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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

28. August 2017
von Ute
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Auf ein Neues

Ich hatte meine ganz eigene Vorstellung davon, wie das alles laufen würde. Der VfB würde in der Offensive einfach nicht zu Potte kommen und am Ende besorgt Alexandru Maxim, der nach Mainz abgewanderte Liebling der Fans, den Rest: ein wunderschöner, ins Eck gezwirbelter Freistoß kurz vor dem Ende. Ich sah es fast so deutlich, wie ich den Freistoß in Hannover schon im Tor gesehen hatte, der uns direkt zum Aufsteiger gemacht hätte. Wir blieben verschont von jener grausamen Vorstellung und unter der drückenden Hitze Stuttgarts musste ich feststellen, dass das, was ich vor Cottbus und Berlin noch vermisst hatte, langsam zurückkehrt. Bock auf Fußball.

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Was wäre der Fußball nur ohne die kleinen und großen Traditionen? Es hat Tradition, dass langjährige VfB-Spieler nach einem Wechsel zu einem anderen Verein besonders gerne gegen uns treffen. Und es hat Tradition, dass die Stuttgarter Fanszene ihr erstes Heimspiel standesgemäß mit der Karawane Cannstatt beginnt. Jahr für Jahr ein tolles Gefühl, diese weiß-rote Menschenmenge zu begleiten und die Vorfreude zu spüren, die mir in den ersten beiden Pflichtspielen bislang noch verborgen geblieben war. „Alle in weiß“ ist das fortwährende Motto des Fanmarschs, der sich jeden August vom Cannstatter Bahnhof zum Stadion bewegt.

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Seit gut acht Jahren begleite ich nun die Karawane als Fotografin, immer wieder gern, aber in den letzten Jahren wurde es zunehmend schwieriger. Menschenmassen, die mit Smartphones am Straßenrand stehen, statt in der Gruppe mitzulaufen und somit ein Teil davon zu sein. Dass bei der Produktion nutzlosen Bild- und Videomaterials minderer Qualität nicht nur teilweise der reibungslose Verlauf der Karawane gestört wird sondern vor allem auch die Arbeit der Fanfotografen behindert wird, ist vielen Fans und Schaulustigen allerdings leider nicht bewusst. Von diesem heißen Tag wird mit Sicherheit nicht nur ein unglaublicher Torschütze hängen bleiben, sondern auch die Frage, wohin sich die Fankultur entwickelt.
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26. August 2017
von Ute
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Aus der Not keine Tugend gemacht

So weit ist es schon gekommen. Da verliert der VfB sein erstes Bundesligaspiel nach dem Aufstieg und irgendwie hat es mich nicht einmal überrascht. Ist es so, dass mich nach den bitteren Momenten des Abstiegs nichts mehr erschüttern kann? Widert mich das Gesamtkonstrukt des Profifußballs etwa schon so sehr an, dass nicht mehr mein komplettes Herzblut an der obersten deutschen Spielklasse hängt? Es gibt so viel mehr Gedanken, die mich beschäftigen; Entscheidungen, die in den nächsten Wochen und Monaten anstehen; neue Wege, die ich beschreiten werde. Ob der Gang zu mehr Gelassenheit auch dabei sein wird, wird die Zukunft zeigen müssen.

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Schon bald werde ich trotz allen Verdrusses wieder voll drin sein im Fußballalltag. Ich werde die Spiele besuchen, werde hunderte Kilometer hinter mich bringen, tausende von Fotos machen und unzählige Stunden für den VfB aufwenden, und sei der größte Part einzig die Nachbereitung von Fotos und das Schreiben von Zeilen wie diesen. Ich werde mich wieder aufregen, fluchen und dieses Gefühl bekommen, dass mich erfüllt, wenn ich in Frage stelle, ob der Weg des VfB ein positiver Weg sein wird. Ich werde auch mal Tage brauchen, um die Zeit zu finden, diese Zeilen niederzuschreiben, wenige Stunden, bevor die Mannschaft dem nächsten Gegner in die Augen blicken müsste. Ich mache mir viel Aufwand für das, was ich lieben sollte – aber wozu?

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Viel lieber würde ich mehr von den Momenten genießen, die mir am vergangenen Samstagabend bewiesen haben, dass es auch anders geht. Fern der schwäbischen Wahlheimat, versteckt in einem romantischen von Pflanzen bewachsenen Hinterhof, saß ich und ließ mir die warme Sommerluft um die Nase wehen. Pappsatt sank ich in dem Stuhl zurück, genoss ein köstliches Bier und fragte mich, warum ich nicht zulassen kann, dass ich auch an solchen Tagen ganz entspannt sein kann. Einige Stunden zuvor hatte der VfB verloren. Und für ein paar Momente zwischen Charlottenburg und Bahnhof Zoo war die Welt trotz allem für mich in Ordnung.
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18. August 2017
von Ute
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Ich glaub, es geht schon wieder los

Zwei Monate, drei Wochen und zwei Tage sind vergangen, seit ich mitten auf dem Rasen im Neckarstadion auf die Anzeigetafel schaute, wo in großen Lettern „Weiß-rot ist erstklassig“ geschrieben stand. Zwölf Wochen sind vergangen, seit dem VfB nach einer abenteuerlichen Saison die Rückkehr in die Bundesliga geglückt ist. 84 Tage Sommerpause sind vergangen. Man sollte meinen, wer (fast) nichts anderes außer Fußball im Kopf hat, der sollte sich doch eigentlich darauf freuen, dass es nach so vielen Wochen der Abstinenz endlich wieder losgeht. Endlich wieder Fußball. Endlich wieder ins Stadion. Endlich wieder.

