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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

2:1! Große Träume können wahr werden

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Zugegeben, es war nicht das beste Spiel unter der Leitung von Super-Trainer Joachim „Jogi“ Löw, wohl eher das schlechteste, aber dennoch hat sich somit mein allergrößter Traum erfüllt. Ich durfte vergangenen Mittwoch die Jungs live in der AOL Arena in Hamburg beim Länderspiel gegen die Slowakei sehen, ein Erlebnis was ich nie im Leben vergessen werde.

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Der Tag fing für mich sehr früh am Mittwoch an, was ich jedoch vor dem Spiel und nach dem Spiel bis zu meiner Abreise am Donnerstag Abend so gemacht habe, wird in weiteren Blog-Artikeln berichtet. Diesmal gehts erstmal nur um das letzte Länderspiel der Saison 2006/2007.

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Die Mannschaftsaufstellung

Das ich eine unglaublich große Leidenschaft und Begeisterung für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an den Tag lege, ist offensichtlich. Aber wer würde mir glauben, wenn ich sage, das das hier nicht nur mein erstes Länderspiel war, sondern auch das erste Fußballspiel überhaupt… Kaum einer würde mir glauben. Aber so ist es.

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Wer meinen Blog fleißig verfolgt hat, hat mitbekommen, das ich die Tickets fürs Länderspiel plus Bahnfahrt bei einem tollen Gewinnspiel von fussball.de gewonnen habe. Schwein muss man eben auch mal haben. Nach quälenden anderthalb Wochen der Vorfreude und Aufregung war der Tag endlich da: Mittwoch, der 6. Juni 2007. Es hat gut 1 Jahr nach Beginn der WM gedauert, bis ich endlich meine großen Idole live erleben konnte.

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Die Fahnenkinder

Ich überspringe vorerst den Teil mit der Anreise (der ebenso interessant und lesenswert ist) und dem nachmittäglichen Aufenthalt in Hamburg und schiebe den Zeiger der Uhr schonmal vor auf 17 Uhr.

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Und so saß ich am Alsterufer und wartete, das ich von meiner Länderspielbegleitung Alex abgeholt werde. Ich hatte eigentlich 17 Uhr gesagt. Nach ein bisschen warten rief ich ihn an, Alex sagte mir, er bräuchte noch ne ganze Weile und ich solle schonmal zum Hauptbahnhof fahren. Das tat ich, saß dort auch nochmal gut eine Stunde rum, bis er endlich auftauchte. Und so saß ich dann fast eine Stunde auf den kalten, bzw. kühlenden Bodensteinen in der Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs. Mein Blick schweifte durch die illustre Menge, wie sehr sie mir doch gefehlt haben – die gut gelaunten Deutschland-Fans.

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Die Nationalhymnen

Alex tauchte dann auch endlich auf und wir schlugen sofort die Richtung Stadion ein, zusammen mit Hunderten, denen wir folgten und weiteren Hunderten, die uns folgten. Schon jetzt schlug mein Herz immer schneller vor lauter Aufregung. Lange würde es nicht mehr dauern, und mein großer Traum, die Jungs beim Länderspiel zu erleben, würde sich erfüllen – so wie ich es mir gewünscht hatte: Heimspiel 2007.

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In der S-Bahn war es eng und die Luft war erwartungsgemäß sehr stickig, es war nahezu nicht zu ertragen. Dauernd nervte ich meinen Begeleiter mit „Sind wir schon da? Sind wir schon da? Sind wir schon da?“, aber ich bekam keine zufriedenstellende Antwort. Als wir dann doch tatsächlich irgendwann mal ankamen an der S-Bahn-Station „Stellingen, Arena“ war ich glücklich.

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Schweigeminute

Zufrieden und mit einem Dauergrinsen folgte ich den Menschenmassen, deren Anblick mir im letzten Sommer besonders ans Herz gewachsen ist. Hier und da versuchten noch die Menschen, eine Karte zu bekommen, keine 200 Meter versuchten noch die Menschen, ihre Karten loszubekommen. Viele kleine Verkaufsstände mit Schals, Pickelhauben und Fahnen ebneten uns den Weg zum großen Traum.

