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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Stimmungsexplosion auf den letzten Drücker

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Beginnen wir heute erneut gänzlich unpoetisch, fast schon mit Gossensprache: Ey, wie geil war das denn? Das war der absolute Oberhammer. Soviel schonmal vorab, es war das emotionalste VfB-Spiel, dem ich in diesem Jahr beiwohnen durfte. Absolute Emotion, absolute Extase, absolute Leidenschaft – Momente, für die man lebt. Wen kümmert es dann, das man einem Tag insgesamt 9 Stunden in einem Auto ohne Klimaanlage verbracht hat, 2x 500 Kilometer gefahren ist und erst ganz zum Schluss belohnt wurde. Es spielt keine Rolle, denn DAS sind die Momente, die man nie vergisst.

Der Tag begann früh morgens halb 7, als der Handywecker klingelte und ich mich geschwind aus dem Bett schälte – alles eine Frage der Motivation, ich habe es ja immer gesagt! Schnell geduscht, gefrühstückt und fertig gemacht, klingelte kurz vor 8 das Telefon – Stammfahrer Reinhart war bereits auf dem Weg, mich abzuholen. Mit 15 Minuten Verspätung starteten Reinhart, sein Stiefsohn Felix und ein weiterer Mitfahrer in Richtung Stuttgart, die Sonne schien fröhlich am Himmel und ließ mich frohen Muttes für das Spiel sein, welches am Nachmittag stattfinden sollte.

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Mannschaftsaufstellung

Mit einem anderen Gefährt als sonst waren wir unterwegs, es schlug sich spürbar in der Fahrzeit wieder: Wir benötigten inklusive 20 Minuten Rast und kurzem Tanken sage und schreibe 5 Stunden statt der üblichen 4 Stunden, wenn wir gut waren, erreichten wir sogar schon 3 einhalb Stunden. Leider war das Gefährt nicht so schnell und so brauchten wir längere Zeit. Aber im Nachgang betrachtet: ich bereue nichts!

Endlich in Stuttgart angekommen, nachdem wir zunächst in Ludwigsburg den anderen Mitfahrer abgeladen haben, führte uns der Weg direkt zu „Ottos Vesperstüble“, Reinharts Stammkneipe, und auch mir schon längst nicht mehr unbekannt. Wir waren immer noch früh dran, keiner meiner Leute würde von halb 4 Nachmittags in Stadionnähe auftauchen und so verblieb ich bis dahin mit Reinhart und Felix dort, sah einige bekannte Gesichter wieder und man freute sich offensichtlich sehr, mich auch mal wieder im Ländle begrüßen zu dürfen.

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Die Zeit verging mit einem leckeren Eis und einem köstlichen Radler wie im Fluge und schon meldete sich Jonas an, schnell die Straße überquert und rund ums Stadion herum gelaufen war ich schon da, an der Gaststätte Polizeisportverein (PSV), eigentlich der Stammtreffpunkt von meinen Leuten. Pünktlich zu meiner Ankunft erreichte mich die SMS von Marc, der auch für das kleine Tooor.de-Fantreffen angekündigt war – er würde an der Kneipe Palm Beach auf uns warten – diese war allerdings wiederrum auf der anderen Seite. Egal, also einfach die selbe Strecke noch einmal zurückgelaufen, kaum waren wir da, gab mein Handyakku den Geist auf und das Treffen mit Marc fiel ins Wasser. Kein Grund zum Traurigsein, ich hätte ihn eh beim Spiel wieder gesehen.

Auch Jonas verabschiedete sich schon bald, es war etwa eine Dreiviertelstunde vor Anpiff des Spiels, er nahm seinen Platz ein und ich den meinigen. Ein tolles Gefühl, voller Stolz mit einem Gomez-Trikot durch die Massen zu laufen, ohne angestarrt zu werden – hier ist mein wahres (Fußball-)Zuhause. Schmunzelnd betrat ich das Stadion, wo mir eine EnBW-Fahne in die Hand gedrückt wurde – Erinnerungen wurden wach an das selbe Spiel vor einem Jahr und einer Woche, zum Spiel VfB Stuttgart gegen den Hamburger SV gab es bereits letzte Saison eine Fahnenaktion. Es ist so schön, wieder hier zu sein.

