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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Die guten Samariter der Liga

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Ich hatte das Unheil schon kommen sehen. Vielleicht hätte ich mir vorher gar nicht erst einreden dürfen, dass ich das Spiel einfach auf mich zukommen lasse, aber schon von vorn herein damit rechne, dass in Wolfsburg nichts zu holen ist. Ein weiteres Mal, und es nervt mich zutiefst, wie oft ich von solchen Situationen schreiben muss, reicht die Qualität in der Mannschaft nicht aus, um gegen einen schlechten Gegner nicht auch noch schlechter zu sein. Aufbaugegner 2011, Stuttgart ist dabei.

Als ich letzte Woche nach meinen Tipps für das letzte Bundesliga-Spiel der Hinrunde gefragt wurde, schüttelte ich stets den Kopf. Mit dem Hintergrund meines Wolfsburg-Traumas ist mir jeder Glaube, dass der VfB in Wolfsburg gewinnen kann, abhanden gekommen. Das letzte Mal gewann der VfB in der Betriebssportstätte des VW-Werks, als ich noch nicht den Weg zum Brustring gefunden habe.

Und in einer Phase, in der das Spiel unserer Mannschaft wenig mit Qualität und noch weniger mit Konstanz zu tun hat, konnte man sich auch nicht vorstellen, dass es ausgerechnet diesmal anders sein würde. Schließlich hat man in Stuttgart ein großes Herz für schlechte Mannschaften, die selbst dringend Punkte brauchen.

Die eigenen Bedürfnisse und die Gunst der Fans stehen im Gegensatz dazu hinten an. Warum selber Punkte machen, wenn sie der Gegner viel nötig hat. Nur mit Galgenhumor kann man Woche für Woche die nächste Schmach ertragen. Mit Ausnahme vom Spiel gegen das Tabellenschlusslicht Augsburg brachte es der VfB bisher immer fertig, die Punkte dem Gegner zu schenken, völlig selbstlos. Wo soll das alles nur hinführen? Da war doch noch was mit letzter Saison…?!

In der vergangenen Saison spielte der VfB während meiner Umzugsphase in Wolfsburg, während der gesamten Hinrunde verzichtete ich auf Auswärtsspiele. Einst war ich von Leipzig aus in gut 2,5 Stunden mit dem Auto in Wolfsburg. Mittlerweile war es ein bisschen mehr zum fahren geworden.

Der Tag begann für mich mit wenig Schlaf \“ nachdem ich am Freitag viel Spaß bei der Weihnachtsfeier vom Geschäft war, habe ich nur 2 Stunden geschlafen, bevor ich 2:15 Uhr wieder aufstehen musste. Mit Frühstück und fertig richten reichte die Zeit gerade so, um 4:00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt zu sein: eine eigene Busfahrt mit unserem Fanclub „Boys in Red“. Ich wünschte mir, ich hätte doch lieber nicht nochmal geschlafen, ich war kaputter als vorher.

Das einzige, worauf ich mich an diesem Tag wissentlich freute, war jener Ausflug, der erste seit ich Mitglied bin. Mit mehr oder weniger fitten Freunden und Bekannten bestiegen wir den Bus für 50 Leute, nur wenige Plätze blieben leer. Meine Kamera und der Laptop mussten natürlich mit. Wir hatten jede Menge Spaß und erreichten Wolfsburg nach etlichen Toiletten- und Raucherpausen und einem Supermarkt-Halt in einem Kasseler Gewerbegebiet gegen Mittag. Nach 8,5 Stunden hatten wir es geschafft. Ab da konnte es nur noch schlimmer werden.