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Aber ich brauchte weder Schals, Pickelhauben oder Fahnen. Ich war bereits bestens ausgerüstet. In meinem Rucksack, der ungelogen nicht grade leicht war, trug ich Folgendes mit mir herum: 3 große Fahnen ohne Stock, 2 kleine Fahnen mit Stock, Klapp-Sitzkissen, Ratsche, Trillerpfeifchen, 2 Schals, ein Basecap und natürlich die tradiotionelle Schminke, wie sie für mich seit dem WM-Viertelfinale gegen Argentinien nicht mehr wegzudenken ist. Mit dem meisten hatte ich mich bereits auf dem Hauptbahnhof während des Wartens eingedeckt. Mit 2 Deutschland-Shirts auf dem Leibe und dem Schal und der Fahne um die Schultern wurde mir nochmal zusätzlich heiß. Aber naja, was solls – Schwitzen für Deutschland!

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Freistoß, ausgeführt von Torsten Frings

Wie ich es bereits beim Robbie Williams Konzert im Juli letzten Jahres erlebt habe – der Weg zum Stadion kann unter der prallen Sonne quälend lang werden, so war das auch in der AOL Arena Hamburg nicht anders. Aber ich fragte nicht nach – jeder einzelne Schritt war für mich von großer Bedeutung. Und dann endlich sah ich sie, wie sie sich hinter Bäumen majestätisch erhebte, ein riesiger Klotz aus Beton und Fenstern: die AOL Arena. Ich war schon fast da.

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Ein großes Schild mit dem Stadionsitzplan, Symbolen und Erklärungen wies uns den Weg zu unserem Ziel, der Osttribüne. Ziemlich bald kamen dann auch schon die Kontrollen, durch die wir durch mussten. Bereitwillig ließ ich mich von einer Frau abtasten und kramte in meinem Rucksack rum, so das sie sah, was alles drin war. Ich trage schon keine Waffen mit mir rum, Lady! Als sie nach der Gesamtlände des Stockes für die kleine Fahne fragte, habe ich Angst bekommen. Beim Fanfest während der WM musste ich den abgeben und habe ihn nie wieder bekommen. Aber alles halb so wild, ich durfte die beiden Stöcke für die Fahnen mitnehmen. Nachdem ich Alex, den ich bei der Kontrolle kurz aus den Augen verloren hatte, wieder im Blickfeld hatte, gings recht zügig hinein, ich konnte es kaum abwarten.

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Toooor durch Thomas Hitzlsperger

Die Geräuschkulisse wurde schon jetzt, ca. 2 Stunden vor Anpfiff merklich lauter, während ich mich meinem Ziel näherte. Ich näherte mich dem Spielfeld, mein Herz schlug schneller, mein Schritt wurde langsamer und so stand ich am Eingang, oben an der Treppe und war ergriffen von meinen Emotionen. Innerlich sind schon jetzt die „Gefühle mit mir Gassi gegangen“, wie Jürgen Klinsmann es einst zu sagen pflegte.

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Nachdem wir unseren Platz in Block 6B gefunden hatten saß ich nun da, immernoch ungläubig über das staundend, was sich meinen Augen nun bot. Nach ca. 2 Minuten konzentrierter Emotionsstarre rüttelte ich mich auf, und tat schonmal das ganze Zeug aus meinem Rucksack – Fahnen, Ratsche, Kamera, Schminke, alles wurde schonmal sorgfältig herausgelegt. Ich konnte es kaum abwarten mich anzumalen, und so machte ich mich mit Schminke und Taschenspiegel auf dem Weg zur Damentoilette, die – wie ich an der AOL Arena zu bemängeln habe – keine eigenen Spiegel besitzt.

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Kevin Kuranyi geht, Mario Gomez kommt

Auf der Toilette wurde ich jetzt schon beneidet um meine tolle „Kriegsbemalung“, traditionell die beiden Herzchen in Deutschlandfarben, links und rechts auf den Wangen. Und nein, ich war kein bisschen erschrocken, als auf einmal ein Mitarbeiter vom Putzpersonal grinsend neben mir stand und mir sagte, das sähe super aus. Ich fühlte mich ganz groß, dieser Tag würde etwas ganz besonderes werden und der größte Augenblick seit dem letzten Fanfest der WM.