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TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!!

So früh im Stadion zu sein hat auch etwas gutes: ohne Hektik in aller Ruhe erst mal ein paar Fotos machen und sich fürs Spiel preparieren: den Trinkbecher unter dem roten Klappsitz verstauen, den Rucksack dazu, die ersten Ersatzbatterien in die Hosentasche samt Speicherkarte, ich war optimal vorbereitet. Mit Genuss sang ich „You’ll never walk alone“ mit, selbstverständlich mit meinem VfB-Schal, den ich voller Stolz in den traumhaft sonnigen Stuttgarter Ostersonntags-Himmel streckte, an dem kein Wölkchen zu sehen war.

Pünktlich zur Mannschaftsaufstellung bewegten sich auch endlich meine Leute an ihre Plätze: Andy, Marc und sein Bruder, ich freute mich so, die Jungs wieder zu sehen. Begrüßung mit Umarmungen sind ja an sich gut und schön, das ganze mit auf die Videowand gerichtete Kamera während der Mannschaftsaufstellung machte das ganze zwar etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Wozu bin ich schließlich multitaskingfähig?!

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Danke für die Unterstützung!

Es konnte losgehen, das erste Heimspiel für mich seit dem bitteren Pokalabend Ende Januar. Ich hatte ein gutes Gefühl für heute, es würde nicht schief gehen. Das haben die Jungs anscheinend gehört: sie begannen engagiert, mit gutem Pressing und aussichtsreichen Torchancen – noch waren ja „ein paar“ Minuten zu spielen, es würden schon noch die Tore fallen, hoffentlich nur für den VfB Stuttgart, dem Verein meines Herzens.

Im Sternzeichen Zwilling Geborene bin ich natürlich von Haus aus ungeduldig, ob es um Tore geht oder um das Warten auf den Märchenprinzen, der mit seinem Gaul endlich mal vorbeigeritten kommen soll. In den ersten 45 Minuten bis zur Pause schenkten sich die beiden Mannschaften nichts – es ging schnell zur Sache, der Ball ging hin und her, das Spiel war ausgeglichen. Zu ausgeglichen für meinen Geschmack, aber wer liebt es nicht, wenn die eigene Mannschaft den Gegner an die Wand spielt. Der Schiedsrichter bittete an jenem Ostersonntag um 17:45 Uhr zum Pausentee, das gab mir die Gelegenheit, etwas durchzuschnaufen und mich mit meinen Jungs zu unterhalten.

Auch in der zweiten Halbzeit setzte ich das fort, was ich schon in der ersten Halbzeit fleißig vollzogen hatte: das Aufzeichnen von aussichtsreichen Torchancen des VfB mit der Videofunktion meiner Digitalkamera, die mir schon so oft gute Dienste geleistet hatte – und, wenn ich schon einmal mit dem Schwelgen in Erinnerungen begonnen hatte, so gelang es mir auf vor einem Jahr, Roberto Hilberts Tor zum 1:0-Endstand aufzuzeichnen. Die Ersatz-Speicherkarte hatte ich bereits griffbereit in der Hosentasche, ich machte mir keine Gedanken um die Massen an Megabytes, die ich nach dem Spiel auf meine Festplatte spielen müsste, die schon fast bis zum Rand voll ist mit Fotos und Videos von den ganzen Fußballreisen, die mir so unendlich viel mehr gegeben haben als nur Bits und Bytes.

Das Spiel schritt voran, die Kamera lief heiß, denn nach wie vor war das Spiel alles andere als langweilig. Die Vorstellung gefiel mir, dass wenn das Siegtor für den VfB in diesem Spiel noch fallen würde, so wäre das direkt vor meiner Nase, jede Minute, die zweite Halbzeit voran schritt, wurde die Hoffnung größer. Ich genoss es zusehendst, wie toll es ausseh, wenn deine eigenen Spieler mit einer weiteren Welle des Angriffs auf dich zurollen und vor deiner Nase wie in Trance alle Fans aufstehen. Auch ich bildete da keine Ausnahme, das Spiel von Aufstehen und Hinsitzen wurde mit jeder Minute intensiver und der Überlegung, gleich ganz stehen zu bleiben, konnte ich nur aus Rücksichtnahme auf die ebenso klein gewachsene Frau auf dem Sitz hinter mir, wiederstehen.

