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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

Zurück im Abstiegskampf

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Er tut weh. Dieser eine Moment, wenn du feststellst, dass all deine Hoffnungen vergebens waren und du dich dann doch wieder zurück im Abstiegskampf befindest. Dieser Augenblick, wenn du den Blick wieder nach unten richten musst und hoffst, nicht wieder das selbe wieder durchzumachen, was dich vor nicht einmal einem Jahr bereits so viele Nerven gekostet hatte. Er tut unheimlich weh. Nicht nur vorm VfB liegt in dieser Saison noch ein weiter Weg zum Klassenerhalt, auch vor mir persönlich. Ohne es zu wollen, bringt mich eine solche Niederlage wie diese gedanklich dorthin, wo ich nie wieder sein wollte: nach Paderborn. Sinnbild der blanken Angst, wenn das Ende nah ist.

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Ich kann nicht einmal mehr sagen, was ich wirklich von dieser Partie erwartet hatte. War es die verkappte Hoffnung, gegen den ewigen Angstgegner in seinem schwächsten Zustand seit langer Zeit zu gewinnen? Nicht wenige hatten Punkte gegen die Werkself ohnehin nicht eingeplant, unter normalen Umstände hätte ich das auch nicht. Doch was sind schon normale Zustände, wenn du nichts mehr willst als einfach nur den rechnerischen Klassenerhalt, genug Abstand zu den Abstiegsrängen und dem Wissen, die letzten zwei oder gar drei Spieltage ganz entspannt ohne Anspannung beobachten zu dürfen.

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Wie sehr sehne ich mich danach, nach diesem Moment, wenn dir die Anderen schlicht und ergreifend egal sein können. Wir alle befassen uns unweigerlich mit dem Gedanken, was passieren würde, wenn der VfB es nicht schafft, rechtzeitig die notwendigen Punkte beisammen zu haben und sich von anderen Vereinen überholen zu lassen, doch unterscheiden wir uns durch die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Die meisten tragen es mit Fassung, Geduld und Optimismus, sie sagen, es wird alles gut werden. Und dann gibt es noch mich.

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Es wird eng

Nicht wenige lesen diese Zeilen nicht einmal. Seien es an manchen Spieltagen treue Leser, die Zeile für Zeile mit einem Lächeln auf den Lippen verschlingen und sich dabei zurückversetzt fühlen in diese süße Erinnerung des Stadions. Einige von ihnen lehnen es an solchen Tagen ab. Sie sind es leid, nach Niederlagen jedweder Art in jenen Spielberichten von der Abstiegsangst zu lesen, die mich seit Jahren begleitet. Hin und wieder bin ich es gar selbst leid, am Tag danach an meinem heimischen Rechner zu sitzen, tief durchzuatmen und über etwas zu schreiben, was mich bereits genug Nerven gekostet hat.

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Für die Meisten ist der Stadionbesuch vorbei, sobald man den Block verlässt, oder wenn man danach heimkommt, spätestens am nächsten Tag richten viele ihren Blick auf das, was vor ihnen liegt. Dann sitze ich hier, schaue mir die Spiele noch einmal an, kippe mir Salz in die Wunde und bin mir sehr wohl bewusst, dass ich mich über mein selbst erwähltes Schicksal zu keiner Zeit beschweren dürfte. Es steht mir frei, das Schreiben sein zu lassen und meine Zeit mit anderen Dingen zu füllen, schönen Dingen, die mir Kraft verleihen und Freude bereiten. Diese Zeilen gehören jedoch dazu, zu jedem einzelnen Spiel, das es seine ganz eigene Weise zu verarbeiten gilt.

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Der Frust wiegt schwer am Abend danach. Schlecht hatte ich geschlafen, teilweise wegen meiner Erkältung, den Rest erledigte die Enttäuschung über ein weiteres Spiel, das man nicht zum Klassenerhalt nutzen konnte. Viel besser war meine Laune am nächsten Morgen auch nicht, wurde mir doch bewusst, dass dies kein Alptraum war, der Bundesligaspieltag unwiederbringlich vorüber war und der VfB die Punkte nun woanders holen muss. Die Optimisten unter uns wissen genau, dass wir diese noch holen werden. Daran würde ich zu gerne glauben, stattdessen denke ich nur an das, was schlimmstenfalls eintreten könnte. Ob das realistisch ist oder nicht, ist in meinem Kopf nicht immer klar trennbar.

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Wie geht es nun weiter?