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Da wir nun auf der Osttribüne saßen und es nunmal Sommer ist, hatten wir zunächst ganz schön die Arschkarte gezogen – denn die pralle Sonne knallte uns ins Gesicht. Nach etwa einer halben Stunde habe ich schon eine ordentliche Rötung im Gesicht angenommen. Aber das machte mir nichts – das war nicht die Sonne, die brannte, das war meine Leidenschaft. Basta!

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Große Torchance von Mario Gomez – leider dabei gefoult

Die Minuten vergingen und ich wartete gespannt auf das Aufwärmen, was die Jungs noch vor sich hatten. Und da kamen sie dann auch, gerufen vom Hamburger Publikum betrat Jens Lehmann mit Andi Köpke den Rasen, unter tosendem Applaus kamen auch die anderen, die Hände zum Himmel und klatschend, Applaus für das tolle Publikum. Mein Herz schlug bis zum Hals ich war nervös und meine Hand zitterte so sehr, das etwa 80 Prozent der Fotos, die ich von den Jungs zu machen versucht hatte, absolut unbrauchbar sind. Dennoch gelangen mir ein paar schmucke Schnappschüsse. Per, Clemens, Torsten, Miro, Mario, sie waren alle da! Ich freute mich ja so, hierzusein.

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Die Jungs verschwanden dann wieder in der Kabine, doch daraufhin bot sich mir ein echter Knaller – den ich von den Live-Übertragungen im Fernsehen bisher nur erahnen konnte. Das Durchgehen der Mannschaftsaufstellung mit dem Stadionpublikum. Eine völlig neue Erfahrung – und ich hatte unglaublichen Spaß dabei! Voller Inbrunst brüllte ich die Namen mit, die lauter als eigentlich erwartet auf Video mit aufgezeichnet worden. Meine Stimme ist blöd. Aber das war mir diesmal egal, so egal, wie es mir einst beim letzten Fanfest war. Möchte nicht wissen, wie sehr ich mich da wirklich zum Ei gemacht habe.

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Laaaaoooolaaaaaaaaaaaaaa

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb nicht, denn dann wurde es ernst: Das Orchester betrat den Rasen, die Fahnenkinder nahmen Position ein, das konnte nur eins bedeuten: „Jetzt geeeehts looooos, jetzt geeeehts looooos“ tönte es durch die Reihen, und so war es auch. Der Stadionmoderator bat das Publikum, die Mannschaften zu begrüßen, die aus dem Tunnel auf meiner Seite kamen und sich zur Hymne bereitstellten. Zuerst war die Hymne der Slowakei dran, doch dann, ja dann kam endlich die deutsche Nationalhymne. Seit dem ersten Tag der WM stehe ich bei ihr immer stramm, mit der Hand auf dem Herzen. So auch jetzt, ich erhob mich, legte die Hand aufs Herz und sang in einer Lautstärke, wie ich sie wohl nie an den Tag gelegt hatte. Vermutlich dachte ich, je lauter ich mitsinge, desto besser unterstütze ich damit die Jungs. Das dachten alle anderen 51.499 Besucher auch, und das war gut so. Spielkommentator Reinhold Beckmann bezeichnete dies als „Gelernte WM-Athmosphäre“, und ich war schon vor Anpfiff unsagbar dankbar, ein Teil davon zu sein.

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Es ging noch nicht sofort los, die Mannschaften stellten sich Arm in Arm, Deutschland und die Slowakei gegenüberstehend, am Mittelkreis auf, der Ball lag in der Mitte. Es war Zeit für eine kurze Schweigeminute in Andenken an einen slowakischen Nationalspieler, der vor einigen Tagen bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Es wurde sehr still im Stadion – einzig allein durch eine junge Frau, die nun für jeden hörbar ein trällerndes „Hallo?“ in die Menge brüllte und damit für einige leise Lacher sorgte, unterbrach die unheimliche Stille von 51.500 Fußballfans im ausverkauften Hamburger Stadion, in dem normalerweise der Hamburger SV zu Hause ist.

