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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Großes Spiel gegen den großen Favoriten

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Zu gerne hätte ich diesen Artikel „Das Wunder von Stuttgart“ genannt. Ich spare mir diesen Titel auf für das Rückspiel, denn kommt es nach dem tollen 1:1 gegen die wohl erfolgreichste Klubmannschaft der Welt, den FC Barcelona, tatsächlich zu einem „Wunder von Barcelona“, werde ich diesen Titel dringend brauchen.

In einem sind sich die VfB-Fans einig: es ist LEIDER nur ein 1:1 geworden, aber mit der Leistung unserer Mannschaft sind wir absolut zufrieden. Die mangelnde Chancenverwertung und ein schrecklicher Schiedsrichter (Holländer habe ich ohnehin fürs erste satt) kosteten uns den Sieg und die große Überraschung, die gestern Abend im Hinspiel des Champions League Achtelfinales zum Greifen nah war. Wir sind stolz und man zollt uns Respekt für diese bärenstarke Leistung, zumal jeder von uns erwartet hat, dass wir uns regelrecht abschlachten lassen – auch darin besteht Einigkeit.


Reinhart, Conny und ich beim Chillen

Erneut mit viel zu wenig Schlaf endete die Nacht um 6 Uhr morgens, kurz nach 8 Uhr setzte sich der Sachsen-Express Richtung Stuttgart in Bewegung, herrliches Wetter sorgte für ein gutes Durchkommen und ließ uns sogar noch genug Zeit, in unserer Spezial-Bäckerei in Schwäbisch Hall ein ordentliches Frühstück einzunehmen, was wir sonst nie geschafft haben, wenn wir an einem Samstag unterwegs waren und die Bäckerei schon geschlossen hatte.

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Mannschaftsaufstellung

Frisch gestärkt kamen wir früh an, und nach einem leckeren Mittagessen mit Herrgottsbscheisserle (Maultaschen) machten wir uns so früh auf den Weg zum Stadion wie schon lange nicht mehr, das Spiel sollte immerhin erst Abends um Viertel vor 9 beginnen. Conny, die Frau meines Stammfahrers und ich schlenderten noch gemütlich durch den Fanshop, bevor es uns vor den Fernseher zog, um das Europa League Spiel der Hertha gegen Benfica Lissabon zu schauen. Für Amüsement sorgte dieser Partie nicht, stand es bereits 3:0 für Benfica, als ich aufbrach, um mich noch mit Freundin und Geburstagskind Janine direkt vorm Stadion zu treffen.

An einem Tag, an dem ich so viel Zeit zur Verfügung hatte, verwunderte es auch nicht wirklich, dass ich bereits 1 Stunde vor Anpfiff des großen Spiels hinein ging, ich war noch verabredet mit Markus von Stuttgart Supporter. Auch bei ihm war die Hoffnung eindeutig da, dieses Spiel würde gut ausgehen und er gab mir seine vorausschauende Prognose mit auf dem Weg, bevor ich wieder rüberlief zu meinem Block: „Lass den VfB hier das 1:0 machen, dann brennt hier die Bude, im positiven Sinne!“. Er sollte Recht behalten.

Diesmal war es ein anderes Gefühl, als ich die Treppenstufen zu meinem Platz hinauf lief. Auch ein anderes Gefühl als bei den bereits besuchten Champions League Heimspielen gegen Timisoara im Qualifikationsspiel und Glasgow, Sevilla und Urziceni in der Gruppenphase. Es war das Gefühl der ganzen großen Bühne, die Anspannung vor einem der wichtigsten Spiele des Jahres, die Hoffnung, hier und heute ein kleines Wunder zu erleben. Nachdem ich die Jungs in meinem Block begrüßt hatte, ertönte die Champions League Hymne. Sie ließ mein Herz erneut bis zum Anschlag pochen. Auf gehts VfB, lasst uns Geschichte schreiben.

Was wir in der ersten Halbzeit geboten bekamen, gehört so ziemlich zur besten Leistung, die je ein deutsches Team in der Champions League in den letzten Jahren abgeliefert hat. Wo wir noch vor einigen Wochen mit dem Abstieg in Verbindung gebracht wurden, kämpften, bissen und zauberten unsere Jungs gegen die erfolgreichste Mannschaft der Welt. Wer das Spiel gesehen hat, weiß, wovon ich rede. Jede gute Szene, und das waren eine Menge, wurde mit frenetischem Szenenapplaus beklatscht.


