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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Nach vorne nicht energisch genug

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Hin und wieder muss manchmal der eine oder andere Spielbericht ein paar Tage liegen bleiben. Vor einer Woche traf der VfB im heimischen Neckarstadion auf die Franken aus Nürnberg. Schon am Samstag Vormittag wachte ich mit Halsschmerzen auf, was als „Hoffentlich wirds schon nicht so schlimm“ begann, wurde abends schlimmer und mündete in einer Grippe, die mich erst einmal für ein paar Tage ausknockte.

Zurück geblieben vom Spiel gegen die Nürnberger ist die Unbefriedigung, aus zahlreichen Chancen machte der VfB nicht genug, um als Sieger vom Platz zu gehen. Keine 48 Stunden war es her, dass der VfB mit 2.000 frenetischen Fans auf belgischem Boden feierte, der Sieg in Genk brachte uns ins Viertelfinale des Europapokals und sorgte hoffentlich für den richtigen Schwung, der unvermindert in die Bundesliga mitgenommen werden sollte.

Ich war optimistisch gestimmt, wähnten wir uns doch schon langsam auf dem Weg der Besserung. Vor dem Stadion wieder die selben bekannten Gesichter wie jedes Mal. Schon durch den 20-minütigen Fußmarsch zur heiligen Stätte schnürte sich mir immer wieder die Luftröhre zu. Das kann ja heiter werden.

Rote Karte für viagogo

Da Felix bekannt ist fürs Sammeln von Schals, Shirts und anderen Accessoires, die von verschiedenen Fangruppen der Cannstatter Kurve verkauft werden, kam er auch an dem schwarzen Schal nicht vorbei, welches das wunderschöne alte Wappen zeigt. Die Mitglieder unseres Fanclubs waren alles andere als vollzählig, zum Aufwärmen ging es erst einmal in den „A-Block“, dem neu eröffneten Fantreffpunkt gegenüber den Eingängen für die Blöcke 32 und 33.

Speis‘ und Trank schenkten wir uns, nachdem wir lange genug im Warmen waren, ging es hinaus in die Kälte. An den Blockeingängen wurden wieder die roten Flyer verteilt, die bereits in Hoffenheim verbreitet wurden. Unter dem erneuten Motto „Rote Karte für viagogo“ kämpft man mit Händen und Füßen dagegen an, dass der Verein mit dem Ticketportal eine goldene Nase verdienen will, wo Eintrittskarten für ein Vielfaches des Originalpreises verkauft werden können und damit der Schwarzmarkt hofiert wird.

Von Beginn an stieß der VfB damit auf den Gegenwind seiner Fans, fällte jene Entscheidung aber geradezu bewusst gegen uns. Mäuser, das Maß ist voll! Mein erster Blick ins Stadion. Auch heute würde es erneut nicht einmal ansatzweise voll werden, mit 46.570 Zuschauern würde man erneut wieder hinter den eigenen Erwartungen zurück bleiben. Eine ganze Kurve voller roter Karten erstrahlte als Warnsignal zum Einlaufen der Mannschaften.

Mit Lutschtabletten und Hustenbonbons gegen das Unwohlsein

Viele Franken hatten sich auf den Weg gemacht, 210 Kilometer und 2 Punkte in der Bundesligatabelle trennten vor diesem Spiel die Schwaben von den Franken, der Tabellenzwölfte empfing den Tabellenvierzehnten. Klingt nach einem offenen Schlagabtausch. Letzte Saison trennte man sich an gleicher Stelle mit 1:0 in schönstem Fußballwetter. Wiederholung? Gerne!

Zum vorletzten Mal mussten wir uns noch die Folklore-Darbietung von 2 selbsternannten Stimmungsmacher-Bands antun, gellende Pfiffe für die armen Schweine auf der provisorisch errichteten Bühne, der VfB hatte leider nicht den Mut, schon nach den ersten Auftritten alle weiteren Bands auszuladen um ihnen die doch nicht gerade positiven Reakionen der Kurve zu ersparen. Gegen Dortmund noch einmal, und dann hoffentlich nie, nie, nie wieder.

Mit Lutschtabletten und Hustenbonbons versuchte ich das stetig schlimmer werdende Unwohlsein in den Griff zu bekommen, hin und her gerissen zwischen Spielfeld und meiner geliebten Kurve. Nürnberg gehört zu den unangenehmsten Mannschaften für den VfB, wir mussten auf der Hut sein. Die erste Chance ergab sich nach etwa 12 Minuten, als Martin Harnik mit dem Kopf zur Stelle war, der ungeliebte Raphael Schäfer allerdings auch.