Und dann hörte ich es zum ersten Mal, das trillernde Pfeifchen des Schiedsrichters, der sich im Laufe der Partie auch als Pfeife darstellten sollte. Und ich genoss die ersten Sekunden meines ersten richtigen Fußballspiels, zudem ein Länderspiel und sogar EM-Qualifikationsspiel. Besser hätte mich es eigentlich nicht erwischen können. Sofort fingen die Fans an, lautstark zu brüllen, sie sangen Lobeshymnen auf unser aller Heimatland und unterstützten die Jungs, die dort oben ihr Besten zu geben versuchten.

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Lange mussten wir Fans nicht warten. Das gegnerische Tor war in der ersten Halbzeit auf der anderen Seite des Spielfelds, leider nicht der Seite, wo ich saß. Aber das war mir egal, ich rechnete mit Toren in der ersten und zweiten Halbzeit. Ich dachte, ich würde meine richtige Belohnung noch bekommen. 10 Minuten waren gespielt, da ging es dann ganz schnell: Traumflanke von Supersprinter Marcell Jansen Richtung Tor. War der Ball schon im Toraus? Nein war er nicht, es wurde nicht abgepfiffen, der Ball flog in richtung Torraum, dort wartet unser aktuelles Sorgenkind Miroslav Klose und beförderte die Pille nach nur 10 Minuten dorthin, wo sie hingehört: Ins Tor des Gegners. Wir sprangen auf, hüpften, jubelten und kreischten und der Stadionmoderator sagte: „Tor in der 10. Spielminute durch Mirsolav…“ Und wir antworteten so laut, das man es bis zum Weltraum hätte hören können: „KLOOOSEEEE!“. Spätere Analysen der Torszene haben allerdings erwiesen, das es kein Klose-Tor war, sondern in Wahrheit ein Eigentor von einem Slowaken, der doch zuletzt den Fuß am Ball hatte. Egal, wir schenken Miro dieses Tor.

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Bernd Schneider geht, Simon Rolfes kommt

Da brauchte ich verständlicherweise erst einmal ein paar Minuten, um wieder auf normale Betriebstemparatur runterzufahren. Wir hatten uns alle sooo sehr ein Klose-Tor gewünscht und jetzt war es da – gut, kein offizielles, aber das ist uns egal. Für uns ist Klose der Torschütze unserer Herzen. Von dem ganzen Gebrüll wurde ich schon fast heiser, also kippte ich schonmal den halben Becher des Mineralwassers, was Alex vor Anpfiff noch besorgt hatte, hinunter. Wenig später gabs schon wieder Aufregung auf den Rängen. Da stürmte ein Slowake direkt in Richtung Lehmann, nur beackert von Abwehrbolzen Christoph Metzelder. Aber was macht er da… der Ball kullerte, zuletzt berührt von „Metze“, in unseren eigenen Kasten. Ich registrierte das gar nicht sofort, aber da ging selbstverständlich ein lautes Raunen durch die Ränge. Erst recht, als der Stadionsprecher behauptete, der Slowake hätte das Tor gemacht, da gabs auch Pfiffe. Kurz darauf hat man Metze bereits verziehen und es tönte weiter aus 51.500 Mündern „Deutschland! Deutschland! Deutschland!“.

Mein Begeleiter Alex wagte eine Voraussage, nichts ahnend, das sich diese tatsächlich erfüllen würde: „Die Jungs spielen sehr schwach. Aber das 2:1 machen sie noch vor der Pause“. Beides sollte sich bewahrheiten. Kurz vor der Halbzeitpause wurde es nochmal aufregend im gegnerischen Strafraum. Es sah eher nach Zufallsspiel aus, da bekommt Philipp Lahm auf rechts-außen den Ball, befördert ihn rüber auf links-außen wo der deutsche Meister Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart schon lauterte. Es folgte ein unhaltbarer Hammer mit dem Kopf – ungewöhnlich, denn „Hitz, the Hammer“ trifft normalerweise nur mit dem Fuß (mit welch beeindruckender Durchschlagskraft). Die Freude war riesengroß, nicht nur beim tosenden Publikum.

