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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

29. Oktober 2017
von Ute
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Ein hartes Stück Arbeit

Ich weiß, ich weiß, der Pokal hat seine eigenen Regeln. Aber wäre es nun wirklich zu viel verlangt gewesen, wenigstens ein Mal ein vollkommen ungefährdetes, entspanntes Spiel sehen zu dürfen? Ohne den Hauch einer Anspannung, hoch, verdient und vor allem souverän. Wenn nicht jetzt gegen Kaiserslautern, gegen wen denn dann? Die nächsten Wochen werden mit Sicherheit nicht einfacher, doch was, wenn aus dem tollen Plan, sich im Pokalspiel Selbstvertrauen zu holen, so gar nichts wird? Verlieren war verboten.

2017_10_25_Kaiserslautern-VfB_01

Es gab schlechtere Lose als ein Auswärtsspiel in Kaiserslautern. Was hatte es nicht Spaß gemacht, als sich seinerzeit gut 15.000 Stuttgarter auf den Weg zum Betzenberg machten und dort schon früh in der Zweitligasaison der Grundstein gelegt wurde für eine Reihe überwältigender Auswärtsfahrten. Über ein Jahr ist seither vergangen, der VfB war wieder aufgestiegen und Kaiserslautern, nunja, ich wünschte, ich könnte etwas Positives schreiben. Sie hadern, vor allem mit sich selbst. Die roten Teufel am Boden und womöglich auf dem Weg ins bodenlose Nirvana der dritten Liga. Harte Zeiten für die FCK-Fans, ich würde nicht tauschen wollen.

2017_10_25_Kaiserslautern-VfB_02

Und beim VfB? Man könnte fast meinen, man sei voll im Soll. Nach neun Spielen mit zehn Punkten könnte man zwar selbstredend besser dastehen, für manche ein besserer Schnitt, als nach dem Aufstieg zu erwarten war. Wenn da nur nicht die dumme Sache mit den Auswärtsspielen wäre. Gewonnen hat der VfB lediglich mit Müh, Not und vor allem Glück in der ersten Pokalrunde in Cottbus, während das Bundesligakonto weiterhin leidliche null Punkte hat. Ob ein erneutes Pokalspiel die Wende bringen kann? Alles andere als ein Weiterkommen ins Achtelfinale wäre indiskutabel. Da stand ich nun, im Gästeblock, und musste mit ansehen, wie Kaiserslautern in Führung ging.
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24. Oktober 2017
von Ute
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Nichts zu holen in der Heimat

Lange war das Spiel schon vorbei und noch immer prasselten die Regentropfen nieder. Es ist kalt geworden, von den sommerlichen Temperaturen des Nachmittags war nicht mehr viel zu spüren. Bis zum Ende blieb es dabei: das komischste Auswärtsspiel der Saison, vielleicht sogar der letzten Jahre, es lag nun hinter mir. Noch vor zehn Jahren hatte meine Lebensplanung ganz anders ausgesehen, mit einem durchschnittlichen Job, einer netten Altbauwohnung in einem gehobenen Wohnviertel, eine Familie. Dann kam der VfB und änderte alles, was bisher da war und verschaffte mir ein Leben, das so ganz anders war als ich es gedacht hatte.

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Kaum jemand von euch wird verstehen können, welche Emotionen am Wochenende in mir rumorten. Wäre der VfB nicht gewesen, wäre ich eine von denen geworden. Ein Teil von dem, das ein jeder romantische Fußballfan geschworen hat, zu bekämpfen. Es ist der schmale Grat zwischen der Erinnerung an die eigenen Wurzeln und dem Pathos, den jede aktive und lang gewachsene Fankultur in sich trägt. Auf dem Papier ging es um nicht mehr als drei Punkte. Für mich wurde die Reise in die Vergangenheit zur emotionalen Zerissenheit, zwischen dem, was ich heute mein Leben nenne und dem, was hätte mein Leben sein können.