Dort angekommen pfiff uns erstmal eiskalter Wind um die Ohren. Schnell noch ein Erinnerungsfoto mit allen Schlachtenbummlern gemacht, danach trennten sich vorerst die Wege. Uns führte es zu einer mehr oder weniger geplanten Stadionumrundung in ein Café, wo man uns bereits am Eingang sagte, dass als solche erkennbare Gästefans nicht erwünscht sind und wir entweder wieder gehen oder unsere Fankleidung verstecken. Widerwillig nahmen wir unsere Schals ab und tranken ein Bier. Nur ich nicht \“ aus Protest.

Wir liefen danach weiter zum Gästeblock, wo bereits zahlreiche VfBler anstanden, auch die Ultras waren noch nicht komplett durch die Kontrolle gekommen. Ewig lang rührte sich die Warteschlange keinen Millimeter, nur mühsam ging es voran. Nach einer sehr intensiven Abtastung und Prüfung meines Bauchtäschles \“ eine Minidose Pullmoll-Bonbons könne ja sehr gefährlich sein, also schaute man lieber mal nach \“ kamen auch wir endlich rein. Für mich nichts Neues. Auch nicht das schlechte Gefühl in meinem Bauch.

Die Trinkpäckle, die wir extra mitnahmen, durften das Stadion nicht von Innen sehen und landeten unverzüglich im Mülleimer. Der Grund: Wurfgeschoss. Dass es an den diversen Imbissständen, unter anderem im Gästebereich, wurffähige Plastikbecher mit 0,5-Liter-Inhalt gab, entfiel den Schreiberlingen der Stadionordnung anscheinend gründlich. Von Gastfreundschaft hat man in Wolfsburg anscheinend nicht viel gehört \“ wundert mich nicht, wenn sie zurecht den Unmut der gesamten Liga abbekommen. Oder gibt es etwa Fans anderer Vereine, die dem VW-Club wohlwollend gesinnt sind?

Ja, ich kenne den Gästeblock der Wolfsburger VW-Arena. Wie der Gästeblock im Berliner Olympiastadion der von mir bisher am häufigsten Besuchte Gästebereich der Bundesliga. Nur einen einzigen Moment des Glücks habe ich hier erlebt, der zwischenzeitliche Führungstreffer beim 4:1 im November 2008. Ab da reifte in mir das Gefühl, dass Auswärtsspiele in Wolfsburg eher selten erfolgreich sind.

Die Imbissstände, die Lage der Toiletten, die engen Reihen mit den hohen Betonstufen, die kalten Metallstangen, die grünen Klappsitze die bei Länderspielen runtergeklappt werden können \“ all das kam mir so bekannt vor. Schnell noch eine alles andere als gesunde Bratwurst mit Ketchup, dann ging es rein in den Block, der bereits gut gefüllt war. Im Gegensatz zum Rest des Stadions, lediglich in der sogenannten „Fankurve“ war es schon recht voll \“ mit dem Inbegriff der Lächerlichkeit. In einer Reihe mit Hoffenheim, Red Bull Leipzig und ein paar andere.

Nun erstmal warten. Warten auf den Anpfiff. Warten auf endlich mal wieder ein gutes Spiel des VfB. Warten auf den Auswärtssieg. Warten auf das Beenden meines Wolfsburg-Traumas. Die letzte Bastion der Verzweifelten. Wir platzierten uns genau in der Mitte des Stehbereichs, nicht absolut perfekt für Fotos, doch mit guter Sicht aufs Spielfeld und zu beiden Seiten des Blocks. Nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff. Meine Nikolausmütze zog ich mir tief ins Gesicht, den Schal über Mund und Nase, die Hände in die Jackentaschen, vorerst.

Bis kurz vor Spielberginn gab es klaffende Lücken auf Haupt- und Gegentribüne, viele kamen erst kurz vor Anpfiff. Wundert mich nicht, ist dort die Fankultur quasi nicht vorhanden, man lässt sich von VW gesponsorte Häppchen servieren und schaut sich anschließend frei von jeglicher emotionaler Bindung ein beliebiges Spiel an, für das man von VW bezahlt wird. In Niedersachsen empfindet man das offenbar als gar kein so schlechtes Leben.

