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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

1. Mai 2017
von Ute
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Momente für die Ewigkeit

Es gibt so viele wunderbare Worte auf dieser Welt. Dennoch fällt es schwer, die richtigen zu finden, sie als Zeichen einer angemessenen Würdigung sinnvoll aneinander zu reihen und sie an euch da draußen, die das Auswärtsspiel in Nürnberg zum Heimspiel gemacht haben, weiterzugeben. Worte der Leidenschaft, der Begeisterung, die dafür geschaffen sind, für solche Momente genutzt zu werden und die jeden einzelnen mit Gänsehaut erfüllen. Lange suche ich nach diesen Worten, die des Spielberichts würdig sind. Tage wie diese vergisst man wahrscheinlich nie. Das weiß jeder, der bis zu einer halben Stunde nach Abpfiff noch im Gästeblock stand und sich die Seele aus dem Leib gesungen hatte.

2017_04_29_Nuernberg-VfB_01

Das Stadion hatte sich zu weiten Teilen geleert, nur die eine Kurve, die den Gästesektor beherbergte, war noch immer gefüllt. Von Jenen, die von den Emotionen übermannt worden waren und nicht im Stande gewesen sind, sich in Bewegung zu setzen. Von Jenen, die jeden einzelnen Moment bis zum letzten Augenblick auskosten wollten. Und nicht zuletzt von Jenen, die sich an jenes schicksalhafte Spiel in Bochum erinnert fühlten. Keiner wollte nach Hause gehen, nicht einmal die, die mit Zügen angereist waren. Hier und jetzt hatten wir alle etwas Unfassbares erleben dürfen, einfach heimzugehen, das ging einfach nicht.

2017_04_29_Nuernberg-VfB_02

Wie konnte nach einer guten halben Stunde im Spiel auch nur irgendjemand daran denken, dass wir nach einer guten halben Stunde nach dem Spiel mit feuchten Augen im Gästeblock stehen würden? Alle Aufstiegshoffnungen, die sich über die letzten Wochen mehr und mehr von einem vagen Traum bis zu einem konkreten Ziel entwickelt hatten, sie waren zerplatzt in dem einen Moment, in dem das 40-Meter-Solo vom wieder genesenen Cedric Teuchert direkt vor uns zum 2:0 für die Gastgeber einschlug. Natürlich hatten wir uns das ganz anders vorgestellt. Und natürlich konnte man nun nicht mehr daran glauben, dass am Ende doch noch alles gut wird.
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27. April 2017
von Ute
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Genau zur rechten Zeit

So viel gibt es zu erzählen und doch weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Minutenlang sitze ich vor dem leeren Dokument an meinem Rechner, während mir tausende Gedanken durch den Kopf schießen. Über 48 Stunden ist es her, seit wir sie mit brachialem Applaus in die Kabinen schickten und doch zehre ich noch heute von all den Emotionen, die wir an diesem Montagabend im Neckarstadion erleben durften. Ich könnte euch viel erzählen, wie der VfB ein Zweitligaspiel gegen Union Berlin gewann, aber wie will man das verstehen, wenn man es nicht fühlen kann.

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Wieviel Fußballromantiker muss wohl in mir stecken, um euch mit einem Kloß im Hals von den Erlebnissen zu berichten, die sich am 30. Spieltag zugetragen haben. Für manche ein verdientes 3:1. Für andere ein wahrhaft magischer Augenblick. Als ich mich vor gut zehn Jahren darauf einließ, dem VfB Stuttgart zunächst einen kleinen Teil meiner Aufmerksamkeit zu schenken, ahnte ich nicht, wie sehr das mein Leben verändern würde. Neue Bekanntschaften prägten mich, wichtige Entscheidungen wurden getroffen und die Liebe zu diesem einzigartigen Verein und all dem, was er in mein Leben gebracht hat, wurde immer größer.

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Warum erzähle ich euch das jetzt? Weil all diese Liebe uns alle hierher gebracht hat. An genau diesen Punkt, an dem wir uns fragen, was am 21. Mai geschehen wird. Nüchtern betrachtet der letzte Spieltag der Saison 2016/2017. Zwei werden aufsteigen, zwei werden absteigen und zwei werden in die Relegation müssen. So gesehen eines der simpelsten Prinzipien der Welt. Doch wir fühlen anders. Mit jeder Faser unserer Herzen verzehren wir uns nach diesem Augenblick, dem einen Moment, der die Anstrengungen und Entbehrungen einer ganzen Spielzeit wettmacht, der Sekunde, in der das Ziel erreicht ist.
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21. April 2017
von Ute
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Verein für Bluthochdruck

Alles tat mir furchtbar weh. Die Füße schmerzten, das Wasser staute sich in meinen Waden, um die Nieren war ich unterkühlt, der Hals kratzte und meine Stimme, die ich erst vor gefühlt wenigen Tagen zurück erlangte, drohte wieder wegzubrechen. Es war still geworden. Leise öffnete ich das Fenster, warf einen Blick nach draußen auf die nassen Pflastersteine als mir der kalte Wind ins Gesicht wehte. Ich schloss das Fenster wiegte, schaltete das Licht aus und atmete nochmal tief durch, bevor ich meine Augen schloss. Mein Puls hatte sich wieder beruhigt. Zwei Stunden zuvor war daran nicht zu denken.

