my life. my love. my blog.

Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

7. März 2018
von Ute
1 Kommentar

Vorsicht ist besser als Nachsicht

„Ich habe mir das irgendwie anders vorgestellt“ murmelte ich mit betretener Mine in Richtung meines Kumpels Thibault. „Ja, ich auch“ seufzte der junge Belgier aus Gent, dem ich nach seinem ersten Heimspiel gegen Wolfsburg nun zu seinem ersten Auswärtsspiel verhelfen durfte. Eine gute halbe Stunde war das Spiel alt, mein Schädel dröhnte und der VfB lag auswärts beim Tabellenletzten zurück. Es gab schon bessere Momente in dieser Spielzeit. Eine Niederlage konnte man sich in Köln nicht leisten, das wusste jeder der weit über 5.000 VfB-Fans, die sich aus Nah und Fern auf den Weg gemacht hatten. Dass das Grauen der ersten halben Stunde doch noch mit drei Punkten belohnt wurde, hat vermutlich keiner von uns allen so recht verstanden. Und wirklich wohl ist mir mit dieser unerwartet entspannten Tabellenkonstellation auch nicht.

2018_03_04_Koeln-VfB_01

Nach gut sechs Jahren der (Fast-)Allesfahrerei gibt es kein Stadion, dass ich in der jüngeren Bundesliga-Geschichte nicht schon einmal von innen gesehen habe. Von Hamburg bis nach München, von Dortmund bis nach Leipzig, bisweilen vermag es reizlos und langweilig sein. Nur wenige Stadien haben im Lauf der Jahre ihren Reiz für mich nicht verloren – Köln ist eines davon. Als ich vor fast elf Jahren das erste Mal in Köln war, um der Nationalmannschaft im Freundschaftsspiel gegen Rumänien beizustehen, lernte ich den Zauber dieser besonderen Stadt kennen. Dass eine meine großartigsten Auswärtserinnerungen mein Bronchitis-Spiel mit 5:1-Sieg vor acht Jahren war, kommt sicher auch nicht von ungefähr.

2018_03_04_Koeln-VfB_02

Ich gebe zu, ich fahre gerne nach Köln. Die Auswärtsstatistik bei dieser Spielpaarung ist daran natürlich nicht unschuldig. Gut 20 Jahre lang gab es diese beiden ungeschriebenen Gesetze beider Vereine: der VfB gewinnt zu Hause nicht gegen Köln und andersrum. Chadrac Akolo kannte dieses ungeschriebene Gesetz aber nicht und entschied sich, eine neue Geschichte zu schreiben. Bis heute bekomme ich Gänsehaut, wann immer ich nur an das Hinspiel denke: der nicht gegebene Elfmeter durch Videobeweis, der letzte Angriff in der Nachspielzeit, der verzweifelte Schuss, das minimale Abfälschen und schlussendlich ein weiß-roter Jubelhaufen vor der Cannstatter Kurve. Magische Momente wie diese sind selten geworden. Der Fluch war gebrochen, man konnte also annehmen, dass dies auch für das Rückspiel gelten würde. Überrascht hätte es wohl die wenigsten.
Weiterlesen →

26. Februar 2018
von Ute
2 Kommentare

Kann Spuren von 2016 enthalten

Eigentlich ist das mit dem Fußball gar nicht so schwer. Weniger quatschen, mehr Leidenschaft zeigen. Weniger schwadronieren, mehr Tore machen. Weniger heiße Luft, mehr Punkte. Klingt eigentlich gar nicht so kompliziert, nicht wahr? Doch das eigentlich Schwierige ist es, das Zutrauen in diese Mannschaft, in diesen Verein wiederzufinden. So viel ist kaputt gegangen, der Weg nach unten unaufhaltsam. Ich hatte mich bereits damit abgefunden, mit so etwas ähnlichem wie einer neu gewonnenen Gelassenheit eine emotionale Distanz aufzubauen, weil sich diese Mannschaft offenbar nicht bemühen will. Nun sitze ich wieder hier, am Tag danach, und der VfB hat in den letzten vier Spielen zehn Punkte geholt. Eigentlich ein Grund zur Freude. Wenn da nur nicht diese finsteren Erinnerungen wären. Feels like 2016.

