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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

16. Mai 2016
von Ute
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Die bitterste aller Stunden

Wie schnell sich der Gästeblock wirklich geleert hat, habe ich nicht einmal mitbekommen. Mit weit aufgerissenen Augen stand ich da, frierend ob des doch recht frischen Windes, der uns um die Nase wehte, mit Rückenschmerzen, Magengrummeln, dickem Kopf und der letztendlichen Gewissheit, dass jetzt alles vorbei ist. Vorbei ist sie, die Saison voller Tiefen und auch einigen Höhen. Vorbei ist sie, eine erneute Niederlage, die sich nahtlos in all das einreihte, dass ich seit acht Jahren in Wolfsburg hinnehmen musste. Vorbei ist sie, die wunderbare Zeit in der ersten Liga. Der VfB ist abgestiegen. Und zwar mit Ansage.

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Es mag sportlich gesehen überaus verdient sein, nachdem man jahrelang den Kopf kurz vor Schluss aus der Schlinge gezogen hatte und sich immer wieder irgendwie hindurch mogelte. Ist es nicht fast schon bezeichnend, dass man so viel Zeit hatte, sich mental darauf einzurichten, dass nicht einmal viele Tränen vergossen worden waren? So groß der Schmerz in diesen Tagen auch sein mag, er kommt alles andere als unerwartet. Das macht es zwar nicht weniger bitter, doch es hilft ungemein beim nun dringend benötigten Neuaufbau, der für uns die wohl größte Chance darstellen sollte.

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Viele haben mir bereits jetzt schon ihren Respekt ausgesprochen, dass ich mich auch in der bittersten Stunde der jüngeren Vereinsgeschichte an die Tastatur setze und versuche, darüber zu schreiben, manch andere könnten das vielleicht nicht. Euch allen, die ihr mit traurigem Schwermut und geplagter Seele diese Zeilen lest, will ich versuchen, ein wenig Trost zu spenden. Vor einigen Wochen noch wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn mein geliebter VfB absteigt, die Angst wurde größer und Tränen wurden vergossen. Nun ist es passiert und ich muss die wohl größte Erkenntnis meiner letzten Jahre als VfB-Fan begreifen: dass das Leben weiter geht.
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8. Mai 2016
von Ute
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Kein Platz für Träumer

Eigentlich hatte ich gedacht, Tränen der Trauer würden über meine Wangen laufen. Eigentlich hatte ich gedacht, der VfB nutzt die letzte Chance, die er noch hat. Eigentlich hatte ich gedacht, das alles würde irgendwie anders laufen. Da waren keine bitteren Tränen, keine hemmungslose Aggression in mir, nur die große Fassungslosigkeit, wie uns das noch passieren konnte. Wieder einmal. Es scheint wirklich so zu sein, dass sich die Geschichte immer wiederholt, bis man es eines Tages doch richtig macht. Jahr für Jahr wachen wir auf wie Bull Murray an einem jeden Tag und stellen fest, dass es immer so weiter geht.

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Ausnahmslos jeder VfB-Fan, der danach gefragt wird, welche Situation die negative Trendwende hätte verhindern können, hat dabei ein ganz bestimmtes Bild im Kopf. Für manche ist es die Entlassung von Alexander Zorniger gewesen, für andere das verlorene Spiel gegen Hannover, für manche die Selbstgefälligkeit, mit der sich die Spieler nach dem 2:2 in Darmstadt den Fans stellten und meinten, man hätte die Lilien immerhin auf Abstand gehalten.

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Für meine Verhältnisse bin ich noch eigenartig ruhig und gefasst, was jedoch nicht bedeutet, dass die Tränen nicht doch am nächsten Wochenende kullern werden. An dem Tag, an dem es fest steht. An dem Tag, an dem man sich eingestehen muss, dass es zu spät ist. An dem Tag, an dem der VfB den bitteren Gang in die zweite Liga antreten muss. Weder will und kann ich mir das Dasein als künftiger Zweitligist schönreden, noch glaube ich, es sei unverdient. Bitter ist es, ohne jede Frage, aber vor allen Dingen ist es die logische Konsequenz aus vielen Jahren Lernresistenz.
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24. April 2016
von Ute
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Tief im Schlamassel

„Wie ich noch hoffen soll, ist mir schleierhaft. Wie der VfB es noch schaffen soll, ist mir schleierhaft. Wie die Fans wohl mit den nächsten Wochen umgehen, ist mir schleierhaft. Es sind noch drei Spiele und damit die rechnerische Möglichkeit von neun Punkten und dem direkten Klassenerhalt. Die Köpfe hängen schwer, während alle anderen mentalen und sportlichen Erfolg verbuchen, hadern wir mit uns selbst.“ – Jene Worte stammen vom Auswärtsspiel auf Schalke, an genau diesem Spieltag vor genau einem Jahr. An dem Tag, als man genau am gleichen Punkt war, gefühlt bereits abgestiegen war und es viel schlimmer nicht mehr kommen konnte.

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Es folgten drei Siege und der direkte Klassenerhalt. Wo keine Hoffnung mehr war, erwuchs sie an jedem Spieltag aufs Neue. Nichts gab es, was uns damals viel Zuversicht geben konnte, wo ich also jetzt der Unterschied? Sehe ich den diesjährigen Abstiegskampf als schlimmer, schmerzhafter und aussichtsloser als letztes Jahr, weil ich weiß, wie es ausgegangen ist? Oder weil damals trotz der schlechteren Tabellensituation mehr für uns sprach, nämlich eine halbwegs intakte Mannschaft, Kampfgeist und ein machbares Restprogramm? Wieder einmal sitze ich hier und weiß ich nicht, wie der VfB das noch hinbiegen soll.

