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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Ausgleichende Gerechtigkeit

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Ein zu Unrecht gegebener Elfmeter für den Gegner. Acht verweigerte Elfmeter. Ein wegen angeblichem Stürmerfoul nicht gegebener Treffer. Ein Gegentreffer trotz Abseits. Ein wegen angeblichem Abseits nicht gegebener Treffer. Eine kleine Zusammenfassung der Fehlentscheidungen, die uns in dieser Saison schon viele Punkte gekostet haben. Sich im Nachgang über eine Fehlentscheidungen aufzuregen, ist die eine Sache, doch sich einer Masse an Fehlentscheidungen hilflos beugen zu müssen, die mehr als ungewöhnlich ist, eine andere.

Die Fans des VfB Stuttgart liebten einst Felix Magath, er bewahrte uns vor dem Abstieg und geleitete uns in die Champions League. Mittlerweile liebt man nur noch, wenn er nach Stuttgart zurückkommt, um ihn auszupfeifen. Da die Ära Magath vor meiner Zeit beim VfB stattfand, vermag ich das nicht zu beurteilen. Ausgepfiffen habe ich ihn trotzdem.

Zu Beginn des Spiels wurden Erinnerungen wieder wach, Erinnerungen an das Jahr 2001, als die Vorzeichen bei dieser Partie ähnlich standen: Stuttgart gegen Schalke, beide im Abstiegskampf. Damals traf Balakov zum 1:0-Endstand und rettete damit den Klassenerhalt. Wer macht heute den Balakov? Die drei Punkte wären so bitter nötig!

Nach nur 14 Minuten kam es zur einzigen spielentscheidenden Szene: der Schalker wird im VfB-Strafraum gefoult und wird aus recht kurzer Distanz mit dem Ball an der Hand getroffen. Schiedsrichter Felix Brych pfiff und stellte den Königsblauen mit Glatt-Rot vom Feld. „Moment mal, was war hier los?“ fragte ich mich, konnte ich die Szene aus der Ferne nicht wirklich beurteilen.

Zum fälligen Strafstoß trat Kuzmanovic an, verwandelte und ließ uns jubeln. Erst nach dem Spiel sickerte die Erkennis durch, das es sich hier zu unserem Glück um eine dicke Fehlentscheidung handelte. Neutral gesehen wäre es „nur“ ein Freistoß für Schalke geworden, mit der Vereinsbrille sagte man aber „Scheiß drauf! Hauptsache das Tor!“. Hier haben wir riesen Glück gehabt, jeder wusste das.

Doch auch dieses Glück mussten wir uns zurück erkämpfen, mehr als jede andere Mannschaft wurden wir alleine in dieser Saison so benachteiligt, dass Spiele noch zu Unrecht ausgeglichen oder verloren worden. Leser meines Blogs, die nicht zu „meinesgleichen“ gehören, mögen das anders sehen. Doch wer nur ein wenig Ahnung von Fußball hat, weiß, dass es so etwas immer dann gibt, wenn du ohnehin schon unten drinsteckst und es so scheint, als kämst du da nicht wieder von alleine heraus. Manchmal bekommt man unerwartet einen Rettungsanker zugeworfen, auch wenn dieser nich rechtens war.

Die Schalker, die eigentlich nach dem Sieg gegen die Bayern im Pokal-Halbfinale vor Selbstbewusstsein hätten strotzen müssen, von nun an also in Unterzahl. Wir haben beides schon in dieser Saison erlebt, ein Spiel in Überzahl zu verlieren und auch ein Spiel in Unterzahl zu gewinnen, von daher war Vorsicht angesagt. Mit dem 1:0 im Rücken spielte es sich besser auf dem Platz und es supportete sich auch besser auf den Rängen. Bis auf einen Kopfball von Georg Niedermeier, der weit übers Tor flog, passierte auch nicht mehr viel in der ersten Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel kam Schalke mit gleich 3 Neuen aus der Kabine, die wollten es anscheinend nochma wissen. So richtig laut wurde es nach knapp einer Stunde, doch es war nicht der laute Jubel, sondern das laute Entsetzen, als Pavel Pogrebnyak das 2:0 auf dem Fuß hatte und der Nationaltorwart Manuel Neuer gerade noch so dazwischen grätschte. Das wäre es gewesen!

Nur 10 Minuten später schnellte der Puls schon wieder schlagartig nach oben. „Drin!“ schrie man in der Kurve, manch einer jubelte schon und registrierte erst später, dass das Schiedsrichtergespann das doch etwas anders gesehen hat. „Nicht drin!“ wurde entschieden, Neuer hielt noch auf der Linie. Und wenn ich die Stelle im Fußball-Regelwerk zitieren darf: der Ball muss mit vollem Umfang die Linie überschritten haben. Zumindest theoretisch. Manuel Neuer würde wissen, was ich meine.

Noch 10 Minuten, wenn die Jungs jetzt keinen Mist mehr machen, haben wir die 3 Punkte im Sack! Nach einem Eckball für den VfB gab es Slapstick im Strafraum: mehrere Male schossen wir auf das Tor, doch jedes Mal wurde der Ball geklärt, ging an den Pfosten oder irgendein Bein war noch dazwischen. Pure Verzweiflung! Unfassbar das hier kein einziger Ball im Tor war.

Stattdessen kassierten wir auf der Gegenseite fast noch den Ausgleich, Ulreich war da und hielt erneut bravourös. Da war sie wieder, die Angst, doch noch den Ausgleich zu kassieren, was mehr als dämlich gewesen wäre. Doch auch das spielte dann keine Rolle mehr, die 3 Punkte blieben am Neckar, es war geschafft. Heimsieg! Und was macht Felix Magath? Hinter seiner dicken Sonnenbrille, die er wegen einer Bindehautentzündung trug, vermutete man Tränen.

Große Freude beim VfB, man wähnt sich auf der richtigen Fährte. Ob durch einen unberechtigten Elfmeter oder nicht. In 2 Wochen wird keiner mehr danach fragen. Ich freute mich auch, dass ich gerade noch rechtzeitig meine Krücken losgeworden bin, die ich wegen meiner Knieverletzung aus Leverkusen hatte. Mit blauen Krücken wollte ich nicht ins Stadion. Das Knie war wieder auf dem Weg der Besserung – und der VfB anscheinend auch.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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