Auf gehts, Jungs aus Cannstatt!

Erinnerungen kamen hoch an das Hinspiel, was haben wir gelacht. Nur 24 Sekunden dauerte es, da klingelte es schon, ein granatenmäßiger Aussetzer markierte die frühe Führung. Hier würden wir es schwerer haben, auf den ersten Sieg des Jahres mussten wir aber nicht mehr warten, der wurde am Wochenende zuvor in Hoffenheim eingetütet.

Die Partie hatte flott begonnen, baute aber zunehmend ab. Bloß nicht in Rückstand geraten und möglichst 2 schnelle Tore gegen den Glubb, das wäre doch mal was. Die schweren Beine aus Belgien machten sich mit zunehmender Dauer der 1. Halbzeit schnell bemerkbar, doch gaben sie sich zumindest Mühe, sich nicht gegen die Wand drücken zu lassen.

Mehr Ballbesitz für die Gäste, sie zogen das Spiel in die Länge. Auf beiden Seiten wenig Kombinationsfußball, nicht gerade schön anzusehen für die paar zehntausend Zuschauer, die den Weg ins Stadion gefunden haben. Was den Support anging, wollte ich mich ein wenig zurückhalten, konnte mich aber das eine oder andere Mal einfach nicht beherrschen.

Warten auf das erste Tor

Im kalten Wind wehten die Fahnen der Cannstatter Kurve, ich kenne fast jede einzelne. Solange wir in der Kurve stehn, wird auch deine Fahne weiter wehn. Am Ende des Tages zählte meine Kamera 480 geschossene Fotos, viele davon im Serienmodus, um später das schönste Motiv einer Reihe auswählen zu können. Klingt nach viel Arbeit beim Sichten und Bearbeiten der Bilder, und das ist es auch.

Etwas mehr als 20 Minuten waren gespielt, ein geradezu fast langweiliges Spiel bot sich uns dar. Ein Geniestreich und schön könnte es 1:0 stehen \“ für beide Mannschaften. Man hing eigenartigerweise irgendwie in der Luft. Auf der Gegeseite profitierte Raphael Holzhauser von einem Fehler der Nürnberger Abwehr, statt eine ordentliche Flanke hinein zu geben, drosch er mit seiner kräftigen linken Klebe einfach ins Ballfangnetz der Untertürkheimer Kurve.

Das Raunen rollte durch die Reihen, das kann der 20-Jährige normalerweise besser. Ich sehe ihn gern von Anfang an spielen, es tut gut, wenn junge Wilde eingesetzt werden, der eigentliche Pluspunkt der Stuttgarter Vereinsphilosophie. Leider kamen diese immer wieder zu kurz, so dass viele frühzeitig mangels Einsatzzeiten ihre Koffer packen. Traurig, wenn selbst der Retortenklub aus Sinsheim eine bessere Perspektive bietet als der schlillernde Traditionsvereins aus dem Ländle.

Zum Glück wars Abseits

Kurz darauf schrie alles auf, ein Ball, der aus Sicht der Nürnberger, vor der Gegentribüne bereits im Aus war, blieb im Spiel, der kleine Wirbelwind Ibrahima Traoré flitzte damit zum Tor und konnte dort nur vom Nürnberger Per Nilsson im Strafraum gestoppt werden und kam zu Fall. Alles wartete auf den Pfiff \“ die Pfeife von Schiedsrichter Tobias Stieler blieb stumm.

Auch Christian Gentner scheiterte danach, er hätte sich sogar noch mehr Zeit nehmen können, sein etwas überhasteter Abschluss landete problemlos in den Armen von Raphael Schäfer, dessen jede Ballberührung mit Pfiffen des Stuttgarter Publikums quittiert wurde. Er hatte wahrlich keine schöne Zeit in seinem kurzen 1-jährigem Intermezzo.

Der Jubel der Gäste fand ein jähes Ende, nach 25 Minuten war Sven Ulreich zwar geschlagen, doch die Fahne war glücklicherweise oben. Mit der Pieke drückte Sebastian Polter den Ball über die Linie, stand dabei aber vorher klar im Abseits. Puuuh, durchatmen, nichts passiert. Auch der Gästeblock hatte sich relativ schnell wieder beruhigt.