2018_02_24_VfB-Frankfurt_01

Es sei mir verziehen, dass ich nicht einfach den aktuellen Umstand genießen kann, dass der VfB für seine bisherigen Saisonverhältnisse sportlich erfolgreich ist (das „Wie“ ist dabei nebensächlich). Und dass die Ergebnisse – auch die der Konkurrenz – Anlass geben sollten, etwas entspannter mit dem Wort „Abstieg“ umgehen zu können, so kann ich es doch nicht. Ich erinnere mich noch gut, wie glückselig ich war, einst im Frühjahr 2016, als der VfB so erfolgreich war, dass er viele von uns bereits in höhere Gefilde hatte schielen lassen. Den Abstiegskampf hatte man schon gefühlt abgehakt, vertraute auf das Gesetz der Serie, den neu gewonnenen Teamspirit und gewann fünf Spiele in Folge.

2018_02_24_VfB-Frankfurt_02

Auf ein Remis in Schalke folgte schließlich jedoch der Nackenschlag, von dem man sich nicht mehr wirklich erholen konnte, die Heimniederlage gegen den damaligen Tabellenletzten, Hannover 96. Ein Kantersieg gegen Hoffenheim konnte am Umstand nichts mehr ändern, dass man in der Rückrunde kaum noch einen Punkt holte, die letzten fünf Saisonspiele verlor und schließlich abstieg. Erinnert ihr euch noch, wie man dachte, man wäre aus dem Gröbsten heraus, dass man nun mutig genug sein darf, zu glauben, man hätte den richtigen Weg eingeschlagen? Wir alle haben die bitteren Momente 2016 miterlebt. Ist es da wirklich so abwegig, dass ich mich nicht darauf verlassen kann und will, es könne nicht wieder passieren? Das kann es. Und das wird es, wenn man aus den Fehlern von damals nichts gelernt hat.
Weiterlesen →

21. Februar 2018
von Ute
2 Kommentare

Auswärts siegen ist schön

183 Tage waren vergangen, seit die laufende Bundesliga-Saison begonnen hatte. 736 Tage waren vergangen, seit der VfB sein letztes Auswärtsspiel in der Bundesliga gewonnen hatte. 2140 Tage waren vergangen, seit der VfB zum letzten Mal in Augsburg gewonnen hatte. Acht Bundesliga-Auswärtsspiele habe ich diese Saison bereits gesehen, bei den beiden Punktgewinnen in Hannover und Wolfsburg war ich nicht vor Ort. Viele von euch können sich vielleicht nicht vorstellen, wie sich das anfühlt. 6.730 Auswärts-Kilometer 2017/2018, die Pokalspiele noch nicht einmal mit eingerechnet, stets geprägt von Frust, Enttäuschung und Wut.

2018_02_18_Augsburg-VfB_01

Ich will ehrlich sein: ich freue mich über die drei Punkte, die gute Stimmung in der Fuggerstadt und vor allem, dass ich das Stigma der Auswärts-Punktlosigkeit endlich los bin. Ist deswegen alles wieder in Ordnung? Mitnichten. In dem Moment, als ich im Gästeblock stand und nach einer gefühlten Ewigkeit die Partie und die Sieglosserie in der Ferne für den VfB für beendet erklärt wurde, fühlte sich gut an. Ein lauter Aufschrei der Erleichterung, ist doch immerhin jede einzelne Punkt wichtig. Einige Tage sind nun seither vergangen und das Gefühl der emotionalen Erschütterung ist zurückgekehrt. Leichter schreibt es sich damit natürlich nicht. Dafür allerdings wesentlich kürzer.

2018_02_18_Augsburg-VfB_02

Es heißt immer wieder, eine vollständige Abnabelung vom Herzensverein sei nicht möglich. Wer über Jahre den VfB mit so viel Inbrunst begleitet hat, dem fällt es natürlich schwer, einen Weg zu finden, die Missetaten und Erlebnisse der letzten Wochen, ja gar Monate, mit Gelassenheit zu sehen. Es gibt Menschen, die sind der Typ dafür, die können klar differenzieren, zwischen sportlichen Ergebnissen und komplexer Vereinspolitik, können im Stadion stehen und sich unmittelbar danach den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuwenden. Und es gibt Menschen, die können das alles nicht. Und ich? Ich hänge irgendwo dazwischen, verloren zwischen „Mir doch egal“ und „Gar nicht egal“.
Weiterlesen →

15. Februar 2018
von Ute
Keine Kommentare

Nur eine Momentaufnahme

Es gibt Tage, da will ich in den Dingen mehr sehen, als sie eigentlich sind. Dann sehe ich in einem einzigen Spiel den Moment des Umbruchs, den Funken der Hoffnung, das verheißungsvolle Zeichen einer besseren Zukunft – oder auch das bittere Ende einer erfolgreichen Phase, das Vorüberziehen von Möglichkeiten, das Versagen im wichtigsten Augenblick. Es gibt aber auch Tage, da will ich nicht mehr sehen als das, was es eigentlich ist: eine Momentaufnahme. Drei Punkte. Nicht mehr, nicht weniger.

