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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

26. Juni 2016
von Ute
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Meine Saison mit dem VfB Stuttgart 2015/2016

Weit über einen Monat ist es nun schon bereits her, das letzte Saisonspiel in Wolfsburg. In der bittersten aller Stunden war der VfB abgestiegen, was in den letzten Tagen der ersten Liga kaum jemand wahrhaftig zu überraschen vermochte. Und doch stelle ich mir bis heute jene ernüchternde Frage: wie konnte man es nur soweit kommen lassen? Unvergessen bleibt jene legendäre Siegesserie zu Beginn der Hinrunde, bei der niemand vermuten konnte, dass man trotz allem am 14. Mai absteigen würde. Dass ich auch in der schönsten Zeit der letzten Jahre den Zeigefinger hob und warnte, wie schnell es wieder vorbei sein kann, wollten die wenigsten glauben.

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Der Niedergang des VfB Stuttgart hat so viel mehr Gesichter als der Mannschaftskader der Saison 2015/2016 und dessen Trainerteams, es war die letztendlich logische Konsequenz vieler Fehler, die man in den letzten Jahren gemacht hatte. Alexander Zorniger scheiterte an seiner unumstößlichen und arroganten Überheblichkeit, sei der eingeschlagene Weg auch der richtige gewesen. Jürgen Kramny scheiterte an seiner Unerfahrenheit und Naivität, hatte er auch zu Beginn des Jahres die richtigen Knöpfe und Hebel gefunden. Und die Mannschaft scheiterte an sich selbst und der Spannung, die über das lange Osterwochenende verloren ging und letztlich nie zurückgekehrt ist.

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Erste Liga. Europapokal. DFB-Pokalfinale. Champions League. Ich habe in den letzten paar Jahren so viel mit dem Verein mitgemacht, wie gerne hätte ich da auf den Abstieg verzichtet. Das war es, was mir das Leben in den letzten zwei, drei Jahren so unheimlich schwer gemacht hat, diese permanente Angst vor dem Abstieg und seinen Konsequenzen für mein lieb gewonnenes VfB-Umfeld. Nicht nur der Abstieg alleine wird gedanklich immer da sein, sondern vielmehr die bizarre Kombination, die schönsten und schlimmsten Momente der letzten Jahre in einer Saison zu erleben. Wer will es mir also verdenken, dass ich für diese Zeilen so unheimlich lange gebraucht habe.
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16. Mai 2016
von Ute
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Die bitterste aller Stunden

Wie schnell sich der Gästeblock wirklich geleert hat, habe ich nicht einmal mitbekommen. Mit weit aufgerissenen Augen stand ich da, frierend ob des doch recht frischen Windes, der uns um die Nase wehte, mit Rückenschmerzen, Magengrummeln, dickem Kopf und der letztendlichen Gewissheit, dass jetzt alles vorbei ist. Vorbei ist sie, die Saison voller Tiefen und auch einigen Höhen. Vorbei ist sie, eine erneute Niederlage, die sich nahtlos in all das einreihte, dass ich seit acht Jahren in Wolfsburg hinnehmen musste. Vorbei ist sie, die wunderbare Zeit in der ersten Liga. Der VfB ist abgestiegen. Und zwar mit Ansage.

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Es mag sportlich gesehen überaus verdient sein, nachdem man jahrelang den Kopf kurz vor Schluss aus der Schlinge gezogen hatte und sich immer wieder irgendwie hindurch mogelte. Ist es nicht fast schon bezeichnend, dass man so viel Zeit hatte, sich mental darauf einzurichten, dass nicht einmal viele Tränen vergossen worden waren? So groß der Schmerz in diesen Tagen auch sein mag, er kommt alles andere als unerwartet. Das macht es zwar nicht weniger bitter, doch es hilft ungemein beim nun dringend benötigten Neuaufbau, der für uns die wohl größte Chance darstellen sollte.

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Viele haben mir bereits jetzt schon ihren Respekt ausgesprochen, dass ich mich auch in der bittersten Stunde der jüngeren Vereinsgeschichte an die Tastatur setze und versuche, darüber zu schreiben, manch andere könnten das vielleicht nicht. Euch allen, die ihr mit traurigem Schwermut und geplagter Seele diese Zeilen lest, will ich versuchen, ein wenig Trost zu spenden. Vor einigen Wochen noch wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn mein geliebter VfB absteigt, die Angst wurde größer und Tränen wurden vergossen. Nun ist es passiert und ich muss die wohl größte Erkenntnis meiner letzten Jahre als VfB-Fan begreifen: dass das Leben weiter geht.
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8. Mai 2016
von Ute
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Kein Platz für Träumer

Eigentlich hatte ich gedacht, Tränen der Trauer würden über meine Wangen laufen. Eigentlich hatte ich gedacht, der VfB nutzt die letzte Chance, die er noch hat. Eigentlich hatte ich gedacht, das alles würde irgendwie anders laufen. Da waren keine bitteren Tränen, keine hemmungslose Aggression in mir, nur die große Fassungslosigkeit, wie uns das noch passieren konnte. Wieder einmal. Es scheint wirklich so zu sein, dass sich die Geschichte immer wiederholt, bis man es eines Tages doch richtig macht. Jahr für Jahr wachen wir auf wie Bull Murray an einem jeden Tag und stellen fest, dass es immer so weiter geht.