Ein Tor würde dem Spiel gut tun

Beinahe im direkten Gegenzug wäre Martin Harnik mit mehr Zielgenauigkeit sein 7. Saisontor erzielen können, sein Schuss aus der Drehung heraus rollte aber gut einen Meter am linken Pfosten vorbei. Im Moment hat es unser Österreicher nicht so mit den Heimspielen, wenn er trifft \“ was lange genug nicht der Fall war \“ dann meistens auswärts. So mussten wir uns weiter gedulden, darauf, dass die Partie endlich den Weg in die richtige Richtung findet.

Noch 10 Minuten in der ersten Halbzeit, viele hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen als Martin Harnik von rechts nach innen flankte. Ganz offensichtlich war es jedoch nicht als Flanke gedacht, eher als Torschuss. Ein Lupfer auf den kurzen Pfosten in die Arme von Raphael Schäfer. Was sollte das denn? Dachten sich auch alle anderen Zuschauer, stöhnten und schüttelten den Kopf.

Wirklich viel wollte hier nicht zusammengehen. Zwei deroffensivärmsten Mannschaften der Liga trafen hier aufeinander, begleitet von der Leidenschaft ihrer leidgeprüften Fans, bis zum Strafraum lief es gut, danach verpuffte die Fähigkeit, die uns in der Rückrunde der letzten Saison zum Schreckgespent gemacht hatte.

Torlos in die Halbzeitpause

Kurz vor der Halbzeit wäre es dann beinahe wieder so weit gewesen, Vedad Ibisevic mit einem schönen Kopfball, doch Raphael Schäfer ist schnell abgetaucht und hatte ihn sicher. Das wärs gewesen, kurz vor der Pause jetzt noch ein Tor machen, nach der Pause nachlegen und den Rest mit Verwalten verbringen. Die ersten 45 Minuten neigten sich dem Ende, wirklich schön und ansehnlich war das Spiel bisher nicht wirklich.

Hacke-Spitze-Eins-Zwei-Drei können wir von unserem VfB ja aktuell nicht erwarten, vieles geht alleine über den Kampf und die Leidenschaft, die uns in Genk eine weitere Europapokal-Station einbrachte. Sekunden nach der Chance für unseren Bosnier wurde fürserste abgepfiffen, ohne Tore, ohne Nachspielzeit. Ohne jegliche Reaktion vom Publikum verschwanden beide Mannschaften in den Katakomben, die Kurve fand für ein paar Minuten zur Ruhe.

15 Minuten können einem manchmal wie eine Ewigkeit vorkommen. Ich warf mir noch ein paar Pillen ein, spülte alles mit Capri Sonne runter und hoffte, dass der VfB nach 90 Minuten als Sieger dastehen würde. Noch war alles offen, leider aber eben auch zu beiden Seiten. Wir hatten definitiv schwere Beine nach der Partie in Genk, wenn Nürnberg das Tempo angezogen hätte, wären unsere Probleme größer geworden.

Traoré ist zur Stelle

Der Glubb kam dann auch tatsächlich etwas frischer aus der Kabine, als es uns gelang, doch waren wir diejenigen, die jubeln durften, ohne im Abseits gestanden zu haben. Martin Harnik spielte sich frei, schloss vor Raphael Schäfer ab, der den Schuss aber blockieren konnte. Um den heran eilenden Ibrahima Traoré kümmerte sich kein Nürnberger, der mit einem satten Schuss das erste Tor des Spiels markierte, nur 5 Minuten nach dem Wiederanpfiff.

Das Glück war auf unserer Seite, nicht nur beim Tor selbst, sondern auch im direkten Gegenzug, das Handspiel von William Kvist im Strafraum hätte einen Elfmeter nach sich ziehen können, wenn nicht sogar müssen. Was man auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds kam mit bloßem Auge beurteilen konnte, sah auch der Schiedsrichter nicht, obwohl er direkt daneben stand. Doppeltes Glück für die Jungs im roten Brustring.

Ein wenig wusste das Tor natürlich schon die Gemüter zu beruhigen. Während die Kurve weiterhin bei Minustemperaturen für ihre Mannschaft sang und sprang, beobachtete ich das Treiben um mich herum. Per Anzeigetafel wurde man stets informiert über die Tore der anderen Spiele, mein Kumpel Dennis, glühender Bremen-Fan, ahnte schon vor dem Spiel gegen die Bayern das drohende Desaster. Der Ärmste!

