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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

14. August 2016
von Ute
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Alles andere als leicht

Niemand hatte gesagt, es würde leicht werden. Im Gegenteil. Viele Jahre wischten wir uns spätestens am letzten Spieltag den Angstschweiß von der Stirn, schnauften erleichtert „Grad nommol gut gange!“ und wollten nie erleben müssen, wie sich die zweite Liga wohl anfühlen würde. Kein Zuckerschlecken, das wurde uns immer suggeriert. Kleinere Stadien, weniger Tickets, unattraktiverer Fußball, ganz zu schweigen von den bescheidenen Anstoßzeiten. Dass in Liga 2 alles viel blöder ist, haben wir Fans schon vorher gewusst. Doch die Mannschaft wusste es anscheinend nicht.

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Das mit dem Klassenerhalt war schon immer so eine Sache. Nichts anderes hätte den Spielern die Motivation geben können als der Blick auf vergangene Zeiten. Der große Wunsch, sich von Anderen unabhängig zu machen und frühzeitig den Kopf aus jener Schlinge zu ziehen, die uns am 14. Mai diesen Jahres schlussendlich doch das Genick gebrochen hatte. In der Bundesliga zu bleiben, war dabei kein gänzlich über alle Maßen anspruchsvolles Ziel, das man wagte, auszusprechen.

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Wie schwer es werden kann, wieder aufzusteigen, davon haben wir nach den letztendlich schönen Momenten gegen St. Pauli nun in Düsseldorf schmerzlich erfahren müssen. Versteht mich bitte nicht falsch, keinesfalls habe ich dieser Tage ernsthaft erwartet, der VfB würde so furios starten, dass er sich frühzeitig an der Spitze festsetzen würde. Wie deprimierend der Zustand des Kaders jedoch mitunter ist, darauf war ich nicht vorbereitet. Erschreckend zu sehen, wie viel Arbeit und Zeit noch in diese Mannschaft gesteckt werden muss. Zeit, die wir aber womöglich nicht haben.
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14. August 2016
von Ute
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Psychologisch wichtig

So richtig bereit war ich dafür noch nicht. Zweite Liga. Der Begriff, vor dem ich so viele Jahre so unwahrscheinlich viel Angst hatte. So richtig echt fühlt es sich noch nicht an. Nun also Aue, Sandhausen und Heidenheim statt Bayern, Schalke und Dortmund. So richtig freuen konnte ich mich nicht, wenngleich die Vielfahrerei zu jeglichen Spielen des VfB meine Aussage nur umso absurder erscheinen lässt. Auf uns wartet nun eine neue, spannende und auch aufregende Zeit, von der keiner so recht erahnen kann, was sie für uns bereit hält.

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Das Ziel zu formulieren, dass es am Ende dieser Spielzeit zu erreichen gilt, fällt nicht schwer: Wiederaufstieg. Doch wie sieht die Realität wirklich aus? Viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher, wie sie wo starten würde, die neue Saison, wie wir uns an die neuen Spielzeiten gewöhnen würden und in wie weit uns diese Zeit in der zweiten Liga vielleicht sogar ein bisschen näher zusammen bringen würde. Wir alle wissen, was es bedeutet, wenn nach wenigen Spielen nicht der gewünschte Erfolg eingetreten ist, die Unruhe wird größer und der Druck nur umso mehr.

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Vieles ist anders als in den letzten Jahren. Die Ligazugehörigkeit. Das Trainerteam. Große Teile der Mannschaft. Die Gegner. Die Stadien. Und doch fühlte es sich zum Auftakt nicht anders an als sonst. Tausende von fröhlichen Menschen ziehen als Karawane Cannstatt durch die Straßen von Stuttgart. 60.000 Zuschauer in einem ausverkauften Neckarstadion. Gigantische Stimmung. Und das soll wirklich zweite Liga sein? Man könnte es kaum glauben, doch im nächsten Moment realisierte man es. Wir schreiben Montag, den 8. August 2016. Das erste von vermutlich vielen Montagsspielen.
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26. Juni 2016
von Ute
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Meine Saison mit dem VfB Stuttgart 2015/2016

Weit über einen Monat ist es nun schon bereits her, das letzte Saisonspiel in Wolfsburg. In der bittersten aller Stunden war der VfB abgestiegen, was in den letzten Tagen der ersten Liga kaum jemand wahrhaftig zu überraschen vermochte. Und doch stelle ich mir bis heute jene ernüchternde Frage: wie konnte man es nur soweit kommen lassen? Unvergessen bleibt jene legendäre Siegesserie zu Beginn der Hinrunde, bei der niemand vermuten konnte, dass man trotz allem am 14. Mai absteigen würde. Dass ich auch in der schönsten Zeit der letzten Jahre den Zeigefinger hob und warnte, wie schnell es wieder vorbei sein kann, wollten die wenigsten glauben.

2015-2016_Saisonrueckblick_1

Der Niedergang des VfB Stuttgart hat so viel mehr Gesichter als der Mannschaftskader der Saison 2015/2016 und dessen Trainerteams, es war die letztendlich logische Konsequenz vieler Fehler, die man in den letzten Jahren gemacht hatte. Alexander Zorniger scheiterte an seiner unumstößlichen und arroganten Überheblichkeit, sei der eingeschlagene Weg auch der richtige gewesen. Jürgen Kramny scheiterte an seiner Unerfahrenheit und Naivität, hatte er auch zu Beginn des Jahres die richtigen Knöpfe und Hebel gefunden. Und die Mannschaft scheiterte an sich selbst und der Spannung, die über das lange Osterwochenende verloren ging und letztlich nie zurückgekehrt ist.