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Ausnahmslos jeder VfB-Fan, der danach gefragt wird, welche Situation die negative Trendwende hätte verhindern können, hat dabei ein ganz bestimmtes Bild im Kopf. Für manche ist es die Entlassung von Alexander Zorniger gewesen, für andere das verlorene Spiel gegen Hannover, für manche die Selbstgefälligkeit, mit der sich die Spieler nach dem 2:2 in Darmstadt den Fans stellten und meinten, man hätte die Lilien immerhin auf Abstand gehalten.

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Für meine Verhältnisse bin ich noch eigenartig ruhig und gefasst, was jedoch nicht bedeutet, dass die Tränen nicht doch am nächsten Wochenende kullern werden. An dem Tag, an dem es fest steht. An dem Tag, an dem man sich eingestehen muss, dass es zu spät ist. An dem Tag, an dem der VfB den bitteren Gang in die zweite Liga antreten muss. Weder will und kann ich mir das Dasein als künftiger Zweitligist schönreden, noch glaube ich, es sei unverdient. Bitter ist es, ohne jede Frage, aber vor allen Dingen ist es die logische Konsequenz aus vielen Jahren Lernresistenz.
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1. Mai 2016
von Ute
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Montags könnt ich kotzen

Kaum etwas hat in den letzten Wochen so polarisiert wie die Ansetzung unseres Auswärtsspiels. Eigentlich sollte ich heute Abend in Bremen sein, im Gästeblock, da, wo ich hingehöre, um meine Mannschaft im wohl wichtigsten Spiel der Saison zu unterstützen. Stattdessen bin ich in Stuttgart geblieben – wie viele andere meiner Freunde, Bekannte und Weggefährten auch. Sie alle sitzen in diesem Moment im Büro, zuhause auf der Couch, auf der Terasse oder dem Balkon, mit flauem Gefühl im Magen und dem Gedanken, man solle jetzt eigentlich in Bremen sein.

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Drei Minuten haben uns gefehlt. Drei Minuten hätte Borussia Dortmund im Europapokalspiel gegen Liverpool noch durchhalten müssen und unser Auswärtsspiel in Bremen hätte an einem sonnigen Samstag stattgefunden. In der ersten Minute der vierminüten Nachspielzeit passierte es dann, Liverpool drehte das Spiel, warf Dortmund aus dem Pokal und ließ nicht nur die eigenen schwarz-gelben Fans in einem Schock zurück, sondern auch jene Brustringträger, die sich der Konsequenz dieses Ausscheidens ganz genau bewusst gewesen sind.

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Somit blieb es bei der Ansetzung am Montagabend. An diesem Montagabend. In gut zwei Stunden beginnt die Partie im Weserstadion, die den 32. Spieltag komplett machen wird. Ein befremdliches Gefühl, denn tausende jener Fans, die in diesen Minuten den Gästeblock betreten würden, bleiben fern. Unfreiwillig und mit gebrochenem Herzen. Mir geht es nicht anders wie vielen Anderen, die schweren Herzens ihre Reise nach Bremen ad acta legen mussten.
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24. April 2016
von Ute
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Tief im Schlamassel

„Wie ich noch hoffen soll, ist mir schleierhaft. Wie der VfB es noch schaffen soll, ist mir schleierhaft. Wie die Fans wohl mit den nächsten Wochen umgehen, ist mir schleierhaft. Es sind noch drei Spiele und damit die rechnerische Möglichkeit von neun Punkten und dem direkten Klassenerhalt. Die Köpfe hängen schwer, während alle anderen mentalen und sportlichen Erfolg verbuchen, hadern wir mit uns selbst.“ – Jene Worte stammen vom Auswärtsspiel auf Schalke, an genau diesem Spieltag vor genau einem Jahr. An dem Tag, als man genau am gleichen Punkt war, gefühlt bereits abgestiegen war und es viel schlimmer nicht mehr kommen konnte.

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Es folgten drei Siege und der direkte Klassenerhalt. Wo keine Hoffnung mehr war, erwuchs sie an jedem Spieltag aufs Neue. Nichts gab es, was uns damals viel Zuversicht geben konnte, wo ich also jetzt der Unterschied? Sehe ich den diesjährigen Abstiegskampf als schlimmer, schmerzhafter und aussichtsloser als letztes Jahr, weil ich weiß, wie es ausgegangen ist? Oder weil damals trotz der schlechteren Tabellensituation mehr für uns sprach, nämlich eine halbwegs intakte Mannschaft, Kampfgeist und ein machbares Restprogramm? Wieder einmal sitze ich hier und weiß ich nicht, wie der VfB das noch hinbiegen soll.

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Vor einem Jahr sah es düster aus, mit 27 Punkten rangierten wir auf dem letzten Platz, vier Punkte Abstand ans rettende Ufer schienen unerreichbar zu sein. Viel zu verlieren hatte man nicht mehr, so nahm sich die Fanszene ein Herz, rief die bedingungslose Unterstützung bis zur rechnerischen Entscheidung aus und schrie den Support so laut heraus, wie man es schon seit ewigen Zeiten nicht mehr vernommen hatte. Wo mancher mit dem Kopf schüttelt und meint, das Gejammer habe sich vor einem Jahr ganz ähnlich angehört, fragen sich andere, was einen denn glauben lässt, es sollte in dieser Saison leichter sein als letzte.
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