Die Wunde der Niederlage hat sich noch nicht geschlossen und blutet, während ich nun die Zeilen des Geschehens niederschreiben muss/darf/will. Die Spielberichte für die Auswärtsspiele in Freiburg, Kaiserslautern und Nürnberg habe ich lieber geschrieben, wer will es mir verdenken. Doch um nicht wieder mehrere Tage vergehen zu lassen, schreibe ich hier meine Erfahrungen wieder. Das bedeutet auch: das Spiel noch einmal bei vfbtv anschauen \“ noch ein wenig Salz in die Wunde streuen.

Als die beiden Mannschaft das Spiel betraten und von 25944 Zuschauern (Wolfsburg hat einen der geringsten Zuschauerdurchschnitte in der 1. Bundesliga) begrüßt. Noch war Hoffnung in mir, dass man das zeigt, was man gegen die Bayern versucht hatte. Und es begann eigentlich ganz ordentlich, die erste halbe Stunde war vielversprechend. Zumindest für das Auge des geneigten VfB-Fans, der in den letzten Wochen nicht viel Schönes zu Gesicht bekam.

Erste richtig gute Möglichkeit war der aus Wolfsburg zurück gekehrte Christian Gentner, der 2007 mit uns und 2009 mit Wolfsburg Deutscher Meister wurde. Er köpfte ein Stück über das Tor drüber, es wäre der perfekte Start gewesen. Noch größer wurden die Augen der etwa 1.250 Mitgereisten als ein langer Pass von Arthur Boka unseren Top-Torschützen Martin Harnik erreichte, der da vorne nahezu alleine war und mit ein bisschen Fortune den Ball sicher untergebracht hätte. Bedrängt vom Wolgsburger Marcel Schäfer schloss er zu hastig und ungenau ab \“ bezeichnend, dass der Ball weit entfernt vom Tor im Aus landete.

Das war es dann auch erstmal mit guten Gelegenheiten \“ sie waren Mangelware. Dann jedoch setzte leider das ein, was uns einige Male schon das Rückgrat gebrochen hat: man stellte das Fußballspielen ein, aus unerfindlichen Gründen. Immer wieder und immer häufiger kamen auch die Wolfsburger zum Zug, die in den ersten 30 Minuten kaum einen Stich gesehen haben.

Ashkan Dejagah Schuss, den keiner unserer Abwehrspieler verhindern wollte sondern von Maza stattdessen noch leicht vom Rücken abgelenkt wurde (Hilfe, treff mich nicht im Gesicht!), konnte Sven Ulreich gerade noch so über den Kasten lenken. Kurz darauf versuchte er wieder und scheiterte erneut am Keeper, der bisher das 0:0 fest hielt. So langsam fing es wieder an mit den altbekannten Nachlässigkeiten.

Dabei gab es keinerlei Grund dazu, warum man nach einer halben Stunde das einstellte, was bisher gut klappte. Die andere Mannschaft in der eigenen Hälfte einbetonieren und offensiv auf das Führungstor spielen. Was vermochte Bruno Labbadia zur heutigen Taktik gesagt haben? Oder beließ er es wieder mit dem unnötigen Starkmachen des Gegners und der damit folgenden Demut, dass man letzte Saison beinahe abgestiegen wäre? Man weiß es nicht.

Erstmal Halbzeit, ein wenig zur Besinnung kommen. Offenbar war es nötig, dass man sich nochmal zusammensetzt und bespricht, wie man den Gegner unter Druck setzt. Ein Arschtritt für alle VfB-Spieler wäre aber vielleicht noch hilfreicher gewesen, mit Ausnahme unseres Ulle, der mal wieder gehalten hat wie ein Tier. An ihm lag es nicht, dass es erneut punktlos wieder nach Hause ging.

