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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

25. Mai 2017
von Ute
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An Tagen wie diesen

Von diesem Moment habe ich oft geträumt. Lange habe ich mir nur im Entferntesten vorstellen können, wie das wohl wäre, wenn alles vorbei ist. Diese Emotionen, die einen überwältigen und ich vor Worten schlicht und ergreifen übersprudeln würde. Keine 24 Stunden würde es dauern und ich hätte jene Zeilen zu Papier gebracht. Nichts sehnte ich mehr herbei als den Augenblick, wenn das letzte Spiel beendet und der letzte Tag unserer Zweitligasaison vorbei gewesen wäre. Ich hatte geglaubt, es würde leicht fallen, euch alle daran teilhaben zu lassen, so sicher war ich mir, es wäre ganz einfach, euch Einblick in meine Fanseele zu gewähren, die ein ständiges Wechselbad der Gefühle hinter sich hat.

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Doch dann gibt es da diese Tage, da überfordern mich meine Emotionen und ein jedes Wort, das mir in den Sinn kommt, erscheint mir nicht annähernd gut genug, um das treffend zu beschreiben, was am Sonntag passiert ist. Eine gute Stunde ist vergangen, seit ich das erste Wort auf der Tastatur getippt habe, anderthalb Absätze später muss ich mir eingestehen, dass es sehr viel schwerer werden würde, euch von dem einen Spiel zu berichten, das den VfB zurück in die Bundesliga brachte.

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Seit 34 Spieltagen konzentrierte sich alles auf diesen Moment, auf den Aufstieg, auf die Reparatur eines Betriebsunfalls. Das mag banal und emotionslos klingen, ist aber das versöhnliche Ende eines wahren Abenteuers. Wie konnte ich nur so töricht sein, zu glauben, es wäre einfach, davon zu erzählen? Ich will, dass ihr es spüren könnt. Ich will euch mit jedem einzelnen Absatz Gänsehaut bereiten können. Ich will euch erzählen, wie das so war, an jenem 21. Mai im Jahre 2017. Für die meisten meiner Freunde ist dieser Aufstieg nicht die Welt. Für jemanden, der vor zehn Jahren zu unbedarft und zu weit weg war, allerdings schon.
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17. Mai 2017
von Ute
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Auf der Suche nach der Gier

Eigentlich hätte ich mit den Schultern zucken müssen und sagen müssen „Was solls“. Eigentlich hätte ich mich dem süßen Gedanken hingeben müssen, zu 99% aufgestiegen zu sein. Eigentlich war diese Niederlage gar nicht weiter schlimm. Eigentlich. Was übrig blieb, fühlte sich keineswegs nach dem beinahe sicheren Aufstieg an. Am Ende war da dieses unbehagliche, eigenartige Gefühl der Enttäuschung, das uns über all die Jahre bis hin zum Abstieg begleitet hatte, dieser Frust, dass die Mannschaft so viel mehr könnte, wenn sie nur wollte.

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Mit einem leidenschaftlichen Willen hätte man so manche desolate Phase und auch den bitteren Abstieg verhindern können. Wir stehen nun (trotzdem) vor den größten Feierlichkeiten seit zehn Jahren. Und doch fühlt es sich so falsch an. Es ist mein verdammtes Recht, mich aufzuregen. Ich habe an bisher jedem einzelnen Pflichtspiel in dieser Saison im Stadion gestanden, habe alles gegeben, habe Urlaub, Zeit und Geld geopfert, um – wie viele andere tausend und zehntausend VfBler auch – keinen Zweifel daran zu lassen, wieviel mir und uns dieser Verein bedeutet.

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Was haben wir nicht alles gegeben in dieser Spielzeit, sind mit zehntausenden auswärts gefahren, haben Choreos auf die Beine gestellt und jedem Einzelnen im Stadion eine Gänsehaut bereitet, nur für diese eine, nicht unwesentliche Gegenleistung: dass die Mannschaft in jeder Minute alles gibt, was sie geben kann. Einige Male ist ihnen das in dieser Saison nicht gelungen, in Dresden, in Würzburg, in Fürth. Sie haben uns gezeigt, dass sie verstanden haben, dass sie wissen, worum es geht, für die Mannschaft, für den Verein, für die Fans, für die Region. Da standen wir nun, gute zehntausend Stuttgarter im vorentscheidenden Spiel gegen den direkten Konkurrenten. Wir gaben alles. Und wir bekamen: nichts.
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13. Mai 2017
von Ute
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Das Ziel vor Augen

Wer glaubt, beim Fußball ginge es um nicht mehr als 22 Männer, die einem Ball hinterherrennen, hat den tiefen Zauber dieser Sportart niemals verstanden. Es geht um so viel mehr, es geht um die bedingungslose Liebe zu einem Verein, dem Willen, aller Widrigkeiten zum trotz alles zu geben, dafür einzustehen und auch Opfer zu bringen. Es geht um das Gefühl, tief im innersten seines Herzens zu wissen, dass es Momente gibt, die einem alles bedeuten können. In diesen Tagen und Wochen schlagen die Herzen der Mannschaft und der Fans als eines, auf dass wir alle schon bald belohnt werden. Der Weg bis dahin ist noch kurz. Und doch noch so weit.

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Eine anstrengende Woche liegt hinter mir, vier Tage in Folge ganze zehn Stunden im Büro, als hätten die letzten Wochen nicht ohnehin schon genug Kraft gekostet. Es fehlte an Zeit, diese Zeilen digital zu Papier zu bringen. Es fehlte die Zeit, einen Blick zurückzuwerfen auf das Heimspiel gegen Aue. Es fehlte die Zeit, einen Haken hinter das vorvorletzte Saisonspiel zu machen. Und es fehlte auch an Zeit, mich vor Panik verrückt zu machen, wohlwissend, dass schon am Sonntag alles vorbei sein könnte.