Lustlos. Emotionslos. Kraftlos. Man hätte fast meinen können, die Mannschaften hätten ihre Körper getauscht. Die eine Mannschaft im Aufwind, die sich selbst gefunden hat und nun alles daran setzt, so viel Versäumtes aus der Hinrunde wieder wettzumachen. Und die andere Mannschaft, die sang- und klanglos aus der Europa League ausschied, die keine wirkliche Einheit bildet und deren Trainer auf der Kippe steht. Vielleicht war es genau das, was mich glauben ließ, wir hätten eine Chance in einem Spiel, in dem ich nichts lieber sehen wollte als Wiedergutmachung für jene schmerzhafte Erfahrung aus dem Hinspiel. Ich sollte mich irren.

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Irgendwie hatte ich gedacht, das würde alles anders laufen. Ich hatte so gehofft, wir hätten die letzten drei bis sechs Punkte schnell beisammen, wären damit unabhängig von der Konkurrenz und könnten uns ein wenig zurücklehnen, zumindest wir Fans. Daraus wird wahrscheinlich nichts, und angesichts dieser Tatsache, fällt es mir an diesem Abend nur umso schwerer, darüber zu schreiben. Bis diese Zeilen fertig sind, werden weit mehr als 48 Stunden vergangen sein, doch ahne ich schon jetzt, dass mein Frust danach noch immer groß sein wird.

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In meinem Umfeld höre ich immer wieder die Aussage „Dann schlagen wir halt Darmstadt“, was ein nicht ungefährliches Unterfangen sein dürfte. Andererseits: ich hatte auch nach den beiden schmerzhaften Niederlagen gegen Hannover und Gladbach nicht mit einem Sieg gegen Hoffenheim gerechnet, erst recht nicht in dieser durchaus beeindruckenden Höhe. Sollte mir das nicht Hoffnung genug geben, dass in Darmstadt alles aus Anfang steht und ich darauf vertrauen sollte, dass die Mannschaft ihren Elan, ihre Leidenschaft und ihren Kampfgeist bis dahin wiederfindet? Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so einfach ist.

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Immer wieder Stefan Kießling

Wie unsere Statistik gegen Leverkusen aussieht, ist mir schmerzlich bewusst. An einen einzigen Heimsieg kann ich mich erinnern, datiert aus dem April 2010 war es das einzige wirkliche Erfolgserlebnis gegen die Werkself. Wieviele Tore Stefan Kießling seit diesem Tag alleine schon gegen uns geschossen hat, ich traue mich nicht, es nachzuzählen. Zu viele davon entschieden bittere Partien, an deren Ende wir meist wie begossene Pudel dastanden. Und doch hoffte ich. Warum auch nicht, ist mir doch herzlich egal, gegen wen der VfB die letzten verbleibenden Punkte für den Klassenerhalt holt.

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Diese Rechnung hatten wir ohne Bayer gemacht – und auch ohne unsere eigenen Erfahrungswerte, wie schnell sich beim VfB der Schlendrian einschleicht, wenn sie bewusst oder unterbewusst glauben, ein leichtes Spiel zu haben. Über Generationen hinweg, möchte man fast sagen, seit ich zum VfB ins Stadion komme, lässt er vermissen, konsequent und bemüht über mehrere Wochen und gar Monate sein Ding durchzuziehen.

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Es ist immer das selbe Schema: fühlt er sich nach ein paar Erfolgserlebnissen vermeintlich sicher, verliert er. Dass er danach immer wieder beweist, dass nicht jeder Niederlage der Beginn einer neuen schlimmen Serie des Grauens sein muss, wissen wir. Und doch bruddeln wir. Weil wir es so gut können. Und weil uns der VfB immer wieder Grund dazu gibt. Für manch einen ist es eben schwer, die Ruhe zu bewahren, wenn man das Gefühl hat, es ginge steil bergab, sei es auch irrational. Zu diesen welchen zähle ich mich auch.

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Chance und Fluch zugleich

Richtig schlecht waren die Spielergebnisse der Konkurrenz nicht, wenngleich sie hätten etwas besser laufen können. Doch was bringt schon das frühe Schielen auf andere, wenn man die Punkte nicht selbst holt? Alle anderen Ergebnisse würden keinerlei Nutzen bringen, wenn es der VfB versäumt, rechtzeitig zu punkten und uns einen weiteren Nervenkrieg zu ersparen. Zu befürchten war es auf jedem Fall, doch gab sich das Umfeld trotz allem zuversichtlich. Und ich? Ich schwankte wie fast immer zwischen Hoffnung und Furcht, so wie ich das immer zu tun pflege, unabhängig davon, welche Emotionen angebracht sind.