Schneller als mir lieb war, war das Spiel auch schon fast vorbei: ich habe bisher kein einziges Tor gesehen, es stand nach wie vor 0:0 – das langweiligste Ergebnis, das es wohl geben kann. Das wäre nüchtern betrachtet immerhin noch ein einziger Punkt, besser als gar keiner aber viel schlimmer als 3 Punkte, und die wollte der VfB, das Engagement und die Leidenschaft der Jungs übertrug sich auf die 55.700 Fans, die an diesem Tag in der Mercedes-Benz-Arena waren, die Fans wollten den Sieg genauso wie die Mannschaft, es lag ein Kribbeln in der Luft was jeder im Stadion spüren konnte, es stellte einem die Nackenhaare auf.

Dass nicht nur die Fans sondern auch ein guter Stadionsprecher zu wichtigen Situationen auf dem Spielfeld beitragen und noch das letzte Leben aus den Spielern herausholen können, ist hinreichend bekannt. Was soll der Stadionsprecher bei einem 0:0 in der 90. Minute auch anderes tun, als alle, aber auch wirklich alle noch einmal aufzurütteln, zum Aufstehen zu bewegen und alle VfB-Fans dazu zu bewegen, noch einmal alles für den VfB zu geben, wie der VfB auch alles geben würde, doch noch 3 Punkte zu holen. Aber auch der Hamburger SV wollte die 3 Punkte, so einfach wollten sie es uns nicht machen, auch wenn die Zufriedenheit der Nordlichter mit einem 0:0 mehr und mehr offensichtlich wurde. Nach einem von Hamburg ausgeführten Einwurf landete der Ball über Serdar Tasci bei seinem französischen Kollegen Matthieu Delpierre – und das Ostermärchen nahm seinen unaufhaltsamen Lauf.

Unser groß gewachsener Innenverteidiger spielte einen gut getimten Pass auf den links gestarten Tschechen Jan Simak, der eingewechselt worden war. Der Hamburger Albert Streit ließ ihn ohne jegliche Konsequenz gewähren. Ich sah Mario Gomez dort vorne stehen, was er machte, als die Flanke kam, entzog sich zunächst meinem Verständnis: er lief ein paar Schritte zurück während 2 Meter weiter unser Kapitän Thomas Hitzlsperger nach vorne stürmte und den Ball volley aufs Tor drosch. Das Abklatschen der Torwarthandschuhe konnte man wahrscheinlich bis in die oberste Reihe hören.

Danach ging alles ganz schnell: während ich die Kamera weiterhin nach vorne hielt, sah ich für einen Bruchteil der Sekunde Mario Gomez wieder, die Redewendung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, war selten so passend wie in der 92. Minute, als der Schiedsrichter bereits die Pfeife im Mund hatte. Bevor ich sehen konnte, wie der Ball das Netz ausbeulte, konnte ich mich bereits am Jubel um mich herum orientieren: es war da, das späte, aber so verdiente Siegtor vom Mario. Der Jubel, die Emotionen und die Freude kannten keine Grenzen mehr, es wurde geschrien und in die Luft gesprungen, die Arme in die Luft gerissen und ein ungeheures Glücksgefühl sprudelte plötzlich aus mir – und auch aus allen anderen VfB-Fans heraus – in der 92. Minute der Siegtreffer, etwas schöneres, leidenschaftlicheres kann es kaum geben. Eine derartige Stimmungsexplosion auf den letzten Drücker, das sind die Momente, für die man lebt.