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So viele Monate haben wir auf diese Tage der Wahrheit warten müssen, nun sind sie gekommen und alles fühlt sich so unwirklich an. Am Sonntag könnten wir aufsteigen. Und wenn es doch noch schief geht? Die vermutlich letzte Zweiflerin tippt wild entschlossen auf den Tasten ihrer Tastatur. Die Mannschaft ist sich hoffentlich sehr viel sicherer als ich. Diese zwei Seelen in meiner Brust. Die eine, die mich davor warnt, dass nichts im Leben sicher ist, außer der Tod. Und die andere, die seit dem ersten Spieltag von nichts anderem träumt als jenen Moment, wenn der Aufstieg besiegelt ist. Bis dahin wird da immer dieses kleine dumpfe Gefühl sein, dass letztlich noch einiges schief gehen könnte.
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1. Mai 2017
von Ute
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Momente für die Ewigkeit

Es gibt so viele wunderbare Worte auf dieser Welt. Dennoch fällt es schwer, die richtigen zu finden, sie als Zeichen einer angemessenen Würdigung sinnvoll aneinander zu reihen und sie an euch da draußen, die das Auswärtsspiel in Nürnberg zum Heimspiel gemacht haben, weiterzugeben. Worte der Leidenschaft, der Begeisterung, die dafür geschaffen sind, für solche Momente genutzt zu werden und die jeden einzelnen mit Gänsehaut erfüllen. Lange suche ich nach diesen Worten, die des Spielberichts würdig sind. Tage wie diese vergisst man wahrscheinlich nie. Das weiß jeder, der bis zu einer halben Stunde nach Abpfiff noch im Gästeblock stand und sich die Seele aus dem Leib gesungen hatte.

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Das Stadion hatte sich zu weiten Teilen geleert, nur die eine Kurve, die den Gästesektor beherbergte, war noch immer gefüllt. Von Jenen, die von den Emotionen übermannt worden waren und nicht im Stande gewesen sind, sich in Bewegung zu setzen. Von Jenen, die jeden einzelnen Moment bis zum letzten Augenblick auskosten wollten. Und nicht zuletzt von Jenen, die sich an jenes schicksalhafte Spiel in Bochum erinnert fühlten. Keiner wollte nach Hause gehen, nicht einmal die, die mit Zügen angereist waren. Hier und jetzt hatten wir alle etwas Unfassbares erleben dürfen, einfach heimzugehen, das ging einfach nicht.

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Wie konnte nach einer guten halben Stunde im Spiel auch nur irgendjemand daran denken, dass wir nach einer guten halben Stunde nach dem Spiel mit feuchten Augen im Gästeblock stehen würden? Alle Aufstiegshoffnungen, die sich über die letzten Wochen mehr und mehr von einem vagen Traum bis zu einem konkreten Ziel entwickelt hatten, sie waren zerplatzt in dem einen Moment, in dem das 40-Meter-Solo vom wieder genesenen Cedric Teuchert direkt vor uns zum 2:0 für die Gastgeber einschlug. Natürlich hatten wir uns das ganz anders vorgestellt. Und natürlich konnte man nun nicht mehr daran glauben, dass am Ende doch noch alles gut wird.
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27. April 2017
von Ute
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Genau zur rechten Zeit

So viel gibt es zu erzählen und doch weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Minutenlang sitze ich vor dem leeren Dokument an meinem Rechner, während mir tausende Gedanken durch den Kopf schießen. Über 48 Stunden ist es her, seit wir sie mit brachialem Applaus in die Kabinen schickten und doch zehre ich noch heute von all den Emotionen, die wir an diesem Montagabend im Neckarstadion erleben durften. Ich könnte euch viel erzählen, wie der VfB ein Zweitligaspiel gegen Union Berlin gewann, aber wie will man das verstehen, wenn man es nicht fühlen kann.

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Wieviel Fußballromantiker muss wohl in mir stecken, um euch mit einem Kloß im Hals von den Erlebnissen zu berichten, die sich am 30. Spieltag zugetragen haben. Für manche ein verdientes 3:1. Für andere ein wahrhaft magischer Augenblick. Als ich mich vor gut zehn Jahren darauf einließ, dem VfB Stuttgart zunächst einen kleinen Teil meiner Aufmerksamkeit zu schenken, ahnte ich nicht, wie sehr das mein Leben verändern würde. Neue Bekanntschaften prägten mich, wichtige Entscheidungen wurden getroffen und die Liebe zu diesem einzigartigen Verein und all dem, was er in mein Leben gebracht hat, wurde immer größer.

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Warum erzähle ich euch das jetzt? Weil all diese Liebe uns alle hierher gebracht hat. An genau diesen Punkt, an dem wir uns fragen, was am 21. Mai geschehen wird. Nüchtern betrachtet der letzte Spieltag der Saison 2016/2017. Zwei werden aufsteigen, zwei werden absteigen und zwei werden in die Relegation müssen. So gesehen eines der simpelsten Prinzipien der Welt. Doch wir fühlen anders. Mit jeder Faser unserer Herzen verzehren wir uns nach diesem Augenblick, dem einen Moment, der die Anstrengungen und Entbehrungen einer ganzen Spielzeit wettmacht, der Sekunde, in der das Ziel erreicht ist.
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