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Das Frühlingswetter zeigte sich von seiner besten Seite, als wir uns am Sonntagnachmittag in Bewegung setzten. Meiner Jacke und meines Schals entledigte ich mich schnell, krempelte die Ärmel meines Pullis nach oben und begrüßte, wenn auch noch verschnupft und erkältet, lieb gewonnene Freunde und Bekannte, darunter auch Kumpel Eric, der mit seiner Mutter aus den neuen Bundesländern angereist war, ein Stück heimatlicher Sprachgebrauch bringt mir ein kleines bisschen das Heimweh ins Ländle.

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Sehr viele Gästefans waren an diesem herrlichen Samstagnachmittag nicht angereist, doch waren es nie besonders viele, die der Werkself bis nach Stuttgart hinterher gereist waren. Mit Rachegelüsten im Kopf stieg ich ein weiteres Mal die Treppenstufen hinunter, lächelte zunächst ganz milde, bevor jene düstere Erinnerung in meinen Kopf zurückkehrte, die als eine der bittersten Niederlagen der Hinrunde gilt, und von denen gab es bekanntermaßen eine ganze Menge. Zwei Mal mit zwei Toren geführt, am Ende knapp verloren, wie sehr würde ich mir wünschen, diese Scharte auszuwetzen und sie durch eine andere, eine sehr viel schönere Erinnerung zu ersetzen.

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Alleine gegen den Angstgegner

Die restlichen Minuten vergingen zügig, die kurzweilige Gesellschaft meiner Freunde Eric und Isabel machten die Wartezeit erträglich. Es gab bereits härtere Zeiten in Stuttgart, da zeigte man der eigenen Mannschaft bereits beim Aufwärmen wilde Gesten, hin und wieder begleitet von Transparenten, die ihnen zeigen sollten, was wir von ihren sportlichen Leistungen halten. Im Vergleich zu manch anderer Saison sind es fast schon erholsame Zeiten, die wir hier bei frühlingshaften Temperaturen genießen durften. Platz elf lies sich schon einmal nicht schlecht, doch wie wenige Punkte Abstand nur nach unten waren, verriet erst der zweite Blick auf die Tabelle. Es galt, den Angstgegner zu bezwingen – es könnte leichtere Aufgaben geben.

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Ein weiß-rotes Fahnenmeer um mich herum, gewohnte Klänge, bekannte Lieder, vertraute Gesichter und das wohlige Gefühl, Zuhause zu sein. Der Ball rollte, die Kamera klickte und die Kurve sang, das 14. Heimspiel der Saison hatte begonnen, an dessen Ende wir hoffentlich den siebten Heimsieg feiern dürften. Leider hatte da die Werkself noch mitzureden, sei sie auch mit einer Notbesetzung angereist und froh gewesen, überhaupt elf Spieler zusammenbekommen zu haben.

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An viel vermag ich mich nicht mehr zu erinnern, was vorgefallen war. Nicht, weil ich es nicht kann, sondern weil ich es nicht will und ich weder die Kraft, noch die Lust und auch nicht die Zeit habe, mir das komplette Spiel noch einmal anzusehen. Doch erinnere ich mich an die erste Gelegenheit, die sich uns im Spiel bot, Filip Kostic war ein weiteres Mal durchgestartet, doch mündete es nicht in dem frühen Tor, was wir uns so gewünscht hatten. Es blieb eine der wenigen Möglichkeiten in dieser Partie, denn was mit Hoffnung und Zuversicht begann, mündete recht schnell in den entsetzten Blicken der Cannstatter Kurve.

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Frühe Ernüchterung

Nur elf Minuten hatte es gedauert, bis die paar wenigen Gäste in der anderen Ecke des Stadions jubelten. Stefan Kießling, der ewige Alptraum eines jeden Stuttgarters, mit seiner Flanke auf Karim Bellarabi, Stellungsfehler in der Abwehr und Julian Brandt markierte das frühe 0:1. Er hatte gesehen, wie weit Przemyslaw Tyton vor seinem Tor stand und dass Daniel Schwaab den Laufweg des 19-jährigen nicht zugestellt hatte – wer so fahrlässig verteidigt, braucht sich nicht wundern, gegen eine der formschwächsten Mannschaften der Liga die frühe Quittung zu bekommen.

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Doch wie war das zuletzt denn mit Rückständen? Diese hatte der VfB in den letzten Wochen teilweise bravourös weggesteckt. Wo in der Hinrunde ein Spiel noch als sofort verloren galt, wenn der Gegner zuerst einnetzte, so bedeutete dies zuletzt nicht zwangsläufig die Niederlage, ein vermeintlich gutes Omen. Warum also nicht ausgleichen, die Leverkusener völlig verunsichern und mit ein paar gezielten Vorstößen und dem einen oder anderen cleveren Konter doch noch die Werkself niederringen? Warum eigentlich nicht?

