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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Frustbewältigung für Fortgeschrittene

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Ein trauriger neuer Rekord für mich, ein trauriger Rekord (?) für den VfB Stuttgart. Ganze 3 Wochen sind ins Land gegangen, seit das Spiel des Frustes gegen den 1. FC Köln stattfand, als der Gipfel des Protestes erreicht schien.

Gemeint ist nicht nur alleine der Protest gegen die eigene Mannschaft, die seit Wochen auf der Stelle tritt und weiter abrutscht, sondern auch der Protest gegen die Leistungen de Schiedsrichter, deren Aufgabe eigentlich nur darin besteht, auf korrekte Art und Weise ein Spiel zu führen.

Doch das nutzt nun alles nichts. Schon längst haben wir schmerzhaft lernen müssen, dass die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, die uns in letzter Zeit nur allzu oft heimsuchten, nicht der Grund dafür sind, dass wir dort stehen, wo wir jetzt stehen. Wer das Tor nicht trifft und in der Abwehr nicht aufpasst, braucht sich letztendlich nicht zu wundern.

Natürlich hat man Schützenfeste gegen Gladbach und Bremen gesehen. Natürlich sind die Erinnerungen an die Rückrunde der letzten Saison in jedem von uns noch lebendig. Natürlich sind wir der Überzeugung, dass wir nicht dort unten stehen sollten. Fünf Euro ins Phrasenschwein: „Jeder ist seines eignen Glückes Schmied“.

Noch war es nicht zu spät, das Ruder der Hinrunde umzureißen. Es gab noch genügend Spiele vor der Winterpause, die den Fans begreiflich machen soll, dass sie nicht umsonst und frei jeder Wichtigkeit jede Woche im Fanblock stehen und eine Mannschaft anfeuert, die meiner Meinung nach die ganze Saison nie eine wirkliche Mannschaft war.

Viele Worte mag ich zu diesem Tag der Schande nicht verlieren. Ich hoffte nur eins: die Ereignisse vom letzten Heimspiel gegen Köln sollten sich nicht wiederholen. Das war anscheinend zu viel verlangt. Zwar sorgte der Keeper in diesem Jahr nicht mit einem außerstrafräumlichen Ausflug für verstörte Gesichter, doch war er auch diesmal das Bauernopfer.

Schon die ersten Minuten des Spiels jagten mir einen kalten Schauer über den Rücken. Wohlwissend, dass wir keinesfalls die Stabilität hatten, um befreit aufzuspiele, ebenfalls in Vollbesitz eines Verstandes, dass kein Gegner, sei er auch noch so klein, für uns mit links zu erledigen wäre. Keine Situation für den VfB wäre so abstrus, dass sie nicht eintreten könnte.

In den Blickpunkt der Beobachter rückte mit fortlaufender Spieldauer immer mehr ein unbekannter Schiedsrichter namens Christian Dingert, der mir vorher nie ein Begriff war, der aber noch vielen in Erinnerung bleiben wird als der Schiedsrichter, der sich besser nie wieder in der Landeshauptstadt blicken lässt, oder vielmehr: der nie wieder ein VfB-Spiel pfeiffen sollte. Wir wissen, wo sein Auto steht.

Doch abgesehen von Christian Dingert, der offensichtlich Spaß daran hatte, jede Aktion gegen Köln sofort abzupfeiffen und mit einer gelben Karte, mindestens jedoch einem Freistoß zu ahnden, sowie jede Aktion gegen uns einfach laufen zu lassen (getreu dem Motto: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen), trug die Mannschaft nicht gerade zur Stimmungsverbesserung bei.

Mit einem mageren 0:0 ging es in die Pause, die übliche Tristesse wie fast jedes Mal in dieser schwierigen Saison. Auch der zweite Durchgang war mehr Leid als Freud, ein Blick zu meinem Nachbarn „Bei dem Schiri habe ich das Ergebnis betreffend ein ganzs mieses Gefühl!“, er nickte leidlich.

Pfeif ab, Schiri, bevor du noch größeren Schaden anrichtest. Es nützte nichts. Ich sehnte den Abpfiff herbei, wenigstens einen Punkt gegen Köln, die zu diesem Zeitpunkt noch schlechter in der Tabelle positioniert waren. Manche Wünsche bleiben unerfüllt, schon so einige meiner Wünsche sind 2010 wahr geworden. Der Mann im gelben Dress wollte mir den Gefallen leider nicht tun. Er pfiff, aber nicht nach 90 Minuten.

Eines Tages hoffe ich, die Szenen, die ich jetzt beschreibe, in die finstere Schublade des Vergessens legen zu können, nie wieder daran zu denken, wie es sich angefühlt hatte. Dieser Frust, der sich tiefer und tiefer in das geschundene Herz eines jeden Brustringträgers grub. Es war die 82. Minute, die uns den nächsten schweren Schlag versetzte.

Die 82. Minute dieses Spiels wird in den Saisonrückblick des VfB eingehen als der Elfmeter, der keiner war. Ein Zweikampf zwischen unserem Innenverteidiger Georg Niedermeier und dem Kölner Stürmer Milivoje Novakovich, Niedermeier nimmt die Hände weg von seinem Körper, Novakovich zieht an Niedermeiers Trikot und fällt. Acht Minuten vor Schluss noch der Lanzenstoß.

Lukas Podolski verwandelte sicher den Elfmeter, den es nie hätte geben dürfen. Zurück blieben fragende Gesichter, eine Menge Wut und die Frage „Warum?“. Es hat wieder nicht sollen sein. Und auch mir gehen so langsam die Phrasen aus. Geschichten wiederholen sich, ebenso wie der Frust und eine Hinrunde, die wir schon jetzt abhaken könnten.

Viel bekam ich nach dem Spiel kaum noch mit. Als ich das Stadion verließ, glich sich ein Meckern dem Andern, eine Menge Ärger und Verzweiflung, auf Schiedsrichter und die eigene Mannschaft, die selbst das Tor mehr als einmal hätte treffen können, es aber einfach nicht gelang. Manchmal scheint Tore schießen so einfach zu sein, und manchmal scheint es schwerer zu sein als alles andere.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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