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Beinahe schon schäme ich mich dafür, wie wenig ich mich in dieser Sommerpause auf die neue Spielzeit freuen konnte. Viele Kräfte hatte ich gelassen in den 34 Spieltagen im Unterhaus, viele Kilometer liegen hinter uns und viele Erlebnisse haben sich in unsere Köpfe gebrannt. Es zehrte an den Nerven, ganz ohne Frage. Es war eine Spielzeit der immer wiederkehrenden Siege, der Freude, der Euphorie, der ausverkauften Stadien und der Leidenschaft. Es war aber auch eine Spielzeit der Entbehrungen, der Montagsspiele, der ungewohnten Anstoßzeiten und der Angst, dass es am Ende vielleicht doch nicht reichen würde.

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Wenn mir eines die letzte Saison gezeigt hat, dann doch vor allem die Tatsache, dass sich die Welt weiterdreht. Meine größte Angst, aufgebaut in vielen Jahren des Abstiegskampfes, hat sich in keinerlei Hinsicht bewahrheitet. Ich sah alle meine Freunde fast jede Woche wieder, erfreute mich an einer letztlich zusammengerauften Mannschaft und fühlte zum ersten Mal seit Jahren, dass da etwas Großes entstehen kann, dass an dem lapidaren Spruch, dass ein Abstieg auch eine Chance sein kann, vielleicht doch etwas dran ist. Am Ende der Sommerpause war von dieser Hoffnung, der Abstieg hätte etwas Positives bewirkt, nur noch wenig vorhanden. Jan Schindelmeiser wurde entlassen und es rumorte wieder im Ländle. Ich sollte es gewohnt sein. Und dennoch nagt es an mir.
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12. August 2017
von Ute
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Meine Saison mit dem VfB Stuttgart 2016/2017

Jahr für Jahr das gleiche Prozedere: ist die Saison einmal überstanden – mal mit einem lachenden, mal mit einem weinenden Auge (oder gar beiden) – ist es, als würde man den Stecker ziehen. Über Wochen und Monate hinweg gaben wir alles, nahmen jegliche Strapazen auf uns und zeigten in einem jeden Stadion, warum unser Herz für den VfB schlägt. Ist es vorüber, erschlaffen die Kraftreserven und man begibt sich erleichtert und erschöpft in die Sommerpause, um Kraft zu tanken für eine neue Spielzeit. Eine neue Spielzeit, die bereits in weniger als 24 Stunden aufs Neue für uns beginnen wird.

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Keine Saison erfüllte mich so sehr mit Freude wie ausgerechnet diese eine Zweitligasaison, und dennoch fand ich weder Kraft, noch Zeit, noch Muße, um einen letzten Blick zurückzuwerfen. Alle Blicke richten sich seit Tagen nur noch auf die neue Spielzeit, auf das Pokalspiel in Cottbus und die bevorstehenden Herausforderungen im Oberhaus. Da wirkt der Blick zurück doch nur allzu nostalgisch, sind viele Hoffnungen und Träume, die daraus entstanden, doch durch die jüngsten Entwicklungen schon wieder hinfällig. Unvergessen wird sie in jedem Fall bleiben – als einzigartiges Abenteuer, dass mir gezeigt hat, dass selbst ein bitterer Abstieg das Beste in uns zum Vorschein bringen kann.

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25. Mai 2017
von Ute
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An Tagen wie diesen

Von diesem Moment habe ich oft geträumt. Lange habe ich mir nur im Entferntesten vorstellen können, wie das wohl wäre, wenn alles vorbei ist. Diese Emotionen, die einen überwältigen und ich vor Worten schlicht und ergreifen übersprudeln würde. Keine 24 Stunden würde es dauern und ich hätte jene Zeilen zu Papier gebracht. Nichts sehnte ich mehr herbei als den Augenblick, wenn das letzte Spiel beendet und der letzte Tag unserer Zweitligasaison vorbei gewesen wäre. Ich hatte geglaubt, es würde leicht fallen, euch alle daran teilhaben zu lassen, so sicher war ich mir, es wäre ganz einfach, euch Einblick in meine Fanseele zu gewähren, die ein ständiges Wechselbad der Gefühle hinter sich hat.

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Doch dann gibt es da diese Tage, da überfordern mich meine Emotionen und ein jedes Wort, das mir in den Sinn kommt, erscheint mir nicht annähernd gut genug, um das treffend zu beschreiben, was am Sonntag passiert ist. Eine gute Stunde ist vergangen, seit ich das erste Wort auf der Tastatur getippt habe, anderthalb Absätze später muss ich mir eingestehen, dass es sehr viel schwerer werden würde, euch von dem einen Spiel zu berichten, das den VfB zurück in die Bundesliga brachte.

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Seit 34 Spieltagen konzentrierte sich alles auf diesen Moment, auf den Aufstieg, auf die Reparatur eines Betriebsunfalls. Das mag banal und emotionslos klingen, ist aber das versöhnliche Ende eines wahren Abenteuers. Wie konnte ich nur so töricht sein, zu glauben, es wäre einfach, davon zu erzählen? Ich will, dass ihr es spüren könnt. Ich will euch mit jedem einzelnen Absatz Gänsehaut bereiten können. Ich will euch erzählen, wie das so war, an jenem 21. Mai im Jahre 2017. Für die meisten meiner Freunde ist dieser Aufstieg nicht die Welt. Für jemanden, der vor zehn Jahren zu unbedarft und zu weit weg war, allerdings schon.
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