Totenstarre. Totenstille. Totenblässe. Es fühlte sich an wie der Tod, der Tod in der 1. Liga. Jeder wusste, was dieses Ergebnis zu bedeuten hatte. So gibt man 3 wichtige Punkte aus der Hand, so unverständlich, so enttäuschend, so beängstigend in so ziemlich jeder Hinsicht, die man sich nur vorstellen konnte. Die Geschichte eines Spiels, das alles hatte: Schneller Rückstand, unerwarteter Ausgleich, bejubeltes Führungstor, erneuter Ausgleich und zwei weitere Tore für den Gegner. Nur keine weiteren Punkte. Es wird eng werden am Ende. Samstag, 18:30 Uhr, besser als die Sonntagsspiele, aber dennoch kann man sich schönere Uhrzeiten vorstellen, zumal wir danach noch zu einem Geburtstag in Waiblingen eingeladen waren. Der Frühling hat Einzug gehalten, mit teilweise schon sommerlichen Temperaturen. In der Sonne knackig heiß, im Schatten dennoch recht frisch, eine gute Idee, die Jacke dennoch mitzunehmen. Es war alles bereit für einen schönen Fußballnachmittag, an dessen Ende ich gern einen Sieg…
Grundsätzlich gibt es 3 verschiedene Arten von Unentschieden: das, was sich wie ein Sieg einfühlt und für pure Freude sorgt (Wolfsburg), jenes das dir das Gefühl der Niederlage gibt (Hoffenheim) oder eben auch solche, für die du letztendlich dankbar bist, wenn du weißt, dass es viel schlimmer hätte kommen können. So geschehen im meist verregneten Bremen an der Weser. Mit ungewöhnlich gnädigem Sonnenschein, der mir den ersten Sonnenbrand des Jahres auf die Haut brachte. Noch sind die Ängste vor dem Abstieg in Stuttgart und Umgebung allgegenwärtig. Seit einigen Wochen schon schenkt uns die Mannschaft wieder regelmäßig wieder mindestens einen Punkt, und wir wissen alle, dass auch nur ein einziger Punkt am Ende entscheidend sein kann. Unseren Weg ebnet ein Spielplan, der uns alle derzeitigen direkten Abstiegskonkurrenten vor die Nase setzt. Frankfurt, Wolfsburg, St. Pauli und nun Werder Bremen. Das Punktekonto wird stetig gefüllt, doch die Art und Weise, wie dies…
Nach dem Heimspiel gegen Wolfsburg, welches durch Niedermeiers Tor im letzten Augenblick noch mit 1:1 beendet wurde, blieb die Untertürkheimer Kurve nach Spielende geöffnet, wo einen sonst die Ordner recht zeitnah an die freie Luft setzen. Viele kamen, um die Sichtwinkel für die neue Cannstatter Kurve zu testen und Ihre Stimmzettel schon abzugeben. Da waren auch wir nicht weit. Es war schön, sich im Stadion frei bewegen zu können, vom Unterrang zum Oberrang, von links an der Gegentribüne bis rechts zur Haupttribüne, mal quer über die Sitzreihen, mal gemütlich sitzend. Knapp eine Stunde verblieben wir im Neckarstadion, bis es uns wieder heimwärts zog. Mit vielen Impressionen versteht sich, die ich euch nicht vorenthalten möchte.
Im Oktober 2010 warf ich den vorerst letzten Blick auf meine Heimatstadt Leipzig – durch den Rückspiegel des Umzugstransporters, der ein letztes Mal bis unters Dach gefüllt war, die letzte von drei großen Umzugstouren. Es war das letzte Mal, das ich auf ostdeutschem Gebiet stand. Viele Monate hat es gedauert, bis ich wieder dorthin zurückkehrte, wo ich meine Eltern und meinen Bruder sowie einige Freunde, die in Leipzig geblieben sind, zurückgelassen habe für mein neues Leben in Stuttgart. Ein Wiedersehen mit der Vergangenheit, etwas Wehmut war dabei, aber auch erneut die Bestätigung, dass ich alles richtig gemacht hatte. Zuhause ist, wo das Herz ist. Nach einem schönen Wochenende mit Klassentreffen (Jahrgang 2002, wenig spektakulär mit dem Wissen, dass dieses Treffen jedes Jahr statt findet. Weiterhin wurden alte Freunde besucht und Zeit mit der Familie verbracht, Entspannung pur, keine Spur von Stress. Das alles war nur machbar durch das letzte Sonntagsspiel…

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