Die Mutter aller Fußballweisheiten

Keine 5 Minuten nach dem Tor durch den kleinen Flummiball schon die nächste Chance, Vedad Ibisevic drosch nach toller Flanke von Christian Gentner den Ball nur knapp über die Latte. Unbegreiflich, wie dieser Schuss nur nicht im Tor sein konnte. Er hat wirklich aktuell mit einer Flaute zu kämpfen, er trifft momentan einfach nicht, oft mussten Ibrahima Traoré und Christian Gentner in den letzten Wochen einspringen.

Es entwickelte sich eine flotte zweite Halbzeit, weitaus unterhaltsamer als im ersten Durchgang. Lag es nur daran, dass der VfB führte? Vielleicht, es beruhigte ein wenig. Die fortwährenden Ballverluste des Nürnberger sorgten für gute und schnelle Kontermöglichkeiten, die unsere Jungs leider nicht nutzen konnten. Am Ende würden wir diesen Gelegenheiten noch schmerzhaft hinterher trauern.

So viele Möglichkeiten ungenutzt zu lassen, wird früher oder später bestraft, eine der ältesten und am häufigsten wahr gewordenen Fußballweisheiten. Mit der Auswechslung von Martin Harnik verlor der VfB irgendwie den roten Faden, sofern man das überhaupt so nennen kann. Tief eingeschnürt in die eigene Hälfte wackelte die knappe Führung bedächtig.

Ein Moment der Unachtsamkeit

Christian Molinaro, Raphael Holzhauser und Georg Niedermeier. Keiner von ihnen konnte den davon gelaufenen Markus Feulner nicht stoppen, ein Schuss reichte, der Ball war im Tor. Wo war eigentlich Sven Ulreich? Den Ball einfach mal mit einer Hand abwehren wollen, weils schlichtweg cooler aussieht oder was war los? Der Ball geht auf seine Kappe und kostete uns letztenendes den Sieg.

Es blieb das letzte Tor in dieser Partie. Der VfB warf zwar nochmal alles nach vorne, doch es sollte nicht sein. Das war die Bestrafung für die vielen liegen gelassenen Chancen. Die Nachspielzeit war bereits angebrochen, Handspiel im Strafraum, wenige Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit. Auch hier ertönte kein Pfiff. Wilde Proteste auf Seiten des VfB, die komplette Ersatzbank sprang auf, die Kurve flippte aus und konnte es nicht glauben.

Es blieb beim 1:1, das Spiel wurde abgepfiffen. Es war vorbei. Im Prinzip ist ein 1:1 zuhause gegen Nürnberg nicht unbedingt das Ende der Welt, doch wie bitter ist es, bedenkt man die Anzahl der teilweise richtig guten Gelegenheiten. Der VfB hatte es verpasst, das zweite und dritte Tor zu machen, die Möglichkeiten wären da gewesen. So trauern wir den Chancen hinterher, die die Jungs haben liegen lassen.

Fahrlässig hergeschenkt

Mit leicht hängenden Köpfen empfingen wir sie in der Kurve, deren Köpfe ebenfalls ein wenig in Richtung Boden zeigten. Chance vertan, so viele Male in einer Partie. Da hätte mehr bei rumkommen können, dessen war sich auch die Mannschaft bewusst, die nicht weniger untröstlich war als die geknickte Kurve. Wer mit diesem Unentschieden vollends zufrieden war, hat ein anderes Spiel gesehen.

Es hätte der nächste Befreiungsschlag werden können, so treten wir einfach nur auf der Stelle. Auf ein neues am nächsten Spieltag, eine Woche später geht es nach Leverkusen zum Angstgegner, oder vielmehr: zum Angststürmer. Schon alleine bei dem Namen „Stefan Kießling“ jagt es mir den Angstschweiß auf die Stirn.

Schon bald holte mich Felix ab. Für ihn ging der Abend weiter, Eröffnung einer neuen VfB-Szenekneipe, ich blieb daheim zum Bilder bearbeiten und Auskurieren. Ein paar Tage Ruhe, bis das nächste Spiel ansteht, DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Bochum. Meine Halsschmerzen wurden nicht besser, ab Sonntag war ich dann für gar nichts mehr zu gebrauchen. Mit einem Sieg könnte der VfB meiner Heilung etwas unter die Arme greifen.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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