Gästeblock

Unglaublich, was wir hier zu sehen bekamen. Wie oft haben wir seit der Auslosung im Dezember zu hören bekommen, wir hätten keine Chance und selbst wenn wir daheim mit „nur“ 0:4 oder schlimmer untergehen würden, wären wir gut dran. Wo war denn der große FC Barcelona? Ich sage euch, wo er war: er krabbelte unters Bett und heulte, zumindest in der 1. Halbzeit. Doch nicht nur, dass Barcelona so schlecht war – unsere Jungs machten da weiter, wo sie gegen Köln aufgehört haben, mit begeisterndem Fußball, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe.

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Cacaus Tor zum 1:0!

Die Krönung des Ganzen wurde uns in der 23. Minute präsentiert und ließ das ganze Stadion, wie Markus von den Stuttgart Supporter schon vorausgesehen hat, beben und im Glück baden. Nach einer toll getimten Flanke von Timo Gebhart war wieder unser Kölner Held, Cacau, zur Stelle, zimmerte den Ball per Kopf unhaltbar ins Netz. Man stelle sich vor, alle glauben von einem, man würde sich kampflos seinem Schicksal ergeben. Und gerade jetzt erzielte Cacau im Namen aller Brustringträger das 1:0. Den Jubelschrei des Neckarstadions hörte man vermutlich noch bis nach Flensburg und in mir machte sich ein wahnsinnig tolles Gefühl breit: jeder meiner Bekannten und Freunde, der das Spiel auf sky sieht, wird in diesem Moment an mich gedacht haben. Das Video, welches beim Tor und dem dazugehörigen Jubel entstand, dokumentierte die unendliche Freude, ein Moment, an den ich noch oft und gerne zurückdenken werde.

Ein Traum, ein fantastischer Traum. Und doch war es widerrum kein Traum, das hier war die Wirklichkeit. Ungläubig rieb ich mir die Augen und stieß noch ein paar schmerzhafte Hustenanfälle in mein Halstuch. Wenn schon gesundheitliche Kontraproduktivität, dann ja wohl richtig. Nach dem Beschreien des Tors war für meine Stimme erst einmal 5 Minuten Sendepause, es ging gar nichts mehr, vorerst. Ein Hustenbonbon und ein paar tiefe Atemzüge später war ich wieder mittendrin: „Olé Olé Olé, Olé Olé Olé Ola, Olé Olé Olé, wir sind immer für euch da!“.


Cacau, ohohooo!

Chance um Chance veranlassten die heimischen VfB-Fans dazu, den besten Heimsupport seit langer Zeit zu liefern, vom Stehplatz in der Cannstatter Kurve bis zum VIP-Sitzplatz auf der Haupttribüne, niemand konnte sich diesem großartigen Moment entziehen. Zahlreiche Kamerateams und Fotografen trugen es in die Welt hinaus, jetzt nur nicht nachlassen und weiterkämpfen, wir waren hier noch längst nicht fertig.

Standing Ovations zum Halbzeitpfiff. Der Schiedsrichter schickte die Mannschaften nach sensationellen 45 Minuten aus VfB-Sicht in die Kabinen, unter dem tosenden Beifall der Zuschauer, welche zu Recht äußerst entzückt waren aufgrund der herrlichen Darbietung. So konnte, so sollte es unbedingt weitergehen, keine Frage. Dass wir dabei diese Rechnung ohne beleidigte Spanier und ohne den holländischen Schiedsrichter gemacht haben, ist im Nachgang bedauerlich, aber natürlich nicht mehr zu ändern.

In 7 Minuten kann viel passieren, gerade im Fußball. Hier standen wir nun, David 1, Goliath 0. Und das ist auch gut so. In 7 Minuten kann viel passieren, das wissen wir ganz genau aus eigener Erfahrung. Eine einzige kleine Nachlässigkeit in der Abwehr reichte Barcas Ibrahimowitsch, um nach einem abgewehrten Ball von Jens Lehmann zum 1:1 abzustauben. Da war es, das gefürchtete Auswärtstor der Katalanen. Und für einen Moment war sie wieder lebendig, die Angst vor der Dampfwalze namens FC Barcelona.

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Danke für die starke Leistung!

Für die folgenden Minuten lief nichts so wirklich zusammen im Spiel, doch wir schüttelten uns kurz und spielten wieder verbissen nach vorne. Wir kämpften mit allen Mitteln dagegen an, alles, was Recht war, um ein zweites Tor von Barcelona zu vermeiden. Jeder kämpfte für jeden, einer für alle, alle für einen – und auch der unberechenbare Jens Lehmann erfreute die Zuschauer mit tollen Paraden und einer amüsanten Kung-Fu-Grätsche, mit der er Barcelonas Puyol son seinem Revier fernhalten wollte. Bereits in der ersten Halbzeit schmunzelten wir darüber, wie er vor der Cannstatter Kurve beim Klärungsversuch einen Fotografen an der Bande zu Boden riss. Natürlich unbeabsichtigt, glaube ich.