Der erlösende Halbzeitpfiff für Zehntausende Fußballfans, die mal aufs Klo mussten. Ich war keiner davon. Ich bewegte meinen Hintern nicht von meinem Platz weg – man könnte ja was verpassen! Bei meinem ersten Fußballspiel in einem gleich so großen Stadion machte ich meine erste Erfahrung in Sachen „Ich will ins Fernsehen“. Die Kameras pickten sich im Publikum Leute heraus, die auf den beiden Bildschirmen auf der Süd- und Nordseite gezeigt wurden. Ich gab mir redlich Mühe, so gut auszusehen das ich auch endlich mal gezeigt werde und gleichzeitig musste ich höllisch aufpassen, das ich meinen Auftritt, der jeden Moment kommen könnte, nicht verpasste. So die Kamera in der einen Hand, die schwenkende Fahne in der anderen. Leider wurde die Geduld nicht belohnt. Aber vielleicht nach dem Spiel.

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51.500 Zuschauer: Volles Haus

Die zweite Halbzeit begann, die Seiten wurden gewechselte und ich hatte große Hoffnungen, das ich noch ein Tor von meinen Jungs sehe. Meine Lieblingsvorstellung war dabei, das Jobi Löw Kevin Kuranyi aus dem Spiel holt und dafür den frechen Neuling Mario Gomez bringt, der in der zweiten Halbzeit auf meiner Seite die Pille ins Tor befördern kann. So hätte es laufen können. Doch leider erfüllte sich das nicht, aber man kann ja nicht alles haben. Dennoch: Jogi ersetzte Kevin tatsächlich durch Mario, jeder hatte immernoch die beiden schönen Tore im letzten Spiel gegen San Marino im Gedächtnis – das zweite Tor von ihm, welches das 5:0 für uns war, war ein besonderer Leckerbissen mit der Hacke am ersten Pfosten.

Viele Szenen gab es leider nicht vorm gegnerischen Tor in der zweiten Hälfte, aber ein paar waren schon dabei. So traf mein „Beinahe-Landsmann“ Clemens Fritz, der in seiner Jugend in Leipzig gespiel hat, nur knapp vorbei. Schade, ich hätte es ihm so gegönnt. Die Menschen im Stadion erhoben sich natürlich alle hochkonzentriert mit weit aufgerissenen Augen und einem herunterhängenden Unterkiefer, doch dann wurden doch wieder die Hände über den Köpfen zusammengeschlagen und das kollektive „Ooooooh“ und das darauffolgende Klatschen signalisierten, wie sehr man das Tor gewünscht hatte. Aber auf ein Neues.

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Die Ehrenrunde

Es hat sich zwar nicht erfüllt, aber für einen Moment in der zweiten Halbzeit schlug mein Herz nahezu bis zum Himmel. Mein neuer Liebling Mario Gomez war zur richtigen Zeit am rechten Ort. In weiser Voraussicht erhob ich mich schonmal vom Sitzplatz, als er den Ball bekam im gegnerischen Strafraum. „Mario, mach es, du kannst es, das weiß ich“ dachte ich mir. Doch was ist das? Er wurde festgehalten am Trikot, der Ball landete nur neben dem Tor. Es wurde nicht gepfiffen – es hätte Elfmeter geben müssen! Scheiss Schiri, ey. Da gibt man sich einen ganzen langen Blogartikel Mühe, zivilisiert und ordentlich zu schreiben, aber ich muss schon sagen: Scheiss Schiri, ey. Natürlich regte sich nicht nur Mario Gomez, ebenfalls deutscher Meister und Teamkollege von Thomas Hitzlsperger, aber den Schiri aus Portugal interessierte das alles nicht. Also hat mans gut sein lassen, man wollte schließlich keine gelbe Karte wegen Meckerns – ja das gibt es – kassieren.