Im zweiten Durchgang verflachte das Spiel, dass wir nicht schon früher in einer Phase der schläfrigen Lethargie den Gegentreffer kassierten, war weniger eigener Verdienst als die Nachlässigkeit und Unkonzentriertheit der Hausherren. Eine Stunde war gespielt, das Spiel war richtig schlecht. Unnötig, zu erwähnen, dass wieder einmal kaum eine Aktion vom VfB ordentlich zu Ende gespielt wurde, Pässe auf kürzester Distanz wurden vertändelt.

Beängstigt vom Treiben auf dem Rasen vermochte ich im Gäste-Steher aber nichts an der Situation ändern zu können, außer Klatschen, Singen, Hopsen und Schreien. Die Stimmung war ordentlich für die baulichen Gegebenheiten des Gästenblocks und der wenig erbaulichen Qualität des VfBs in diesem Spiel \“ aber alles hatte stets noch Luft nach oben.

Allgemein nennt man es „Höchststrafe“, wie es Neu-Wolfsburger Hasan Salihamidzic genannt hat, weiß ich nicht und will es auch nicht wissen. Er wurde erst zu Beginn der 2. Halbzeit eingewechselt und nach nur 20 Minuten wieder ausgewechselt für den jungen Sebastian Polter, dessen Name mir im Gedächtnis haften bleiben wird. Nachdem wir zur Pause Julian Schieber durch Pavel Pogrebnyak ersetzten, wurde auch der 2. Wechsel zeitgleich mit den Gastgebern vollzogen. Mittelfeldspieler Tamas Hajnal raus, Stürmer Ibrahima Traore rein, man spielte nun mit 2 Stürmern.

Endlich, nicht für die Spieler die kamen, sondern wegen der Aufstellung \“ hat man doch gesehen dass das völlig absurde System mit einem einzigen Stürmer wenig erfolgreich ist, wie man an den zahlreichen liegen gelassenen Punkten in den letzten Wochen doch eigentlich hätte deutlich sehen müssen.

Es wurde immer viel zu spät gewechselt, meist nachdem man erst hinten liegen musste. Jeder mit ein bisschen Fußballsachverstand konnte das sehen, nur der, der es eigentlich als erste verstehen müsste, agiert seit einiger Zeit ohne Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen: unser Trainer Bruno Labbadia, dessen Aufgabe es ist, die Mannschaft richtig auf- und einzustellen.

Der Wurm ist drin \“ aber woran liegts? Im Vergleich zur ersten Hinrundenhälfte, als wir mehr Punkte sammeln konnten als ich befürchtet hatte, schienen wir neuerdings immer wieder sehr schnell zusammen zu fallen. Nur Einstellungssache oder eine Frage der fehlenden Qualität? Fragen, über die man nachgrübeln und diskutieren kann, ja sogar muss!

Angefeuert vom Gästeblock versuchten wir, die Konzentration unserer Mannschaft aufrecht zu erhalten. Doch davon war auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds wohl weniger zu hören als wir gehofft hatten. Marcel Schäfer setzte sich gegen Timo Gebhart durch, der kurz zuvor noch auf seiner Facebook-Seite schrieb, er würde überall spielen wenns sein muss, sogar im Tor. Er hätte eben jenes aber lieber verhindern sollen. Der Pass kam durch, zum wenige Minuten zuvor eingewechselten Sebastian Polter. Ihr könnt euch vorstellen, was geschah.

Die Nikolausmütze zog ich über meine Augen, der Kopf ging langsam links nach rechts. Mehr als Kopfschütteln für den Rückstand, 15 Minuten vor Schluss, konnte man nicht übrig haben. Spielte man etwa auf 0:0? Wenn ja, warum, warum gegen Wolfsburg, warum gegen eine Mannschaft die seit Wochen im Abwärtstrend ist, warum zu einem Zeitpunkt, an dem man sagte, man wolle den VfB-Fans 2 Siege zum Hinrundenabschluss als Weihnachtsgeschenk mitgeben? Nein. Kopfschütteln.

