoment, das sagten mir schließlich selbst jene, die uns gegenüber in der Leipziger Kurve gestanden waren.

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Keine Frage der Unmöglichkeit

„Eine stolze Kurve voller Geschichte“ prangte in großen Lettern auf einem Banner vor dem Oberrang, als die Mannschaften das Spielfeld betraten, bald ergänzt durch die Worte „hat für euch nur Verachtung übrig“. Hoffentlich würde es bald vorbei sein, und hoffentlich würde es nicht ganz so schlimm werden. Dabei wusste ich es eigentlich schon tief in mir drin besser, es war zu wenig, das für uns hätte sprechen können. Nach zehn Minuten sah sich Hannes Wolf verletzungsbedingt schon zum ersten Wechsel genötigt, für Dennis Aogo kam Dzenis Burnic.

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Für den verletzten Marcin Kaminski kehrte allerdings Emiliano Insua zurück, er spielte von Beginn an. Und wenn wir hier schon nichts holen, dann zeigen wir denen wenigstens, wie richtig gute Stimmung geht. Zumindest dieser Plan ist voll aufgegangen. Knapp über 20 Minuten waren vergangen, der VfB machte das bislang ganz gut, trotz des erschreckend geringen Ballbesitzes. Gegen den einen Schuss aus der Ferne waren sie dann aber doch machtlos: Marcel Sabitzer traf aus der zweiten Reihe sehenswert ins Eck.

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Aber war der VfB hier wirklich machtlos? Warum wurde Marcel Sabitzer nicht am Schuss gehindert? Warum war man so passiv in der Situation? Warum stand Ron-Robert Zieler so weit vom Tor entfernt? Und warum müssen es immer die sehenswerten Tore sein, die wir schlucken müssen? Eine fast identische Kopie vom Ausgleichstor durch Dominique Heintz in der vergangenen Woche gegen Köln, ähnliche Entfernung, ähnliche Flugbahn, ähnlicher Einschusspunkt.

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Vorherbestimmt – oder etwa doch nicht?

Die wenigsten dürften überrascht gewesen sein, aber dennoch tat es weh. Das erste Tor war gefallen und ich war sicher, dass weitere folgen würden. Nur kurz mussten sich die 4.500 mitgereisten Stuttgarter aus Nah und Fern schütteln und schon waren sie stimmungstechnisch wieder voll da – sehr viel mehr hatten wir an diesem Nachmittag ohnehin nicht anzubieten. Mit neun defensiv ausgerichteten Spielern war Hannes Wolfs Marschroute für diese Partie klar, aber hätte es nicht doch ein bisschen mehr Mut sein dürfen? Hatte man wirklich geglaubt, eine eher mäßige Abwehr könnte in langen 90 Minuten dem Druck von Timo Werner, Yussuf Poulsen und Emil Forsberg auf ewig standhalten?

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Defense first, schon klar. Aber wer wenig bis gar nichts vorne trifft und regelmäßig unglückliche Gegentore fressen muss, der wird auf Dauer nicht viel Freude haben am Abenteuer Bundesliga. Es scheiden sich die Geister, ob Hannes Wolf die Mannschaft nun genau recht eingestellt hat und die Niederlage letztlich kein Beinbruch wäre, oder ob der fehlende Mut zu mehr Offensive nicht auf kurz oder lange das Schicksal unseres jungen Coachs besiegeln wird. Dass Tage später Gerüchte aufkommen, man wolle im Winter noch einen Stürmer verpflichten, ist nicht unbedingt schön – denn dieser würde ohne die Vorlagen aus dem Mittelfeld genauso verhungern wie Simon Terodde und Daniel Ginczek.

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Die couragierte Darbietung der Mannschaft in allen Ehren, sie würden dem Druck dennoch nicht mehr lange standhalten können. Solange ich konnte erfreute ich mich an der Stimmung im Gästeblock und plauderte mit Nico und Jörg während um uns herum ein jeder alles gegeben hatte, um der Mannschaft ein Stück weit zu zeigen, dass wir für sie da sind, und um allen anderen zu zeigen, welche Bedeutung unser Verein für uns hat. Was im zweiten Durchgang passierte, war allerdings durchaus seltsam, denn damit gerechnet hatte ich nicht unbedingt. Im Gegenteil.