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Erste Liga. Europapokal. DFB-Pokalfinale. Champions League. Ich habe in den letzten paar Jahren so viel mit dem Verein mitgemacht, wie gerne hätte ich da auf den Abstieg verzichtet. Das war es, was mir das Leben in den letzten zwei, drei Jahren so unheimlich schwer gemacht hat, diese permanente Angst vor dem Abstieg und seinen Konsequenzen für mein lieb gewonnenes VfB-Umfeld. Nicht nur der Abstieg alleine wird gedanklich immer da sein, sondern vielmehr die bizarre Kombination, die schönsten und schlimmsten Momente der letzten Jahre in einer Saison zu erleben. Wer will es mir also verdenken, dass ich für diese Zeilen so unheimlich lange gebraucht habe.
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16. Mai 2016
von Ute
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Die bitterste aller Stunden

Wie schnell sich der Gästeblock wirklich geleert hat, habe ich nicht einmal mitbekommen. Mit weit aufgerissenen Augen stand ich da, frierend ob des doch recht frischen Windes, der uns um die Nase wehte, mit Rückenschmerzen, Magengrummeln, dickem Kopf und der letztendlichen Gewissheit, dass jetzt alles vorbei ist. Vorbei ist sie, die Saison voller Tiefen und auch einigen Höhen. Vorbei ist sie, eine erneute Niederlage, die sich nahtlos in all das einreihte, dass ich seit acht Jahren in Wolfsburg hinnehmen musste. Vorbei ist sie, die wunderbare Zeit in der ersten Liga. Der VfB ist abgestiegen. Und zwar mit Ansage.

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Es mag sportlich gesehen überaus verdient sein, nachdem man jahrelang den Kopf kurz vor Schluss aus der Schlinge gezogen hatte und sich immer wieder irgendwie hindurch mogelte. Ist es nicht fast schon bezeichnend, dass man so viel Zeit hatte, sich mental darauf einzurichten, dass nicht einmal viele Tränen vergossen worden waren? So groß der Schmerz in diesen Tagen auch sein mag, er kommt alles andere als unerwartet. Das macht es zwar nicht weniger bitter, doch es hilft ungemein beim nun dringend benötigten Neuaufbau, der für uns die wohl größte Chance darstellen sollte.

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Viele haben mir bereits jetzt schon ihren Respekt ausgesprochen, dass ich mich auch in der bittersten Stunde der jüngeren Vereinsgeschichte an die Tastatur setze und versuche, darüber zu schreiben, manch andere könnten das vielleicht nicht. Euch allen, die ihr mit traurigem Schwermut und geplagter Seele diese Zeilen lest, will ich versuchen, ein wenig Trost zu spenden. Vor einigen Wochen noch wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn mein geliebter VfB absteigt, die Angst wurde größer und Tränen wurden vergossen. Nun ist es passiert und ich muss die wohl größte Erkenntnis meiner letzten Jahre als VfB-Fan begreifen: dass das Leben weiter geht.
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8. Mai 2016
von Ute
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Kein Platz für Träumer

Eigentlich hatte ich gedacht, Tränen der Trauer würden über meine Wangen laufen. Eigentlich hatte ich gedacht, der VfB nutzt die letzte Chance, die er noch hat. Eigentlich hatte ich gedacht, das alles würde irgendwie anders laufen. Da waren keine bitteren Tränen, keine hemmungslose Aggression in mir, nur die große Fassungslosigkeit, wie uns das noch passieren konnte. Wieder einmal. Es scheint wirklich so zu sein, dass sich die Geschichte immer wiederholt, bis man es eines Tages doch richtig macht. Jahr für Jahr wachen wir auf wie Bull Murray an einem jeden Tag und stellen fest, dass es immer so weiter geht.

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Ausnahmslos jeder VfB-Fan, der danach gefragt wird, welche Situation die negative Trendwende hätte verhindern können, hat dabei ein ganz bestimmtes Bild im Kopf. Für manche ist es die Entlassung von Alexander Zorniger gewesen, für andere das verlorene Spiel gegen Hannover, für manche die Selbstgefälligkeit, mit der sich die Spieler nach dem 2:2 in Darmstadt den Fans stellten und meinten, man hätte die Lilien immerhin auf Abstand gehalten.

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Für meine Verhältnisse bin ich noch eigenartig ruhig und gefasst, was jedoch nicht bedeutet, dass die Tränen nicht doch am nächsten Wochenende kullern werden. An dem Tag, an dem es fest steht. An dem Tag, an dem man sich eingestehen muss, dass es zu spät ist. An dem Tag, an dem der VfB den bitteren Gang in die zweite Liga antreten muss. Weder will und kann ich mir das Dasein als künftiger Zweitligist schönreden, noch glaube ich, es sei unverdient. Bitter ist es, ohne jede Frage, aber vor allen Dingen ist es die logische Konsequenz aus vielen Jahren Lernresistenz.
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