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Gelingen wollte der Ausgleich nicht. Was sich mir im Stadion noch als gefühlt recht bemüht darstellte, ist in der Nachbetrachtung um einiges nüchterner geworden. Mutlos rannten sie Leverkusen hinterher, mussten gar dankbar sein, nicht noch mit einem höheren Rückstand in die Halbzeitpause zu gehen. Was sie gegen Hoffenheim noch auf beeindruckende Art und Weise ausgezeichnet hatte, viel war davon nicht mehr zu sehen, oder gelinde gesagt: nichts mehr.

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Die Hoffnung auf den Seitenwechsel

Aber warum war das so? Hatten sie vergessen, – drei Euro ins Phrasenschwein – wo sie herkommen? Hatten sie verdrängt, dass sie schon noch ein paar Punkte brauchen, um uns ein zweites Paderborn zu ersparen? Hatten sie unterschätzt, wieviel Kraft und Konzentration es bedarf, um auch gegen eine vermeintlich angeschlagene Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte zu bestehen? Was hatten die Spieler denn erwartet, etwa dass es ein Selbstläufer werden würde? Ich weiß es nicht, und die Mannschaft vermutlich auch nicht.

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Ganz chancenlos war der VfB keinesfalls, doch schadete er sich selbst durch haarsträubende Fehler im Spielaufbau und vor allem durch die Vielzahl an Fehlpässen. Schon in der ersten Halbzeit schien es so, als würde sich die Darbietung auf dem Rasen auf diese treue weiß-rote Kurve übertragen. Im Spiel der Mannschaft wollte nichts so recht gelingen und in der Kurve wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Wir haben doch schon so viel grausamere und schmerzhaftere Spiele gesehen, während wir trotz allem unsere Stimmen erhoben hatten. Die Versuche der Vorschreier verpufften im Nichts und hinterlassen nicht nur bei uns selbst viele Fragezeichen.

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Mit dem 0:1-Rückstand ging es in die Halbzeitpause und es blieb zu hoffen, dass Jürgen Kramny die richtigen Worte finden würde, die auch auf Schalke ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Das muss nichts heißen, meinte auch mein Kumpel Sascha, der sich in der Pause an mir vorbeidrückte und ohne jede Ironie meinte, er würde noch glauben und hoffen, und gab einen Tipp von 3:1 ab. Wie gerne ich gewollte hätte, dass er auch dieses Mal Recht behalten würde, so sah ich mich hustend und röchelnd nach dem Seitenwechsel eines besseren belehrt.

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Zu viele Fehler

Sie schienen müde zu sein, dabei waren es die Gäste, die ein internationales Spiel unter der Woche in den Knochen hatten und der VfB ja so viel mehr Zeit zur Regeneration hatte. Verstehen kann ich nicht, was hier passierte, während es für viele nicht überraschend kam. Vielleicht hätten wir das Spiel auch so verloren, jene Worte schrieb ich auch über die elende Pein des Hinspiels, doch wie kraftlos sich unsere zuletzt oft so leidenschaftlich aufbrausende Mannschaft in ihr Schicksal ergab, war schlichtweg nicht zu fassen.

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Keiner störte den 0:1-Torschützen Julian Brandt, der mit dem Ball beinahe seelenruhig über das komplette Spielfeld rennen konnte, bevor er den auf rechts allen Verteidigern enteilten Karim Bellarabi bedienen konnte, das 0:2 war nur noch Formsache. Wieder einmal ein einfaches Gegentor, das mit mehr Einsatz im Mittelfeld und vor allem mehr Konzentration in der Abwehr so nie und nimmer hätte fallen dürfen. Doch was weiß ich schon von Spielzügen, ich bin ja nur ein emotional durchgeknallter Fan, der in der Kurve steht und nur den Kopf schütteln kann über das, was er selbst nicht versteht.

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War es an diesem doch eigentlich so angenehmen Fußballnachmittag ohnehin nicht sehr laut in der Kurve, das zweite Gegentor kurz nach dem Seitenwechsel ließ auch die letzten Stimmen verstummen. Viele Plätze der 54.522 Zuschauer blieben fortan leer, nicht wenige werden das gekühlte Bier an den Imbissständen oder den Logen bevorzugt haben. Und ganz ehrlich? Ein bisschen kann ich sie ja schon vergehen, angesichts dieses durchaus blutleeren Auftritts, der nichts mit dem VfB zu tun hatte, der uns zuletzt viel Freude bereitet hatte.