Für ein Aufwachen war es spät, aber nicht zu spät. Ich wollte nicht glauben, dass es das nun schon wieder gewesen war. Wofür bin ich 8,5 Stunden im Bus gesessen, nur alleine wegen der lustigen Fahrt mit guten Freunden und Bekannten mit soviel Spaß und Unsinn wie in keinem gemeinsamen Heimspiel zuvor? Das konnte nicht wahr sein. Abgesehen von ein paar mehr oder weniger ernst gemeinten Angriffen war von unserem VfB nicht mehr zu sehen. Und sowas nennen wir auch „Verein für Begeisterung“.

Nachspielzeit, 2 Minuten. Währenddessen ist Innenverteidiger Georg Niedermeier für Timo Gebhart eingewechselt worden, es waren die letzten Sekunden um aus dem nächsten Negativerlebnis in der VW-Stadt ein noch einigermaßen versöhnliches Ende zu machen und mir die gute Laune für die Rückreise zu bewahren, bzw. wieder zu erlangen. Freistoß durch Ibrahima Traore, alle anderen waren vorne, nur Sven Ulreich blieb in der eigenen Hälfte. Jetzt oder nie, friss oder stirb.

Georg Niedermeier gegen den VfL Wolfsburg \“ auch da erinnere ich mich bestens daran. Letzte Saison traf er beim Stand von 0:1 in der 94. Minute zum Ausgleich, ein irrsinnig lauter Jubelschrei des Glücks. Hier und heute flog der Ball durch die Luft, Niedermeier sprang hoch zum Kopfball. Die wenigen Millisekunden fühlten sich denkbar lang an, man hielt den Atem an. Entweder man schreit auf und springt durch den Gästeblock als hätte man soeben die Meisterschaft errungen, oder aber man schließt vor Verzweiflung die Augen und realisiert, dass es das nun gewesen ist.

Der Ball flog direkt in die Arme von Diego Benaglio, er stürzte mitsamt dem Ball auf die Torlinie. Hätte sich der Fußballgott an diesem Tag ein VfB-Trikot angezogen, so wäre er hinter der Linie gelandet und Schiedsrichter Wolfgang Stark hätte auf Tor entschieden. Doch alle Hoffnung war vergebens. Es war die letzte Chance, danach war Schluss.

Ein ehemaliger Stuttgarter hält den Heimsieg der Wölfe fest, ein ehemaliger Wolfsburger konnte nur zuschauen und ein anderer ehemaliger Stuttgarter wurde gnadenlos nach dem Spiel fertig gemacht \“ wenn auch ohne jeden Mehrwert. Dessen „sportliche Perspektive“ machte sich zumindest an diesem Abend für ihn bezahlt – „Träsch, du bist ein Hurensohn!“

Ich hatte es ja bereits geahnt. Dennoch war dieses 1:0 nur schwer zu begreifen, zumal wir es eigentlich selbst in der Hand gehabt hatten. Wenn die Qualität fehlt, um vorne ein Tor zu machen und hinten Beton anzurühren, darfst du dir ruhig die Frage stellen, warum das so ist, warum ein Verein wie Wolfsburg scheinbar mühelos aus einem wochenlangen Tief befreit wird, ohne nennenswert viel dafür zu tun. Es bleibt dabei: wir sind zweifelsohne der beste Aufbaugegner 2011, keine Auszeichnung, die man sich gerne abholt.

Nachdem wir uns alle wieder sortiert hatten, verließen wir das Stadion. In diesem Moment entschieden Felix und ich: „Nie wieder Wolfsburg!“ \“ das hehre Ziel, eines Tages eine 34er-Saison hinzulegen, ist damit vorerst ad acta gelegt, bis der Verein für Leibesübungen aus dem äußersten Osten Niedersachsens dort ist, wo er meiner Ansicht nach hingehört: nicht mehr in die 1. Bundesliga. Ziemlich verstörend, das als Verlierer des Spiels sagen zu müssen.