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Wenn der VfB so weitermacht, erlebe ich den letzten womöglich entscheidenden Spieltag nicht mehr. Ich verende bereits vorher an einem Herzinfarkt, so oder so ähnlich lautet die Prognose nach den letzten Wochen. Der Twitterer Felix Christmann schrieb um kurz nach Zehn „Verein für Bluthochdruck“ und sprach damit hunderten und tausenden aus der geschundenen Fan-Seele. Jeder verarbeitet diese Form des Bluthochdrucks anders. Einige treiben Sport, andere lenken sich mit Freunden und Familie ab, und dann bin da noch ich, die versucht, das alles in Worte zu verpacken.

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Niemanden von euch muss ich sagen, wieviel Kraft es kostet, dem VfB in den letzten Spielen zuzuschauen. Keiner von euch zweifelt an meinen Worten, wie nervenaufreibend die zurückliegenden Partien gewesen sind. Und jeder von euch weiß, wie groß die Sehnsucht nach überzeugenderen Ergebnissen ist. Schwebten wir noch bis vor zwei Monaten auf einer wahren Welle der Euphorie und hatten keinen Zweifel daran, mehr oder weniger mit Leichtigkeit bereits einige Wochen vor dem Ende als Aufsteiger festzustehen, stellten uns die letzten Wochen auf eine harte Probe. Eine, die einige von uns den Glauben verlieren ließ, es würde alles gut gehen.
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11. April 2017
von Ute
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Wir steigen auf und ihr steigt ab

Mit letzter Kraft schleppte ich mich ins Wohnzimmer, ließ meinen müden Körper auf die Couch plumpsen, legte die Beine hoch und nahm einen ersten Schluck aus der Bierflasche. Einmal tief durchatmen. Es war geschafft. Ein seliges Lächeln huschte über meine Lippen, während mein von der Sonne gezeichnetes Gesicht spannte und sich das Blut in den angeschwollenen Waden nur langsam zurückzog. Vollkommen fertig, aber für einen Moment glücklich und entspannt. Es ist spät geworden, der Tag hat seine Spuren hinterlassen. Und doch genoss ich des Abends noch dieses eine wunderbare Gefühl, nahm noch einen Schluck und seufzte zufrieden, ohne dass mich jemand hören konnte: „Derbysieger“.

2017_04_09_VfB-Karlsruhe_01

Tagelang konnte ich an nichts anderes mehr denken. Immer wieder kreiste dieser eine Gedanke in meinem Kopf umher: „Was ist, wenns schief geht?“ – kaum etwas anderes beschäftigte mich so sehr, und dass es so war, da war der VfB selbst nicht ganz unschuldig. Wochenlanger Fußball zum Abgewöhnen, Punktverluste und erste Zweifel am großen Ziel, man brachte sich selbst um eine exzellente Ausgangsposition. Das musste geändert werden, was käme da besser als das Derby? Das musste geändert werden, was käme da undankbarer als das Derby?

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Noch ließ nicht viel vermuten, wie wichtig dieser Tag für den VfB, dessen Fans und die ganze Region sein würde. Ein nahezu wolkenloser Himmel begrüßte uns am Vormittag, als wir das Haus verließen und uns auf den Weg machten, vorbei am eigentlichen Treffpunkt am Cannstatter Bahnhof, direkt zum Stadion. Es schien ein fast ganz normaler Tag zu werden – sieht man von den ersten Kastenwägen und einer Vielzahl voll uniformierter Polizisten ab, allesamt bewaffnet bis an die Zähne.
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8. April 2017
von Ute
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Zu wenig von allem

Zehntausend. In Zahlen 10.000. Zehntausend, die sich unter der Woche auf den Weg nach München gemacht hatten. Zehntausend, denen es wichtig genug war, die Mannschaft zu unterstützen und sie zum Auswärtssieg zu schreien. Zehntausend, die keinen Zweifel daran hatten, dass die Mannschaft alles dafür tun würde, rechtzeitig vor dem Derby die Köpfe freizubekommen. Und Elf, die sich dessen offenbar nicht einmal im Ansatz bewusst waren und es geschafft haben, jene Zehntausend enttäuscht zurückzulassen. Insgeheim wissen wir alle, wie wir dieses Spiel einordnen müssen: für den Aufstieg ist das schlichtweg zu wenig.

2017_04_05_Muenchen-VfB_01

Ich weiß, ich hab das schon oft gesagt, aber während die Spiele immer weniger werden, werden die Punkte nicht sehr viel mehr. Mitgezählt habe ich nicht, wie oft sich für mich der Aufstieg in dieser Spielzeit schon „endgültig“ erledigt hat und angesichts des 2. Tabellenplatzes mag das auch wie ein schlechter Scherz klingen, aber erinnert es euch nicht auch so an letzte Saison? Bis weit Richtung Saisonende dümpelte man um den Relegationsplatz herum und war sich sicher, die restlichen Punkte noch irgendwie zu holen. Auch, wenn ich es nie wollte, sehe ich mich nun konfrontiert mit beängstigenden Parallelen.

2017_04_05_Muenchen-VfB_02

So sehr ich den Fußball noch vor einigen Wochen in vollen Zügen genossen hatte, so sehr fürchte ich mich jetzt davor, dass sich alles irgendwie wiederholt. Die fehlende Mentalität im Mannschaftsgefüge, das Vermissen von wahren Führungsspielern, die Naivität um die sicher noch kommenden Siege und nicht zuletzt jede Menge fehlendes Glück. Wir waren auf bestem Weg, unseren Status als Spitzenreiter zu zementieren und es gab Phasen, da machte die Mannschaft keinerlei Anstalten, in dieser Saison die Tabellenführung noch einmal herzugeben. Heute sind wir klüger, und wir sind vor allem beunruhigter denn je.
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