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Noch gut bedient

Ist es nicht frustrierend, dass wir uns im Nachgang eigentlich fast schon bedanken müssten, dass unsere Tordifferenz nur um zwei Tore schlechter geworden ist? Dass es hätte viel schlimmer kommen können, nahm ich im Stadion nicht einmal so richtig wahr, ich hatte drei Pfostentreffer, davon zwei nach einer gespielten Stunde, nicht richtig sehen können. Im Hier und Jetzt schwieg ich wie die meisten in meinem Block, schüttelte langsam den Kopf und versuchte mit meinen Augen etwas zu erblicken, was mir Hoffnung machen konnte, doch finden konnte ich rein gar nichts. Noch nichts.

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Eine Viertelstunde vor Schluss schien ihnen eingefallen zu sein, was in Ingolstadt passiert ist. Auch da lag man scheinbar hoffnungslos mit zwei Toren hinten und spielte am Ende noch Unentschieden, das alleine sollte doch Mut geben. Von der Vorstellung, es der Werkself ebenso dreckig heimzuzahlen wie im Hinspiel, verabschiedete ich mich jedoch schnell, aber ja, es hätte mir gefallen, nach einem 0:2 in den letzten zehn Minuten noch drei Tore zu schießen. Dieser bittersüße Geschmack der Rache, ich weiß, wie er schmeckt, doch würde ich nicht in den Genuss kommen. Zu viele Fehler ließen mich nicht annehmen, am Ende des Tages „Paradise City“ hören zu dürfen.

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Alexandru Maxim und seine sehenswerten Seitfallzieher, wie schon auf Schalke kann ich mich nur im Nachgang fragen, welchen Verlauf die Partie noch hätte nehmen können. Alles hinfällig, denn gelingen wollte es auch in diesem Spiel nicht. Die letzten Minuten zogen sich wie ein Kaugummi, nicht einmal eine geringe Nachspielzeit und ein schneller Abpfiff von Daniel Siebert war uns gegönnt, man schien uns geradezu bestrafen zu wollen. Die ersten Pfiffe mischten sich unter das kollektive Raunen, das das Ende der Partie mit sich gebracht hatte.

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Unfreiwilliges Umdenken

Ihren Applaus von der Cannstatter Kurve bekamen sie trotzdem, doch war er verhaltener, zaghafter, mahnender. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, einen weiten Sprung in der Tabelle zu machen und sich von den Konkurrenten weitgehend unabhängig zu machen, immer dann versagen die Nerven. Aber hatte dies wirklich mit den Nerven zu tun? Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, warum die Mannschaft hier nicht mehr investierte, um uns Fans den Sieg zu schenken und uns damit des Nachts ruhig schlafen zu lassen. Unverrichteter Dinge zogen wir von dannen, enttäuscht, frustriert und zum ersten Mal seit ein paar Wochen auch mit diesem beklemmenden Gefühl der Frage „Was ist, wenns nicht reicht?“.

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Lange blieb ich noch auf, bummelte vor mich hin mit der Sichtung und Aufbereitung von insgesamt 713 Fotos und fragte mich doch am Ende nur eins: wie kann es mir vor allem selbst gelingen, gelassen mit dieser unfreiwillig unheimlichen Situation umzugehen? Es fehlt an persönlicher Gelassenheit, darauf zu vertrauen, dass noch 21 Punkte in den letzten sieben Spielen zu vergeben sind, wovon jedoch die Spiele gegen Dortmund, Bayern und Wolfsburg nicht einkalkuliert werden dürfen. So ist der VfB nun fast schon zum Siegen verdammt – eine äußerst undankbare Situation, mit der ich nicht so recht umzugehen vermag.

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Ja, was ist, wenns nicht reicht? Immer und immer wieder stelle ich mir diese Frage. Die Antwort daraus ist simpel und furchteinflößend, wissen wir doch alle genau, was mit den Vereinen passiert, die am Ende der Saison zu wenige Punkte geholt haben. Schwere Wochen stehen uns noch bevor, es verängstigt mich und lässt mich nur flehentlich hoffen, dass es bald ein gutes Ende hat. Noch einmal bis zum letzten Spieltag zittern will und kann ich auch nicht. Und doch ist am Ende nichts weiter als „nur Fußball“. Manchmal vergesse ich das.

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Autor: Ute

31 Jahre, gebürtig aus Leipzig, seit 2010 wohnhaft in Stuttgart - Bad Cannstatt. Dauerkartenbesitzerin, Mitglied, Allesfahrerin und Fotografin für vfb-bilder.de. Aus Liebe zum VfB Stuttgart berichte ich hier von meinen Erlebnissen – im Stadion und Abseits davon. Mehr über mich

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