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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Torlos unter Flutlicht

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Heimspiel gegen Kaiserslautern. Noch immer habe ich die schlimme Erinnerung im Hinterkopf, was beim letzten Mal passiert war. Nach einer 2:1-Führung verloren wir letzte Saison noch mit 2:4, jenes Spiel war der gefühlte Todesstoß, von dem man dachte, der VfB würde sich nicht mehr davon erholen. Doch beide Clubs hielten am Ende die Klasse und sollten sich zum Flutlichtspiel am Freitag Abend wieder zusammenfinden. Wir hatten noch eine Rechnung offen.

Selten war ein Spiel von der Statistik her so klar wie dieses. Kaiserslautern war das traurige Tabellenschlusslicht, mit den wenigsten geschossenen und den meisten kassierten Toren, während der VfB in den letzten 2 Spielen ganze 8 Mal ins Schwarze traf. Klare Sache also, sollte man meinen. Neben der schlechten Erinnerung ans letzte Heimspiel gegen Kaiserslautern, hatte ich aber auch eine gute, das Hinspiel auf dem Betzenberg war eine klare Sache: 0:2-Auswärtssieg, viel Spaß hats gemacht.

Sehr früh waren wir wieder am Stadion, noch war ich auf meine Krücken angewiesen. Gegen Freiburg saßen wir in der 1. Reihe der Haupttribüne, heute wollten wir mal den Oberrang ausprobieren. Eine Erfahrung, die zwar gute Sicht auf alles offenbarte, die ich aber vermutlich so schnell kein 2. Mal machen möchte, zu weit weg ist man dort oben von allem, beinahe unterm Stadiondach, weit weg von der Kurve, und selbst mit der Spiegelreflex-Kamera hatte ich es schwer, vernünftige Fotos zu schießen.

Eigentlich hatte ich mich auf ein torreiches Spiel gefreut, ein guter Ausklang der Arbeitswoche. Den halben Tag hatte ich frei, am Vormittag wurde meine bewegungslimitierende Knieschiene auf 90° umgestellt, ich war spät im Büro und brach auch früh wieder auf, um gleich nach Stadionöffnung meinen Platz einnehmen zu können \“ anderenfalls hätte ich unmöglich beides zeitlich hinbekommen.

Meine Wette gegen Felix, dass es 100%ig Pyrotechnik im Gästeblock geben würde (ebenso wie im Hinspiel andersrum), gewann ich innerhalb der ersten Minuten \“ schon zum Einlaufen der beiden Mannschaften leuchtete es rot-orange im gut gefüllten Gästeblock. Punkt halb 9, Anpfiff zu einer Partie, die ich noch wenige Stunden zuvor im Büro mit „Hoher Sieg!“ getippt hatte.

Die Anfangsphase begann vielversprechend. Nach 10 Minuten war Martin Harnik auf dem Weg zum 1:0, scheiterte jedoch am Torwart der roten Teufel, Tobias Sippel. In der ersten Halbzeit erhob man sich oft von seinem Platz, in der Hoffnung, sich gleich dem grenzenlosen Jubel zu ergeben, doch schlug dann doch nur die Hände über dem Kopf zusammen und schrie „Oooooh!“. Immer wieder das gleiche Bild, alle paar Minuten.

Was die letzten beiden Spiele so gut funktionierte, klappte gegen Kaiserslautern einfach nicht. Die vergangenen beiden Partien endeten siegreich mit jeweils 4 VfB-Toren pro Spiel, sie konnten es doch nicht auf einmal verlernt haben? Die Chancenverwertung mal wieder \“ nicht immer war es der letzte Zentimeter der fehlte, vielmehr war es der Lautrer Torhüter, an dem man sich allzu oft verzweifelt die Zähne ausbiss.

Nach einer halben Stunde dachte ich schon fast, gleich würde ich das nächste Tor des Monats sehen: bei einer VfB-Ecke kam der Ball über Umwege zu Martin Harnik, der per Rückfallzieher einschießen wollte, doch auch er scheiterte an Sippel \“ es war zum Haare ausreißen! Der Ball wollte einfach nicht ins Tor, es war wie zugenagelt.