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Die krumme Sache mit der Hoffnung

Ein Debakel, ein Torfestival von Timo Werner, das Bloßstellen vor der Kundschaft eines künstlichen Produkts, eine hohe wie verdiente Niederlage. Ich hatte mit vielem gerechnet, nur nicht damit, dass es auf einmal der VfB war, der die besten Chancen des Spiels hatte. Die zweite Halbzeit hatte begonnen, und was auch immer Hannes Wolf seinen Schützlingen mit auf den Weg gegeben hatte, es schien zu wirken. Immer wieder rannten sie an, immer wieder versuchten sie es, immer wieder scheiterten sie nur knapp. Hoffnung zu verspüren in einer Partie, die von vornherein nichts anderes als verloren werden konnte, darauf war ich nicht vorbereitet.

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Eine gute halbe Stunde drückte der VfB und mehr und mehr bekam ich das Gefühl, dass mit etwas Glück vielleicht doch noch etwas gehen könnte. Nur Mut, Herrschaften, nur Mut! Doch es kommt wahrlich nicht von ungefähr, dass der VfB erst so erschreckend wenig Tore erzielt hat, der letzte Schritt nach vorne zum Tor, der fehlt einfach noch – auch unter dem mittlerweile strömenden Regen von Leipzig. So stark die Phase des VfB auch war und RB offenbar etwas beeindruckt war, so enttäuschend war es, mit anzusehen, dass sie daraus kein Kapital schlagen konnten. Dem Sturm und Drang unserer Mannschaft konnten die Gastgeber gegen Ende wieder Einhalt gebieten, bis der Unparteiische Sven Jablonski schließlich abpfiff.

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Ernüchterung. Unverständnis. Enttäuschung. Wut. Betroffenheit. Von allem ein bisschen etwas. Not getan hat die fünfte Niederlage im fünften Auswärtsspiel nicht. Wieder hatte man sich ganz passabel geschlagen, vorne die Tore nicht gemacht und muss sich einem Gegner geschlagen geben, der nicht durchweg wirklich immer nur besser war. Und genau das wurde für mich zum emotionalen Tauziehen: froh sein, dass es dennoch ein couragierter und stabiler Auftritt war, oder frustriert sein, weil am Ende gar nicht so viel zum Punktgewinn gefehlt hatte? Am Ende überwog schlussendlich das zweitere Gefühl. Man hätte nicht verlieren müssen, und genau das ärgert mich am meisten.

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Die richtige Entscheidung

Vollkommen durchnässt und mit hängenden Köpfen schlurften sie zum Gästeblock. Pfiffe gab es keine, keine Gestik von leeren Händen, ein bisschen aufbauender Applaus, nicht mehr, nicht weniger. So viele schlimme Dinge hatte ich mir ausgemalt, und heute frage ich mich, ob es mir mit einer hohen Niederlage besser gegangen wäre. Vielleicht, denn dann hätte ich mir bis zum Ende keine Hoffnungen machen müssen. So aber bleibt am Ende die Unvollkommenheit, mangels Mutes nicht doch noch zum Punktgewinn gekommen zu sein. Viele waren einfach froh, diesen unliebsamen Spieltag hinter sich zu haben und wieder in die Heimat fahren zu können.

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Alle waren bereits längst entschwunden, als ich zwischen den blau-grünen Sitzschalen umherlief und die leeren Plastikbecher aufsammelte, die viele achtlos weggeworfen hatten. Einen Euro Pfand gabs dafür, für uns und vor allem Felix ein durchaus lukratives Geschäft. Punkte wären mir lieber gewesen, dachte ich mir, als mir die Thekenfrau das Pfandgeld aus dem Kässle herausgab. Im Regen ließen wir das Stadion hinter uns. Meine Nase hatte ich tief in mein Halstuch vergraben, als wir uns auf den Weg zu Straßenbahn machten.

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Am Augustusplatz trennten sich unsere Wege, Felix und unsere Freunde Gerd und Ingrid machten die Karli unsicher, während ich die zwei Stationen zu meinen Eltern zurückfuhr. Bilder bearbeiten. Sportschau gucken. Und noch einmal ansehen, wie uns der Torschütze des Monats, Sebastian Haller den Seitfallzieher ins Eck drosch. Mir blieb heute wohl einfach garnichts erspart. Bei allem Frust, den ich mit einer Flasche Bier herunterschlucken musste, ich würde nicht gegen ein anderes Leben tauschen wollen. Auch dann nicht, wenn mein Abend soviel entspannter und friedlicher hätte sein können.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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