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24 Jahre hatte ich hier gelebt. Ich wurde in der Frauenklinik geboren, bin in der Eisenbahnstraße aufgewachsen, machte meinen Schulabschluss in der August-Bebel-Schule, absolvierte meine Ausbildung an der Gutenbergschule, lernte viel beim Praktikum nache des Bundesverwaltungsgerichts, arbeitete über fünf Jahre auf der Karli und lebte viele Jahre alleine in meiner eigenen Wohnung in Neustadt-Neuschönefeld. Das Gefühl, mir würde etwas fehlen, konnte mich in all den Jahren trotz allem nie wirklich loslassen. Bis ich schließlich mein Herz einem Verein schenkte. Was wurde ich damals nicht immer belächelt, Fußballfan geworden zu sein. Viele von denen waren womöglich am Samstag im Stadion, als mein Herzensverein einem Marketingprodukt unterlag, das es noch nicht einmal gab, als ich mir die erste Dauerkarte beim VfB gekauft hatte.
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15. Oktober 2017
von Ute
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Helden für einen Tag

Wer sich für ein solches Leben entscheidet, hat für sich selbst bewusst oder unbewusst eine ganz klare Entscheidung getroffen: man lässt sich bis an sein Lebensende, darauf ein, dass einem der letzte Nerv geraubt wird, dass man sich aufregen wird und nur noch wenig Schlaf bekommen. All der Ärger scheint vergeben in den glücklichen Momenten, wenn der Schmerz vergessen wird, man über beide Ohren lacht, unheimlich glücklich ist und man ganz genau weiß, warum man sich so entschieden hat. Das hier ist keine Geschichte vom Abenteuer Familie, es ist eine Geschichte über das Leben als Fußballfan. Über den schmalen Grenzgang zwischen Freud und Leid und über jene Momente, die über jeden Zweifel erhaben sind.

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Wie leicht es doch mitunter fallen kann, jene Zeilen zu Papier zu bringen, mit einem Kaffee auf dem Tisch und einem Grinsen im Gesicht. In den letzten fünf Jahren habe ich bei fast allen Spielen ein oder zwei Tage später genau hier gesessen, im Arbeitszimmer unserer 3-Zimmer-Wohnung in Bad Cannstatt, den Bildschirm vor mir in zwei Teile aufgesplittet: links mit dem Browserfenster für Ticker, Videos und Statistiken, rechts ein leeres Blatt Papier. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich schon hier saß und keine Lust hatte, mich zutiefst ärgerte und hoffte, die Stunden mögen schnell vorüber sein – doch das waren sie nie. Heute, gut 44 Stunden später, sitze ich hier, um euch noch einmal mitzunehmen an den Punkt, dem jeden von euch die Gänsehaut auf den Arm treiben wird.

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Sehr lange hatte ich gehadert mit dem, was in Frankfurt passiert war. Die Stimmung für die nächsten Tage dahin – und das ausgerechnet vor der Länderspielpause und unserem Kurzurlaub auf Sylt. Am Tag nach der schmerzhaften Pein, in der Nachspielzeit in Unterzahl beim Lieblingsgegner noch die Niederlage schlucken zu müssen, schrieb ich mit meinem guten Freund Sven, ebenfalls Vollblut-VfBler. Ich tat mich schwer, damit umzugehen und schrieb, der Fußballgott sei ein grausames Arschloch. Ein verzweifelter Versuch, mich zu beruhigen, konnte ich es mir trotz allem nicht vorstellen: „Wenn der Fußballgott ein einsehen hat, dann fügen wir das in 2 Wochen Köln zu.“ Als ob.
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1. Oktober 2017
von Ute
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Ein Mann mehr, aber kein Stück klüger

Am Tag darauf fühlt es sich noch genauso irreal an wie gestern. Die Füße sind wieder trocken, die Schmerzen in den Beinen sind gewichen, weit mehr als 24 Stunden wird das Spiel her sein, wenn ich die letzten Zeilen dieses Spielberichts zu Papier gebracht habe. Doch der Schock sitzt tief, es wird noch einige Tage dauern, bis nicht mehr alle Gedanken um den einen Moment kreisen, der dem VfB wenige Sekunden vor Schluss einen weiteren Tiefschlag versetzte. Nichts ist schlimmer als das grausame Geräusch kollektiven Jubels, wenn der Gegner den späten Siegtreffer macht und alle Mitspieler, Auswechselspieler, Trainer und Betreuer auf den Platz stürmen. Der VfB ist angekommen in der Bundesliga – und macht genau da weiter, wo er 2016 aufgehört hat.