Und was war eigentlich mit Kaiserslautern los, die zu Spielbeginn sehr verunsichert wirkten und sich aber mit jenem Torschuss des VfB mehr und mehr berappelten und mit unbändigem Willen dagegen hielten. Es schien, als spielten sie für ihren Trainer Marco Kurz, an dem es \“ laut eigener Aussage der Spieler \“ nicht lag, dass man am unteren Ende der Tabelle festklebte und nicht vorwärts kam.

Es ist nicht das erste Mal, dass man sich gegen Gegner, die nur hinten drin stehen, schwerer tut als gegen jene, die offensiv ausgerichtet sind und auch mal nach vorne spielen. Torlos ging es in die Halbzeitpause, mit ein wenig Enttäuschung, denn gemessen nach den Chancen hätte es bereits schon 3:0 oder höher stehen können, nein, eigentlich müssen!

Die Kräfteverhältnisse waren auch im zweiten Durchgang nahezu ähnlich \“ die Torfabrik rannte an, die Pfälzer Abwehr rührte eine neue Ladung Beton an. Nach wie vor waren wir das bessere Team mit hochkarätigen Torchancen. Dass ein Tor nicht gelingen wollte, kann man allerdings nicht alleine an den Lautrern festmachen, die gefühlt mit allen 11 Mann hinten drin stand.

Immer war ein Fuß oder ein Kopf dazwischen, oder aber man scheiterte spätestens an Tobias Sippel, der schwer zu ackern hatte. Im Gegensatz zu Sven Ulreich, der sich genauso gut an die Bar des Business Bereichs hätte setzen können. Die Anzahl der Schüsse auf unser Tor kam, konnte man an einer Hand abzählen.

Bei so vielen Toren in der letzten Zeit wurde das Spiel wahrhaftig zur Enttäuschung. Grummeld richtete man sich schon auf ein 0:0 gegen den Stottersturm der Liga ein. Doch unerwartet spannend machte es der FCK, denn wie heißt es doch so schön: „Machst du die Dinger vorne nicht, kriegst du sieh hinten“ \“ in der Nachspielzeit strich der Schuss vom Lautrer Florian Dick nur knapp am Gehäuse vorbei. Da haben wir Glück gehabt.

Die Gäste waren zufrieden mit dem Unentschieden und konnten sichtlich sehr gut damit leben, anders als die zuletzt erfolgsverwöhnten Stuttgarter. Nein, man konnte damit nicht zufrieden sein. Aus so vielen Chancen auch bei einem hellwachen Keeper kein einziges Tor schießen zu können, gegen den Vorletzten der Tabelle, nein, damit kann man sich nicht zufrieden zeigen. Im Gegenteil, unnötig wie ein Kropf, das man hier 2 Punkte hat liegen gelassen, die am Ende wichtig sein können, wenn es darum geht, ob man vielleicht doch noch die internationalen Plätze erreicht.

Nachdem sich der Großteil des Oberrangs verflüchtigt hat, machten auch wir uns auf den langen steinigen Weg nach unten. Sooo viele Treppen sind anstrengend, doch ich schaffte es mit Müh und Not. An der WM-Statue vor dem Fancenter trafen wir noch Freunde von uns, die uns bis zur Bushaltestelle „Neckarpark“ vor der Schleyerhalle begleiteten, wo ich warten sollte bis Felix sein Auto vom Schlachthof geholt hat \“ ich wartete ewig lang und war am Ende ziemlich bedient.

Sollte der VfB so weiterspielen wie heute, mit hochkarätigen Chancen ohne etwas daraus zu machen, könnten wir es schon bald vergessen mit der Europa League. Du musst mitnehmen, was du kriegen kannst, das war an diesem Abend schlichtweg nicht gut genug. Die nächsten 3 Spiele würden dabei bestimmt zäh und alles andere als ein Selbstläufer werden: Hoffenheim, Nürnberg und Dortmund.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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