Die ganze Partie über, das Spiel war schon fast vorbei, war das Spiel relativ fair verlaufen. Es gab zwar einige Fouls, die aber nicht geahndet worden sind, aber es gab bisher nur eine einzige gelbe Karte für einen Slowaken, der einen unserer Jungs gefoult hatte. Wer genau das allerdings war, habe ich nicht mitbekommen im Stadion und obwohl ich mir die Videoaufzeichnung gestern Abend nach meiner Rückkehr nochmal angesehen hatte – ich habs schon wieder vergessen. Hach, das Alter. Dann gab es aber nochmal ein fieses Foul von Bernd Schneider an einem Slowaken – „Schnix“, das hätte doch wirklich nicht sein müssen. Somit fehlt er leider aufgrund einer Gelbsperre im nächsten EM-Qualifikationsspiel gegen Wales im September diesen Jahres.

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Das Spiel dümpelte vor sich hin, es ging ebenso wenig vorwärts wie die Laola-Wellen (von denen es nicht wenige – Versuche – gab), die dauernd im nichts verschwanden. Dann kam der erlösende Abpfiff und der Jubel war riesengroß. Unsere Jungs sind mit letzter Kraft über die Ziellinie gekrochen. Ich glaube aber nicht, das es an mangelnder Unterstützung der Fans lag – wir standen 100%ig hinter den Jungs, selbst nach Metzes doofem Eigentor. Die Kraft war raus, und die Jungs haben sich jetzt ihren Urlaub redlich verdient. Dieser Sieg sichert uns schon fast 100%ig die Eintrittskarte zur EM 2008. Wir haben enormen Vorsprung gewonnen und haben Tschechien und Irland in der Tabelle hinter uns gelassen.

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Das Spiel in der Zusammenfassung

Jetzt ist erstmal eine gut 2-monatige Länderspielpause angesagt, im August gibts das nächste Spiel gegen England, ein Freundschaftsspiel auf der Insel. Aber daran dachte ich in dem Moment nicht. Gut, ich hätte mir zwar ein besseres Spiel gewünscht, aber es war jedenfalls unglaublich, dabei zu sein. Mein Herz pochte immernoch wie wild, das Adrenalin strömte nur so durch meine Adern und es machte sich langsam das unglaublich befriedigende Gefühl in mir breit, das sich soeben mein größter Wunsch erfüllt hat. Nicht nur die Jungs auf dem Rasen freuten sich, das sie ihren Vorsprung in der Tabelle weiter ausgebaut haben, nein, auch die Trainerbank freute sich und die Zehntausenden Fans jubelten ohne Ende.

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Eines werde ich mir fürs nächste Spiel garantiert merken: Entweder mit der Kamera filmen ODER mit der Fahne schwenken. Beides zusammen ist keine gute Kombination. Dann gingen die Jungs auf ihre Ehrenrunde. Für sie Routine – für mich ein ganz großer Moment voller Emotion und Stolz. Ich filmte nicht mehr – ich hielt einfach nur noch die Kamera hoch und versuchte, die Jungs draufzukriegen. Ergebnis meiner Mühen ist ein verwackeltes, nahezu nicht verwertbares kleines Video, welches mir aber mehr bedeutet, als alle meine Lieblingsfilme zusammen.


Glücklich und Zufrieden

Alex hat die Ehrenrunde verpasst – er musste ja auch unbedingt mal aufs Klo gehen. Pech gehabt, würde ich sagen. Ich genoss die Jungs ein letztes Mal, bevor sie sich in den Urlaub verabschiedeten. Ich sah sie in den Tunnel gehen, doch sah ich damit meine Hoffnung verschwinden, das dies nur der Beginn meiner ganz eigenen Teamgeist Tour 2008 werden würde? Nein. Diese Hoffnung wurde neu geschürt, und ich bin gespannt, was die Zukunft bringen wird.


Ich im Fernsehen – oder so ähnlich #1

Auch lange nach dem Schlusspfiff blieb ich noch an meinem Platz stehen, wedelte mit der Fahne, jetzt vielleicht ins „Fernsehen“ zu kommen, aber auch diesmal hats nicht geklappt. Eine halbe Stunde nach Abpfiff, als die Ränge schon fast menschenleer waren, trotzte ich dem und wedelte weiter mit meiner Fahne, völlig frei von Ermüdungserscheinungen. Ich lief durch die leeren Reihen bis zur Mittellinie vor und machte noch ein herrliches Panoramafoto. Zurück an meinem Platz wurde ich vom Platzordner, oder wie man diese Personen nennt, gebeten, endlich mein Zeug zusammen zu packen, denn sie wollen ja auch nach Hause. Dem hätte ich am liebsten ein paar Töne gesagt. Dann sah ichs aber doch noch ein, packte mein Zeug und war mir sicher, dort jetzt immernoch zu sitzen, wenn man mich nicht hätte rauswerfen können.