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„Ist ja nur Fußball“ sagen manche, ringen sich ein gequältes Lächeln ab und widmen sich wieder den schönen Dingen des Lebens. Doch wie kann es „nur Fußball“ sein, bei all den Strapazen, die wir Woche für Woche auf uns nehmen? Natürlich zwingt uns dazu niemand, aber haben wir den Punkt, an dem es „nur Fußball“ ist, nicht schon längst überschritten? Oder gilt dies vielleicht sogar nur für mich alleine, für die Königin unter den Schwarzmalern? Jedem ist letztlich selbst überlassen, wieviel Raum er Wut und Kummer gibt, warum darf das dann nicht auch für mich gelten? Warum sollte ich mich dann nicht aufregen dürfen? Sollte ich mich etwa freuen, dass wir in letzter Sekunde ein Spiel verloren haben, was wir niemals hätten verlieren dürfen?

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Auch heute verstehe ich es einfach nicht. Ohne jeden Zweifel gehört diese Partie zu den eindeutig bittersten Niederlagen der letzten Jahre und reiht sich ein in eine Liste der Schande, Enttäuschung und Verbitterung. Solche Spiele können natürlich jedem passieren, soviel ist klar. Warum es gefühlt immer nur dem VfB passiert, vermag mir nicht in den Kopf zu gehen. Warum schafft man es nicht, ein paar mickrige Minuten in Überzahl dem Gegner Stand zu halten, um zumindest einen Punkt mitzunehmen? Stattdessen mussten wir tatenlos zusehen und uns heute fragen, wo das alles noch enden wird. Was diese Frage angeht, so kennt ihr meine Meinung, es ist die selbe wie 2017. Und 2016. Und 2015.
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24. September 2017
von Ute
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Eine Frage der Sichtweise

Ich hätte es mir einfach machen können. Eine stabile Abwehr, kein Gegentor, im Jahr 2017 noch ohne Heimniederlage, Hannes Wolf wird der berüchtigten Augsburg-Statistik nicht zum Opfer fallen und für einen Aufsteiger sind es nun sieben Punkte aus sechs Spielen, eine passable Ausbeute. Eigentlich sollte ich zufrieden sein, denn bekanntlich ist alles besser als eine Niederlage. Zufrieden bin ich nicht – im Gegenteil. Warum sollte ich gut finden, wenn man das Tor nicht mehr zu treffen vermag? Warum sollte ich toll finden, dass der Knoten von Simon Terodde noch nicht geplatzt ist? Warum sollte ich mich freuen über einen Punktverlust?

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Dass ich lange kopfschüttelnd im Block stand und mich auch Stunden später noch nicht wirklich beruhigt habe, können viele vielleicht nicht verstehen, dabei ist die Sache ganz einfach: jeder Punkt, den man nicht holt, wird am Ende fehlen und unter Umständen entscheidend sein. Erinnere ich mich an die Abstiegssaison 2015/2016 sagte man nach nur wenigen Wochen, die Punkte würden schon noch kommen. Zwischenzeitlich kamen sie, aber am Ende reichte es nicht. Dass die Zweitligasaison ein ganz amüsantes Abenteuer war, wird sich so kein zweites Mal wiederholen lassen.

2017_09_23_VfB-Augsburg_02

Natürlich ist es noch zu früh, um eine Prognose abzugeben, wo der VfB am Ende der Spielzeit landen wird, aber mit einem Punkt wäre ich vielleicht nur dann zufrieden, wenn es die Bayern oder Dortmund sind – oder das Heimspiel gegen Köln. Aber auch nur dann. Alles andere läuft unter der Kategorie „Punktverlust“ und ist nicht einfach mit einem Schulterzucken abzutun. Etwas radikale Sichtweise, nicht war? Vielleicht. Ich hasse Punktverluste, denn wir alle sollten wissen, wie sehr sie am Ende einer Saison weh tun können. Ich dachte eigentlich, das hätte man verstanden.
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