Schon recht bald saßen wir wieder im Bus und verließen als einer der ersten Fanbusse den Ort der Schmach. Frustriert schaute ich aus dem Fenster, ins Dunkel der Nacht. Dick eingepackt in meine rote Auswärtsdecke fand ich keinerlei Trost, weder bei Felix, noch bei meinen Mitfahrern, noch an der Tatsache, dass es ohne Ulreich noch hätte schlimmer kommen können. Stattdessen begann ich damit, die Bilder aufzubereiten und zu bearbeiten \“ nur der Surfstick, den ich mir für Auswärtsfahrten wie diese angeschafft habe \“ tat nicht wie befohlen.

Begleitet von mehr oder weniger ansprechender Musik und schließlich der DVD „Das Leben des Brian“, die man nach langem Probieren und von vorne starten dann endlich auf beiden im Bus installierten Bildschirmen anschauen konnte, schlief ich ein, mehr schlecht als recht. Anders als auf der Hinfahrt machten wir auf dem Rückweg nur wenige Pausen. Sobald sich die Bustüren öffneten, betrat kalter Wind den Bus. Somit war Drinnenbleiben keine Option, selbst nicht für diejenigen, die der Drang nach einer sanitären Entspannung oder die Sucht nach einer Zigarette nicht schon nach draußen scheuchte.

Nach Mitternacht weckte mich Marcos Mikrofon-Durchsage, in 500 Metern wäre „Endreinigung Wunnenstein“, ein VfB-Auswärtsfahrer-Code für „Kleine Pause kurz vor Stuttgart, Bus sauber machen, aber bloß kein Burger King“ \“ ich kannte es bis dato nur aus Erzählungen. Die letzten Kilometer mit einem Mix zwischen Wachsein und Dösen gingen dann auch vorbei, ich wollte nur noch ins warme Bett und dann dieses Spiel so schnell wie möglich vergessen.

In Weinstadt-Endersbach, wo uns der Bus knapp 21 Stunden zuvor einsammelte, endete die gemeinsame Reise. Alles wurde ausgepackt, man verabschiedete sich und nachdem man allen Tschüss gesagt hatte, die man 3 Tage später ohnehin wieder sieht, ging jeder wieder seiner Wege. Fanclub-Mitglied und Felix‘ langjähriger guter Kumpel Christoph fuhr uns nebst Freundin noch nach Backnang zu Felix‘ Eltern, es lag auf dem Weg zu Christophs eigenen Eltern.

Schnell noch die Bilder bereitgestellt für das morgendliche Update auf vfb-bilder.de, gegen halb 3 war auch ich dann endlich im Bett. Schlafen: ja, Spiel vergessen: nein. Zu groß ist die Frustration der vergangenen Ergebnisse. Seit Wochen kein Sieg mehr, die Spiele fast noch schlechter als vergangene Saison.

Man wird sehen, was die Winterpause an neuen Transfers für unser lethargisches Spiel tun können. Doch bevor es soweit ist, steht noch das Pokalspiel gegen Hamburg an. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass uns unser Verein, den wir so sehr lieben, für den wir so weite Strecken auf uns nehmen und unser hart verdientes Geld ausgeben, auch noch das Weihnachtsfest versauen wird.

Nachdem ich mich von der Illusion frei gemacht habe, dass es nur wenige Ausrutscher waren, so bleibt mir jetzt nur noch die Hoffnung, dass man die Notbremse in dieser Abwärtsspirale findet, die richtigen Lehren zieht und in der Rückrunde wieder das Gesicht zeigt, das uns Fans ansteckend ins Gesicht lächelt. Ein Gesicht, dem man wohlwollend zurücklächelt und mit Stolz sagen kann: „Ja, genau das ist mein VfB.“

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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