Obwohl Barcelona stärker wurde, steckten wir nicht auf, wir boten ihnen weiterhin Paroli. Dennoch war es beängstigend, wie die Katalanen auf einmal öfters in unseren Strafraum eindrangen und sich Chancen erspielten, die wir nur mit Müh und Not, und einmal sogar mit einem unrechten Mittel, gerade so noch klären konnten. Für eine Zeit lang spürte jeder die Befürchtung, es könne doch noch ins Auge gehen. Die Puste ging so langsam aus, die Leidenschaft der ersten 45. Minuten forderte ihren Tribut.

Es brauchte mehr als die Gutmütigkeit eines Fußballgotts, um uns ein Wunder zu ermöglichen. Förmlich beteten wir dafür, aus den zahlreichen Chancen, die sich uns in den letzten Minuten noch boten, vom aussichtsreichen Freistoß bis hin zum Abstauber, etwas zählbares zu machen und mir die Überschrift zu ermöglichen, die ich mir gewünscht hätte und die um die Welt gegangen wäre.

Die letzten Minuten, banges Warten und Hoffen, es stand nach wie vor 1:1. Besser, als wir uns hätten erträumen lassen, aber angesichts der Chancenverwertung weit aus weniger, als an diesem Dienstag Abend möglich gewesen wäre. Nichts desto trotz schrien wir unsere Mannschaft nach vorn mit voller Kraft, am Ende reichte es zu keiner weiteren spielstandverändernden Situation. Gut, dass Barcelona nicht noch ein Tor geschossen hat. Aber schlecht, dass wir nun wirklich ein kleines Wunder in Spanien brauchen.

Zu Recht wurden sie gefeiert, als der tomatenbegeisterte Holländer das Hinspiel des Champions League Achtelfinales um ca. 22:35 Uhr abpfiff. Eine tolle kämpferische Leistung, auf die die Jungs und auch wir Fans verdammt stolz sein konnten. Wir haben einen der ganz Großen auf Augenhöhe gehalten, streckenweise sogar dominiert. Dass es am Ende nicht zu einem Sieg gereicht hat, ist schade, aber was wir hier erleben durfte, war absolut hochklassig, mit stolz geschwellter Brust bejubelten wir die Mannschaft.

Während der VfB sich mit den Katalanen am Mittelkreis abklatschte und sich unter Beifall langsam in Richtung Cannstatter Kurve bewegte, dachte ich schmunzelnd über die Worte von Karl-Heinz „Rummelfliege“ Rummenigge, Vorstandsvorsitzender bei den ungeliebten Bayern, direkt nach der Achtelfinal-Auslosung nach: „Für den VfB geht es hier nur darum, sich anständig aus der Champions League zu verabschieden, mehr ist nicht drin“. Ein Lächeln huschte über meine Lippen, bevor ich wieder die Hände erhob und mich soweit ich konnte bemühte, meiner Freude lautstark Ausdruck zu verleihen.

Der Nachteil an meinem Platz im Block 37c ist nicht nur die Tatsache, dass ich recht weit vom Stimmungskern der Cannstatter Kurve, dem Commando Cannstatt, entfernt bin, sondern auch, dass der Weg aus dem Stadion unendlich lang sein kann, wenn weiter unten die Zuschauer stehen bleiben um einen Blick auf die Anzeigetafel zu genießen. Mein Kumpel Rouven wartete bereits am Fahnenraum, nachdem ich mich von Andi, Marc und Martin verabschiedet hatte, genoss ich die letzten Minuten meines Stuttgarter Aufenthalts mitten in der Woche. Dann wurde es auch Zeit, den Treffpunkt zum Aufbruch aufzusuchen, von dort aus ging es nach kurzen Fachsimpeleien zurück nach Leipzig.

Die Schmerzen in meinem Hals wurden nicht gerade besser, aber es nützte alles nichts. Angeschlagener als je zuvor saß ich auf dem ungeliebten Platz der Rückbank in der Mitte, erschöpft ließ ich das Spiel vor meinem inneren Auge noch einmal ablaufen. Eine saustarke Leistung, nun ist alles noch offen, und das ist mehr, als die meisten erwartet haben. Nun geht es ja doch noch um etwas, wenn ich am 17. März das Flugzeug nach Barcelona besteigen werde. Wenn uns eines die Fußballgeschichte gelehrt hat, dann doch das, dass David auch Goliath schlagen kann. Und wenn es eben ein Wunder erfordert, wir glauben daran.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

3 Kommentare

  1. Ole ole olà, wir sind immer für DICH da 😉
    ansonsten klasse wie immer!

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