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Vor einem Jahr sah es düster aus, mit 27 Punkten rangierten wir auf dem letzten Platz, vier Punkte Abstand ans rettende Ufer schienen unerreichbar zu sein. Viel zu verlieren hatte man nicht mehr, so nahm sich die Fanszene ein Herz, rief die bedingungslose Unterstützung bis zur rechnerischen Entscheidung aus und schrie den Support so laut heraus, wie man es schon seit ewigen Zeiten nicht mehr vernommen hatte. Wo mancher mit dem Kopf schüttelt und meint, das Gejammer habe sich vor einem Jahr ganz ähnlich angehört, fragen sich andere, was einen denn glauben lässt, es sollte in dieser Saison leichter sein als letzte.
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17. April 2016
von Ute
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Den Ernst der Lage verkannt

Viele Stunden sind vergangen, seit ich am späten Sonntagvormittag meine Augen öffnete. Mein größter Wunsch blieb unerfüllt: das alles wirklich nur geträumt zu haben. Gerädert stand ich auf, tapste ins Bad und direkt an den Rechner. Mit einem Kaffee vor mir starrte ich lange Zeit ein leeres Blatt auf dem Bildschirm an. Hier sollten in einigen Stunden ein paar Seiten stehen über das Erlebte, was es im Nachgang des Augsburgspiels aufzuarbeiten galt. Der Drang war groß, einfach nichts zu schreiben bis auf die Worte: „Hier gibt es heute keinen Spielbericht zu lesen, da der VfB sich weigerte, am Spiel teilzunehmen“, doch einfach ist das leider nicht.

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Noch nicht einmal knappe 24 Stunden später habe ich mich wirklich beruhigen können. Mit einem Kloß im Hals starre ich noch immer auf die leeren Seiten, erst mit wenigen Zeilen gefüllt. Durch die Lautsprecherboxen neben mir singen Die Toten Hosen ihr episches Lied: „Wo sind diese Tage, an denen wir glaubten, wir hätten nichts zu verlieren?“ Gute zwei Monate sind besagte Tage nun her, als man nach einem 2:0 gegen die Hertha für eine Nacht auf Platz Neun der Tabelle stand und der Abstiegskampf so unendlich weit entfernt schien. Keine acht Wochen später sieht das nun ganz anders aus. Wirklich überraschen tut es mich nicht, doch manchmal hasse ich es eben, Recht zu behalten.

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Es tut so unheimlich weh. Nicht nur der Blick auf die Tabelle und auf das Restprogramm, der gesamte aktuelle Umstand lässt mich hadern und verzweifeln. Es gibt Tage, an denen ich viel darum geben würde, eben einfach ein „normaler Fan“ zu sein, der nach dem Spiel heimkommt, sich noch ein paar Stunden oder allenfalls bis zum nächsten Morgen ärgert und dann wieder dan Blick nach vorne richtet und ein fröhliches Gesicht aufsetzt. Es steht mir frei, es genauso zu machen. Doch was, wenn die Angst vorm Abstieg alle Gedanken lähmt und einen vergessen lässt, dass es doch nur Fußball ist?
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10. April 2016
von Ute
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Nur schnuppern, nicht anfassen!

Es ist nicht so, dass ich wirklich etwas anderes erwartet hatte. Ich habe genau das erwartet, was es am Ende war, eine weitere Niederlage gegen die Bayern. Und doch sind es jene Spiele, die am bittersten sind: jene, in denen du für einen Moment an der Sensation schnuppern kannst, das Gefühl fast schon riechen kannst, bevor dir ein einziger grausamer Schuss mitten ins Herz alle Hoffnungen nimmt. Eigentlich war es wie immer. Und dann aber doch irgendwie nicht. Was wäre es nur für eine Sensation gewesen, wenn der VfB die letzten notwendigen Punkte für den Klassenerhalt ausgerechnet bei denen holt, die man so gar nicht auf dem Zettel hatte? Es wäre schlichtweg zu schön gewesen, um wahr zu sein.

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Einer meiner Bekannten hatte bei Twitter geschrieben, es gäbe nur zwei Optionen: der VfB spielt gut, bemüht sich redlich und verliert am Ende dämlich und unglücklich mit einem Tor Unterschied, oder aber er ergibt sich gleich in sein fast schon unabwendbar erscheinendes Schicksal, müht sich gar nicht erst und wird förmlich überrollt, wie häufig in den letzten Jahren. Elf Ligaspiele zuzüglich drei DFB-Pokal-Spiele, niemand sonst hatte in den letzten Jahren eine derart schlechte Bilanz gegen die Bayern. Das war nicht immer so, doch diese Zeiten sind längst vorbei. Damals. Als der VfB noch eine große Hausnummer war.

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Die übliche innere Unruhe ließ lange auf sich warten, man könnte fast meinen, ich sah dem Spiel entspannt entgegen. Zu holen gab es aller Voraussicht nach nichts, so blieb einzig und allein der Fakt, sich nur positiv überraschen lassen zu können. Es könnte so einfach sein, diese Partie mit Gleichgültigkeit zu begegnen und egal was passiert, es mit Fassung zu tragen – sehr viel leichter gesagt als getan. Dass es am Ende vermeintlich knapper war, als das Ergebnis einem suggeriert, macht es nicht einfacher. Fast könnte es einem egal sein, wenn man denn auf Punkte nicht noch dringend angewiesen wäre.
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