Sofort fiel ich meinen Jungs um den Hals, freute mich so sehr, das ich meine Stirn an Marcs Zähnen anschlug, was sofort anfing mit bluten – nichts weiter wildes, das Adrenalin ließ mich die kleine Verletzung erst richtig schmerzhaft spüren, als sich der rasende Puls wieder halbwegs aufs Normalmaß beruhigt hatte. Genauso gut hätte ich Marc auch die Zähne mit meiner harten Rübe ausschlagen können, von daher kann ich froh sein, das nur ich etwas abbekommen habe.

Wohin man auch schaute, überall hat die grenzenlose Freude Einzug gehalten, gepaart mit erleichterten Gesichtern und auch den einen oder anderen Freudentränen, die sich so mancher starke Mann nicht verkneifen konnte, war es das schönste, was passieren konnte. Ich glaubte noch nicht ganz, was in den letzten Sekunden passierte. Nur kurz nachdem sich die große Freude wieder etwas gelegt hatte, rollte die zweite Rolle der Erleichterung durchs Stadion: der Abpfiff und der damit verbundene späte, sehr sehr späte 1:0-Sieg über Hamburg ließ allen Emotionen freien Lauf. Der Tag war gerettet.

Nach der Ehrenrunde und der Welle mit den Fans wurde es für meine Leute vom Forum tooor.de auch recht schnell Zeit zum Aufbrechen, während ich noch minutenlang im Stadion an meinem Platz verweilte und das, was gerade passierte, noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren ließ. Mit der kleingewachsenen jungen Dame hinter mir kam ich dann schließlich ins Gespräch, die ebenso erleichtert über den Sieg war wie ich und jeder andere im Stadion auch (der Gästeblock natürlich ausgenommen). Nach ein paar Minütchen Smalltalk war es auch für mich an der Zeit zu gehen, schnell noch ein Foto machen lassen und schon ging es wieder zurück zu Reinharts Stammkneipe auf der anderen Seite der Mercedesstraße im wunderschönen Stuttgart. Dort war noch Zeit für eine Bratwurst als Abendessen, dann ging es auch schon wieder los in Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof, wo wir noch 2 Mitfahrer eingeladen haben. Nach einigen Minuten fand man sich endlich und wir luden 2 nette, aber nur sehr wenig Deutsch sprechende junge Mexikaner ins Auto ein, Reinhart quetschte sich hinten auf die Rückbank dazu – den Beifahrersitz hat er mir ganz gentlemanlike überlassen, was er bereits vor der Hinfahrt am frühen Morgen als meinen Platz deklarierte: „Dein Platz ist vorne auf dem Beifahrersitz!“.

Reinharts Stiefsohn Felix, der die Rückfahrt am Steuer saß und ich, die ich immernoch voller Adrenalin war, amüsierten uns köstlich über die Gespräche auf der Rückbank. Reinhart, des englischen nur dürftig gewachsen, erzählte von seinen Reisen nach Argentinien und Mexiko, ebenfalls im Namen der Fußball-Leidenschaft, wir beiden kichernden Vornesitzer sprangen hin und wieder als kurzes Vokabel-Lexikon ein.

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Nach 4 einhalb Stunden Fahrt waren wir wieder in Leipzig, luden die Mexikaner des Nachts am Leipziger Hauptbahnhof ab und ich wurde noch bis vor die Haustür – wie immer – heimgefahren. Ein Kurztrip nach Stuttgart ist immer etwas sehr schönes, doch es ist auch immer wieder schön, nach einem anstrengenden Tag mit vielen Emotionen, wieder nach Hause zu kommen. Noch liegen zwischen beiden Welten ganze 500 Kilometer, und in absehbarer Zeit wird sich daran auch nichts ändern. Und wenn ich bis ans Ende der Welt für den VfB fahren muss, ich werd es immer wieder gerne tun.

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In den letzten Wochen habe ich selten so gut geschlafen wie in jener Nacht. Ganze 12 Stunden schlief ich durch, träumte von späten Entscheidungstoren, riesigen Emotionen und der Tatsache, das nicht nur Mario Gomez zur rechten Zeit am rechten Ort war – sondern auch ich. Ich liebe es, wenn meine Pläne funktionieren – und ein VfB-Sieg gehörte nicht nur an diesem Tag definitiv mit dazu.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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