Ich im Fernsehen – oder so ähnlich #2

Ich musste der Spielwiese meines größten Traums, der sich soeben erfüllt hatte, den Rücken kehren. Ich war froh, das ich dabei war, aber ich wollte noch nicht, das es vorbei ist. Alex ging schon voraus, ich drehte mich ein letztes Mal um und dachte für mich selbst: „Jungs, ich danke euch. Wir werden uns eines Tages wiedersehen“. Auf dem Weg aus dem Stadion und zur S-Bahn-Station war es unheimlich ruhig, für Siegesverhältnisse. Da habe ich zu WM-Zeiten vor einem Jahr schon ganz andere Sachen erlebt. Zum Beispiel die lustige Partybahn, in die ich nach dem Spiel Deutschland gegen Schweden eingestiegen bin. Das waren wohl die geilsten 3 Haltestellen meines Lebens. Allerdings hat man gegen Schweden wohl die beste erste Halbzeit aller Zeiten hingelegt – während das Spiel hier die meisten als das schlechteste unter Jogi Löw bezeichnen würden.


Ich im Fernsehen – oder so ähnlich #3

Die S-Bahn erfreute sich selbstverständlich einer hohen Nachfrage, wir mussten 3 Durchgänge abwarten, bis auch wir in einem der begehrten Bahnen nach Hause hineinpassten. Sogar Sitzplätze haben wir bekommen. Während ich auf meinem Digicam-Monitor das Video von der Ehrenrunde ansah und sich meine Augen beinahe noch mit Tränen füllten, bemerkte ich amüsiert, das Alex neben mir am Einschlafen war. Der Kopf nach vorne gesackt, die Augen geschlossen. Natürlich stritt er es dann ab, das er geschlafen habe…“Ich habe nur meine Augen ausgeruht“. Natürlich.

Endlich daheim angekommen gabs erstmal leckere Mikrowellenpizza (was anderes Leckeres war leider nicht aufzutreiben), doch noch vor dem Abendessen zu arg später Stunde warf ich einen Blick in den Videotext. Dort schaue ich immernach, selbst wenn ich das Spiel aufmerksam verfolgt habe. Die Meinungen waren natürlich nicht besonders hochschätzend, aber abwertend waren sie nicht. Ich habe für mich selber entschieden, was ich gesehen und erlebt habe in diesen paar Stunden im Stadion, das lasse ich mir von keinem fiesen Redakteur der Welt schlechtreden.

Irgendwann ging dann auch ich endlich ins Bett und am Ende eines sehr langen Tages bin ich unendlich glücklich. So ein Gefühl habe ich seit gut einem Jahr nicht mehr erlebt. Ich habe es zwar schon ein paar mal erwähnt, aber das hier, das war wirklich mein größter Traum. Mein Wunsch des Heimspiels 2007 hat sich erfüllt, und auch wenn ein paar Schönheitsfehler dabei sind, so ist es doch wirklich so gelaufen, wie ich es mir gewünscht hatte: fantastische und friedliche Stimmung (keine Randale wie im Hinspiel), ein paar gute Szenen, schöne Tore und viele Fotos und Videos als Erinnerung.

Was bleibt mir zum Schluss noch zu sagen. Ich habe alles gesagt, was es zu sagen gab. Ich freue mich, wenn sich mir wieder mal die Möglichkeit bietet, die Jungs live zu erleben. Denn eines steht fest: Nicht erst das Fotogewinnspiel hat mich zum offiziellen „12. Mann“ gemacht. Und wenn einer von euch jetzt denken sollte, das meine emotionale Bindung an die Nationalmannschaft naiv, kindisch und gänzlich übertrieben ist, dann hat er nie das erlebt, was ich vor einem Jahr und während des Spiels letzten Mittwoch erlebt habe.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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