2018_02_11_VfB-Gladbach_01

Ein enorm wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt, nachdem die Konkurrenz beinahe durch die Bank weg Federn gelassen hatte und für den VfB spielte, was für gewöhnlich heißt, dass nur der VfB nicht für den VfB spielt. Vor einigen Tagen noch saß ich mit Freunden im Maulwurf, einer urigen Kneipe am Schillerplatz in Stuttgart-Vaihingen, da begegneten mir diese beiden Worte erneut. Wenige Tage zuvor erst gelesen, nun wieder heraufgeholt zwischen Radler und Craft Beer, stellvertretend für das, was vor zwei Wochen geschehen war und dessen mentale Auswirkungen längst über das gewohnte Prozedere eines Trainerwechsels hinaus geht: „Emotionaler Knick“.

2018_02_11_VfB-Gladbach_02

Ansgar kenne ich schon seit geraumer Zeit von Twitter, er traf mit diesen Worten einen ungeahnten Nerv in mir. Was sich im Zuge des Trainerwechsels bereits wie ein potenzieller wichtiger Punkt in meinem Leben anfühlte, wurde langsam Realität. Ich distanziere mich. Nicht komplett, das könnte ich nicht, aber es reichte aus, um freiwillig auf das Auswärtsspiel in Wolfsburg zu verzichten, ganz ohne Not, zum ersten mal nach fast sechs Jahren Allesfahrerei. Ich blieb zuhause, denn die Geschehnisse der letzten Tage zuvor hatten mich müde gemacht und das, was ich am meisten fürchtete, die Missachtung meiner Freunde und Wegbegleiter, sie blieb aus. Stattdessen hörte ich stets die selbe Antwort: „Kann ich verstehen“.
Weiterlesen →

31. Januar 2018
von Ute
1 Kommentar

Von Hundert auf Null

Ich sitze hier, um meinen Spielbericht zur Niederlage gegen Schalke zu schreiben. Wir alle wissen aber, dass es um weitaus mehr geht als der erwartbare Punktverlust eines inviduell bestens besetztem Team der Top 3 der Bundesliga. Die richtigen Worte für die zurückliegenden drei Tage zu finden, fällt dabei alles andere als leicht. Gerade eben bist du noch Tabellenzwölfter mit der Hoffnung, sich weiter zu stabilisieren und dem Abstiegskampf zu entfleuchen, und dann geht auf einmal alles schief. Tage später sitzt der Schock noch in den Knochen, der bei der Verarbeitung der Geschehnisse nicht sehr förderlich ist. Das Protokoll eines lähmenden Chaos-Wochenende.

2018_01_27_VfB-Schalke_01

Wenn ich meine Augen schließe und ins Reich der Träume abdrifte, ist alles noch in bester Ordnung. Ich stehe frohen Mutes im Stadion, schaue einer Mannschaft zu, die jederzeit ihr Bestes gibt, an der Seitenlinie steht ein breit lächelnder Hannes Wolf und nach einem verdienten Sieg umarmt dieser Jan Schindelmeiser, bevor das Team von einer euphorischen Kurve gefeiert wird. Wir schreiben das Jahr 2019, der VfB hat sich nach einem knappen Klassenerhalt 2018 im Mittelfeld der Bundesliga festgebissen, hat neue, junge Wilde in seinen Reihen, die stolz sind, den Brustring zu tragen und nährt jeden Tag aufs Neue den Glauben daran, dass der bittere Abstieg drei Jahre zuvor doch zu etwas gut war.

2018_01_27_VfB-Schalke_02

Des Nachts huscht mir ein Lächeln über die Lippen. Dann wache ich auf und muss feststellen, dass sich dieser Traum niemals erfüllen wird. Wir schreiben den Januar 2018 und nie war der Verein so am Boden wie in diesen Tagen. Alles, was man mit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf aufgebaut hat, jedes noch so kleine Pflänzchen der Hoffnung auf bessere Tage, lieblos zertrampelt vom Sonnenkönig und seinem Schoßhund. Nie war es schwieriger, Fan des VfB Stuttgart zu sein – und das, obwohl der letzte Abstieg noch gar nicht so lange her ist.
Weiterlesen →